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> Belletristik > Geh- ...und schau nicht zurück
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Belletristik
Buch Leseprobe Geh- ...und schau nicht zurück, Marko Ackermann
Marko Ackermann

Geh- ...und schau nicht zurück



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Langsam und behutsam drückte ich die Türklinke etwas herunter, worauf sich mit einem leisen Knarren die Tür einen Spalt breit öffnete. Doch viel erkennen vermochte ich nicht, als ich meinen Kopf ein klein wenig nur durch diesen Türspalt steckte. Lediglich der Hauch von fahlem Mondlicht erhellte den Raum etwas, und auf die Frage ob ich denn hereinkommen dürfe, kam ein zaghaftes und kaum hörbares verweintes „Ja".Ich kann nicht mehr so genau sagen was ich dachte, als ich den dunklen und nur vom Mondlicht karg erleuchteten Raum betrat, doch die Umrisse eines dort auf dem Bett sitzenden Mädchens ließen mein Herz sofort höher schlagen. So hoch, dass ich fast dachte es würde mir geradewegs aus dem Hals springen. Ich fand mich plötzlich in einer Situation wieder, aus der ich mich nicht einfach mal eben so wieder davonstehlen konnte.Und wieder war es wie in einem Traum, und ich zwickte mich, nur um sicher zu gehen, dass ich nicht wieder irgendwo eingeschlafen war. Ich weiß es noch als wäre es erst gestern gewesen. Das Fenster war leicht geöffnet, und ein kleiner Windstoß fuhr durch das Zimmer und wirbelte durch ihre langen Haare. Langsam gewöhnten sich meine Augen an die Dunkelheit, und als würde ich mit einem Schlag all meine Schüchternheit vergessen, strich ich ihr mit meiner Hand sanft die Haare aus dem Gesicht. Ein paar tröstende, aber wohl unbedeutende Worte presste ich hervor, während ich versuchte, noch immer etwas unsicher meines Tuns, ihr Gesicht zu erkennen.Kleine Tränen rannen über ihr zart anmutendes Gesicht, und mit einem eilig hervorgekramten Taschentuch versuchte ich ihre Traurigkeit hinweg zu wischen. So richtig wusste ich auch nicht, was ich tun sollte. Meine Erfahrungen im Trösten weinender Mädchen waren wohl gleich null, und die richtigen Worte zu finden erschien mir in eben jenem Moment weitaus schwieriger als eine Matheklausur mit Auszeichnung abzulegen.Doch über fehlende Worte brauchte ich mir keine Gedanken machen, denn ganz plötzlich schlang sie ihre Arme um meinen Hals und fing noch bitterlicher an zu weinen. Unwillkürlich musste ich sie an mich heranziehen, sie noch fester in den Arm nehmen, und ganz behutsam an mich drücken. Sie lehnte ihren Kopf auf meine Schulter, und es war gerade so, als würde all ihr Schmerz, ihre Wut, all ihre Verzweiflung und Traurigkeit mit einem male auf mich übergehen.Und mit jeder Minute, derer ich dieses unbekannte Mädchen in meinen Armen hielt, verging ihr weinen und schluchzen ein Stück weit mehr. Ich weiß nicht, was ich in jenem Moment genau fühlte. Kann nicht beschreiben, ob mir heiß oder kalt wurde. Beides wohl zur gleichen Zeit.War dies vielleicht das erste mal ein wirklich ernstzunehmendes Gefühl von gegenseitiger Zuneigung? Nun gut, ich konnte die Situation auch missverstanden haben. Immerhin war das Mädchen zutiefst verzweifelt und weinte sich förmlich die Augen aus dem Kopf.Auf jeden Fall aber war es ein mir bis dahin völlig unbekanntes Gefühl von Geborgenheit geben, Geborgenheit zu empfangen. Ein unbeschreibliches Gefühl tiefster Verbundenheit und innerlicher Ruhe. Und ich war nur noch überwältigt von meinen Gefühlen, überwältigt von der Art in welcher dieses unbekannte Mädchen mit mir sprach, mir ihre Verzweiflung offenbarte, und sich doch im gleichen Atemzug einen Hauch von Hoffnung erflehte.Mit jeder vergossenen Träne wich ein Stück Traurigkeit von ihr, und es dauerte nicht lange bis wir merkten, wie einander verbunden wir uns doch wirklich in jenem Moment waren. Es war nicht diese Art von freundschaftlichem Gefühl, welches ich Mandy entgegenbrachte. Innerhalb kürzester zeit verband uns etwas, was zu beschreiben mir unmöglich erscheint. Eben jene zuvor erwähnte Geborgenheit, das grenzenlose Vertrauen ineinander, diese innere Zufriedenheit und Ruhe.Würde ich sagen, dass es die schönste Nacht meines Lebens war? Ich weiß nicht so recht, wie man eine solche Aussage definieren würde, doch obgleich in jener Nacht nichts Verwerfliches zwischen uns passieren sollte, außer eng umschlungen miteinander zu verweilen, zu schmusen, sich zu streicheln und zu küssen, war es für mich wohl die gefühlvollste und innigste Nacht meines bisherigen Seins. Vielleicht weil ich nie zuvor gefühlt hatte, was ich in eben in jener Nacht fühlte. Vielleicht aber auch, weil ich bis heute nie wieder eine solch innere Verbundenheit zu jemanden spüren konnte, wie in jener einen Nacht meines Lebens. Keine der nachfolgenden Frauen in meinem Leben sollte dies falsch verstehen, doch war dies ein Schlüsselerlebnis, wie man es wohl nur ein einziges mal in seinem Leben empfinden kann. Nämlich dann, wenn man es das erste mal empfindet. Einfach nur unvergleichlich...Irgendwann nach Mitternacht verschlug es uns dann doch zurück auf mein Zimmer. Es lag wohl zum Großteil daran, dass alle paar Minuten ein anderes Liebespaar hereingeschneit kam, und mehr oder weniger erfolglos nach einem ruhigen und unbeobachteten Fleckchen suchte.Mein Kumpel und seine Errungenschaft waren bereits Arm in Arm eingeschlafen, und die anderen beiden Mitbewohner unseres Zimmers schienen doch noch anderweitig nächtlichen Unterschlupf gefunden zu haben. Bis zum kommenden Morgen ließen sie sich jedenfalls nicht mehr blicken.Auch Mandy war verschwunden, was mich für kurze Zeit wieder in die Realität zurückzog. Hatte ich sie vielleicht doch mit meinem Fernbleiben verletzt? Fühlte sie sich vor den Kopf gestoßen, weil ich in dieser Nacht nicht bei ihr geblieben war? Doch wir kannten uns ja kaum und vielleicht erwartete sie dies auch gar nicht von mir.Doch die grauen Schleier meiner trüben Gedanken verwischten schnell, als mich dieses unbekannte und doch bezaubernde Wesen mit den langen dunklen Haaren, den Augen so tief glänzend wie Bergkristalle, und dem mit Rüschen besetzen Nachthemd liebevoll und eng umschlungen auf das Bett zog.Auch wenn wir nur so ineinander verschlungen dalagen, wuchs mit jeder Minute unseres Zusammenseins auch ein wenig die Angst vor dem kommenden Morgen, der bevorstehenden Trennung. Und umso größer jene Angst mit dem nahen des unaufhaltsamen Morgens wurde, je enger umschlangen wir uns und gaben uns der Hoffnung hin, dass unser Traum der vergangenen Nacht hier nicht zu Ende sein würde.So sehr wir uns auch dagegen verwehrten, der Morgen kam und die Abreise stand kurz bevor. An so etwas wie Frühstück war gar nicht erst zu denken, so aufgekratzt und durcheinander waren wir noch von den Erlebnissen der vergangenen Nacht. So suchte jeweils einer zum anderen Blickkontakt in der unüberschaubaren Menge an kleineren Grüppchen auf dem Appellgelände.Eine halbe Stunde kostbarster Zeit, welche uns wegen vielerlei uninteressanter Dankesreden und allgemeinem Palaver verloren ging. Wir konnten es kaum noch erwarten, uns endlich wieder in die Arme schließen zu können, und noch ehe der letzte Schlusspfiff ertönte standen wir wieder Händchen haltend beisammen.Torsten befand sich scheinbar ebenfalls noch im Liebestaumel, denn selbst aus ihm war kaum ein vernünftiger Satz heraus zu bringen. Einen kessen Fisch namens Mandy hätte er sich an Land gezogen, aber das hatte er mir wohl am vorangegangenen Abend schon erzählt. So ähnlich versuchte er sich zumindest auszudrücken, während er fortwährend seiner Angebeteten mit zutiefst inniger Knutscherei die Luft zum Atmen nahm. Doch ich hatte nur Augen für sie, das unbekannte Mädchen, deren Namen ich noch nicht einmal kannte.Hin und weg war ich von ihrem Anblick, ihrer Ausstrahlung und ihrem Lächeln. Schließlich bekam ich sie erst am Morgen im Glanz all ihrer Schönheit zu Gesicht. Und jetzt, wo sie sich zudem noch geschminkt und regelrecht für mich in Schale geworfen hatte, war ich einfach nur noch baff...

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