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Belletristik
Buch Leseprobe Ein Engel im Rollstuhl, Heinz Sarter
Heinz Sarter

Ein Engel im Rollstuhl



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erhältlich bei Heinz Sarter
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 Der Weg macht nun eine Rechtskurve und plötzlich stehen sie vor 5 recht wild aussehenden Kerlen. Auch die beiden Hunde sehen nicht gerade harmlos aus. Als Chris den Rollstuhl in einem kleinen Bogen an der Gruppe vorbei dirigieren will, macht einer aus der Gruppe einen Schritt zur Seite, sodass Chris nicht mehr schnell genug ausweichen kann und ihn an der Schulter streift.


„He, du Penner, hast du keine Augen im Kopf?“


„Es tut mir leid, aber ich konnte nicht mehr ausweichen.“ Chris versucht höflich zu bleiben.


„Halts Maul. Ihr bekommt einen kostenlosen Benimmkurs verpasst und zwar von uns höchstpersönlich. Zuerst ist deine Krüppelfreundin dran und wenn wir mit ihr fertig sind, kommst du an die Reihe. Jetzt darfst du erst mal die Schnauze halten und zuschauen, vielleicht lernst du noch was.“


„Nichts werd ich, Großkotz.“ Die Stimme von Chris klingt gefährlich leise und er schiebt sich zwischen die Männer und Brigitte.


„Rex fass.“ Einer der Hunde schießt auf Chris zu. Doch er schafft es, dem Tier einen Tritt in die Seite zu verpassen. Jaulend trollt er sich.


„Jetzt ist der Spaß vorbei, Junge.“ Zu dritt gehen sie auf ihn los. Chris weiß, dass er keine Chance hat. Aber er will sich teuer verkaufen. Mit einem mächtigen Faustschlag streckt er einen der Angreifer zu Boden. Den zweiten verfehlt er und dann ist es vorbei. Er bekommt einen Schlag an den Kopf, dass er meint, er würde explodieren. Als er sich vom Boden hoch stemmen will, wird er links und rechts gepackt.


„So Jungchen. Wir haben gerade die Reihenfolge geändert. Du bist zuerst dran, dann die Schlampe. Zwei halten ihn fest, der dritte verpasst ihm einen Schlag in den Magen.


„Und tuts gut?“ Chris spuckt ihm ins Gesicht. Der nächst Schlag explodiert an seiner Augenbraue. Blut tropft aus einer Platzwunde.


„ Jungs, verschwindet, der Spass ist vorbei.“


Wie durch einen Nebelschleier sieht Chris eine junge Frau auf sich zu kommen. Schlanke Gestalt, lange schwarze Haare, dunkle Augen.


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„Ich lach mich gleich kaputt. Verschwinde, du Türkenluder. Sonst bist du die nächste. Wir sind gerade so gut in Form“


Ohne ein weiteres Wort zu verlieren kommt sie näher. Die Männer lassen Chris los. Er fällt auf die Knie. Sein Schädel ist wieder einigermaßen klar und er stemmt sich hoch, um der mutigen Frau zu helfen, die sich ganz allein der Bande in den Weg stellt.


Keine Chance. Nach zwei, drei Schritten taumelt er und reißt beinahe Brigitte mit zu Boden.


Bleibt wo ihr seid. Ich besorgs dem Türkenweib als erster, dann kommt ihr dran Jungs.


Brutal zerrt der Anführer das Mädchen an ihren langen Haaren herum. Doch wider Erwarten wehrt sie sich gar nicht, sondern unterstützt die Bewegung noch, reißt dabei den Ellenbogen hoch und zerschmettert ihrem Peiniger die Nase.


Heulend geht er zu Boden. Blut läuft über sein Gesicht.


Das wirst du uns büßen.


Gleichzeitig stürzen sie sich auf sie.


Doch innerhalb von Sekunden liegen noch zwei Angreifer stöhnend auf der Erde.


Plötzlich blitzt ein Messer auf.


Ein hässlich knirschendes Geräusch. Danach ein langgezogener Schmerzensschrei.


Einer der Männer krümmt sich vor Schmerz. Die Klinge seines Messers hat die Hand durchdrungen und steckt tief in der Erde.


Der fünfte Mann verliert die Nerven und flüchtet mit seinem Hund.


Gelassen wendet sich die Fremde an die am Boden liegenden Männern.


„Jammert nicht und haut ab.“


Und tatsächlich! Die Männer helfen sich gegenseitig und verschwinden.


„Chris, sag doch was.“ Er sitzt vor Brigitte auf dem Boden und hält den Kopf. Brigitte packt ihn an den Schultern.


„Oh, bloß nicht schütteln.“


„Sind sie beide verletzt? Kann ich etwas für sie tun?“ Die Stimme der jungen Frau klingt besorgt.


„Mir geht es gut, Chris ist angeschlagen, aber hart im Nehmen. Und erst mal vielen, vielen Dank.“


107


„Keine Ursache, aber es ist sehr leichtsinnig, um diese Zeit im Park spazieren zu gehen.“


„Das haben wir gemerkt. Übrigens ich heiße Brigitte, und das am Boden liegende Etwas ist Chris.“


„Mein Name ist Yasmin.“


„Würden Sie uns bitte noch bis zum Hotel begleiten? Ich glaube Chris ist noch etwas wackelig auf den Beinen.“


„Aber natürlich. Moment, ich sag nur meinem Vater Bescheid, dass ich mich verspäte.“ Sie nimmt ihr Handy und spricht ein paar Sätze auf türkisch.


„So, wir können gehen. Chris, denken Sie, dass Sie das schaffen?“


„Natürlich schafft er das. Er ist zäh.“


„Wenn Brigitte das sagt, wird es wohl stimmen.“


Etwas mühsam kommt er auf die Beine.


„Ich will ja nicht neugierig sein, aber wie haben Sie das gemacht, Yasmin?“


„Ach, Chris, als Frau, noch dazu als Ausländerin, ist man in dieser Gegend gut beraten, sich in einer Kampfsportart ausbilden zu lassen.“


„Wenn Sie nicht gekommen wären. Ich darf gar nicht darüber nachdenken.“


„Ja Chris, die hätten dich in Einzelteile zerlegt. Du hättest ja weglaufen können.“


„Und dich alleine lassen? Du spinnst wohl.“


„Euch scheint es ja wieder recht gut zu gehen. Ihr könnt schon streiten.“


„Entschuldigung Yasmin.“ Chris muss sich etwas zur Seite drehen um sie anzusehen.


„Oh, wie siehst du denn aus?“ Brigittes Stimme klingt besorgt. Die rechte Gesichtshälfte ist über und über mit Blut verschmiert. Eine Folge der Platzwunde.


„Keine Sorge, ich geh gleich zu unserem Doc, wir sind ja schon da. Yasmin, bitte begleiten Sie uns noch in das Hotel.“


„Es tut mir leid, ich muss jetzt wirklich los. Vater wartet. Aber sie können mich ja mal besuchen. Hier die Adresse unseres Cafes.“


„Aber gern, und nochmals vielen Dank.“


Im Foyer ist die Mannschaft schon versammelt.


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„Mensch Chris, wir warten auf dich. Verdammt, wie siehst du eigentlich aus?“


„Guten morgen Trainer, Ich war im Park spazieren.“


„Junge, du machst mir Kummer. Du gehst jetzt zum Doc und wir fahren zum Stadion. Er wird entscheiden, ob du heute Nachmittag am Training teilnehmen kannst. Wir treffen uns wieder hier um 15.00 Uhr.“


„In Ordnung Trainer.“


Der Doc näht die Wunde und untersucht ihn gründlich. Prellungen, aber keine Gehirnerschütterung. Chris atmet auf und geht zum Zimmer von Jozef.


„Hallo Chris, was ist denn mit dir passiert?“


„Antonya, guten Morgen, darf ich reinkommen?“


„Aber natürlich.“ Er erzählt den Freunden seine Geschichte und bittet Jozef ihn zu untersuchen. Chris muss sich aufs Bett legen. Jozef macht sich an die Arbeit, der Rest der Familie schaut interessiert zu. Nach etwa 30 Minuten ist Jozef fertig.


„Außer Prellungen nichts ernsthaftes. Aber es wäre möglich, dass du beim Atmen Probleme bekommst. Ich meine morgen beim Spiel.“


„Das werde ich heute beim Training herausfinden. Außerdem, du bist ja auch noch da. Vielen Dank, und noch eine Bitte.“


„Sag schon.“


„Würdest du mich nach dem Training noch mal behandeln?“


„Natürlich, was soll die Frage.“


„Also, dann bis heute Abend.“ Auf dem Flur wartet eine besorgt dreinschauende Brigitte. Chris geht vor ihr in die Knie, legt seine Hände auf ihre Schultern.


„Der Doc und Jozef sagen, dass alles O.K. ist. Falls ich Schmerzen hätte, wäre das Einbildung.“


„Witzbold. Ich dachte schon, du könntest morgen nicht spielen. Und alles wegen mir.“


„Von wegen. Der Sparziergang war meine Idee. Und jetzt gib Ruhe. Wir besuchen Yasmin.“


„Aber ich bestehe auf ein Taxi,“ sagt Brigitte mit resoluter Stimme.


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„Meinetwegen, Angsthase.“ Kurze Zeit später hält das Taxi vor dem Cafe. Als sie eintreten, staunen sie zuerst über die sehr geschmackvolle Einrichtung. Es sieht sehr vornehm aus.


„Oh, oh, da passt unser Outfit aber nicht so ganz,“ meint Brigitte.


„Ich muss dir ausnahmsweise Recht geben.“


Sie bleiben an der Tür stehen. Die Gäste werden aufmerksam. Allem Anschein nach handelt es sich ausnahmslos um Menschen aus der Türkei. Als Chris etwas zögernd weitergeht, kommt ihnen schon Yasmin entgegen.


„Hallo, Brigitte. Hallo, Chris. Kommt setzt euch. Was darf ich euch anbieten?“


„Einen guten Cafe und ein Stück Kuchen, bitte.“


„Für euch beide?“ Sie nicken. Yasmin verlässt den Tisch. Sie wird an einen anderen Tisch gebeten.


„Chris, die sprechen über uns.


„Ach Brigitte, das kann nicht sein. Uns kennt doch hier keiner.“


Yasmin kommt noch mal zurück.


„Chris, wären Sie so nett und würden kurz mit mir zu dem Tisch gegenüber kommen? Ich möchte die Herrschaften nur von einem Irrtum überzeugen.“


„Aber gern, Yasmin.“


Als Chris vor dem Tisch steht, erheben sich zwei Herren. Er wird gebeten, Platz zu nehmen. Einer der Herren stellt eine Frage, Yasmin übersetzt.


„Er ist der Meinung, dass du , Entschuldigung, Sie“


„Du,“ korrigiert Chris. Yasmin lächelt,“ Dass du der Mittelfeldstratege der Zweitligamannschaft bist, die morgen gegen Bayern München spielt. Erklär ihm, dass er sich irrt und die Sache ist erledigt.“


„Dann würde er lügen.“


„Aber Papa, wie kannst du das sagen. Er ist unser Gast!“


Ihr Vater hat sich zu der Gruppe gesellt.


„Ich weiß, dass er es ist. Ich kenn ihn aus der Zeitung.“ Yasmin sieht Chris an.


Er nickt.“ Ja, es stimmt.“


„Oh, das kann ich gar nicht glauben.“


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„Sie würden uns eine große Freude machen, wenn sie sich zu uns setzten,“ übersetzt Yasmin.


„Aber gern. Darf ich Brigitte zu uns bitten?“


Yasmin ist etwas erstaunt, als sie die Frage übersetzt und eine positive Antwort bekommt.


Yasmins Vater schiebt zwei Tische zusammen und so sitzen sie in großer Runde. Weitere Gäste gesellen sich zu ihnen und schon gibt es nur noch ein Thema, das Pokalfinale.


Chris wird über die Mannschaft und die Taktik ausgefragt. Außerdem möchte man wissen, ob er Chancen sieht gegen einen solchen berühmten Gegner bestehen zu können.


Tja, die Chancen sind nicht besonders groß. Aber beim Fußball weiß man ja nie so recht, antwortet er ausweichend.


Chris und Brigitte fühlen sich wohl bei diesen überaus netten Menschen. Bereitwillig beantworten sie alle möglichen Fragen, diskutieren, lachen und genießen die Freundlichkeit, die ihnen entgegengebracht wird. Kaffee, Kuchen, Mittagessen, alles nehmen sie gemeinsam an der großen Tafel zu sich. Als Chris schließlich aufbrechen muss und er für sich und Brigitte bezahlen möchte, löst er einen Sturm der Entrüstung aus. Natürlich sind sie Gäste des Hauses und sie dürfen erst gehen, nachdem sie versprochen haben, den Besuch zu wiederholen.


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