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> Belletristik > Die verborgene Magie des Winters
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Belletristik
Buch Leseprobe Die verborgene Magie des Winters, Petra Kesse
Petra Kesse

Die verborgene Magie des Winters



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Der Schnee knirschte unter Sofías Stiefeln, als sie auf den Gehweg trat. Sie zog den Kragen ihrer Jacke enger, während sie ihren Blick über die Fenster wandern ließ, in denen Pyramiden und Lichterketten strahlten, dann fiel ihr Blick in den schwach beleuchteten Hauseingang des Schuhgeschäftes, in dem der Obdachlose hockte, eingerollt in einem dunklen Schlafsack. Sofía warf ihre Fellkapuze über ihre schwarzen Locken und überquerte mit schnellen Schritten die Straße. Je näher sie kam, desto mulmiger wurde ihr. Unsicher drehte sie sich um und sah, dass Stefan am Fenster stand und sie beobachtete. Es ärgerte sie, dass seine Worte Wirkung zeigten und sich ein unsicheres Gefühl in ihr breit machte.
  »Por dios! Nun lasse dich nicht von diesen Vorurteilen infizieren, Sofía Jansen«, befahl sie sich energisch und ging weiter. Im Hauseingang blieb sie kurz stehen und betrachtete aus sicherer Entfernung den Fremden, der auf einer rotkarierten Isomatte hockte. Er hatte seine hellgraue Wollmütze tief in die Stirn gezogen. »Hallo!«, rief sie kurz. »Ich wohne gegenüber und habe Sie hier sitzen sehen. Ich möchte Ihnen gerne etwas schenken.«
Der Obdachlose hob langsam seinen Kopf und schob mit seiner sichtlich verfrorenen Hand die Mütze etwas höher.
  »Mir? Sie wollen mir etwas schenken?« Müde und kraftlos klang seine Stimme und traf Sofía mitten ins Herz.
  »Ich habe einen Pullover für Sie. Er wurde noch nie getragen. Vielleicht passt er Ihnen«, sagte Sofía, trat näher und reichte ihm den Pullover. Erst jetzt konnte sie sein Gesicht erkennen, seine verfrorenen Wangen und glanzlosen blauen Augen. Unter der Mütze lugten kurze, blonde Strähnen hervor.
  »Meinen Sie das ernst?«, fragte er ungläubig.
  »Ja, natürlich. Wieso sollte ich es nicht ernst meinen?«
  »Weil mich die meisten verjagen, sobald ich mich irgendwo niederlasse. Geschenkt hat mir noch niemand etwas.« Verwundert schüttelte er den Kopf. »Bis heute. Liegt wohl an Weihnachten«, murmelte er und sah Sofía dankbar an.
  »Mir tut es so leid, Sie hier in der Kälte sitzen zu sehen. Es muss schrecklich sein, auf der Straße leben zu müssen. Aber im Winter, und besonders während der Weihnachtszeit, ist es doch sicher noch viel härter. So ganz alleine, meine ich, ohne ein Zuhause.«
  »Ich werde es überleben. Heute habe ich mir in der Suppenküche am Bahnhof eine warme Mahlzeit gegönnt. Was soll’s, jammern hilft mir nicht weiter«, erwiderte er und lächelte bitter. »Weihnachten ist trotzdem schön, so oder so. Ich mag die vielen Lichter überall in den Fenstern.« Er deutete mit einer Kopfbewegung auf die gegenüber liegenden Häuser. »Von hier aus kann ich durch eines der Fenster sogar einen Weihnachtsbaum sehen. Letztes Jahr hatte ich auch noch einen, so einen richtig großen.« Gedankenverloren blickte er ins Leere. »Eine Nordmanntanne. Mit roten Kugeln geschmückt.« Dann wandte er sich wieder Sofia zu und grinste. »Und ’ne Weihnachtsgans gab es natürlich auch. Einen richtig dicken, knusprigen Vogel.«
  »Und was ist passiert?«
  »Na, wir haben ihn verputzt!«
Sofia lachte kurz auf und schüttelte den Kopf.
  »Ich meine nicht den knusprigen Vogel. Was ist mit Ihnen geschehen? Wie es sich anhört, hatten Sie letztes Jahr um diese Zeit noch ein Zuhause. Und nun sitzen Sie hier in diesem Hauseingang. Was ist passiert? Oder trete ich Ihnen mit der Frage zu nah? Dann entschuldigen Sie bitte.«
Verblüfft sah er sie an.
  »Meine Güte, sind Sie höflich zu mir«, erwiderte er und schob seine Mütze wieder etwas tiefer in die Stirn. »Sind Sie mein Weihnachtswunder oder so? Erst der Pulli und jetzt interessieren Sie sich auch noch für mein Leben.« Misstrauisch sah er Sofía an. »Wollen Sie das wirklich wissen? Ich meine, Sie wollen hier in der verfluchten Kälte stehen und es wirklich wissen?«
Sofía nickte.
  »Natürlich, sonst würde ich nicht danach fragen.«
  »Okay, wenn Sie es unbedingt wissen wollen, dann erzähle ich es Ihnen.«


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