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Belletristik
Buch Leseprobe From Miami with Love, Amanda Frost
Amanda Frost

From Miami with Love


Emma & Owen

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Kapitel 1

 


Owen


 


Ein lauter Knall reißt mich aus dem Schlaf. Erschrocken richte ich mich in eine sitzende Position auf. Dunkelheit umgibt mich und für den Moment kann ich nicht beurteilen, wo ich mich befinde.


Als Sekunden später die Erinnerung einsetzt, taste ich hektisch nach dem Schalter der Nachttischlampe. Prompt wird das Schlafzimmer in dezente Helligkeit getaucht. Mit Blicken scanne ich den Raum, doch alles erscheint mir unverändert.


Ich springe aus dem Bett und nehme das restliche Apartment in Augenschein, entdecke jedoch rein gar nichts, was den Lärm verursacht haben könnte. Daraufhin steuere ich die Fensterfront im Wohnzimmer an, schiebe die Vorhänge beiseite und schaue auf die angrenzende Marina hinab.


In diesem Moment erschüttert ein zweiter Knall die nächtliche Stille, den ich jetzt eindeutig als Schuss identifiziere.


Das darf doch nicht wahr sein! Eine Schießerei hat mir gerade noch gefehlt.


Das Bayview Hotel in Miami, dessen Leitung ich vor einigen Wochen übernommen habe, ist momentan höchstens zu siebzig Prozent ausgelastet. Sollte jetzt hier der Wilde Westen losbrechen, werde ich sicher weitere Gäste verlieren.


Ich marschiere ins Schlafzimmer zurück, ergreife mein Handy und wähle den Notruf.


Glücklicherweise meldet sich die Zentrale unverzüglich. „911, wie kann ich helfen?“, vernehme ich eine angenehme Frauenstimme.


„Owen Malone hier. Ich bin der Besitzer des Bayview Hotels. In der Nähe des Jachthafens scheint es eine Schießerei zu geben. Könnten Sie bitte Polizei und einen Rettungswagen schicken.“


„Selbstverständlich, Sir. Gibt es Verletzte?“


„Das kann ich für den Moment nicht sagen. Ich habe lediglich die Schüsse gehört.“


„Gut, bleiben Sie bitte in Sicherheit. Die Einsatzkräfte werden in wenigen Minuten vor Ort sein.“


„Danke schön.“


Ich steige in meine Jeans und werfe mir ein helles Polohemd über. Während ich noch nach meinen Schuhen angle, verfluche ich einmal mehr unseren toten Vater, der meine beiden Brüder und mich dazu gezwungen hat, ein Jahr lang je eins der umsatzstärksten Häuser der Malone Hotelkette zu leiten. Was kein Kinderspiel ist, da die Resorts durch Dads Krankheit wirtschaftlich bereits in Schräglage geraten waren, bevor wir sie überhaupt übernommen haben.


Da wir jedoch nicht riskieren wollten, das komplette Erbe an unsere verhasste Stiefmutter zu verlieren, willigten wir notgedrungen ein. Wobei es meinem älteren Bruder William und mir in keiner Weise ums Finanzielle geht. Ein wenig anders verhält es sich hingegen bei unserem Nesthäkchen Steven, der sich aufgrund seines exzentrischen Lebensstils ständig in Geldnot befindet und diese Finanzspritze durchaus gebrauchen kann.


Folglich habe ich meinen Job als plastischer Chirurg in der Schweiz gekündigt und bin in meine Geburtsstadt Miami zurückgekehrt. Nur um festzustellen, dass das Bayview Hotel an der Südspitze von South Beach zu einem Hotspot für Drogendealer, Rapper und Prostituierte geworden ist, die mir mit ihren Aktivitäten die friedfertigen Gäste vergraulen. Und bislang habe ich keinen blassen Schimmer, wie ich das Problem in den Griff bekommen soll.


Nachdem ich in meine Schuhe geschlüpft bin, marschiere ich mit großen Schritten zur Wohnungstür und spähe hinaus. Das Apartment, das ich bei meiner Ankunft in Miami bezogen habe, befindet sich in einem Seitentrakt des Hotels, in dem sich viele Angestellte häuslich niedergelassen haben. Doch entweder sind die restlichen Bewohner unterwegs oder sie trauen sich nicht heraus, denn der Flur liegt dunkel und verlassen vor mir.


Ohne das Licht anzuschalten, taste ich mich seitlich an der Wand entlang in Richtung des Treppenhauses. Ich husche die vier Stockwerke hinunter und laufe durch einen schmalen Gang in die Hotellobby.


Die Mitarbeiter der Rezeption sind in weiser Voraussicht hinter dem Tresen in Deckung gegangen, wohingegen zwei Security-Leute in dunklen Anzügen neben der Eingangstür verharren. Wie gut, dass ich gleich zu Beginn die Anzahl der Sicherheitsmitarbeiter aufgestockt habe, das sollte sich jetzt auszahlen.


Da ein Großteil des in weißem Marmor gehaltenen Foyers verglast ist und ich nicht zur Zielscheibe werden will, renne ich in gebückter Haltung zu den beiden Männern hinüber. „Was ist geschehen?“, erkundige ich mich.


Charles, ein großer blonder Typ, den ich erst vor ein paar Tagen eingestellt habe, wendet sich mir zu. „Das wissen wir nicht genau. Adam ist bereits mit einigen Männern zum Jachthafen unterwegs. Die Türen des Hotels sind allesamt verriegelt, wir sichern aber dennoch jeden Eingang.“


Adam ist der Chef meiner Security-Truppe, ein blonder Hüne, früherer Soldat der U.S. Army und meines Erachtens nach ein fähiger Mann.


„Sehr gut. Wissen Sie, ob sich noch viele Gäste außerhalb des Gebäudes aufhalten?“


„Ich gehe davon aus. Die Bar am Hafen hat nach wie vor geöffnet und war vorhin recht gut besucht.“


„Verdammt!“, fluche ich. „Lassen Sie mich bitte nach draußen.“


Jetzt wendet sich mir auch sein kahlköpfiger Kollege zu, den ich allerdings nicht namentlich kenne. Beide starren mich perplex an.


Charles schüttelt den Kopf. „Mr. Malone, Sie sollten nicht …“


Ich hebe eine Hand in die Luft. „Rambo spielen, schon klar. Dennoch muss ich mich davon überzeugen, ob es meinen Gästen gut geht. Außerdem bin ich Arzt und sicher schneller vor Ort als die Rettungskräfte, falls es Verletzte gegeben hat. Also los, öffnen Sie mir die Tür!“


Dass die beiden weiterhin zögern, entgeht mir nicht. Widerwillig schließt der Kahlköpfige letztendlich auf und lässt mich hinausschlüpfen.


Im Schutz der gepflegten Grünanlagen schleiche ich an dem hohen hufeisenförmigen Hoteltower vorbei. Der Mond sowie vereinzelte nostalgische Laternen beleuchten die Umgebung schemenhaft. Die unzähligen Blumen, die das Areal ganzjährig in ein Meer aus Farben verwandeln, verbreiten einen betörend süßen Duft.


Glücklicherweise ertönen keine weiteren Schüsse, dafür sind aus der Ferne bereits sich nähernde Sirenen zu hören. Wie gut, dass rund um den angesagten Ocean Drive, der nur ein paar Minuten von hier entfernt verläuft, immer ein erhöhtes Polizeiaufgebot herrscht, so sollten die Beamten einen kurzen Anfahrtsweg haben.


Als ich die Promenade des Jachthafens erreiche, schießen von der anderen Seite tatsächlich schon zwei weiße Dienstfahrzeuge des Miami Police Department herbei. Die blinkenden Leuchten auf dem Dach der beiden Wagen tauchen die Marina abwechselnd in blaues sowie rotes Licht und lassen sie gespenstig wirken.


Nachdem die Autos mit quietschenden Reifen zum Stillstand gekommen sind, springen vier Polizeibeamte heraus. Zwei laufen mit gezückten Waffen auf den Hafen zu, wo Unmengen von teuren Jachten vor Anker liegen. Die anderen beiden rennen in Richtung der Bar. Bei der angesagten Kneipe handelt es sich um ein uriges Holzgebäude, das über eine riesige bestuhlte Außenterrasse verfügt. Da es am Abend geregnet hat, halten sich die meisten Nachtschwärmer heute jedoch im Innenraum auf. Womöglich ist das ja eine Fügung des Schicksals, die Schlimmeres verhindert hat.


In dieser Sekunde durchdringt das Aufheulen eines Schiffsmotors die nächtliche Stille, woraufhin ein unbeleuchtetes Motorboot mit einem Affenzahn aus dem Hafen schießt. Sieht ganz danach aus, als ob hier gerade jemand die Flucht ergreift.


Einer der Polizisten spricht in sein Funkgerät. Ich kann nur vermuten, dass er jetzt die Küstenwache alarmiert.


Ein anderer Beamter, der sich seitlich von der Bar aufhält, zückt nun ebenfalls sein Walkie-Talkie und bellt hektisch irgendwelche Anweisungen hinein. In dieser Sekunde registriere ich den am Boden liegenden Menschen. Der Polizist beugt sich über ihn, tastet nach der Halsschlagader des Verletzten, richtet sich dann jedoch mit hilflosem Gesichtsausdruck wieder auf.


Gute Güte, jetzt kann ich bloß beten, dass es keinen der Hotelgäste erwischt hat!


Im Geiste sehe ich schon die Schlagzeilen in der Presse vor mir, die mein Hotel endgültig in den Abgrund reißen werden.


Ein schwarzer SUV, der neben den beiden Polizeiwagen zum Stehen kommt, lenkt kurzzeitig mein Augenmerk auf sich.


FBI, vermute ich.


Da das Bayview in den letzten Monaten zu einem Verteilzentrum für Kokain geworden ist, arbeiten Polizei, FBI, Drogenvollzugsbehörde und Küstenwache hier eng zusammen, um den illegalen Drogenschmuggel in den Griff zu bekommen.


Leider fehlt von einem Rettungswagen nach wie vor jede Spur, demzufolge übernimmt jetzt der Chirurg in mir. Ich bin mir der Gefahr sehr wohl bewusst, dass jemand auf mich schießen könnte, doch darauf kann ich beim besten Willen keine Rücksicht nehmen. So eile ich auf die am Boden liegende Person zu, bei der es sich um einen jungen dunkelhaarigen Mann handelt. Glücklicherweise scheint er am Leben zu sein.


 „Wer sind Sie? Was haben Sie hier zu suchen?“, fährt mich der danebenstehende Beamte an, der jetzt seine Waffe auf mich richtet.


„Ich bin Owen Malone, der Hotelbesitzer. Obendrein bin ich Arzt. Also lassen Sie mich einfach meinen Job machen.“


Ich sinke neben dem Verletzten auf die Knie und betrachte missmutig die riesige Blutlache, in der er liegt. Vorsichtig schiebe ich ihm das Hemd hoch und registriere, dass er sich einen lebensbedrohlichen Bauchschuss eingefangen hat. Ohne auch nur eine weitere Sekunde zu zögern, zerre ich mir das Polohemd über den Kopf und drücke es auf die blutende Wunde, was dem armen Kerl einen Schmerzensschrei entlockt.


Mit argwöhnischem Blick begutachtet der Polizist derweil meinen Versuch, der Blutung Herr zu werden. Jemanden zu versorgen, während mir eine geladene Pistole an den Kopf gehalten wird, ist eine ganz neue Herausforderung für mich.


Ich gebe mir alle Mühe, mich davon nicht irritieren zu lassen und wende mich dem Verletzten zu. „Was ist geschehen?“, erkundige ich mich, um herauszufinden, wie kritisch sein Zustand ist.


„Keine Ahnung“, keucht er. „Ich habe die Bar verlassen, dann war da dieser Knall.“


„Wie heißen Sie?“


„Joey“, murmelt er.


„Gut, Joey, der Krankenwagen wird in wenigen Minuten hier sein. Halten Sie durch.“


„Es tut so weh“, stöhnt er.


„Ich weiß, aber Sie schaffen das.“ Ich bemerke, dass mein helles Shirt, das ich nach wie vor fest auf die Wunde presse, bereits in Blut getränkt ist.


Verdammt, lange macht er es sicher nicht mehr!


Ich erhöhe den Druck, was Joey ein schmerzhaftes Wimmern entlockt. Seine Augen klappen zu und sein Kopf fällt zur Seite.


„Joey, bleiben Sie bei mir!“, schreie ich ihn an.


Glücklicherweise reagiert er und öffnet die flatternden Lider wieder. Unablässig zermartere ich mir das Gehirn darüber, was ich noch für ihn tun könnte. Ohne jegliche medizinische Ausrüstung ist das jedoch ein schwieriges Unterfangen.


Endlich schießt ein roter Rettungswagen herbei und zwei Notfallsanitäter laufen mit einer Trage auf mich zu.


„Bauchschuss“, informiere ich die beiden. „Er hat viel Blut verloren.“ Ich blicke auf meine Hände. „Wenn ich loslasse, stirbt er.“


Ein Sanitäter verabreicht ihm Sauerstoff, während der andere sich neben mich kniet. „Danke, wir übernehmen jetzt. Sieht ganz danach aus, als ob Sie ihm das Leben gerettet hätten.“


„Kein Thema, ich bin Arzt.“


Er greift nach meinem blutdurchtränkten Polohemd. „Sie können dann loslassen.“


Ich gehorche und beobachte, wie die beiden einen professionellen Druckverband anlegen, bevor sie Joey in den Krankenwagen verfrachten.


Armer Kerl, ich hoffe, er kommt durch.


Ich richte mich auf und blicke an mir hinab.


Igitt, ich bin von Kopf bis Fuß voller Blut!


Vermittle den Eindruck, soeben ein Kettensägenmassaker angerichtet zu haben. Gerne würde ich mich vergewissern, ob es weitere Verletzte gegeben hat und in welchem Zustand sich die Menschen in der Bar befinden. Aber wenn ich mit meinem momentanen Aussehen das Lokal betrete, versetze ich jeden Besucher bloß in Angst und Schrecken.


Indessen führt die Polizei zwei Typen in Jeans und Hoodies ab. Ein Beamter, den die Aufschrift auf seiner kugelsicheren Weste als FBI Agenten ausweist, befragt eine junge Frau.


Okay, hier scheint alles unter Kontrolle zu sein. Ich werde mich jetzt säubern, umziehen und danach die Bar begutachten.


Schnellen Schrittes laufe ich durch die Grünanlage ins Hotel zurück, verharre jedoch wie angewurzelt, als ich in einen Gewehrlauf starre.


„Keine Bewegung!“, fährt mich eine blonde Frau mit Pferdeschwanz an.


Zuerst halte ich sie in ihrer dunklen Uniform für eine Polizistin, doch dann erkenne ich das DEA Zeichen auf ihrer Jacke, das sie als Agentin der Drogenvollzugsbehörde ausweist.


„Gott, haben Sie mich erschreckt“, stoße ich aus. „Ich bin Owen Malone, der Besitzer des Bayview.“


Ihr Blick gleitet über meinen nackten blutverschmierten Oberkörper hinweg. „Selbstverständlich. Und ich bin die Königin von England. Los auf den Bauch legen! Und die Hände auf den Rücken!“, befiehlt sie.


„Nein, Sie verstehen nicht. Ich habe den Verletzten versorgt.“


„Wenn Sie nicht auf der Stelle gehorchen, dann müssen Sie ebenfalls versorgt werden!“, droht sie mir mit todernstem Unterton.


Beim Blick in ihre strahlend blauen Augen begreife ich, dass sie nicht blufft.


Zugegeben, ich vermittle im Augenblick wirklich nicht den Eindruck eines rechtschaffenen Hoteldirektors. Es versteht sich von selbst, dass ich auch keine Papiere bei mir trage, die mich ausweisen könnten, daher entscheide ich, vorerst einmal klein beizugeben.


„Also gut.“ Ich sinke auf die Knie und lege mich auf den Bauch.


Die junge Frau beugt sich von hinten über mich und biegt mir unsanft die Arme auf den Rücken. Gleich darauf spüre ich etwas Kaltes an meinen Handgelenken und höre das Klicken der Handschellen, als sich der kühle Stahl schließt.


Ungläubig schüttle ich den Kopf.


Kann dieser Tag noch schlimmer werden?



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