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Belletristik
Buch Leseprobe Eine Weihnachtszicke zum Verlieben, Tara Princeley
Tara Princeley

Eine Weihnachtszicke zum Verlieben


Short Love Stories Teil 1

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Kapitel 1


„Seven? Seven!“


Laut hallten die Rufe meiner Mutter durch den Flur bis hinauf in die erste Etage, wo sich mein Zimmer befand. Ihre Stimme klang ungeduldig, fast schon schrill, so wie immer, wenn sie etwas von mir wollte.


„Severina! Jetzt komm endlich runter. Ich muss etwas Dringendes mit dir besprechen.“


„Ich komm ja schon, Mama“, maulte ich und quälte mich aus meinem Bett hervor. Ich ärgerte mich ein wenig darüber, dass meine Mutter meinen vollen Namen rief. SEVERINA.  Aber wenn sie das vergessen hatte, nämlich die Tatsache, dass ich es hasste, so angesprochen zu werden, dann musste das Anliegen in der Tat wichtig sein.


Gähnend streckte ich mich noch einmal kurz in alle Richtungen, bevor ich mich zurück in meine enge, schwarze Röhrenjeans quetschte. Nun noch ein frisches, schwarzes T-Shirt  von der Kleiderstange und meine graue Strickjacke und schon stapfte ich die Wendeltreppe hinunter.


„Wie siehst du denn aus?“, lachte meine Mutter sofort, als sie mich wenig später in der Küche erblickte. „Du hättest dir wenigstens mal deine lange Mähne kämmen können.“


„Ich hab‘ geschlafen. Jetzt drängle doch nicht so“, brachte ich genervt hervor, während ich herzhaft gähnte.


Doch meine Ma schüttelte nur verständnislos den Kopf. „Wie kann man denn am Nachmittag schlafen? – Die Schule muss ja neuerdings anstrengend sein. Nun, komm, setz dich zu mir.“


Einladend zog sie einen der Küchenstühle zurück und bat mich mit einer Handbewegung, Platz zu nehmen.


„Schau, ich hab Tee gekocht – Roibusch-Tee mit Vanille und ich hab Kipferl mitgebracht.“


„Fein.“ Angenehm überrascht setzte ich mich hin und ließ den Blick über den hübsch gedeckten Nachmittagstisch schweifen. Dann probierte ich eines der Kipferl und sah meine Mutter fragend an: „Wie komme ich denn zu dieser Ehre?“


„Dein Vater hat mir heute eine E-Mail geschickt. Claudia hatte letzte Nacht einen Blinddarmdurchbruch und muss mindestens eine Woche im Krankenhaus bleiben.“


„Ach du Schreck.“ Beinahe hätte ich mir beim Kauen auf die Zunge gebissen. Doch die Kipferl schmeckten einfach zu gut. Schnell kaute ich zu Ende und schob noch einen zweiten hinterher.


„Ja, und Papa möchte nun, dass du zu ihm kommst. Nach Berlin!“


Nun hatte ich mich doch verschluckt. Ich hustete und saß mit einem Ruck aufrecht, während mir meine Mutter auf dem Rücken herumklopfte. Als ich mich wieder eingekriegt hatte, wischte ich mir langsam mit meiner Serviette den Puderzucker von den Lippen und starrte sie an.


„Wann denn?“, fragte ich entgeistert.


„Na, am besten schon dieses Wochenende. Bis Freitag kann seine Mutter nachmittags auf die Zwillinge aufpassen, aber am Wochenende muss sie sich davon erholen.“


Und als meine Mutter mein fassungsloses Gesicht sah, legte sie mir schnell die Hand auf den Arm. „Es wäre doch nur über die Weihnachtsfeiertage, Seven.“


„Ja, eben. Du weißt genau, dass ich Weihnachten hasse. Ich fahre nicht umsonst immer nur zu Ostern und in den Sommerferien zu Papa. An Weihnachten gehe ich mit Lara in einen coolen Club und zwar für alle drei Feiertage. Wir haben schon Karten gekauft!“


Verständnisvoll sah meine Mutter mich an und nickte. „Das ist in der Tat sehr ärgerlich. Aber wir machen das wieder gut. Seven bitte, Papa kann sonst so kurzfristig niemanden fragen. Und auch er ist deine Familie.“


Wenig später saß ich  wieder oben auf meinem Zimmer und haderte mit mir und der Welt. Ich hatte zwei graue Kerzen angezündet und zusätzlich die bunte Lichterkette mit den kleinen Totenköpfen ans Netz angeschlossen, die ich noch von Halloween hatte.  Bestimmt eine ganze Stunde saß ich so im mäßig beleuchteten Zimmer und sah hinaus auf die dunkle, regennasse Straße. Jetzt Ende Dezember war es schon ab sechzehn Uhr stockdunkel. Ich liebte diese dunkle Jahreszeit und diese Einsamkeit und Stille, die sich dann über alles legte. Bis Weihnachten kam. Und plötzlich an jedem Fenster glitzernde Lichterketten, ständig lachende Gesichter und Tannengrün auftauchten. In der Schule wurden Gedichte und klassische Musikstücke vorgetragen. Und die Lehrer bemühten sich, Gesprächsrunden einzuläuten, bei denen es verstärkt um Menschlichkeit, Mitgefühl und Verständnis für einander ging. Schwer atmete ich aus. Ich hatte keine Lust auf dieses Geschwafel. Ein Fest der Liebe? Seit Toms Tod im letzten Jahr für mich bestimmt nie wieder. Und das war auch der Grund, warum mich der anstehende Besuch bei meinem Pa so belastete: Denn genau wie Claudia, die Mutter meiner Halbgeschwister, hatte auch mein Freund Tom einen Blinddarm-Durchbruch gehabt. Nur leider hatte man das bei ihm im letzten Jahr zu spät erkannt.


Kaum hatte ich diese Gedanken zu Ende gedacht, flossen mir auch schon die Tränen die Wangen hinunter. Genau ein Jahr war das jetzt her, dass Tom gestorben war - doch verarbeitet hatte ich diesen Schmerz noch lange nicht. Tom war mein erster richtiger Freund gewesen und wir hatten noch soviel zusammen vorgehabt. Wir wollten beide das Abi schaffen und uns danach gemeinsam für ein Auslandsjahr bewerben bei irgendeiner Charity-Organisation und möglichst weit weg, vielleicht nach Afrika oder Indien. Doch seit er tot war, schmerzte jede Erinnerung daran, und ich wollte am liebsten gar nichts mehr werden.  Vor allem das Lernen fiel mir nur noch schwer. Die Einzige, die es verstand, mich ein wenig aufzuheitern und mich aus dieser lähmenden Trostlosigkeit hinauszuzerren, war meine beste Freundin Lara. Aber auch das konnte ich wohl in diesen Weihnachtsferien knicken. Denn ob ich wollte oder nicht, ich musste wohl nach Berlin fahren.  Ich konnte meinen Vater einfach nicht im Stich lassen.


Kapitel 2


Hin und her schuckelte der Reisebus über die Autobahn. Noch eine halbe Stunde würde das so gehen. Vermutlich bleich wie Kreide blickte ich aus dem Fenster und ärgerte mich mittlerweile zum hundertsten Mal, dass ich auf das Flugticket verzichtet hatte. Wenn ich vorher gewusst hätte, welche Fahrt mich in diesem klapprigen Omnibus erwarten würde, hätten mich keine tausend Pferde dort hinein bekommen. Von einem bekannten Reiseveranstalter hatte ich etwas Besseres erwartet. „Aber Reisebusfahren ist ja so cool.“ Keine Ahnung wie Lara, darauf gekommen war. Genervt schüttelte ich den Kopf. Ich beneidete Lara wirklich sehr. Denn die durfte daheim in Hamburg bleiben und während der Weihnachts-Feiertage mit der ganzen Clique in einen der coolsten Clubs von Hamburg gehen, während ich nach Berlin fahren musste, um den Kindersitter für die Gören zu spielen, die mein Vater dort mit einer anderen Frau hatte. Unwillig fingerte ich an meinen Kopfhörern herum. Noch nicht einmal richtigen Empfang hatte man in diesem Gefährt, so dass ich mich während der ganzen Fahrt wohl oder übel aufs Musikhören beschränken musste. Und das einzige was ich aktuell drauf hatte, war die Musik der Band STERNENZORN und Xavier Naidoo.  Ich entschied mich für das Letztere. Das kam zur Zeit meiner traurigen Stimmung am nächsten. Wenige Sekunden später tönte der sentimentale, jazzige Schmuse-Sound durch meine Ohren und versöhnte mich ein wenig mit meinem Elend. Gott sei Dank dauerte die Fahrt von Hamburg nach Berlin nur knappe drei Stunden.


Wenig später kam der olle Reisebus schwerfällig auf dem zentralen Berliner Omnibusbahnhof ZOB zum Stehen. Er war nicht der einzige. Aus allen größeren Städten Deutschlands trudelten nun nach und nach die Busse ein und entließen Reisegruppen mit Senioren, quer durcheinander gewürfelten Touristen von wer weiß woher und einige jüngere Leute mit Rucksack, die sich keine andere Reisemöglichkeit leisten konnten und die nicht unbedingt trampen wollten. Es war ein einziges Kommen und Gehen, ein Begrüßen und Verabschieden.


Als ich irgendwann an der Reihe war, die steile Eisentreppe aus dem Bus wieder hinunterzukraxeln und Sekunden später endlich auf Berliner Boden stand, hörte ich sofort aufgeregte Rufe!


„Seven, Seven! Hier sind wir.“


Wenig später hatten sich auch schon ein  Junge und ein Mädchen, beide etwa sechs oder sieben Jahre alt, in meine Arme geschmissen und quasselten munter auf mich ein.


„Das ist so cool, dass du kommst. Papa hat gesagt, wir dürfen jeden Tag auf den Weihnachtsmarkt mit dir und in den Zoo, wenn du willst. Ja und Papa hat auch gesagt, wir sollen ins Bambooland gehen…“


„Hallo Mia, hallo Timmy! Mensch, ihr Mäuse, ich freu mich auch“, brachte ich überrascht heraus, denn wider Erwarten freute ich mich tatsächlich über meine quirligen Halbgeschwister. Es schmeichelte doch, wenn man so im Mittelpunkt stand.


„Lasst mich mal los, ihr zwei. Ich muss meine Beine wieder beweglich kriegen. - Jetzt sagt bloß nicht, ihr seid schon wieder gewachsen?“


Mit einem Rumps ließ ich meinen, mit Nieten und Stickern besetzten grauen Rucksack auf den Asphalt-Boden gleiten und streckte mich vorsichtig in alle Richtungen. Ich musste noch auf meine Reisetasche warten, die am Anfang der Fahrt im seitlichen Gepäckraum des Busses verstaut worden war.


 „Severina!“ Auf einmal stand auch mein Vater vor mir. Mein Vater, den ich seit den Sommerferien nicht mehr gesehen hatte. Er sah schmaler aus als sonst und hatte neue Sorgenfalten auf der Stirn. „Oh, hallo Papa. Es war wirklich grauenvoll, so lange in diesem grässlichen Bus zu sitzen, das mach ich nie wieder.“


„Du weißt, ich hab dir das Flugticket angeboten.“


„Ja, ist schon gut. Aber nenn‘ mich bitte nicht Severina, du weißt, dass ich das hasse!“


Vorwurfsvoll blickte ich meinen Vater an. Doch der winkte grinsend ab und schnappte sich dann meine Reisetasche, die einer der Busfahrer nach meinen Anweisungen endlich aus dem Gepäckraum herausgewuchtet und vor mir abgestellt hatte. Mein Vater Peer war ein großer breitschultriger Mann, um die Vierzig und mit normalerweise sehr gepflegtem Äußeren – doch nun wirkte er ein wenig abgehärmt und müde. Es stresste ihn wohl sehr, dass Claudia im Krankenhaus lag. Er sah aus, als hätte er seit Tagen nicht mehr richtig geschlafen.


„Hübsche Stiefel hast du an“, meinte er knapp, nachdem er mich von oben bis unten gemustert hatte. Dabei ließ er den Blick auch kurz über meine schwarze Lederjacke und meine schwarz lackierten Fingernägel wandern. Schließlich schmunzelte er und stapfte los Richtung Autoparkplatz. Genervt verkniff ich mir meinen Kommentar und lief hinter ihm her. Larissa und Timmy waren schon voraus gerannt.


Als wir wenig später alle zusammen in der gemütlichen Familienkutsche,  einem fünfsitzigem dunkelblauen Peugeaut saßen, sah Peer wieder meinen genervten Blick und sagte schnell:


„Ich mach‘s wieder gut, versprochen. Für die Osterferien kannst du dir einen zweiwöchigen Urlaub aussuchen, Sevi, ganz egal wohin du willst.“


„Na, das kann sich doch hören lassen. Danke, Papa.“


In der Familienvilla angekommen, wurden wir noch auf dem Auto-Stellplatz im Vorgarten von einem kleinen schwarz-weiß gefleckten Hund begrüßt, der kläffend auf uns zurannte und von jedem gestreichelt werden wollte.


„Schau mal Sevi. Das ist der Hund, den uns Papa vor vier Wochen gekauft hat. Der heißt Boomer.“


Mit einem Satz sprang ich zurück, strich mir mit der Hand einige Haarsträhnen aus dem Gesicht, und versuchte krampfhaft, die Begrüßung mit dem kleinen, kläffenden Irgendwas so dezent wie möglich ausfallen zu lassen. Hunde mochte ich nicht wirklich. Und vor allem mochte ich keine weißen Hundehaare auf meinen schwarzen Jeans.


„Ach, wie süß“, kam es trotzdem aus mir raus. „Das habt ihr mir ja gar nicht erzählt. Ich muss aber nicht auch noch Gassi gehen, Papa?“


Mit schmalen Augen taxierte ich meinen Vater, der mittlerweile schwungvoll die Autotüren zugeworfen hatte und nun mit meiner Reisetasche über einer Schulter schwerfällig zur Haustür stapfte.


„Nein, keine Sorge, das macht zur Zeit die Nachbarin“, erwiderte er etwas atemlos. „Die hat zur Not auch einen Schlüssel.“


„Na, dann ist ja gut“, entfuhr es mir mit einem erleichterten Seufzer.  Zum Schluss betrachtete ich kritisch das Haus. Es war jetzt gerade mal ein Uhr mittags und draußen noch hell, trotzdem war nicht zu übersehen, dass nicht nur in den Fenstern, sondern auch über die ganze, äußere Häuserfront dicke, bunte Lichterketten angebracht waren. Und die leuchteten und blinkten bereits munter vor sich hin. Bei Anbruch der Dämmerung würden sie das ganze Grundstück wahrscheinlich in ein wahres Weihnachts-Wunderland verwandeln.


„Wow, das sieht ja richtig amerikanisch aus“, bemerkte ich, und versuchte dabei meine Stimme nicht zu zynisch klingen zu lassen. „Sogar einen Rentierschlitten aus Lichterketten habt ihr im Vorgarten.“


„Ja, Claudia, hat das mit den Kindern so ausgesucht. Innen drin ist allerdings noch gar nichts geschmückt, das kannst du ja dann heute oder morgen übernehmen.“


„Ach, wie schön.“ Kopfschüttelnd folgte ich meinem Vater und den Zwillingen endlich  ins Haus. Timmy und Mia polterten sofort die Treppen hoch, um mir umgehend mein frisch entstaubtes Besucher-Zimmer zu zeigen. Eine Dachgeschoss-Kammer war es, die ich immer bezog, wenn ich meinen Vater und seine neue Familie besuchte. Eine Kammer mit einer langen Schräge und einem breiten, lila bezogenen Himmelbett. Das Himmelbett hatte ich mir mal mit zwölf Jahren ausgesucht, und nach wie vor fand ich es supergemütlich. Das moderne Fenster, das in die Seite gebaut worden war, die keine Schräge hatte, war gegenüber von dem Bett, zeigte direkt nach vorne zum Vorgarten hin und gab dadurch den Blick zur wenig befahrenen Anlieger-Straße frei.


Schnell war ich einen ersten Blick nach draußen und konnte gerade noch einen jungen Mann mit zwei schwarzen Hunden sehen, der auf der anderen Straßenseite an unserem Haus vorbeilief und wohl zu den angrenzenden Grundstücken gehörte. Kurz stutzte ich und sah ihm hinterher. Er war groß und blond und trug weiße Turnschuhe, eine schwarze Jogginghose und einen grauen Sweater mit Kapuze. Nun, auf alle Fälle gab es hier in der Gegend auch Leute in meinem Alter. Das war ja schon mal beruhigend.



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