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Belletristik
Buch Leseprobe Glück mit dunklen Schatten, Uwe Schramm
Uwe Schramm

Glück mit dunklen Schatten


Die Krankheit Krebs beeinflusste mein ganzes

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Selbstironie und Sarkasmus überspielten das körperliche Befinden
Nach einigen Wochen spielte das Blutbild von Edith einfach nicht mehr richtig mit, denn die Blutnormalwerte waren erheblich abgesackt .
Selbstironisch meinte Edith: „Dann muss ich nun wohl öfter zum Bluttanken.“ Nach einer Blutübertragung stiegen die Hämoglobin-Werte wieder an. Zudem machten die weißen Blutkörperchen viel Ärger und ein nicht zugelassenes gespritztes Medikament sollte die weiße Blutkörperzahl erhöhen, teilweise trat das auch ein. Ediths körperlich geschwächter Gesamtzustand verschlechterte sich dennoch zusehends.
Ich sorgte deshalb für manche Hilfestellung beim Anziehen, Eincremen und Duschen. Als Folge der körperlichen Schwäche nahm das Schlafbedürfnis von Edith zu, obwohl das Gedächtnis wie eh und je funktionierte. Sie wollte genauestens über die Vorgänge in der Welt informiert werden. Wie früher wurde gelästert, Selbstironie und Sarkasmus überspielten das Befinden und die eigentlich schon schwierige gesundheitliche Situation.
Vermehrt konnte ich es vernehmen, Edith beschäftigte sich mit dem Sterben. Denn sie gab mir Anweisungen, was nach ihrem Tode erfolgen sollte, wo ihr geerbter Schmuck zu finden sei und wer ihn dann bekommen sollte. Auf alle Fälle wollte sie eine Urnenbestattung. „Ich lasse doch nicht zu, dass die Würmer sich noch in meinem Körper boh ren“, so lautete der sarkastische Spruch. „Und bei meiner Trauerfeier will ich niemanden in schwarzer Trauerkleidung sehen.“ Ich wollte derartige Gedankenspiele überhören und antwortete höchsten mit ja.

Es gab noch ein Aufbäumen gegen die Krankheit
Beim Weihnachtsfest im Jahre 2007 war Edith recht gut drauf, sodass wir beide wieder zuversichtlicher waren. Bisher hatte ich die Bösartigkeit von Ediths Krebserkrankung weitgehend verdrängt. Mein nicht versagender Optimismus war manchmal auch unbedingt notwendig, um auf Ediths zunehmendes Seelentief mit Frohsinn zu reagieren. Eine melancholische Stimmungslage von mir war nicht angebracht und sie hätte ja keine Änderung gebracht.
Wieder einmal erlebten wir die Auseinandersetzung einer alternativen Medizin mit der Schulmedizin .
Anfang Januar 2008 rebellierte plötz lich Ediths Körper, sie konnte wegen der starken Schmerzen nicht mehr aufstehen. Der Hausarzt musste zur Visite kommen und veranlasste die sofortige Krankenhauseinweisung.
Bei der Aufnahme im Kreiskrankenhaus wurde Edith gleich mit der Frage von der Stationsärztin konfrontiert: „Wo haben Sie sich denn vorher behandeln lassen?“ „In einer Klinik für Ganzheitsmedizin“, gab sie zur Antwort. Danach musste sie sich Vorhaltungen anhören. Das wäre völlig verkehrt gewesen, „was haben die denn nur mit Ihnen gemacht, einfach unverantwortlich“, hallte es noch nach. Für mich gab die Ärztin ein klassisches Beispiel für die medizinisch fachliche Auseinandersetzung der Schulmedizin mit alternativen Behandlungsmethoden und „mittendrin“ waren wir, eine schwerkranke Patientin und ich als Ehemann, ein medizinischer Laie.
Die ersten Tage im Krankenhaus erholte sich Edith sogar etwas von dem Schmerzzustand und ein wenig aß sie auch wieder, zumal meine Schwiegertochter Monika sich bei ihrem Besuch fürsorglich  dafür einsetzte und mehrmals nachhelfen musste, dass eine bessere Bettlage gefunden wurde.
Nach unserer Feststellung wies die Krankenpflege auf dieser Station doch so einige Mängel auf und eine Palliativpflege, eine bessere umfassende Pflege, um etwas für eine Linderung zu sorgen, wurde nun dringend notwendig.

Nur auf einer Privatstation lief alles besser
Der von Edith mit großer Geduld und mit frohem Mut aufgenommene Kampf gegen den Krebs verdiente immer wieder meine Bewunderung und Hochachtung. Deshalb stand für unsere Kinder und für mich fest: Edith wird auf eine Privatstation verlegt.
Das wurde auch schnell vollzogen und plötzlich lief alles besser. Die Pflegekräfte leisteten eine optimale Pflege und standen immer zur Verfügung.
Zur Visite erschien der Chefarzt jeden Tag, es hatte den Anschein, eine bessere Versorgung musste wohl zwangsläufig erst „erkauft“ werden.
Um die heftigen Schmerzen am Schlüsselbein  zu reduzieren, hier hatte der Knochenkrebs auch diesen Bereich erreicht, schlug der chirurgische Chefarzt eine Operation vor. Edith war dazu bereit und gab dafür die schriftliche Zustimmung, weil sie sich eine Linderung von ihren Schmerzen versprach.
Bei unseren Kindern und bei mir bestanden erhebliche Bedenken hinsichtlich der Operation unter einer Vollnarkose. Jedoch gegen Ediths Zustimmung zu dem chirurgischen Eingriff wollten wir uns nicht aussprechen. Die OP war für den Chirurgen sowie für die anderen Dienste sicher finanziell lukrativ, denn eine Bezahlung galt ja als gesichert.
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Die Frage, ob eine Operation notwendig war, blieb ungeklärt 
Nur Edith hatte überhaupt nichts davon, denn es kam, wie es kommen musste, ihr Körper protestierte und rebellierte nach diesem chirurgischen Eingriff nun völlig. Nun wurde es zu einem Problem, dass Edith vorher doch noch keine Patientenverfügung unterschrieben hatte. Der Krankheitsverlauf hatte sich ja in wenigen Tagen dramatisiert.
Ich wollte vorher auch nicht jeden Tag Edith daran erinnern, dass die Patientenverfügung unterschrieben werden muss und dass sie wirklich einmal für eine akute Entscheidung benötigt wurde. Edith und ich waren ja immer noch der Hoffnung, im Krankenhaus schaffen die es, dass wieder eine Besserung eintrat. Ich hatte sowieso mit meinem Optimismus die zugenommene Verschlechterung des Zustandes noch nicht so ernst gesehen und einfach verdrängt. Der Chefarzt wollte nun wissen, ob lebenserhaltende Maßnahmen angeordnet werden sollten, wie eine medizinische Beatmung und Ernährung. Edith war nicht mehr fähig, dazu eine Antwort zu geben. Nun standen unsere Kinder Matthias und Birgit und ich etwas blöd da.
Jetzt wurde uns bewusst, dass die unterschriebene Patientenverfügung fehlte. Die Kinder waren sich nicht ganz einig, aber ich wusste, dass sie das auf alle Fälle nicht wollte. Es kam sowieso nicht mehr so weit, denn das Problem erledigte sich.
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Ein geliebter Mensch ist erst dann wirklich tot, wenn man nicht mehr an ihn denkt 
Nach ein paar Tagen war sie nicht mehr ansprechbar und verfiel in ein kurzes Koma. Für unsere Kinder und für mich blieb nur das Abschiednehmen.
Meine liebe Edith starb mit 68 Jahren nach wundervollen und harmonischen dreiundvierzig Ehejahren. Für Edith war es am Ende die Erlösung von den in den letzten Wochen zugenommenen Qualen ihrer schweren Krebserkrankung.
Wie heißt es doch so oft, das Sterben gehört ja zum Leben. Der Tod lächelt uns ja irgendwie alle einmal an, was man machen könnte, ist einfach zurücklachen. Das ist ja immer so leicht dahingesagt, die Zitate und Floskeln sind keine große Hilfe und kein Trost für die nächsten Angehörigen.
Für mich war es deshalb ein kleiner Trost, dass ein geliebter Mensch erst dann nicht mehr existiert, wenn man ihn völlig vergessen hat. Dennoch bin ich in ein tiefes „Loch gefallen“. Mir fehlte irgendwie zu Hause die Aufgabe, Edith zu betreuen und zu versorgen. Und eine Unterhaltung war auch  nicht mehr möglich, ich kam mir überflüssig vor.
In meinem leeren Haus konnte ich das Alleinsein nur schwer aushalten.


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