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Belletristik
Buch Leseprobe Experiment-Electrophorus, Thomas Glantz
Thomas Glantz

Experiment-Electrophorus


.....und morgen wird es wahr

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Japanreise Zwei Monate später... Die Einladung zur Preisverleihung für besonders hervorragende wissenschaftliche Leistungen kam völlig überraschend. Diesmal hatten die Japaner zur Ehrung geladen. Offenbar hatte die Vorarbeit von Säuerlings Antiseren- und Medikamentenforschung nun doch Früchte getragen – das jedenfalls sagten die Kollegen aus Japan. Und auch wenn Rosenrunge befürchtete, sich an der Seite des Preisträgers fehl am Platz zu fühlen - immerhin war Säuerling allein die wissenschaftlich treibende Kraft der Antiserenforschung – hatte Manfred ihn aber doch davon überzeugen können, dass er es ohne seine Unterstützung niemals so weit geschafft hätte. Es wäre somit ein Muss, dass er ihn begleitete. Vielleicht war es aber auch sein verschmitztes „Hey Mann, wir fliegen nach Tokio, Kumpel! Das ist die größte Metropolregion der Welt!“, was Rosenrunge schließlich zur Mitreise bewegte. Ja, Tokio war in der Tat eine Metropolregion, die den Schwierigkeitsgrad einer Expedition durch das Amazonasgebiet bei weitem übertraf. Und das hatten sie bereits am Flughafen festgestellt. Fast eine halbe Stunde lang hatten sie gebraucht, um ein Taxi zu ergattern. Sie hätten mit oder ohne Pedro jeden noch so schwierigen Weg durch den tiefsten Morast am Amazonas oder durch den dichtesten Urwald schlagen können. Aber ein Taxi am Narita International Airport zu bekommen und dann auch noch den richtigen Weg zum Kongresshotel zu finden, war nicht nur eine besonders komplizierte Expedition, sondern eine Tortur mit ungewissem Ausgang. Aber sie genossen es dennoch. Und versuchten ihre gute Laune zu bewahren und hielten gepflegte Konversation mit dem japanischen Taxifahrer, der doch tatsächlich ein paar Fetzen Englisch sprach. Gigantische Wolkenkratzer, dicht befahrene Straßen, ein Hupen, ein Getöse. Menschenmassen strömten an ihrem halbgeöffneten Seitenfenster vorbei, und dabei wehte ihnen der erste Hauch staubiger Tokioluft entgegen. "Ja, dagegen ist Hamburg ein Mäusepups!", lachte Rosenrunge und steckte den Kopf hinaus, um auch den Gipfel der Metropolstadt zu Gesicht zu bekommen. Säuerling nickte wissend und deutete auf eine der vielen elektronischen Werbetafeln, auf der gerade ein Werbetrailer für die neuste iPhone Generation lief. Das ist keine Stadt, sondern ein riesengroßer elektronischer Spielplatz.“ „Ja, die Stromrechnung möchte ich nicht sehen!“ "Erinnerst du dich noch an die Schlagzeile über das heftige Erdbeben Danach mussten sie aus Sicherheitsgründen das wichtigste Atomkraftwerk abschalten. Das war im Juli. Die Sommer hier sind besonders heiß und es herrschte hier sogar eine große Hitzewelle. Die kleineren Atomkraftwerke mussten rund 20 Millionen Einwohner versorgen. Es haben wohl Temperaturen um die 40 Grad Celsius im Schatten geherrscht. Es gab auch eine Menge Hitzetote in dieser Zeit und die Krankenhäuser hatten ebenfalls genug mit den Opfern zu tun. Und jetzt stell dir mal vor, dass in jedem zweiten Fenster dieser Wohnapparate mindestens ein Standventilator gestanden hat und in jedem dritten eine Klimaanlage. Der Energiekonzern Tepco ist da ziemlich ins Trudeln geraten, denn die Generatoren kamen mit der Energie nicht hinterher. Japan zählte in dieser schwierigen Zeit einen Energieverbrauch von über 3,5 Milliarden Kilowattstunden, allein im Großraum Tokio. 3,5 Milliarden...eine unvorstellbare hohe Zahl...“ Rosenrunge nickte. „Ja, auch der Hamburger Energiebedarf ist dagegen ein Mäusepups.“ Auf Säuerlings Gesicht breitete sich plötzlich ein besinnliches Lächeln aus. „Stell dir vor, in naher Zukunft bräuchten die Japaner gar keine Atomkraftwerke mehr, um diesen Strombedarf aufzubringen. Ich sehe die Schlagzeile schon vor mir...“ Er zeichnete einen Halbkreis in die Luft. “Deutsche Wissenschaftler lösen Japans Energieproblem. Trotz Hitzewelle können 20 Millionen Menschen ihre Ventilatoren und Klimaanlagen sogar gleichzeitig einschalten.“ „Nun nimm mal den Mund nicht so voll, Süßling!“, lachte Rosenrunge. „Noch hast du nicht herausgefunden, ob deine Theorien auch in der Realität umsetzbar sind. Falls du es vergessen hast: wir wissen noch nicht, wie wir die Energie aus den Organen dauerhaft speichern können. Die Viecher lassen sich nicht so ohne weiteres anzapfen. Es sei denn, du bringt sie freiwillig dazu, dass sie ihren Saft in unser System einspeisen.“ „Wir werden die Lösung schon noch finden. Dazu musst du allerdings mal dein Hirn etwas auf Touren bringen, sonst klappt es mit dem Denken nicht so bei dir. Hey, du bist der Fachmann für die Technik. Ich bin Wissenschaftler und Forscher. Ich mache mir weiter Gedanken über das „Woher“ bekommen wir den Saft und du schraubst deine Ideen schon mal weiter in Richtung: „Wohin“ speichern wir, wenn die Tiere freiwillig in unser System einspeisen würden?“ Rosenrunge sah seinen Freund erstaunt an. „Fängst du schon wieder mit dieser utopischen Idee an? Gibt es da etwas, was ich wissen sollte? Ist dir Tunca Porca im Schlaf erschienen und hat dir das Geheimnis seiner Energie verraten? Mal abgesehen davon: wollten wir das Thema nicht erst einmal ruhen lassen, bis sich die Lage wieder beruhigt hat? Vergiss nicht“, zählte er auf: „Es besteht nicht nur dringender Terrorverdacht gegen dich, sondern du hast obendrein auch noch eine Anzeige vom Tierschutzverein wegen Verstoßes gegen das Artenschutzgesetz. Dann hast du ebenfalls noch einen Negativeintrag bei der Hamburger Zollfahndung wegen illegaler Einfuhr von Tierfutter aus exotischen Ländern. Dann stehst du noch unter strengster Beobachtung eines Schuldirektors und einer Dame vom Jugendamt. Du meine Güte, dass sie dich noch nicht verhaftet haben?!“ „Hast du mich gerade schon wieder Süßling genannt, Rchoche?!“ Sie lachten und genossen den Tag, bevor die abendliche Festlichkeit anfing. Das Kongressgebäude übertraf all ihre Erwartungen. Sie wurden nicht nur empfangen wie Könige, sondern auch so behandelt. „Genieß es, wer weiß, wie lange das noch anhält!“, zischte Georg, als man sie aus ihren Jacken pellte und ihnen mit Verbeugung ihren Platz zuwies. „Diese Behandlung ist spätestens dann beendet, wenn du dich an den Flügel dort setzt!“ „Flügel?!“ Georg sah sich suchend um und sein Blick traf auf das pompöse Klavier, das einsam und verlassen auf der kleinen Bühne thronte. „Herr im Himmel, das ist ein Steinway Flügel, C-227, Baujahr 1964. Das Teil kostet knapp Hunderttausend Dollar. Es muss wie Engelsgesang klingen.“ „Na für den Preis wäre das auch das Mindeste, was ich erwarten würde“, lachte Manfred und tippte sich gegen die Stirn. „Du Kulturbanause, du hast ja keine Ahnung!“ „Ich und keine Ahnung? Von diesen Klimperkästen vielleicht nicht, aber gibst du mir eine Violine, dann streich ich dir den Vivaldi!“ „Ein Königreich, wenn ich darauf mal spielen könnte“, unterbrach Georg verträumt und es schien, als hätte der schwarz polierte Lack des Flügels ihn in einen Bann gezogen. „Vergiss es, Kollege! Das ist unmöglich. In diesen heiligen Hallen darf vielleicht Japans neuer Gott unter den Pianisten Takashi Sato mal klimpern, aber nicht du!“ „Takashi wer?“ Manfred winkte ab. „Konzentriere dich lieber auf die Preisverleihung da vorne. Über das Klimpern kannst du reden, wenn du wieder in Deutschland bist.“ „Warts ab, und sag nicht immer klimpern. Ich sag doch auch nicht zu deinem Geigenspiel Gezirpe oder Fideln“ schmollte Rosenrunge und warf einen letzten sehnsüchtigen Blick auf den Flügel, bevor ihnen die Kopfhörer für die Übersetzung angelegt wurden. Die Preisverleihung verlief eher nüchtern und die Lobeshymnen nahm Säuerling nur aus der Ferne, über den Dolmetscher, wahr. Seine Gedanken waren ganz woanders und kreisten immer noch um die letzten Wochen und den immer mehr wachsenden Druck. Irgendetwas hatte sich verändert, seitdem sie aus Brasilien zurückgekehrt waren. Vielleicht kam es ihm auch nur so vor, weil er die ganze Angelegenheit nun mit vier Augen - Rosenrunges und seinen eigenen - betrachten konnte und nicht mehr nur aus der Sicht eines paranoiden Wissenschaftlers. Georg hatte es schon damals, als er den Direktor beim Spionieren entdeckt hatte, gesagt, dass sein nächtliches Treiben für erhebliches Aufsehen gesorgt hatte. Selbst seine Kinder hatten das Treiben im Poolhaus aus den Fenstern mit angesehen. Sein Sohn hatte sogar unglaublicherweise eine Art Kinovorstellung daraus gemacht. Dieser kleine Schlawiner! lächelte Säuerling. Und irgendwann hatte man angefangen, ihm Fragen zu stellen. Fragen, die er nicht wahrheitsgemäß beantworten konnte, weil die Wahrheit noch nicht reif war, dass er sie aussprechen durfte. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn auch nur irgendein Wort an die falsche Stelle gelangen würde. Es war schon viel zu viel an falsche Stellen gelangt. Und er musste vorsichtig sein. Nicht nur, dass er ständig verschiedene Behörden und weitere Nörgler zu Besuch hatte, um ihm das Haar in der Suppe nachzuweisen, sondern jetzt fingen sie auch an, ihm Haare in die Suppe zu legen. Das Wohl seiner Kinder sei durch seine Arbeit mit hochgiftigen Tieren in Gefahr, so hatte es eine Dame vom Jugendamt ausgedrückt, als sie mit ihrer Aktentasche plötzlich vor seiner Haustüre stand. „Uns liegt eine Anzeige gegen sie vor, der wir leider nachgehen müssen!, ich hoffe, sie verstehen das“ Ja, natürlich hatte er Verständnis. Und er würde sogar noch besser verstehen, wenn sie ihm sagen würde, wer denn so freundlich war, ihn bzw. seine Familie anzuzeigen. „Das darf ich ihnen nicht sagen, die Sache ist streng Fischer...ich meine, vertraulich“, hatte sie ihm geantwortet. Und er war sich nicht sicher, ob der Fischer-Versprecher beabsichtigt oder versehentlich aus ihrem Mund gerutscht war. Aber er hätte es sich ja denken können. Auch wenn er den Direktor als erstes verdächtigte, war es eher unwahrscheinlich. Der Direktor schien sein eigenes Ding zu machen, was immer dies auch sein mochte. Aber die Fischers wollten ihm und seiner Familie das Leben schwer machen, koste es was es wolle. Die Dame vom Jugendamt konnte er, dank der neuen Sicherheitstüre und auch weiterer Sicherheitsvorkehrungen überzeugen, dass hier keine Gefahr im Verzug war. Das Badehaus war inzwischen zu einem ansehnlichen Labor geworden, das mit sämtlichen Sicherheitsmechanismen, Alarmanlage und doppelverglasten Fenstern ausgestattet war. Man kam hier weder herein, noch heraus, wenn Säuerling es nicht wollte. Das genügte, um sie zu überzeugen. Aber für ihn reichte dieser Besuch, um sich klar zu machen: Georg hatte recht. Sie mussten mit weiteren Experimenten warten, bis sich die Lage etwas beruhigt hatte und etwas Gras über sein nächtliches Treiben gewachsen war. Aber er konnte dennoch nicht von seiner Idee ablassen und hatte in den letzten Wochen, seit ihrer Rückkehr, eine Menge Daten und Möglichkeiten zu Papier gebracht. Papier war geduldig, er allerdings nicht. Und während jetzt all diese Menschen hier in diesem Raum, bei dieser Tagung, wieder das taten, was Wissenschaftler immer tun, wenn sie zusammen trafen, war er mit seinen Gedanken schon wieder dort, wo er so schnell keinen mehr hineinlassen wollte..., hineinlassen durfte. „Herr Säuerling, ich gratuliere ihnen!“ Der kleine Japaner schien ihn mit Absicht aus seinen Gedanken reißen zu wollen und lächelte ein freundschaftliches Lächeln. „Ich bin Dr. Yakazi und bin seit diesem unglaublichen Ergebnis, was die Neutralisierung des Tetrodotoxins der Tetraodontidae- Familie betrifft, ein großer Bewunderer Ihrer Arbeit.“ „Ja, die Kugelfische hatten es mir schon immer angetan“, lachte Manfred verlegen und reichte ihm die Hand. „Bitte verzeihen Sie mir meine Neugier“, begann Yakazi. „Aber ich bin immer wieder interessiert an den Hintergrundgeschichten und Beweggründen, warum jemand all seine Kraft und sein Wissen in solche komplexen Forschungsarbeiten steckt – und sie wissen ja selbst, wie lange die Welt schon an einem Gegengift für den Kugelfisch gearbeitet hat. Wie schafft man so etwas innerhalb so kurzer Zeit?“ Manfred spürte, wie ihm die Röte ins Gesicht schoß. So viel Lob und Anerkennung aus dem Mund einer wissenschaftlichen Größe wie Dr. Yakazi klang zwar wie Musik in seinen Ohren, machte ihn aber verlegen. „Nun ja“, begann Manfred. „Ich muss dazu sagen, dass die Firma Westmark mir wirklich vollkommen freie Hand gelassen und die Sache großzügig finanziell gefördert hat. Wir haben die Tiere studiert, ihre genetischen Codes geknackt und neben modernster Technik und Ausrüstung gehörte dazu ein großes Maß an Reisebereitschaft.“ „Sie sind selbst um ganze Welt gereist, um unsere Gifttiere zu studieren?“ „Ja, natürlich. Ich bin der Meinung, wenn man etwas herausfinden will, dann muss man das Individuum in seiner ganzheitlichen Blüte und Schönheit erkunden und kommt erst dann zum Kern und kann sich mit der Genetik beschäftigen.“ „Ist das das Geheimnis ihres Erfolges?“ „Nein, nicht ganz“, sagte Manfred und lächelte geheimnisvoll. „Natürlich habe ich mir in all den Jahren eine neue Denkweise angeeignet, die – davon bin ich jedenfalls überzeugt – einen entscheidenden Teil zu meinem Erfolg beigetragen hat.“ „Eine neue Denkweise?“ „Man muss einfach das Unmögliche in eine mögliche Erwägung ziehen. Oder wie John Nash in dem Film, „A Beautiful Mind“ einst erklärte: Meine Suche führte mich durch das Physische, das Metaphysische, das Wahnhafte und wieder zurück! Und ich habe die wichtigste Entdeckung meiner Karriere gemacht.“ „Ich verstehe...“, lächelte Yakazi. „Sie haben also, nachdem das Physische und Metaphysische auszuschließen war, einfach das Unmögliche versucht, um an ihr Ziel zu gelangen?“ Manfred nickte und zwinkerte. „Na, das nenne ich doch mal Wissenschaft!“, lächelte Yakazi Das anschließende Abendessen mit dem Wissenschaftskomitee lenkte Säuerling nur wenig von seinen Gedanken ab. Und das lag nicht nur daran, dass ihre Gastgeber eine kulinarische Köstlichkeit nach der anderen servierten, sondern auch an den verschiedenen Gesprächsthemen am Tisch. Bisher war er zwar schon sehr weit gereist und in der Welt herumgekommen, aber die intensiven Gespräche bei Tisch unter Wissenschaftlern, die kannte er bisher nur aus Deutschland. Und in Deutschland erlebte er die Kongresse immer als zwanghaftes Zusammentreffen von Fachidioten, was zur Folge hat, dass auch fachidiotisiert wird, was das Zeug hält. Davon konnte er sich allerdings auch nicht freisprechen. Er war einmal mit Odalys zu einem Empfang eines Freundes eingeladen, der sein neues Architektenbüro einweihen wollte. Und je später der Abend wurde, desto mehr hatte er das Gefühl, als läge das Hauptaugenmerk nicht auf dem Empfang oder der Party, sondern vielmehr auf dem historischen Bauwerk, in dem sie sich befanden. Und so sehr er sich mit Odalys an diesem Abend auch über diese neue Art des Smalltalks amüsierte, hatte er sich schließlich auch selbst dabei ertappt, als bei der Jahresversammlung des Tropeninstituts Hamburg alle Gespräch immer wieder in ein und die selbe Richtung gingen: ihre eigene Wissenschaft. Doch hier schien es anders zu laufen. Dr. Peter Lanscot, ein Naturwissenschaftler aus Atlanta, unterhielt sich nicht mit Dr. Yakazi über seine Arbeit, sondern sie sprachen über ihr liebstes Hobby – die Koikarpfen. Fassungslos hörten Rosenrunge und Säuerling zu, mit welcher Leidenschaft Lanscot von den Fischen sprach und auch immer wieder betonte, welchen Wert die Tiere für ihn hatten. „Es ist nicht nur ein Statussymbol“, erklärte er. „Sie strahlen etwas Magisches aus. Nicht umsonst hat König Shoko von Ro einen Koi an den großen Philosophen Konfuzius verschenkt, und sprach von einer unglaublichen Stärke, die diese Tiere in sich tragen und auch weitergeben. Er sei der einzige Fisch, der es schafft, ohne auch nur eine Schuppe zu verlieren, die Wasserfälle des gelben Flusses zu bezwingen.“ Dr. Yakazi erzählte von der benachbarten großen Kohaku-Farm in Sanbosashi. Ein groß angelegtes Gehege, wo nicht nur die verschiedensten Koi-Arten gezüchtet, sondern von dort auch in die ganze Welt verkauft und verschickt würden. An gut betuchte Hobby-Aquaristen, Liebhaber und Menschen, die gerne ihren Luxus auf besondere Art und Weise zeigen wollten. “Wäre das nicht ein interessanter Tagestrip für sie, meine Herren?“, fragte Dr. Yakazi strahlend. In Rosenrunges Gesicht zeichnete sich der Hauch von entschlossener Ablehnung, die er aber nicht auszusprechen wagte. Es schickt sich eben nicht, seinen Gastgeber vor den Kopf zu stoßen, ohne dafür einen wirklich triftigen Grund zu haben. Er sah Säuerling an, der urplötzlich seine Hand unter das Kinn legte und einen nachdenklichen Blick aufsetzte. „Eine Koi-Farm besuchen? Warum nicht? Vielleicht kann ich mir dort ein paar Tips einholen, wie ich zu Hause besser mit meinen Aquarien umgehen kann, auch wenn es die einfachere und etwas pflegeleichtere Variante des Fisches ist.“ „Kois sind nicht einfach nur Fische, Mr. Säuerling! Sie sind ein Meisterwerk, ein Geschenk der Natur an jene, die ihre ganze Pracht und Schönheit zu schätzen wissen.“ Noch lange versuchten die Fischexperten die beiden Deutschen zu bekehren, während Reiswein und andere alkoholische Getränke geleert und immer wieder nachgefüllt wurden. Die Stimmung wurde mit jeder weiteren Minute lockerer und ausgelassener. Und während Säuerling gegen den hereinbrechenden Schwips ankämpfte, hatte Georg ganz andere Pläne. Er musste nur noch den richtigen Augenblick abpassen, damit seine Vorhaben nicht in einem Desaster endeten. Wie ein Fuchs begann er sich und seine Umgebung abzutasten, damit auch der letzte Zweifel wich. Auch wenn er nicht Takashi Sato war, beherrschte er dennoch die Fingerfertigkeit und auch das Talent und dies einmal auf einem echtem Steinway Flügel unter Beweis stellen zu können, das war wie ein Jackpot im Musikerlotto. Immer noch einsam und verlassen stand der Steinway da und schien auch an diesem Abend nicht zum Einsatz zu kommen. Das Programm musste bisher ohne Pianist auskommen und die Bigband schien fast schon gelangweilt von ihrer eigenen monotonen Fahrstuhlmusik. Und er konnte es ihnen nicht einmal übel nehmen. Sie waren hier auf einer Preisverleihung für wissenschaftliche Studien und nicht auf einem klassischen Musikfestival. Noch nicht..., dachte Georg und begann instinktiv seine Finger zu dehnen und aufzuwärmen. Dann stand er langsam auf. Sah sich wieder um und stellte fest, dass es niemanden, selbst Manfred nicht interessierte, dass er seinen Platz verlassen wollte. Schuld war die vermeintliche Pinkelpause, die so ziemlich jeder hier in dieser Halle regelmäßig und nach dem fünften Glas Reiswein absolvieren musste – jetzt war der Massenharndrang seine beste Tarnung. Unbemerkt erreichte er schnellen Schrittes die Bühne und erschlich sich somit den Weg zum Steinway- Flügel. Zärtlich berührte er den Hunderttausend- Dollar- Lack und öffnete vorsichtig die Tastenklappe. Ein ermahnendes Räuspern ließ ihn kurz erschrocken zusammenzucken und der Bassist der Bigband gab ihn mit einem stechenden Blick zu verstehen, dass er die Finger von dem guten Stück lasse sollte. Georg antwortete ihm mit einem Blick, den wohl nur Musiker aus Leidenschaft untereinander verstehen können, denn als Georg mit seiner stummen Botschaft fertig war, nickte der Bassist ihm freundlich zu und brachte seine Band nach wenigen Augenblicken zum Verstummen. Der Augenblick, an dem Georg am Flügel Platz nahm, noch ein letztes Mal seine zehn Finger zum Knacken brachte und schließlich mit Chopins „Minute Waltz“ begann, war einfach magisch. Das monotone Raunen der verschiedensprachigen Unterhaltungen ebbte ab und ging schließlich in ein stummes Erstaunen über. Immer wieder glitten Georgs Hände über die Tasten des Flügels und brachten Melodien zutage, die an diesem Abend noch keiner gehört hatte. Vielleicht hatte sogar noch keiner in diesem Saal eine Melodie so wahr genommen, wie in dem Augenblick. Wortlos und mit einem Gefühl in der Magengegend, von dem er sich noch nicht entscheiden konnte, ob er sich jetzt in Grund und Boden schämen oder doch stolz für diese Aktion seines Freundes sein sollte, starrte Manfred auf den Rosenrunge, den er bis vor wenigen Sekunden noch genau zu kennen glaubte. Er hatte ihn damals schon oft live erlebt. Er konnte Saxophon spielen bis einem die Puste weg blieb. Er konnte singen, bis einem die Tränen kamen und auch am Klavier war er ein Ass. Doch das hier, das war mehr. Das hatte etwas Vollkommenes. Manchmal war es nur eine hauchzarte Berührung, die einer Taste einen Ton entlockte, der sanft durch die Halle getragen wurde und nicht nur die Gehörgänge, sondern auch gleich das Herz mit berührte. Er war verrückt! Ja, Georg war definitiv verrückt! Er wusste nicht, wie ein japanischer Sicherheitsdienst reagierte, wenn ein deutscher und ein etwas angeheiterter- Wissenschaftler plötzlich eine Bühne stürmt, sich eines Hunderttausend-Dollar-Flügels bemächtigt und dort Chopin und andere Klassik spielt. Wenn er Glück hatte, würden die Herren von der Security ihn nur höflich bitten, sich von dem Flügel zu entfernen. Wenn er Pech hatte, würden sie gleich, wie bei einer Razzia wegen eines Yakuzza-Verdächtigen, die Bühne stürmen und ihn dort herunter zerren. Er wagte nicht, sich umzusehen. Zu groß war die Befürchtung, in Yakazis empörtes Gesicht zu blicken, um sich dann im Anschluss ein: „Das ist ja mal wieder typisch Deutsch, kein Benehmen und kein Respekt vor fremdem Eigentum – aber eines muss man ihnen lassen, Flügel können sie bauen!“ „Du Idiot!“, rief Manfred stumm und fuhr sich nervös durch die Haare. „That`s wonderful! Really wonderful“, hörte er plötzlich eine Stimme, die zweifellos Dr. Peter Lanscot gehörte. „Great! Ich liebe es!“, bemerkte Yakazi und nickte anerkennend. „Ihr Freund hat wirklich ganz großes Talent. Und es braucht eine Menge Mut, um sich ungeübt vor ein Publikum zu setzen und dieses Stück zu spielen.“ Es dauerte einen kurzen Augenblick, bis Manfred die Worte registriert und in seinem Kopf verarbeitet hatte. Doch erst als das Komitee und der Rest der Halle plötzlich zu applaudieren begannen und ihre Begeisterung ausriefen, verstand er. Die Leute liebten Georg und dafür liebte er ihn auch. „Das war meisterlich mein Bester!“, entfuhr es ihm, als Georg irgendwann nach einer kleinen Zugabe überglücklich an den Tisch zurückkam. „Ich habe an einem echten Steinway Flügel gespielt, unfassbar!“ „Wenn wir unser Ding durchgezogen haben Kumpel, dann schwör ich, kauf ich dir einen!“ „Ja genau, und ich besorge dann die Stradivari für dich und dann veranstalten wir gemeinsam eine kleine Jam-Session! Ich klimper und du fiedelst! „Sag bitte nicht fiedeln zu meiner Kunst– ich zelebriere, mein Lieber!“ Sie lachten und bestellten noch eine weitere Runde Reiswein für Tisch 6. Die Kohaku-Farm Kurz nach Mittag trafen sie sich am nächsten Tag mit Dr. Yakazi am Haupteingang der Kohaku-Farm in Sanbosaschi. Die Sonne stand ungewöhnlich hoch und brannte vom Himmel. Es war erst Frühsommer, doch jetzt schon ließ sich erahnen, was Tokio auch in diesem Jahr wieder bevorstand, wenn sich im Juli und August eine Hitzewelle im Land ausbreiten würde. Ob auch dann wieder das Hauptkraftwerk wegen eines Gefahrenzustandes abgeschaltet werden musste oder nicht, Fakt war, dass besonders solche Regionen und Gebiete, in denen Millionen von Menschen auf einem verhältnismäßig engen Raum miteinander leben, mehr denn je auf alternative Energien angewiesen sind. So, oder so ähnlich hatte Manfred am Morgen beim Frühstück versucht, diese Theorie zwei weiteren Hotelgästen klar zu machen. Und Georg hatte ihm nach jedem Satzende schon im Vorfeld zugestimmt, damit er auch ja verhinderte, dass die beiden Hotelgäste - ein Mann und eine Frau älterer Generation - gar nicht erst in Versuchung kamen, sich dazu zu äußern. Nach knapp fünf Minuten Dauergequatsche à la Säuerling über alternative Energien, Solarzellen, Erdwärmebohrungen oder Windkraftwerke hatte das Ehepaar aus New Jersey fluchtartig den Frühstücksraum verlassen. „Ich wollte mich doch nur nett unterhalten“, hatte Säuerling zu seiner Verteidigung gesagt, aber es klang alles andere als glaubhaft. Georg konnte nicht nachvollziehen, woher auf einmal diese neue Kraft stammte. Nachdem sie aus Brasilien zurückgekehrt waren, hatten sie mehrere Wochen nicht mehr darüber gesprochen. Nicht mehr über Tunca Porca, nicht mehr über alternative Energiequellen durch elektroplaxe Organe, und nicht mehr über Schnapsideen, die so genial klangen, dass sie einfach funktionieren mussten, wenn das Wissen und die Möglichkeiten ausgereift waren. Und das waren sie nicht, dessen war sich Rosenrunge sicher. Die Menschheit war noch nicht bereit für solche weltbewegenden Versuche und vielleicht würde sie auch in hundert Jahren noch nicht bereit sein. Und Letzteres war auch sein Hauptargument, was Säuerling für mindestens drei Wochen zum Schweigen gebracht hatte. Was er allerdings nachts in seinem Badehaus tat, das wusste Georg nicht. Nur ab und an, wenn er nachts mal nach Überstunden bei Säuerling vorbei kam und noch Licht in dem verglasten Gebäude brennen sah, war ihm klar, dass Säuerling arbeitete. Und immer dann, wenn er ihn Tage später darauf ansprach, was er denn dort in seinem Präsentierteller-Labor getan hätte, dann antwortete er stets nur: Ich habe Wissen geschafft, sonst wäre ich doch kein Wissenschaftler, nicht wahr Rchoche? Und er glaubte ihm. Oder besser gesagt: er glaubte, dass dieses Wissen, das er schaffte, ohne gleißendes Blitzlicht und ohne irgendwelche Versuche mit elektroplaxen Käfern entstand. Er hatte seitdem nichts mehr davon gehört oder gesehen. Vielleicht hatte sich Manfred auf ein neues Serum gestürzt? Doch seitdem sie in Japan angekommen waren wurde klar, dass Säuerling wieder dieses Fieber gepackt hatte. Vielleicht war es der Kongress, die Laudatio und die angesprochene Möglichkeit seiner Nominierung für den Nobelpreis, die ihn wieder so angestachelt hatten, dass selbst ein Frühstück nicht mehr sicher vor seinen Gedankengängen war. Irgendetwas anderes hatte sich in Säuerlings Kopf in Gang gesetzt, was er noch nicht genau erkennen konnte. Aber er würde bohren, dessen war er sich sicher. Doch nicht jetzt. Nicht in der Nähe von diesem urigen Japaner im Hawaiihemd. Sie begrüßten Dr. Yakazi per Handschlag und von einer steifen Kongresshaltung war nichts mehr zu sehen und zu spüren. Die Schale des Business wurde gegen ein luftiges Hemd im Hawaiilook und lange Jeans ausgetauscht. Manfred fand, dass Dr. Yakazi wie ein begeisterter Tourist auf Reliquiensuche aussah, der nur mit Mühe und Not seinen Fanatismus des eigenen Hobbies verbergen konnte - in diesem Falle galt der Fanatismus einer Spezies bunter Fische, die doch eigentlich nichts weiter waren, als frisierte Karpfen. Eine Meinung, die er ihm natürlich verschwieg. Dr. Yakazi drückte auf die Klingel am Tor und wartete geduldig und mit einem seligen Lächeln auf dem Gesicht. Ein Lächeln, das sich für einen kurzen Augenblick in Skepsis verwandelte, als sein Blick auf Säuerlings Handbewegung fiel. Etwas, was er schon am Vorabend auf der Preisverleihung beobachtet hatte und nicht verstand. Diese Zigarette. Es war genau wie gestern Abend. Als der offizielle Teil über die Bühne gebracht war und der Pegel durch den japanischen Wein stieg, hatte sie lange Zeit hinter Säuerlings Ohr geklemmt, bis er sie sich endlich in den Mund steckte. Und es waren genug Leute da, die ihm ein Feuerzeug reichen konnten. Aber er hatte niemanden danach gefragt, jedenfalls nicht während seiner Beobachtungszeit. Nicht dass er Säuerling beobachtet hätte, aber er musste zugeben, dass er den beiden Wissenschaftlern aus Deutschland immer wieder einen flüchtigen, aber auch ehrfürchtigen Blick entgegengebracht hatte. Ja, er hatte Hochachtung vor ihrer Arbeit und er hatte selten Hochachtung vor Menschen, die aus diesem Europa kamen. Erst hatte er gedacht, Säuerling wäre zu schüchtern oder zu eitel, um nach dem gewünschten Zündungsfunken für die Nikotinfreigabe zu fragen, aber in dem Augenblick, wo ihm eine Dame die gewünschte Flamme hinhielt, und er diese mit einem Kopfschütteln ablehnte wusste er, dass dies eine Bedeutung haben musste. „Im Gebäude ist leider das Rauchen verboten“, versuchte Yakazi ihn mit einem fast perfekten Englisch aus der Reserve zu locken. Manfred sah ihn mit einer Mischung aus Erstaunen und Verwirrung an. „Oh ja...ich meine, nein!“, stammelte er beschämt und steckte die Zigarette wieder in die Schachtel zurück. „Wissen sie, das ist so eine dumme Angewohnheit von mir. Ich bin Nichtraucher, und das schon seit über zehn Jahren. Aber immer dann, wenn ich nervös bin oder mich in eine neue Situation begebe, habe ich den Drang, zu rauchen. Ich tue es aber nicht, obwohl ich es innerhalb von einer Feuersekunde könnte. Und dass ich es könnte, es aber nicht tue...“ „Gibt ihnen das Gefühl, so stark zu sein, dass sie in der Lage sind, sich selbst zu besiegen“, fuhr Yakazi lächelnd fort. „Wer sich selbst besiegt ist stark, Mister Säuerling. Das hat einst schon Laotse festgestellt. Wenn ich einen Hut hätte, dann würde ich diesen jetzt vor ihnen ziehen.“ Säuerling lächelte gerührt. Es dauerte nicht lange, bis ein kleiner gemütlich aussehender -und sich auch so bewegender- Japaner das Tor aufschloss und sie schließlich wild gestikulierend, aber freundlich einließ. Er trug Gummistiefel und eine Jacke mit einer farbenprächtigen Darstellung eines Koi-Karpfens auf dem Rücken und einer japanischen Aufschrift, die sie sich als “Kohaku-Farm“ übersetzen ließen. Sie traten ein und während Dr. Yakazi mit dem Mann in der Kohaku-Farm-Jacke ein lebendiges Gespräch vom Zaun brach - wobei nicht zu unterscheiden war, ob sie jetzt über das Ambiente sprachen oder doch über das letzte Wochenende in der Karaokebar - liefen die beiden Deutschen schweigend hinterher. Sie waren etwas allein gelassen bei der Beurteilung dieser Umgebung, da diese Gebäude vom Äußeren eine außergewöhnliche Anordnung zeigten – halbrund, wie eine Biskuitrolle. Jetzt passierten sie Büroräume, aus denen neben einem hektischen Tippen auch aufgeregte Stimmen zu hören waren, die entweder telefonierten oder sich gegenseitig etwas erzählten. Am Ende des Ganges gab es eine kleine Küche, wo sich ungespültes Geschirr stapelte. Manfred schmunzelte innerlich und dachte an den Zustand des Aufenthaltsraumes bei Westmark. Und er erinnerte sich auch noch, wie irgendjemand einmal sagte: Wir sind Wissenschaftler und müssen den ganzen Tag konzentriert sein und wichtige Thesen aufstellen, da können wir uns nicht noch mit solchen Lappalien wie „Spülen“ herumärgern. Er hatte sich daraufhin einen verbalen Seitenhieb einer Kollegin eingehandelt, die ihm daraufhin seine Kaffeetasse ungespült zurückgab. Ob Japaner sich auch so um die gerechte Arbeitsverteilung unter Kollegen stritten? Diese Frage wurde mit einem Male vollkommen unwichtig, als sie durch einen schlauchartigen Gang geführt wurden, in dem es feucht war und stark nach Fisch roch. Es war kein besonders unangenehmer Geruch, aber doch so penetrant, dass man gerne die Quelle ausgemacht und möglichst schnell abgestellt hätte. Das Geräusch von surrenden Filteranlagen durchbrach die ansonsten angenehme Stille. Hier und da tropfte Wasser von der Decke und ließ erahnen, dass der Druck, der auf den Wänden lastete, von etwas Großem und Gewaltigem herrühren musste. Wasser!, schoss es Säuerling durch den Kopf. Der Gang führte durch ein Gewässer hindurch. Doch er schwieg und sparte sich die Nachfrage. Schließlich stiegen sie eine schmale Treppe hinauf und gelangten in eine große, mit Glas überdachte Halle. "Die Farm verfügt über einen Innen- sowie auch über einen umfangreichen Außenbereich", erklärte Dr. Yakazi. "Drinnen sowie draußen haben wir verschiedene Teiche, in denen die Karpfen artgerecht aufwachsen und mit viel Liebe und Pflege zu dem gemacht werden, was sie sind: kleine Wunder. Wir haben hier Kois, die für 50 Dollar verkauft werden, und andere bis über 60.000 Dollar." Säuerling blieb stehen und ließ seine Augen von einer Seite der Halle über die Becken zur anderen wandern. Diese Prozedur dann noch mal auf demselben Weg zurück und auch noch ein weiteres Mal. In seinem Kopf begann es wild zu arbeiten. Es war eine Art Déjà-vu-Erlebnis. Ein Gefühl, das er zunächst noch nicht richtig einordnen konnte. Die Bassins waren in sauberer Anordnung und mit kleinmaschigen Netzen aufgeteilt. Ein Gittersteg in der Mitte ermöglichte es den Mitarbeitern, von einem Becken direkt ans andere zu gelangen. Und über allem schien das helle Licht der durch japanischen Smog gefilterten Sonne, die direkt durch das Glasdach hindurch auf das Wasser strahlte, was die farbenfrohe Pracht der einzelnen Tiere noch besser zur Geltung kommen ließ, als die jener Fische, die zur Schattenseite hin schwammen. "Gleich ist Fütterungszeit", sagte Dr. Yakazi und schien sich darüber zu freuen wie ein kleines Kind. „Und was fressen die Tiere?“, fragte Säuerling interessiert. „Nun, generell haben wir Fertigfutter in Pelletform, in denen alle wichtigen Nährstoffe enthalten sind. Proteine, Vitamine, Calcium, Fett. Hier gibt es bei der Fütterung eine eigene Hierarchie, denn es ist in der Tat so, dass sich hier der besondere Koi auch besonders wohl fühlen muss, um so zu gedeihen, dass ein Käufer auch seinen Wert erkennt. Deshalb haben wir verschiedene Futtersorten und Fischerzeugnisse, die den jeweiligen Koiarten angepasst sind.“ „Sie nehmen mich auf den Arm“, lachte Säuerling. Doch dann traten plötzlich mehrere Mitarbeiter mit Eimern in die Halle. Sehen sie selbst“, sagte Dr. Yakazi und winkte einen der Männer herbei. „In jedem Bassin gibt es verschiedene Kois, die verschiedenen Bedürfnisse haben. Und glauben Sie mir, die Tiere sind sehr wählerisch.“ Er nickte mit dem Kopf auf den Inhalt eines Eimers, der ihm bereitwillig entgegengestreckt wurde. „Meine heutige Empfehlung: Mückenlarven und Muscheln, auf zartem Dünstgemüse. Möchten sie kosten?“ Säuerling winkte dankend ab und auch Rosenrunge teilte mit, dass ihm das üppige Frühstück im Hotel jetzt noch im Magen liegen würde. Dann beobachteten sie gespannt die Fütterungszeremonie, die mit viel Liebe und großer Professionalität verrichtet wurde. "So viel Aufwand für ein paar Fische?", flüsterte Georg Säuerling hinter vorgehaltener Hand, dann rollte er mit den Augen. "Unfassbar!" "Nun, jedem sein Hobby, kann ich da nur sagen“, antwortete Manfred. „Andere spielen Golf oder fahren schnelle Autos, er beschäftigt sich mit Fischen, die bald so teuer sind wie ein Einfamilienhaus. Aber du musst zugeben, diese Tiere sind wirklich wahre Prachtstücke.“ „Ja, wahre Prachtstücke für die Pfanne“, grinste Rosenrunge und konnte sich das Lachen kaum verkneifen. „Denkst du schon wieder ans Essen? Du weißt doch, deine Linie! Ich finde ohnehin, dass du wieder zugelegt hast, oder täusche ich mich da?“ Rosenrunge verzog beleidigt das Gesicht. „Kleiner Scherz! Nein, ich finde an diesen Tieren vor allem interessant zu sehen, was alles dafür benötigt wird, um solche Prachtstücke zu züchten." Rosenrunge hörte schon wieder diesen gewissen Unterton in Manfreds Stimme, der ihn sofort aufhorchen ließ. Er suchte seinen Blick, fand ihn aber nicht. Denn Säuerling starrte immer noch auf die Bassins, als würde er dort das Artefakt zur ganzheitlichen Rettung der Menschheit wittern. "Säuerling, was geht in deinem Kopf vor?!", fragte Georg und legte ihm fast schon mit einer mahnenden Behutsamkeit die Hand auf seine Schulter. Doch Manfred reagierte nicht auf seine Frage, sondern schien irgendwo ganz weit entfernt zwischen mathematischen Berechnungen und der Funktion eines Glasdaches versunken zu sein. "Hey Manni! Das ist jetzt nicht dein Ernst. Sag mir nicht, dass du jetzt zufällig die Züchtung von Koikarpfen in deinem Badehaus planst?" "Nein, aber unseren nächsten Urlaub!" "Wie bitte?" "Ich finde, das sind wir Odalys, Kathrin und den Kindern schuldig, nach all unseren eigensinnigen Aktionen der letzten Monate." Rosenrunge verzog das Gesicht, als hätten ihn urplötzlich seine Gehörgänge im Stich gelassen. "Was haben wir denn jetzt für eine Phase, Amigo!? Das sind ja Töne, die ich ganz und gar nicht von dir gewohnt bin. Sei ehrlich, was steckt wirklich dahinter?“ "Sonne, Strand, Meer und Tauchen! Ja, diese Fischbecken erinnern mich daran, wie lange wir beide keinen Tauchgang mehr miteinander gemacht haben." Rosenrunge schenkte Säuerling einen skeptischen Blick. "Tauchgang...wir beide....?", wiederholte er. "Stimmt, der letzte Tauchgang, den wir beide gemacht haben, war auf dem Amazonas, als wir mit unserem Boot gekentert sind, weil du meintest, dich mit einer Anakonda anfreunden zu müssen." "Oh ja, es war eine wunderschöne Eunectes murinus und sie hatte gerade ein Wasserschwein verspeist. Ein sehr seltenes und zu dem auch sehr faszinierendes Bild. Ich habe es immer noch im Gedächtnis, aber wir sind nicht wegen ihr oder mir gekentert, mein Freund. Du warst es, der die große Panik geschoben hat, als das Tier am Ufer aufkreuzte." „Lenk nicht vom Thema ab! Wenn du von Urlaub sprichst, dann steckt irgendeine andere Sache dahinter. Ein Manfred Säuerling macht nicht einfach so Urlaub. Ein Manfred Säuerling...“ „Will seiner Familie endlich auch mal etwas bieten!“, unterbrach Manfred. „Bald sind Sommerferien. Lass uns ein paar Tage der Realität entfliehen, unseren Lieben etwas Gutes tun und auch uns mal wieder einen ganz entspannten...“ „Das glaube ich erst, wenn ich dich und Samuel in Badehosen am Strand sehe!“ „Tja, dann gewöhne dich schon mal an dieses Bild. Im Übrigen würde ich dir dann noch raten, die nächsten Wochen noch etwas abzuspecken, denn mit diesem Polster da vorne möchte ich dich nicht in Badehosen sehen.“ „Toll, gerade jetzt bekomme ich Appetit auf Fisch...“ Am Golf von Akaba ist der Sonnenuntergang wirklich so schön, wie in einem Reiseprospekt. Das stellten auch zwei Frauen fest, die sich schon während des Fluges über ihre Männer wunderten. Denn es war Jahre her, dass sie es geschafft hatten, gemeinsam mit ihnen zu verreisen und das auch noch zur Ferienzeit. Die Begeisterung der Familien war einhellig. Gegen 18.00 Uhr landete die vollbesetzte Boeing 757 auf dem Flughafen Sharm El-Sheikh. Eine knappe Stunde später fuhren die Familien Rosenrunge und Säuerling mit einem Kleinbus in Richtung Dahab, einem ehemals kleinen Fischerdorf im Süden der Halbinsel Sinai. Nach etwa einer Stunde Fahrt hatten sie die Finca, mit Blick auf das Meer, erreicht. „Wir sind da!“, rief Säuerling feierlich und stieg aus. Ein Jubelschrei durchbrach die idyllische Stille und scheuchte einen Hund aus seiner Hütte. scheuchte einen Hund aus seiner Hütte. „Gibt es hier auch Boote?!“, rief Samuel aufgeregt und starrte mit fieberhafter Aufmerksamkeit auf das Meer hinaus. Dann folgten ihm auch die sprachlosen Frauen. Mit feuchten Augen blickten sie auf das Meer, das gerade mit einem feurigen Lichtspektakel der untergehenden Sonne verschmolz und der familiären Freude noch einen Hauch Romantik schenkte. Da konnte selbst die dreizehnjährige Sandra Rosenrunge ihren Schmollmund nicht mehr länger halten und schaltete freiwillig auf ein überwältigendes Lächeln. In diesem Kapitel ist die Schlüsselszene für dieses Experiment "Verdammt, Georg, begreifst du nicht, was hier gerade passiert ist? Hast du es immer noch nicht verstanden, worum es hier geht?" Rosenrunge starrte seinen Freund erschrocken an. „Diese Tiere sind das Tor zu einer ganz neuen Ära der erneuerbaren Energie. Ich habe es jetzt mit meinem eigenem Fleisch und Blut fühlen können. In ihnen fließt wahrhaftig das, was in Zukunft durch unsere Leitungen fließen könnte, wenn wir nur irgendeinen Weg finden würden, diese Energie einzufangen. Das war dein Part und ich gehe davon aus, dass du deine Hausaufgaben nicht gemacht hast, weil du dachtest, dass der alte Säuerling irgendwann seine Idee an den Nagel hängt, was?" Rosenrunge schüttelte verlegen den Kopf. "Nein, Muchacho, ich hatte gehofft, dass du diese Schnapsidee an den Nagel hängst, weil die Welt noch nicht bereit ist für solch eine empfindliche Technologie. Vergiss nicht, du bist nicht der Einzige auf dieser Welt, der genau diesen Gedanken schon verfolgt hat und auch versuchte, dies für die Wissenschaft zu nutzen. Und Humboldt war nur einer von ihnen. Auch dem guten alten Platon - und der hat etliche Jahre vor Christus unter den Lebenden geweilt - ist die Thematik des Zitterrochens bekannt. Er war es doch, der Menon in einem seiner Dialoge den Sokrates mit einem Zitterrochen vergleichen ließ. Sokrates, der mit Hilfe seiner geschickten Aporie die Spur der Wahrheit suchte und somit willkürlich die vollkommene Ratlosigkeit auslöste - die Betäubung. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, als würdest du eine ähnliche Beziehung zu diesen Tieren führen. Du lähmst nicht nur alles um dich herum, sondern machst mich als deinen besten Freund wirklich ratlos. Und nicht nur das, du betäubst dich auch selbst. Das ist mir schon damals aufgefallen, als Tunca Porca in dein Leben trat. War das Tier nicht ebenfalls eine mutierte Form eines Mantas? Es hat dich gelähmt, Muchacho. Es hat dich mit deiner eigenen Idee gelähmt. Und jetzt ist es dein Fanatismus, der dich lähmt. Fanatismus, der dich zu unüberlegten Dingen treibt, die dir fast das Leben gekostet hätten - wach endlich wieder auf, Amigo!" „Bist du endlich fertig?“, knurrte Manfred und in seinen Augen funkelte einen kurzen Moment lang die Flamme der Wut. „Wenn du schon anfängst, in der Geschichte der Menschheit und der Rochen zu stochern, dann solltest du den Fall Pedanios nicht vergessen. Dieser Kollege, Pedanios Dioscurides um genau zu sein, war nämlich einer der ersten ernst zu nehmenden Menschen, die genau dieser Energiequelle mehr Sinnvolles abgewinnen konnten, als irgendwelchem Dauergequatsche griechischer Philosophen. Pedanios war ein Arzt und für einen Medicus im ersten Jahrhundert nach Christus ist das schon ein ansehnlicher Titel, findest du nicht auch? Und er war es, der den Elektrotismus dieser Tiere für die Medizin nutzen wollte und ernsthaft versucht hat, epileptische Anfälle zu behandeln." "Und, hat er es geschafft?" "Das weiß ich doch nicht! Ich war nicht dabei! Aber ich weiß, was ich weiß und ich weiß auch, dass du weißt, dass ich Recht habe und das macht dir Angst!" Rosenrunge schwieg. "Rede mit mir Georg, warum versuchst du schon seit Monaten, schon seitdem wir in Brasilien waren, mich auszubremsen und immer wieder aufzuhalten. Wovor hast du Angst?" "Verdammt, wenn das alles so funktioniert, wie du es gesagt hast. Wenn dein Plan aufgeht und du schaffst es, wirklich den Strom aus den Organen dieser Tiere zu gewinnen, dann...." "Dann?" Georg ließ mit der Antwort auf sich warten. Er sah über das Wasser, als läge dort irgendwo am Horizont die Antwort verborgen. Doch dann sagte er schließlich: „Dann haben wir nicht nur eines der größten Weltwirtschaftsprobleme mit einem Schlag gelöst, sondern werden wahrscheinlich eine ganze Menge ganz anderer Probleme schaffen. Das ist so, als hätten wir die Leiche von Cäsar gefunden, auf dessen Hintern „Papa was a Rolling Stone“ eintätowiert wäre.“ Säuerling grinste. „Ein toter Cäsar mit Tattoo auf dem Hintern? Das wäre doch mal ein Ziel für unsere nächste Expedition!“ „Nein, im Ernst, Manni! Dies würde das Toleranzpotential empfindlich sprengen. Das Ganze würde Ausmaße annehmen, die wir uns wahrscheinlich nicht einmal vorstellen können.“ "Ich kann mir dieses wunderbare Ausmaß aber sehr gut vorstellen", unterbrach Säuerling. "Überall auf der Welt müssten die Atomkraftwerke umfangreichen Wasserbecken weichen, in denen Rochen, Zitteraale oder andere Tiere mit elektroplaxen Organen gezüchtet würden. Durch die ausgeklügelte Technik eines Speicherungstechnikers ist es sogar möglich, die Energie im Autobatterieformat einzufangen, die aber wesentlich mehr Spannung aufnehmen kann, als eine herkömmliche Batterie. Ein kleines einheitliches und kompaktes Batterieformat, das sogar im Stande ist, einen ganzen Haushalt dauerhaft zu versorgen. Ich sehe das Bild schon vor mir: Samstag Vormittag im Baumarkt, die Sonne brennt, die Blumen blühen, die Rasenmäher gehen weg wie warme Semmeln und irgendwo zwischen Auto - und Elektroabteilung stehen sie, die Säuerling / Rosenrunge Batterien, nennen wir sie doch einfach mal SäRo-Power V1, für einen Monat Dauerstrom. Wahlweise auch für zwei oder drei Monate Speicherkapazität mit Staffelpreisen. Wer weiß, vielleicht stehen unsere SäRo Power V7 gleich nebenan in der Autoabteilung, ausgerichtet für die Elektromotoren der nächsten Autogeneration, die eine Speicherkapazität für 100 Autofahrstunden haben oder bis 1000 Kilometer reichen. Benzinpreise würden plötzlich vollkommen ihre Bedeutung verlieren und glaube mir, ich wäre sehr gerne Zeuge dieses historischen Moments, allein nur um die dämlichen Gesichter der Verantwortlichen zu sehen. SäRo-Power, die Tankstellen der Zukunft, die Shell in die Pleite treiben oder aber zu erneuerbaren Energiequellen bekehren, die sie nutzen dürfen, wenn sie einen guten Preis dafür zahlen. Einen Preis, den wir bestimmen werden...“ Säuerlings Augen leuchteten und dieses Leuchten erschreckte Georg so sehr, dass es ihm für einen kurzen Augenblick die Sprache verschlug. Manfred war nicht nur verrückt, fanatisch und begeistert, er war überzeugt. Und wenn ein Manfred Säuerling von etwas überzeugt war, dann würde er so lange weiter machen, bis es funktionierte. Und verdammt, sein Vorhaben konnte funktionieren und es würde funktionieren. Und er wäre auch bereit, selber daran zu glauben, wenn nicht... "SäRo Power V7?" Georg schüttelte den Kopf. "Mal abgesehen davon, dass diese Bezeichnung nach einem neuen Waschmaschinenmodell klingt, was glaubst du eigentlich, was die Konzerne, die ganzen Volt- und Watt-Riesen, vielleicht sogar die Regierung selbst, mit dir machen, wenn du dort raus gehst und diese geniale wissenschaftliche und menschliche Revolution preisgibst? Glaubst du, dass Shell sich von einem deutschen Wissenschaftler in die Pleite treiben lässt? Glaubst du wirklich, dass der Rest der Welt dich wie einen Messias feiern wird, der mit erhobener Hand und einem „ I had a Dream“! Ruf in die Menge winkt? Glaubst du, sie würden dir zu ihrem eigenen Untergang gratulieren? Mal abgesehen davon: wem würdest du diese Technik als erstes unter die Nase reiben, wenn nicht gleich einem Angestellten des Patentamtes?“ „Ich würde zu allererst unseren Frauen diese Technik unter die Nase reiben wollen, denn sie haben ein Recht darauf zu erfahren, dass sich ihr Leben in Zukunft von Grund auf verändern wird. Und ja, die Watt-Riesen werden sich in der Tat in den Hintern beißen, wenn sie feststellen, dass ihre Preispolitik und ihr hinterfotziges Monopol zusammenfallen wird wie ein Kartenhaus. Und ja, ich kann mir vorstellen, dass die Atomkraftwerksbetreiber und sämtliche Energiekonzerne Auftragskiller gegen uns in Massen anheuern werden, aber..." "Das hier ist kein Spiel mehr, Manfred! Denk wenigstens einmal ernsthaft über die Konsequenzen nach. Du wirst einen unüberschaubaren Butterfly Effekt, wohlmöglich über die ganze Welt, auslösen." "Ja, es wird in der Tat einen Butterfly Effekt geben. Nur wird unser Schmetterlingsflügelschlag die Welt verändern. Wir werden den Menschen und auch der Natur eine ungeheuere Erleichterung bringen. Stell dir doch nur mal vor..." "Nein, ich will mir das nicht vorstellen!", sagte Georg kühl und sah Manfred scharf in die Augen. "Seit Jahrzehnten versuchen die am besten ausgebildeten Wissenschaftler die optimale Lösung für erneuerbare und alternative Energien zu liefern. Milliardenbeträge werden jedes Jahr für die Forschung ausgegeben, während bereits im Nachbardorf die ersten biotechnologischen Kraftwerke erbaut werden. Du weißt, welch großes Aufsehen allein diese Form der neuen Energiegewinnung ausgelöst hat. Ich rede von der Energiegewinnung durch Dung, und welche Folgen das für die einzelnen Bauernhöfe hatte, die diese Technologie eingeführt haben. Eine Menge Anschaffungskosten, okay, teilweise subventioniert vom Staat, aber was bringt das, wenn der Staat die Bauern im Stich lässt, wenn der nahegelegene Energieriese das Haar in der Suppe sucht und auch noch findet? Keine Baugenehmigung? Oder Verdacht auf eine fehlerhafte Anlage? Von den vielen anonymen Klägern aus der Nachbarschaft wegen etwaiger Geruchsbelästigung, die wahrscheinlich sogar noch dafür bezahlt werden, dass sie klagen. Die Klage als netter Nebenverdienst, steuerfrei versteht sich. Die Energiegiganten haben ihre Mittel und Wege, sämtliche Konkurrenz schon im Entstehen auszulöschen. Ja, vielleicht habe ich nicht meine Hausaufgaben gemacht, aber sie tun es regelmäßig. Und in ihren Hausaufgaben wird mit Sicherheit auch stehen, dass wenn ein gewisser Säuerling mit der Idee kommt, aus Tieren Energie zu gewinnen, das sofort alle Maßnahmen in Kraft treten lässt, dies zu verhindern. Maßnahme Nummer eins: Benachrichtigung des Tierschutzvereins und eine Klage beim Landgericht. Und am Ende steht nicht nur der Bauer aus dem Nachbardorf, sondern auch du mit deinen Bemühungen, etwas Gutes für die Welt getan zu haben, alleine. Mit einem unüberschaubaren Berg aus Anwaltskosten, bürokratischen Anschreiben und Gerichtsbeschlüssen - nicht zu vergessen die Kosten für diese aufwändige Anlage." "Manfred, du redest hier im wahrsten Sinne des Wortes Bullshit! Um aus Kuhscheiße Energie zu gewinnen, dafür ist natürlich eine Nobelpreisnominierung das Mindeste, aber wenn man realistisch bleiben will, hat diese Methode keine wirkliche Zukunft und schon gar nicht weltweit. Und genau das ist auch das Problem, warum hier die Unterstützung fehlt, es hat keine Zukunft! Es ist der Tropfen auf dem heißen Stein, und dieser verpufft meistens schon im Flug. Der Provinzbauer wird niemals in der Lage sein, ein globales Problem zu lösen, da kann er soviel Scheiße fabrizieren wie er will.“ "Und das ist das Problem, was ich sehe, Säuerling, in diesem Fall wirst du der Provinzwissenschaftler sein, der versucht, ein globales Problem zu lösen." "Ich versuche es nicht nur, ich....wir....werden es tun!" "Sie werden dich platt machen. Klagen werden dich überrollen, sie werden deine Idee, noch bevor du sie überhaupt aussprechen kannst, noch im Flug abfangen. Sie werden sie dir entreißen, dich mundtot machen, so dass am Ende nichts mehr von dir übrig bleibt, als ein Korn von dem Futter, was der Bauer Hinnerk seinen Kühen zu fressen gibt, damit auch genug Energie hinten rauskommt. Selbst wenn du es schaffst, das Patent anzumelden, wird es nicht lange dauern, bis der erste Energiekonzern mit der ersten Klage winkt. Und es werden unzählige weitere folgen und der Staat wird sein Urteil fällen und zwar ein solches, was ihm am meisten nützt.“ "Ja, und deshalb wird er sich auch für SäRo Power entscheiden, immerhin hat dann Deutschland endlich einmal ein Vorzeigeobjekt für den Export zu bieten - denn wer will schon so etwas Langweiliges wie eine Magnetschwebebahn? Apropos Japan, sie werden mit die ersten Großabnehmer für unsere Technologie sein, damit sie nie wieder ein Kraftwerk betreiben müssen, das in einem gefährdeten Erdbebengebiet steht. Ja, Rosenrunge, bedenke doch auch mal den menschlichen Aspekt. An die Gefahr, der wir uns seit Jahren aussetzen, indem wir uns Atommonster neben Großstädte stellen, immer in der Hoffnung, dass der Reaktor auch noch lange genug hält. Castor und der ganze Dreck könnte endlich der Vergangenheit angehören. Stichwort: Tschernobyl, 1986. So eine Scheiße würde nie wieder passieren. Und wenn wir schon gerade in Russland sind: Sie bauen gerade an einem schwimmenden Atomkraftwerk. Diesen Wahnsinn muss man sich mal vorstellen! Über 1500 Millionen Dollar für einen Kahn, der einen Reaktor für den Norden Russlands im Gepäck hat und im nächsten Jahr diesen Bereich mit Strom versorgen soll. Ja, um Russlands Utopien kümmert sich doch tatsächlich die russische Atomenergiebehörde, um die Belange der Menschen offenbar niemand. Die Oligarchie herrscht dort immer noch und ist so erfolgreich, wie die Prostitution und Gewalt. Wer hier Strom und Energie im Überfluss hat sind jene, die ohnehin schon alles haben. Und sie haben mit dieser teuren Energie nur noch mehr Möglichkeiten, Druck auszuüben und Macht an sich zu reißen. Es ist eine gesetzlose Herrschaft der Reichen gegen jene, die es mit Moral und Ehrlichkeit versuchen, und ihr Tanz um das goldene Kalb ist immer noch die Verhöhnung aller hart arbeitenden Menschen. Und das gilt nicht nur für die russischen Nachbarn, sondern für die ganze Welt. Energie ist leider zu einem Luxusgut geworden, das sich nicht jeder leisten kann, aber doch jeder braucht, um ein Leben in Würde zu führen. Wir könnten genau diese Würde herstellen und dafür sorgen, dass sie niemand mehr antasten kann. Durch unsere Technologie schaffen wir Energie, die sich jeder leisten kann. Somit ist Strom kein Luxus mehr, sondern ein Non-Food-Lebensmittel für den täglichen Gebrauch und auch so erwerbbar wie ein alltäglicher Gebrauchsgegenstand. Lass uns nicht länger dabei zusehen, wie die Reichen und Mächtigen dieser Erde uns an der Nase herumführen. Du hast es selbst gesehen, als wir zum Hamburger Flughafen gefahren sind. Kaum beginnen die Ferien und prompt ziehen die Ölkonzerne wieder die Preise an, obwohl der Preis für ein Barrel Öl deutlich gesunken ist. Lass uns ein Zeichen setzen Rosenrunge, wir haben nicht nur die Möglichkeiten, sondern auch die Mittel und das Wissen, etwas zu verändern. Wir können es schaffen und gegen diese weltweite Erniedrigung der Menschheit etwas unternehmen." Rosenrunge schwieg. Er schwieg so unendlich lange, dass Säuerling die Befürchtung hatte, ihm mit seiner Rede ein Knockout verpasst zu haben. Doch dann regte sich etwas in Georgs Gesicht und er brachte ein Gestammeltes: "Nun ja...", heraus. Eine Aussage, mit der sich Manfred nicht zufrieden geben wollte. "Was gibt es da noch zu zweifeln, Georg?!", rief er empört und riss vorwurfsvoll die Arme hoch. "Was brauchst du noch, damit du an diese Sache glaubst?! Denn während du hier in diesem Scheißboot sitzt und nicht über deine Scheißzweifel hinweg kommst, sterben überall auf der Welt Menschen, weil es ihnen an einem würdevollen Leben fehlt. Sie verhungern, sie erfrieren oder gehen an mangelnder Hygiene, mangelnder medizinischer Versorgung zu Grunde..." "Stop! Stop! Stop! Und du glaubst allen Ernstes, mit Hilfe von SäRo Powerbatterien würdest du all diesen Menschen helfen? Glaubst du, dass es mit Energie in dieser Welt wirklich getan ist? Mit Strom gegen Hunger, Leid und Armut? Strom für den Weltfrieden? Was bist du? Jesus? Gott? Oder der neue Hamburger Mahatma Gandhi, als Pilger des Friedens und im Namen der biologischen Energiegewinnung?“ "Verdammt, die Menschen haben ein Recht darauf, so zu leben, dass nicht die Hälfte der Wohnungskosten für die Energie drauf geht und sie haben auch ein Recht darauf, ihren Lebensstandard zu halten, ohne dabei ständig der Natur auf die Füße zu treten. Der Butterfly Effekt wird sich in der Tat mit der Zeit über alle Kontinente legen und die Menschen werden dankbar dafür sein - und am Ende werden auch die Energiekonzerne nach unserem Prinzip arbeiten, nämlich dann, wenn sie uns dafür bezahlen, dass sie das tun dürfen." "Und was glaubst du, werden sie tun?" "Wen meinst du mit sie?" "Die Regierungen, die Weltmächte! Die Drahtzieher allen Übels, die du vorhin so schön angeprangert hast. Glaubst du nicht, dass auch sie ihre eigenen Ideen schüren werden, wie sie diese Art von Energie für sich nutzen können. Die einen rüsten jetzt schon fleißig ab und wenn diese Sache in der Welt Fuß fasst, glaube mir, dann wird die Welt auch wieder aufrüsten, dank dir!" "Och Rosenrunge, jetzt übertreibst du aber!", lachte Säuerling, auch wenn dieses Lachen nicht von Herzen kam. "Meinst du wirklich, ich löse mit einer alternativen Stromquelle auch gleich einen neuen Bauplan für elektronische Massenvernichtungs-Waffen aus?" "Die Menschheit hat schon aus ganz anderen Mitteln solche Tötungsmaschinen entwickelt. Auch ein Selbstmordattentäter ist eine Massenvernichtungs-waffe. Du spielst nicht nur mit dem Feuer, Muchacho, sondern du spielst mit dem Weltfrieden." „Ich spiele mit dem Weltfrieden?“ Manfred schnappte nach Luft. „Ja, weil du hier mit Macht spielst“, antwortete Georg. „Was glaubst du, was in den Köpfen der Weltmächte vor sich geht, wenn die erfahren, das wir Deutschen eine Technologie entwickelt haben, die es ermöglicht, enorme Energiequellen mit einfachen natürlichen Mitteln herzustellen. Glaubst du allen Ernstes, dass die uns abkaufen, dass wir lediglich dafür sorgen wollen, dass Tante Anna aus Altona kostengünstig ihr Fernsehen einschalten kann? Wie war das damals mit der Atomkraft, Manfred? Sollte hier nicht auch eine neue Energiequelle entstehen, um eine Alternative zu den Bodenschätzen zu schaffen? Du brauchst Hiroshima nicht zu leugnen! Schön, heute wird weltweit abgerüstet, aber du hast die Entwicklung selbst verfolgt. Warum wurde überhaupt aufgerüstet? Weil hier eine fremdartige Technologie entwickelt wurde, die in der Lage war, eine ganze Welt zu vernichten. Die Menschen sind so einfältig und fremd gesteuert, wenn es um Macht geht. Allein das Gerücht würde schon reichen, dass in sämtlichen Teilen der Welt Alarm geschlagen würde. Die Deutschen haben eine neue elektroplasmische Waffe entwickelt und prompt herrscht wieder Unruhe in der Welt.“ „Ach komm!“, winkte Manfred ab. „Wenn es danach gehen würde, dann müssten wir schon den zehnten oder elften Weltkrieg erleben. Du siehst doch jedes Jahr aufs Neue, welch neue Technik allein aus Japan zu uns überschwappt. Sie haben einen selbständig denkenden und vor allem menschlichen Roboter entwickelt, der sogar Emotionen zeigen soll – und ist Japan gleich von den Russen oder Amerikanern zerbombt worden?“ „Nein, aber weißt du, in welchem Maße die Geheimdienste ihre Augen und Ohren in und auf Japan haben?“ Manfred schwieg. „Du spielst Gott, wenn du das durchziehst, Manni.“ „Und wenn schon. Wenn Gott nicht gewollt hätte, dass wir Tiere als Stromlieferanten nutzen, dann hätte er keine Tiere mit dieser Eigenschaft auf die Erde losgelassen – meine Meinung! Die gleiche Ansicht habe ich übrigens auch noch, was die Blitze betrifft...“ „Du nimmst mich nicht ernst, oder?, fragte Georg ärgerlich. „Doch, aber wenn ich ehrlich bin, interessiert mich im Moment nur Eines, Georg! Bist du endlich bereit, die Sache ernst zu nehmen? Bist du bereit, mit mir gemeinsam an diese Sache zu glauben? Und mich zu unterstützen, selbst wenn die Weltpolitik, inklusive Börse wegen unserer Erfindung einen Megacrash erfährt? Rchoche, bist du dabei? Ja oder nein!“ "Du weißt wie meine Antwort lautet...", antwortete Georg bedrückt. "Ja und ich weiß, dass ich mich mit ihr nicht zufrieden geben werde“, schnauzte Manfred. „Es ist die Angst, die dich bei deiner Entscheidung leitet. Angst ist ein schlechter Berater, schmeiß sie weg! Und es ist eine unbegründete Angst, weil in dieser Sache niemand wirklich vorhersagen kann, was passieren wird. Ich habe jahrelang Zeit gehabt, um mir über die Konsequenzen klar zu werden und die ersten Konsequenzen habe ich schon am eigenen Leib, beziehungsweise direkt vor meiner Haustüre miterleben müssen. Bazillen, die sich wie ein lästiger Schimmelpilz auf die Haut legen und sich dort einbrennen – die lauern überall. Dieser Schuldirektor ist eine solche Bazille. Aber ich sag mir immer, wer eine solche Idee verwirklichen will, der wird auch mit solchen Spinnern, Spionen oder, wenn es sein muss, auch mit der CIA oder dem Bundesnachrichtendienst fertig." „Du kapierst nicht, worum es hier geht...“, sagte Georg ernst und sah ihn traurig an. „Nein, Georg, du kapierst nicht...“ "Ruhe, jetzt rede ich!“, unterbrach Georg energisch. „Willst du dein Leben lang Angst haben? Willst du dein Leben lang nur noch mit Bodyguards vor die Türe? Sollen die Kinder eingesperrt werden, Privatunterricht nehmen und nie wieder auf den Sportplatz gehen, aus Angst davor, dass sie Opfer einer Entführung werden könnten? Sollen unsere Frauen sich ebenfalls nur noch verstecken? Keine Weiberabende mehr mit Tupper und Co.? Und was ist mit uns...kein Poker, kein Drink in der Bar, keine Abenteuerreisen mehr. Bist du wirklich bereit, all das in Kauf zu nehmen - und ich habe nur die harmlosen Dinge aufgezählt - nur um dein Ding durchzuziehen?" "Es ist nicht mehr nur mein Ding....es ist unser aller Ding...auch deines. Und deshalb frage ich dich jetzt: bist du bereit, der Menschheit etwas vorzuenthalten, was nicht nur ihr, sondern auch ihrem Lebensraum, der Natur, eine große Entlastung wäre. Möchtest du verhindern, dass die Welt durch eine sinnvolle Erfindung bereichert wird, ohne dass die Falschen dabei reich werden? Willst du das alles verhindern, nur weil du Angst vor der Zukunft hast?" Rosenrunge fuhr sich mit den Händen durch die nassen Haare und verzog das Gesicht. Wassertropfen perlten von seinem Gesicht und Säuerling hätte schwören können, dass die salzigen Tropfen sich mit dem Schweiß der Verzweiflung vermischten. Er konnte es ihm förmlich ansehen, wie sehr es in seinem Kopf arbeitete und er hoffte, dass sein Denkapparat auch in die richtige Richtung lief. "Ich brauche dich dabei, Georg!" „Was willst du, Säuerling. Möchtest du noch mehr Kohle scheffeln? Du verdienst doch schon so ein Vermögen mit deinen Seren und Medikamenten weltweit und finanzierst diese teuren Expeditionen und deine Experimente. Ist das nicht die pure Gier, die da aus dir spricht? Du kennst doch die Geschichte von Hemingway, ´Der alte Mann und das Meer`. Die Geschichte von dem Fischer, dieser arme Kerl, der den größten Fisch an der Angel hatte und sich von dem Vieh aufs weite Meer hinaus ziehen ließ, immer weiter und weiter. Er riskierte sein Leben. Irgendwann wurde der Fisch immer schwächer und der Fischer konnte endlich seine übergroße Beute einfangen und in den Hafen bringen. Was er allerdings nicht bemerkt hatte, dass er unterwegs heimliche Verfolger hatte. Haie, die seinen Fang Stück um Stück gefressen haben, so dass zum Schluss nur noch das Skelett übrig blieb. Und so wird es uns auch bald ergehen. Ich weiß, dass du das Skelett noch irgendeinem Museum für teures Geld verscheuern würdest – ein Manfred Säuerling erlebt niemals eine 100% Niederlage und kriegt ja alles noch irgendwie gebacken – was ich auch immer sehr bewundernswert an dir finde, aber...“ „Mit Fischgräten kann man heutzutage wahrhaftig nicht viel verdienen...“, grinste Säuerling, worauf er sich einen schmerzhaften Fausthieb an der Schulter einfing. Okay,! Okay! Ich kenne die Geschichte und ich habe nicht vor, mit Nichts in den Hafen zurückzukehren. Aber es ist auch nicht die Beute, die mich auf das Meer hinauszieht, sondern....der Weg ist das Ziel, Rosenrunge!“ Georg sah Manfred wieder lange und abschätzend an. „Gib mir Zeit, Manni", sagte Georg nachdenklich. "Gib mir Zeit, dass ich das für mich noch mal überdenken kann. Und ich würde auch gerne mit Kathrin darüber reden, denn wenn wir diese Sache wirklich gemeinsam ins Rollen bringen, sollte sie wissen, was auch auf sie zukommt. Und das solltest du auch tun, bevor du dich ins Unglück stürzt. Rede mit Odalys. Wie auch immer ich mich entscheiden werde, und ich bin von der Sache nicht gerade positiv überzeugt, hoffe ich doch, dass wird Freunde bleiben." "Was meinst du damit?" "...dass du nicht eingeschnappt sein sollst, wenn ich dich und deine Idee, mitsamt den Zitterrochen zum Teufel jage!" „Das wirst du nicht...“, sagte Manfred mit einem kühlen Lächeln. „Und was ist wenn doch?“ Keine Antwort. Den ganzen Rückweg über schwiegen sie und sie schwiegen auch noch, als Manfred den Schub drosselte und auf das Land zusteuerte. Erst als sie nur noch wenige Meter vom Festland trennten, schaffte es Manfred die letzte Frage zu formulieren, die ihm noch auf der Seele brannte. "Wie lange wirst du brauchen?" "Wozu?" "Um dich zu entscheiden." "Wenn ich mit Kathrin gesprochen habe." "Du machst es also von ihr abhängig?" Rosenrunge schwieg. Erst als sie das Boot sicher an Land gezogen hatten und der Fischer ihnen schon aus der Ferne zuwinkte, sagte Georg: "Morgen Abend!"


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