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Belletristik
Buch Leseprobe GRANDMA, inhonorus
inhonorus

GRANDMA



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Dienstag, 2. April 2013


 


Die unzähligen Qualen, die in all den Jahren in dem alten Haus erlitten worden waren, waren allgegenwärtig. Aus jeder der Ecken grinste den Bewohnern höllische Pein höhnisch ins Gesicht. Sie hatte sich in die Seelen der Bewohner gefressen, wie Dutzende kleine Maden, die sich durch einen blutigen, geschundenen Kadaver fraßen. Sie hatte ihr Innenleben zerfetzt und vernarbt.


Die erdrückend schweren betagten Holzmöbel, der ausgeblichene braune Holzboden, die alten Stofffetzen, die vor den Fenstern hingen und der ganze andere Kram erdrückten einen nicht nur und raubten einem den Atem, sondern schienen zudem die Zeit in den trostlosen vier Wänden gefangen zu halten.


Düster waren die Räume. Düster und alt. Es roch nach Staub, altem Holz und Leder. Das diffuse Licht tanzte auf den abgenutzten Puppen, die im Regal standen und gequält in den Raum starrten. Sie unterschieden sich lediglich darin, dass ihnen unterschiedlichste Gliedmaßen fehlten, der einen oder anderen auch mal ein Auge, einer sogar der halbe Kopf, der irgendwann mal zersplittert war, doch gequält und geschunden sahen sie alle aus. So gequält und geschunden wie ihre Besitzer.


Der Regen prasselte leicht gegen die Fensterscheiben. Synchron trommelte es durch die ansonsten stillen Zimmer. Die aufgedunsenen dunklen Wolkenberge über dem Haus schienen die Trostlosigkeit im Innern des alten Hauses noch zu verstärken.


Die großen Bäume des angrenzenden Waldes bogen sich unter den Windstößen wie kleine Grashalme im Windspiel. Ein kleiner Lichtblick in Form von Kindergelächter zog durch die ausgebluteten Räume. Ein kleiner hoffnungsvoller Funken, der genauso schnell wieder verblasste, wie er entfacht worden war.


Die beiden Jungs, nicht älter als dreizehn oder vierzehn, saßen auf den zertretenen Teppichfetzen, umgeben von farblosen Bällen und alten Holzsoldaten. Ein Metallpanzer hatte sein Kanonenrohr und seine Kette verloren, die irgendwo herumliegen mussten.


Einer der Jungen, in einem ärmellosen Slayer-Shirt, rammte ein scharfes Messer durch den Rücken eines Stofftieres.


»Was tust du?«, fragte sein Bruder. Er hatte sich aus einem weißen Mehlsack eine Maske gebastelt. Augen und Mund waren ausgeschnitten. Eine rote Papierzunge klebte am unteren Mundwinkel und verlieh der Maske das Aussehen eines verrückten Clowns.


»Was tust du?«, fragte er kreischend und grunzte wild. Dabei zog er behinderte Grimassen und rutschte unruhig auf der Stelle herum.


»Ich will schauen wie das Kack-Vieh von innen aussieht«, antwortete sein Bruder kalt und rammte das Messer ein weiteres Mal in den Rücken des Stofftieres.


Nun griff der maskierte Junge nach dem zweiten scharfen Messer, welches schon die ganze Zeit neben ihm gelegen hatte. Er betrachtete die todbringende funkelnde Klinge. Sie sah so rein, so vollkommen aus und versprach dabei so viel Leid und Elend.


»Nicht so cool wie der Vogel«, drangen die Worte verträumt unter der Maske hervor.


»Ja«, grinste sein Bruder böse. »Das war blutig und ekelig.«


»Ja, das war voll cool!«


»Aber nicht so cool wie der Hase und die Axt«, korrigierte ihn sein Bruder im Slayer-Shirt.


»Sollen wir Soldaten spielen?«, fragte der maskierte Junge.


»Nein, keinen Bock!«


»Dann spiel ich allein, du Wichser.«


Er nahm eine Handvoll Holzsoldaten und warf sie kreischend in die Luft. Dabei nahm er eine weitere, recht verbogene, fast schon spastische Körperhaltung ein und grinste.


»Fallschirmspringen!« Er lachte, während die Holzsoldaten auf den Boden purzelten. »Jetzt seid ihr Matsche!«


Seinen Bruder interessierte dies wenig. Seine volle Aufmerksamkeit galt den Stofftieren. Mit größter Sorgfalt schnitt er den Bauch des Stofftieres auf, kramte gelangweilt das Innenleben heraus und, als ob dies seiner Laune nicht genügte, sägte die einzelnen Pfoten des Stofftieres ab.


»Kack-Vieh!«, raunte er gelangweilt und gefühlskalt.


Die alte Holztreppe, die zu den oberen Räumen führte, knarrte erschreckend laut. Wie ein böses Omen, wie ein Bote, der vor etwas Grässlichem warnte, hallte das Knacken der Holzstufen durch die Zimmer. Bedrohliche Stille setzte ein. Es knackte ein weiteres Mal. Und ein weiteres Mal. Jemand schleppte sich die Treppe herunter. Die Jungs zuckten zusammen und auch wenn sie es nicht zugegeben hätten, verspürten sie urplötzlich Angst. Sie starrten einander achtsam aus geweiteten Augen an.


»Ihr verdammten Bengel habt versagt! Sie ist weg und das ist allein eure Schuld«, keifte Elenor, als sie in den Raum stampfte. Ihr Erscheinungsbild war für die Jungs mehr als angsteinflößend. Sie war groß und stämmig – rüstig würde man sagen. Ihrem Blick wohnte stets eine Mischung aus purer Kälte und tiefer Aggression inne. Verbittert, aber sehr viel böser als einfach nur verbittert. Ihre Augen waren ziemlich kalt. Kalt, wie ihr langes, graues, leicht zerzaustes Haar. Kalt, wie ihre ziemlich blasse, faltige Haut. Kalt, wie ihre monotone alte Kleidung. Furchen. Erschreckend tiefe Furchen rundeten den Gesamteindruck einer zutiefst gekränkten, vom Leben enttäuschten Frau ab, die nichts weiter kannte als Schmerz und Enttäuschung. 


Sie marschierte schwerfällig auf die Jungs zu und verpasste beiden einen kräftigen Schlag gegen den Kopf. Ausdruckslos nahmen die Kinder den Hieb in Kauf. Sie wussten, dass so ein einfacher Klaps im Vergleich zu den anderen Dingen, die ihnen schon widerfahren waren, eigentlich nicht der Rede wert war.


»Scheißkinder!«, schrie sie wütend.


Der Junge im Slayer-Shirt ließ sein Messer auf den Boden fallen und verfolgte mit ausdruckslosen Augen die ausgeblichenen Muster des Teppichs. Sein Bruder jedoch, in seiner surrealen Clownsmaske, stand auf. Stellte sich vor Elenor. Hielt das Messer fest umschlossen.


»Und was jetzt, du kleiner Scheißer?«, fragte Elenor trocken. »Willst du mich abstechen wie ein räudiges Schwein?«


Seine Augen, die aus dem Mehlsack hervortraten, funkelten wütend. Er schien innerlich zu explodieren. Blitzschnell griff Elenor nach dem schmutzigen Spaten, der am Sessel lehnte, und schlug ihm damit kraftvoll gegen den Arm, ehe er reagieren konnte. Der Junge zuckte schmerzerfüllt zusammen. Stöhnte grässlich. Krümmte sich. Ließ das Messer fallen.


Grandma setzte sich seelenruhig in den Sessel. »Kommt her, Jungs«, forderte sie. »Setzt euch zu mir auf den Boden. Nun kommt endlich!«


Die Jungs gehorchten und setzten sich widerwillig vor Elenor hin.


»Wisst ihr«, holte sie aus, den Spaten fest umschlossen, »das Problem bei der ganzen Sache ist der Mensch. Das habt ihr hoffentlich schon kapiert. All das Leid, all die Schmerzen und Qualen, all die Tränen. Einfach alles hat der Mensch verschuldet. Eure kindlichen Spatzenhirne haben überhaupt keine Vorstellung davon, wozu der Mensch fähig ist. Gar keine!« Grandma hielt kurz inne. »Ich muss euch vom ›Jungle Rot‹ erzählen. Vor etlichen Jahren führte Amerika Krieg gegen Vietnam. Es war Ende der Sechziger-, Anfang der Siebzigerjahre. In Zeiten dieser ganzen Love-is-all-around-Scheiße, der Studentenbewegung und der langhaarigen Hippie-Schwuchteln. Nun ist Vietnam nichts weiter als ein beschissenes Drecksloch voller Sümpfe und Gestrüpp, so dass die amerikanischen Soldaten teils stundenlang in ihren Stiefeln durch das Wasser ziehen mussten. Wenn jedoch ein Fuß so lange Zeit Nässe und Feuchtigkeit ausgesetzt ist, dann fault er. Und das ist diesen armen Hurensöhnen zum Verhängnis geworden. Ihnen sind sprichwörtlich die Füße unterm Arsch weggefault. Diese Soldaten litten unter tierischen Schmerzen und ihren Kameraden blieb nichts weiter übrig, als ihren Brüdern mit Machete, Messer oder weiß der Geier womit noch, die Füße abzusägen. Teils bei vollem Bewusstsein.« Elenor hielt ein weiteres Mal inne und sah gedankenversunken aus und die Jungs hingen fasziniert an ihren Lippen. »So war das. Man hat ihnen die Füße abgeschnitten, ob sie wollten oder nicht.« Sie stoppte ein weiteres Mal. »Wisst ihr, was sie mit ihren gefangenen Feinden gemacht haben?«


Die Jungs verneinten kopfschüttelnd.


»Eigentlich ist es Ehrensache, einem Gefangenen von hinten in den Kopf zu schießen, doch bei den Amis wurde nach Jahren des Krieges die Munition knapp, so sagt man jedenfalls. Ich jedoch glaube, dass den Amis die Patrone einfach zu wertvoll war, um sie einfach nur einem der Schlitzaugen in den Kopf zu jagen, da hätten sie die Patrone gleich in einen der unzähligen Sümpfe schmeißen können. Jedenfalls fesselten sie ihre Feinde. Traten sie zu Boden und schlugen ihnen mit so einem Spaten wie diesem hier«, Elenor hob die schmutzige Gartengerätschaft nach oben, »den Kopf ab. Das war gewiss eine Sauerei, aber es war wesentlich günstiger, den Schädel eines Vietnam-Bastards abzuschlagen, als ihm eine Kugel in seine blöde Birne zu ballern. Das Problem ist wahrlich der Mensch und er vermehrt sich so rasant wie Ungeziefer. Ungeziefer muss man ausrotten.« Elenor hielt erneut inne. »Und die Krankheit Mensch ebenfalls.« Dann schlug sie ihrem Enkel blitzschnell mit dem Spaten gegen den maskierten Kopf. Stöhnend ging der kleine Junge zu Boden.


»Du kleiner Scheißer!«, schrie Grandma und schlug ihm das schwere schmutzige Ding ins Genick. Der Junge zuckte spastisch und krümmte sich vor Schmerzen. Er schrie qualvoll. Sie hieb kraftvoll ein weiteres Mal das Spatenblatt in seinen Nacken. Der weiße Mehlsack verfärbte sich blutrot. Grandma schlug weiter zu. Sein Bruder betrachtete das Szenario emotionslos, ohne Regung oder auch nur mit der Wimper zu zucken. 


Roter Lebenssaft sickerte in den Teppich. Es knackte furchteinflößend. Das Spatenblatt durchtrennte wuchtvoll Adern, Venen und zerschmetterte Knochen. Blut spritzte. Sein kleiner Körper hörte auf zu zucken.          


Nach Dutzenden Schlägen hatte sie den maskierten Kopf des Jungen vom Rumpf getrennt.


»Ungeziefer macht Dreck und du machst auch nur Dreck, du kleines Stück Scheiße«, schnaufte Elenor abwertend, dann beförderte sie mit einem Schwung, den man ihr gar nicht zugetraut hätte, seinen abgeschlagenen blutigen Kopf zur Terrassentür hinaus …


 


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