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Belletristik
Buch Leseprobe Federschwer, Thalea Monte
Thalea Monte

Federschwer


Irgendwo fängt die Zukunft an

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Kapitel 1 – Zurück


 


Der Flashback traf Sophie mit voller Wucht. Von ihrem Standort aus hatte sie freien Blick auf das Tal, das zu ihren Füßen lag. Es war Ende April, die Obstblüte in vollem Gange und die Landschaft sah aus, als hätte jemand einen weiß-rosa Teppich über ihr ausgebreitet. Sonnenstrahlen glitzerten durch die Blätter der Zweige und malten ein leuchtendes Muster ins Gras. Von ihrem Platz aus hatte sie freien Blick auf das Tal, das sich zu ihren Füßen ausbreitete.


Es waren jetzt etwas mehr als 10 Jahre vergangen, seit sie das letzte Mal hier oben war und sich auf der alten, morschen Holzbank die Augen aus dem Kopf geheult hatte. Unvermittelt stürzten die verschiedensten Eindrücke auf sie ein: Der intensive Duft der Apfel- und Kirschblüten, das Summen der Bienen … Genau wie damals war es auch heute ein strahlend schöner Tag. In der Ferne konnte man den See und sogar einzelne Boote und Fähren erkennen. Allein für diesen Ausblick hatte sie einen Umweg von fast einer Stunde in Kauf genommen. Genau dieses Bild trug Sophie die ganzen Jahre im Herzen. Es war ihr Trost, wenn das Heimweh übermächtig wurde. Immer wieder hatte sie Zoe davon erzählt und versprochen, ihr all das zu zeigen.


Zoe … allein der Gedanke an sie brachte augenblicklich den Schmerz zurück. Sophie hätte alles dafür gegeben, mit ihr zusammen hier zu stehen. Stattdessen war nur Sky, ihr Husky-Mischling bei ihr. Aufmerksam beobachtete er jede ihrer Bewegungen und legte schließlich winselnd eine Pfote auf ihren Schenkel.


Tränen liefen ungehindert über ihr Gesicht. Die Erinnerung war heftiger als erwartet, darauf war sie nicht vorbereitet. Ihr Herz schlug hart gegen die Rippen, ihr Puls raste, und sie drohte in einem Meer aus Emotionen unterzugehen. Es fiel ihr schwer, Luft zu holen.


»Schon gut mein Alter, alles im grünen Bereich.« Versonnen strich sie dem Rüden über den Kopf und setzte sich neben ihm ins Gras. Wärmende Sonnenstrahlen fielen auf ihr Gesicht und langsam wurde sie ruhiger. Ihr Blick schweifte über das Tal, über all die vertrauten Orte und endlich stellte sich so etwas wie Vorfreude ein. 


»Auf geht’s!« Mit einem liebevollen Klopfen auf die Flanken des Rüden stand sie auf. Es hatte keinen Sinn sich hier oben noch länger in Gedanken an die Vergangenheit aufzuhalten. Unten im Tal, genauer gesagt im Internat St. Eberhard, wartete die Zukunft. Skys vorwurfsvollen Blick geflissentlich ignorierend schnallte Sophie ihn wieder im Wagen an. Knapp zehn Minuten später tauchten die alten Klostermauern von St. Eberhard vor ihnen auf. 


»Okay, dann wollen wir mal«, ermunterte Sophie ihren Begleiter und stellte den Wagen auf einem der Besucherparkplätze ab. Im Stillen fragte sie sich, wer von ihnen die Ermunterung mehr brauchte, aber jetzt hieß es nach vorne schauen und nicht mehr zurück.


 


*


 


»Sie wünschen?« Der Blick des Pförtners in seiner schicken Uniform sprach Bände. Mit hochgezogenen Augenbrauen musterte er Sophie abschätzend von oben bis unten. 


Ein Pförtner! Sophie traute ihren Augen nicht. Mal ganz abgesehen von der Art und Weise, mit der er sie taxierte, nervte sie allein seine Anwesenheit. Hier herrschten ja ganz neue Sitten. Sophie konnte sich nicht erinnern, dass das Internat jemals abgesperrt war. Einen Pförtner gab es früher weit und breit nicht, geschweige denn eine Schranke. Wofür auch? In der Regel waren die Schüler des Internats unter sich geblieben, genauso wie die Leute aus dem Dorf. 


»Mein Name ist Sophie Schuchter. Ich möchte gerne zu Frau Rosanowski.« Noch etwas verwirrt von der herablassenden Art des Mannes hatte sie wenig Lust, ihm detailliertere Auskunft zu geben.


»Haben Sie einen Termin?«


Der blasierte Ton passt perfekt zu diesem Uniformheini. Langsam brachte der Wichtigtuer sie auf die Palme. »Das wird sicherlich in ihrem schlauen Buch stehen.« Durch ihre Antwort geriet er scheinbar etwas aus dem Konzept, denn er suchte hektisch in seinem Terminkalender nach ihrem Namen. Während er merklich nervöser wurde, verflog Sophies Ärger schon wieder. Vielleicht lag es ja auch an ihr. Sie hatte sich für ihren heutigen Antrittsbesuch nicht extra herausgeputzt. Jeans und T-Shirt waren angenehme Reisekleidung.


Wie immer stand Sky aufmerksam an ihrer Seite, die Ohren gespitzt. Er war nicht angeleint, denn er gehorchte ihr aufs Wort.


»Sophie? Sophie!«


Sophie brauchte nicht einmal eine Sekunde, um die Person zu erkennen, die forsch auf sie zu gewatschelt kam. Von gehen konnte bei ihren körperlichen Ausmaßen keine Rede sein. Sophie blieb gerade noch Zeit, Sky mit einem kleinen Zeichen zu bedeuten, dass er ruhig bleiben sollte, da wurde sie auch schon gepackt und inbrünstig an die Brust gedrückt.


»Traudel.« Ihre Stimme drang nur gedämpft durch den massigen Busen. Es schien ewig zu dauern, bis die Umarmung endlich gelöst wurde. 


»Hey, geht es dir gut?« Die Frau hielt Sophie auf Armeslänge von sich.


Sie wurde von zwei braunen, warmen Augen gemustert und wusste, dass schwindeln keinen Zweck hatte.


»Ging mir schon besser, aber auch schon wesentlich schlechter«, wich sie der Frage aus. »Wir reden in Ruhe bei einem guten Glas Rotwein – falls euer Türsteher mich hier jemals reinlässt.« Bei ihren letzten Worten wandte Sophie sich wieder dem Pförtner zu.


»Frau von Stanciewicz … ich … es tut mir leid, aber …« Mehr als ein Stottern brachte er nicht heraus. Bevor er sich in weitere Erklärungsversuche stürzen konnte, schnitt Waltraud von Stanciewicz ihm das Wort ab. Die Wärme und Gutmütigkeit in ihrer Stimme war verflogen. Schroff wies sie ihn zurecht: »Herbert, Freundlichkeit und Zuvorkommenheit stehen bei uns immer an erster Stelle. Das habe ich Ihnen bereits mehrfach gesagt. Sie sind hier die erste Anlaufstelle. Ein Besucher muss sofort das Gefühl bekommen, dass sich seines Anliegens hier wohlwollend angenommen wird. Auch dann, wenn er sich lediglich nach den Toiletten erkundigt.«


Ohne seine Reaktion abzuwarten drehte Waltraud sich um und hakte sich bei Sophie unter. »Komm – ich denke, du musst als Erstes bei der Rosanowski antreten. Ich bringe dich mal besser hin. Hier hat sich doch einiges verändert, seit du das letzte Mal durch die heiligen Hallen marschiert bist.«


»Scheint mir auch so«, murmelte Sophie und folgte ihr anstandslos. 


Waltraud war eine ihrer ältesten, besten und gleichzeitig verrücktesten Freundinnen. Sie ging hier in St. Eberhard zur Schule. Obwohl die Internatsschüler bei den Jugendlichen im Dorf nicht gerade beliebt waren, hatten Sophie und sie sich angefreundet. Und diese Freundschaft hielt, egal, in welchen Zipfel der Welt es die Frauen auch verschlagen hatte.


Als Traudel damals erfahren hatte, was passiert war, dauerte es keine 24 Stunden, und sie stand an ihrer Seite. Auch als Shirley, Zoes Schwester, sich nicht mehr zu helfen wusste, weil Sophie nicht wieder auf die Beine kam, war Waltraud diejenige, die handelte. Ohne irgendeinen Widerspruch zu dulden beschloss sie, dass es für Sophie das einzig Richtige war, unverzüglich ihre Zelte in Montana abzubrechen. Es blieb ihr Geheimnis, wie es ihr gelungen war, den Stiftungsrat und das Kollegium von Sophie als ideale Besetzung für die freie Stelle zu überzeugen. 


Im Grunde war es Sophie auch egal. Dankbar griff sie nach dieser Chance zum Neuanfang, auch wenn es ihr fast den Rest gab, der Ranch den Rücken zu kehren. Im Augenblick tat es ihr einfach nur gut, die Freundin an der Seite zu haben.


 


Mit nur einem Ohr lauschte Sophie Traudels Redeschwall und registrierte nebenbei, dass sich wirklich einiges im Internatsbereich verändert hatte. Vieles jedoch war ihr auch sehr vertraut – man konnte das Gesicht einer fast 900 Jahre alten Klosteranlage nicht komplett verändern, egal wie viel man modernisierte.


Erneut überrollte Sophie die Erinnerung. Tausend verrückte Dinge, die sie mit Traudel als Jugendliche hier getrieben hatte, schossen ihr durch den Kopf. Es waren verrückte Zeiten gewesen, auf der Schwelle zum Erwachsen werden. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen. 


Schneller als ihr lieb war, hatten die Frauen das ehemalige Marstallgebäude erreicht. Nach wie vor war hier die Verwaltung des Internats untergebracht. Waltraud blieb vor der großen Eichentür stehen und feixte gut gelaunt: »So, nun erklär deinem vierbeinigen Bodyguard, dass er jetzt erst mal mit mir vorliebnehmen muss. So wie ich dich kenne, wirst du dich bei der Rosanowski noch früh genug unbeliebt machen. Du musst es dir nicht gleich am ersten Tag verscherzen, indem du mit einem Wolf in ihrem Sekretariat auftauchst.«


Automatisch ging Sophie in die Verteidigungsposition: »Sky ist weder ein Wachhund, noch ein Wolf, er …« 


»Das kannst du mir alles ein anderes Mal erzählen. Jetzt machst du ihm klar, dass er mit mir kommt. Ich warte im Fischerhaus auf dich und glaub mir, du wirst Augen machen!«, fiel ihr die Freundin ins Wort. 


»Okay, alles klar.« Sophie sah ein, dass es jetzt Wichtigeres gab, als Skys Ehre zu verteidigen. Ein kurzes Kommando, ein Streicheln über den Kopf und Sky trottete, wenn auch widerwillig, hinter Waltraud von Stanciewicz her. Allerdings nicht, ohne sich alle paar Schritte umzudrehen, um sich zu vergewissern, dass er wirklich mit dieser komischen Person mitgehen sollte. Mit einem Lächeln sah Sophie dem ungleichen Paar hinterher. Fast tat Sky ihr leid, denn Traudel redete unaufhörlich auf ihn ein.


 


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