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Belletristik
Buch Leseprobe Erkenntnis des Seins, Jenna Lenardo
Jenna Lenardo

Erkenntnis des Seins



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4. Kapitel

Meine Tante Gerti ließ zwei Seiten ihres Wesens in ihrem Dasein zu der Melodie des Lebens erklingen.Sie war ein trauriger und verzweifelter Mensch, der es sich zur Gewohnheit machte, zu dienen und sich zu unterwerfen. Tante Gerti war aber auch sehr lebenslustig, witzig und gesellig. Sie lebte mit ihren drei Töchtern, ihrem Ehemann und dessen Mutter zusammen unter einem Dach. Die Schwiegermutter meiner Tante, meine lustige Oma, ließ sich sehr gerne verwöhnen und bedienen. Gerti war gleichzusetzen mit einem unterwürfigen Hausgeist, der jeden Wunsch seiner Wohnungsinsassen von den Augen ablas. Sie tat mir immer etwas leid. Dennoch hatte sie nie das Bedürfnis sich zu wehren oder sie hatte nicht den Mut dazu. Meine Tante war zur Stelle, als ich „zur Frau" wurde, wie meine Eltern sich in diesem Fall auszudrücken pflegten. Mich ereilte die monatliche Blutung. Ich war fünfzehn Jahre alt und empfand diese natürliche biologische Regung des Körpers unangenehm. Ich fühlte mich bloßgestellt, gedemütigt, unglücklich und hatte das Gefühl, als hätte mir jemand eiskaltes Quellwasser über den Kopf gegossen. Jetzt war ich angeblich eine „Frau". Wie ich diesen Ausspruch hasste!Ich fühlte mich als Kind und wollte mit dem Erwachsenwerden noch lange warten. Und jetzt das!!!!Ich saß in meinem Zimmer und weinte und weinte, es war ein grausamer Tag. Karolin setzte sich zu mir und versuchte mich zu beruhigen, sie erklärte mir, das dass ein völlig normaler nicht zu unterbindender Vorgang sei und ich dies einfach akzeptieren sollte. Natürlich wusste ich worum es ging, denn wir wurden ja schon sehr früh aufgeklärt und konnten mit allen nur erdenklichen Fragen Karolin und Paul beglücken und erfreuen. Aber das ausgerechnet mich dieses fürchterliche „Frausein" betraf konnte und wollte ich nicht akzeptieren. Meine Mutter war ratlos, sie konnte mich mit ihren sehr liebevollen und vernünftigen Argumenten und Erklärungen nicht zur Einsicht bringen. Plötzlich erschien Gerti, sie erhob ihre Stimme und sagte:«Stell dich nicht so an, das ist ja kaum auszuhalten. Alle weiblichen Wesen unseres Erdplaneten sind der monatlichen Blutung unterworfen. Das ist nun einmal so und durch deine alberne Heulerei wird sich das trotzdem nicht ändern.»Ich verstummte, wie konnte Gerti so hart mit mir ins Gericht gehen? Plötzlich erstarb mein Tränenfluss und ganz langsam, mit dem Tempo einer Schnecke, fasste ich mich.Ich klammerte mich an einen Strohhalm, der mir den Gedanken bot, eine weibliche Periode machte noch lange keine „Frau" aus mir.Tante Gertis Umgangston mir gegenüber war zeitweise sehr forsch und schroff. Aber gerade damit half sie mir Grenzen zu sehen und Dinge zu akzeptieren. Ich bedurfte einer Person, die mir zeigte, wo es lang ging und mir manchmal meinen etwas eigensinnigen Dickschädel zurechtrückte.Meine zarte und sehr junge Karolin hatte große Probleme ihre leise Stimme mir gegenüber anzuheben. Ich reizte sie häufig, um zu sehen, ob irgendwann der bedrohliche Punkt erreicht wurde, der ihre Nerven zu einem neurotischen Spannungsfeld werden ließ. Ich hatte mir häufig gewünscht, Karolin wutschnaubend und zerstörerisch gegen mich vorzugehen. Sie war ein solch zartgliedriges und feinfühliges Wesen, sie war mir gegenüber machtlos. Tante Gerti war immer zur Stelle, wenn es darum ging, die herzallerliebste Lena wieder einmal in ihre nicht vorhandenen Schranken zu weisen.Es brach wie ein tosender donnernder Erdrutsch über mich herein. Eine wahrhaft beachtliche Naturgewalt, die alles mit sich riss, was sich ihr in den Weg stellte.Ich erstarrte vor Ehrfurcht!Meine empfindliche Teennagerseele war davon nicht immer angetan und begeistert, denn häufig war ich den Tränen nahe. Und doch fühlte ich mich nach einem solch schweren Attentat meiner Tante geborgen und gestärkt.Sie schaffte damit einen Ausgleich zwischen sich und Karolin, der mir beides bot. Ich labte mich an der weiblichen Weichheit von Karolin und an der resoluten Grobheit meiner Tante. Beides vereint ergab eine frauliche Macht, die meiner Erziehung grenzenlos guttat. Ich liebte Gerti sehr. Wir kamen uns aber erst so richtige nahe, als sich mein Onkel von ihr trennte. Sie litt fürchterliche Qualen. Gerti haderte mit ihrem Leben, am liebsten wollte sie aus diesem gehen. Ich besuchte sie täglich, wollte für sie da sein, um ihr über die schwere Zeit hinwegzuhelfen.Auch ich litt körperlich und spürte ihren Schmerz und Trauer. Der Anblick ihres verweinten Gesichtes und gebrochenen Herzens war unerträglich.Nach einer gewissen Zeit der Trauer und des Rückzuges fasste Gerti neuen Lebensmut. Sie stürzte sich wieder mit neuem Elan und Engagement in das Leben. Ihre drei Töchter hatten jeweils wiederum zwei Töchter. Meine Tante hatte also sechs Enkelkinder. Sechs süße kleine Mädchen, um die sie sich hingebensvoll kümmern konnte.Es verging kaum ein Tag, an dem nicht eines dieser reizvollen aber auch anstrengender Enkelkinder ihr Heim aufsuchte. Aber auf diesem Wege war Gerti abgelenkt. Ich war sehr gerne bei meiner Tante, ihre Nähe tat mir gut. Wir unterhielten uns angeregt, tranken zusammen Kaffee und sahen uns einen Fernsehfilm an. Es passierte nichts Spektakuläres und doch spürte ich ihre geballte, kraftvolle Energie.Wobei Gerti einen dunklen wunden Punkt in ihrem Leben für mich bereithielt. Das war ihr geliebter Kater Carl.Diese Hauskatze war ein aggressives Ungetüm. Ich hatte fürchterliche Panikattacken, wenn er mir zu nahe kam. Eines Nachts befiel mich ein Alptraum, der mit diesem Kater zu tun hatte. Zu dieser Zeit war mir noch nicht bewusst, dass ich Ereignisse schon Monate vorher träumte und diese dann tatsächlich eintrafen. Bei meinem Alptraum überfiel mich Tante Gertis Kater Carl auf brutalste Weise. Er krallte sich in mein zartes Nackenfleisch, biss mir in die Fesseln und in die Beine. Ich blutete und kleine Rinnsale bahnten sich den Weg über meine Haut. Ich versuchte vor dem Monster zu fliehen, doch er verfolgte mich wie eine Wildkatze seine Beute. In Augenblicken, in denen meine Konzentration nachließ und ich mich durch Dinge in den Räumen ablenken ließ, schlug Carl erneut zu. Überraschend stürzte er aus dunklen Ecken und Winkeln hervor, um mich erneut anzugreifen. Sein Sinnen und Trachten war darauf ausgerichtet mich zu zerstören.Nach dem Aufwachen dieser klammen feindlichen Nacht war mir ganz mulmig zumute. Mir ging immer wieder dieser aufwühlende Traum durch den Kopf. Nach einigen Wochen verblasste der Schrecken dieser Nacht. Das wahre Grauen folgte dem nächtlichen Geschehen. Als ich wieder bei Gerti zu Besuch war ereignete sich in gleicher Abfolge der wochenlang zuvor geträumte Alptraum mit Kater Carl. Meine Wunden, die mir der bösartige und aggressive Kater zugefügt hatte, brauchten und bedurften einer gewissen Zeit, bis sie verheilt und abgeklungen waren. Ich dachte lange darüber nach, warum ich das Geschehene schon Wochen vorher gesehen hatte.Als ich das meiner Familie erzählte, schrieben sie dies meiner blühenden Phantasie zu. Ich vergaß und verdränge das Erlebte. Auf diese Weise glaubte ich besser damit umgehen zu können. Das Leben glich einem starken Wellengang! Ich fühlte mich wie ein kleines Segelschiff, dass bei hohen überwältigenden, alles mit sich reißendem Strudel und riesig aufgetürmten Wellen hin und her geschleudert wurde. Mal war man ganz oben auf der Spitze eines Wellenkammes, mal befand man sich in den tiefsten Tiefen eines Wellentales. Im Moment packte mich das Übel wollende dunkle Tal.

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