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Belletristik
Buch Leseprobe Endlos endlich, Peter Pitsch
Peter Pitsch

Endlos endlich



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In derselben Gasse des alten Arbeiterviertels „Vesterbro″, in der ich seit einigen Jahren wohne, lebte einst die Dichterin Tove Ditlevsen. 1943 hat sie ihre barschen Kindheitserinnerungen aus den Dreißiger Jahren in dem Roman „Straße der Kindheit″ festgehalten. Eine Strophe aus dem gleichnamigen Gedicht „Barndommens gade″ lautet wie folgt: Jeg gav dig de vagtsomme øjne / på dem skal du kendes igen / og møder du en med det samme blik / skal du vide han er din ven. Ich gab dir die wachsamen Augen / die dich zu erkennen geben / triffst du dereinst auf denselben Blick / wirst du wissen, er stammt von ähnlichem Geschick.
Kaum 200 Meter von meiner Wohnstätte entfernt befindet sich ein unscheinbarer Platz, der kürzlich in „Tove Ditlevsen Plads″ umbenannt worden ist. Hier geben sich die gescheiterten Existenzen ein Stelldichein. Die Entgleisten und Verwundeten; auch die Trauernden oder wegen einer Lebenswillkür Verwunderten; die Verlorenen im Diesseits, die Gefallenen aus dem Abseits; die zerfaserten Geister und die in ihren Gefühlsregungen Wahrhaftigen. Hin und wieder auch die unverschuldet Glücklichen. Entweicht inmitten flüchtiger Gesten ein Zeichen der Nähe, oder dringt ein Blick aus der Zentrifuge dunkler Gedanken, schwingt ein aufrichtiger Ton unter ihren derben Worten, dann erst wird etwas Wesentliches erkennbar. Dennoch gehöre ich nicht dazu, ich lehne nicht mit einer Flasche Bier in der Hand gegen eine Hauswand. Zu viele leere Phrasen, zu viele falsche Fährten, die ins Nichts führen. Sie geben noch vor zu treiben auf dem Strom der Gegenständlichkeit, untergehend mit der Ambivalenz. Indes die Stimmen ringsumher der Worte willen große Wirbel erzeugen. Das Unwesen unter der Oberfläche hält sich bereit und die Menschen als Teil davon umschlossen. Erst wenn sie aus Atemnot die gespiegelten Flächen durchbrechen und sich Räume verschaffen, indem sie dem Anschein keine Bedeutung mehr beimessen, wirken sie echt in ihrer Ausweglosigkeit.
Unverfälschte Augenblicke, Spuren hinterlassend auf einer Bühne, nachdem der große Firlefanz längst weitergezogen ist. Die Intimität der Gegenwart mit wenigen zu teilen. Diejenigen sind es, die noch verharren vor der Kraft lyrischer Stille, obwohl die Unterhaltungsindustrie den Überfluss wie bunt bemalte Totems preist. Manch einer löst sich langsam auf, unter der Ernsthaftigkeit, zweckgebunden, und dem Größenwahn eines fliegenden Clowns, als Identität geschminkt. Wir lösen uns ein: die Würde im Zuge manischer Bevormundung, dem Kleinbeigeben zahnloser Marionetten, strampelnd von klein an. Die praktische Lösung liegt mittendrin; man ist weder an eine kühle Konsequenz gebunden noch erlöst von lustvoller Gier nach Hitze, fesselnd durchwirkt von ihr. Ein verlogener Vers, der sich bekennt zur Ambivalenz, doppelsinnig, doch einseitig sein Gegenstück beweist, um dieses zu erlösen.




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