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> Belletristik > Die Wölfe Roms Band II
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Belletristik
Buch Leseprobe Die Wölfe Roms Band II, Stefanie Gräf
Stefanie Gräf

Die Wölfe Roms Band II



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Er starrte auf den Mann zu seinen Füßen, der nur noch wenige Augenblicke zu leben hatte. Dessen Blut versickerte ebenso schnell in dem Sand des Kampfplatzes, wie das Leben aus ihm schwand. Zügig und nicht mehr aufzuhalten. Seine Lippen zuckten in der verzweifelten Bemühung, noch einige letzte Worte zu formulieren, so als sei dies wichtig.
Caile widerstand dem instinktiven Drang, sich neben dem Besiegten niederzuknien und ihm zuzuhören. Aber er fühlte sich dabei, als würde er dem etwas verweigern, was ihm unumstößlich zustand. Doch er war sich sicher, dass es nicht gut gewesen wäre, die letzten Worte dieses Sterbenden an sich heranzulassen. Sie würden in seinem Kopf wüten und sich sicherlich nie wieder aus seinen Gedanken löschen können. Er kämpfte bereits genug mit sich selbst, als dass er sich auch noch damit hätte belasten können.Der Krieger war von hochgewachsener, eleganter Gestalt. Ende zwanzig. Sein Körper war schlank und muskulös, durchtrainiert. Er besaß ein angenehmes, fesselndes Äußeres: Seine Stirn war hoch, die Nase elegant und gerade. Seine Lippen waren schön geschwungenen und voll. Seine Haut wirkte wegen seiner langen Krankheit noch immer etwas blass und krank. Seine sonst so intelligenten hellblauen Augen waren nun von Trauer verschattet.Kraftlos ließ der Mann die Schwerthand nach unten sinken. Die Waffe besaß plötzlich ein enormes Gewicht. Caile durfte nicht an den Mann zu seinen Füßen denken, musste dessen Existenz verdrängen. Eine Existenz, die sowieso in wenigen Augenblicken endgültig beendet war. Konnte sie dann überhaupt noch von irgendwelcher Bedeutung sein?Sein Blick war vernebelt, betäubt von der schrecklichen Tat, die er gehorsam erfüllt hatte. Ganz so, wie man es von ihm verlangt und erwartet hatte.Caile suchte die Augen des obersten Priesters, um sich bestätigen zu lassen, dass er richtig gehandelt hatte. Im Gesicht des Alten musste die Antwort stehen. Der Oberpriester hatte sich seiner angenommen, hatte ihm das Leben gerettet. Deshalb war er, Caile, ihm zu Dank verpflichtet und hatte sich dem Wunsch des alten Mannes gebeugt. Sein Leben gehörte dem Alten. Zufrieden lächelte der Alte dort auf der Tribüne milde. Der mächtige Priester wirkte auf Fremde beinahe zerbrechlich. Seine nach vorn fallenden Schultern ließen ihn kleiner und unscheinbarer wirken, als er tatsächlich war. Das beinahe faltenlose rosige Gesicht des Oberpriesters wirkte im ersten Moment erstaunlich jugendlich für das hohe Alter des Mannes. Die Haut war schier und rosig, auch auf dem beinahe kahlen Kopf. Der Mund des Alten lächelte stets gütig. Doch ein Blick in die starren, harten Augen, die tief in den Höhlen lagen, strafte den Eindruck Lügen. Doch nun war das zufriedene Lächeln zum ersten Mal wirklich ehrlich.Der Priester des Letham sah etwas in ihm, maß seiner Existenz eine Bedeutung zu, und so hatte Caile sich ihm untergeordnet, in der Hoffnung, durch die Aufgabe auch wieder so etwas wie einen Sinn in seinem Dasein zu erkennen. Der Alte hatte diesen Zweikampf von ihm verlangt, aber das Ergebnis war nicht das, was Caile sich insgeheim vorgestellt hatte. Irgendwie hatte er erwartet, dass sich Ekel einstellen würde über den Tod des anderen, über das Abschlachten eines Menschen. Doch da war nichts.Nur wieder der zähe Morast seiner gleichgültigen Betäubtheit, die über seinen Gefühlen ausgebreitet war. Alles war dadurch gedämpft, schwach, matt. Hätte er sich selbst beschreiben müssen, so hätte Caile sich mit einem Automaten verglichen, einer denkenden, präzise handelnden Maschine, aber niemals mit einem Menschen.All das, wovon er instinktiv annahm, dass es einen Menschen ausmachen sollte, war nicht mehr in ihm vorhanden. Jede Leidenschaft in ihm schien abgetötet zu sein. Aus dem Augenwinkel nahm Caile das endgültige Senken des Brustkorbs seines Opfers wahr. Des von IHM Getöteten, wie er mit kalter Präzision verbesserte. Er hatte einen Menschen getötet, der ihm nichts zuleide getan hatte. Wieder suchte Cailes Blick die Miene des Oberpriesters, der nun von seinem erhöhten Platz in der Loge aus gnädig und gutgelaunt auf seinen Schützling hinunterlächelte. Ein knappes Nicken bestätigte ihn. Ja, er hatte ganz den Willen seines Gönners erfüllt. Den Willen des einzigen Menschen, dem noch etwas an ihm zu liegen schien. Der Alte kümmerte sich um ihn, sorgte sich um ihn, unterrichtete ihn, wehrte die Verwirrung ab und hatte ihn ins Leben zurückgerufen. Ganz wie ein Vater. Caile starrte den älteren Mann regungslos an. Er versuchte, den aufsteigenden Ekel zu unterdrücken... Zweifel durfte er nicht zulassen. Er musste dem alten Priester DANKBAR sein...!Dann brach Jubel aus und Gesänge setzten ein. Einige Sklaven eilten in die Arena und schleppten den Kadaver des alten Letham clan hinaus. Der alte Letham clan war tot, es lebe der neue.Starr ertrug Caile alle Gesänge und Lobpreisungen. Dies alles besaß keine Bedeutung. Es war nur wichtig, die Wünsche des alten Priesters zu erfüllen, des einzigen Menschen, dem etwas daran zu liegen schien, dass er weiter existierte. Unter dem Jubel der Priester und Adligen ließ sich der Mann fortführen zum Tempel des Letham.

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