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Belletristik
Buch Leseprobe Die Schatten von Bainmond, Moira Ashly
Moira Ashly

Die Schatten von Bainmond



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Prolog


 


Sie saß auf dem Boden. Es roch nach Urin und Erbrochenem. Um nicht erneut zu schreien, steckte sie sich einen Finger in den Mund. Er schmeckte nach Blut. Durch das Kratzen an den Mörtelfugen hatte sie sich ihre Fingerkuppen aufgerissen.


Er hatte sie schon mehrfach hier eingesperrt, um sie zu bestrafen. Doch sonst war es anders gewesen. Da fehlten seinerzeit ganz oben in der Mauer einige Ziegelsteine, durch die Licht und frische Luft in ihr Gefängnis gelangen konnten. Überdies hatte er sie nach kurzer Zeit wieder freigelassen. Diese Lücke oben in der Wand gab es jedoch nicht mehr. Er hatte auch diese zugemauert.


Während er das getan hatte, flehte sie ihn an. Sie verstand nicht, warum er so handelte! Sie war sich keines Fehlers bewusst! Sie konnte mit ihren Händen die Stelle oben in der Mauer nicht erreichen, um ihn an seinem Tun zu hindern. Sie konnte nichts unternehmen, nur schreien und flehen.


Allein schon der Weg zu diesem Kerker war für sie unerträglich. Er trieb sie wie ein Tier vor sich her. Sie musste über ein schmales Brett, das über einer tiefen Grube lag, zu einer Mauer gehen, in der ganz oben eine Öffnung war. Diese war gerade groß genug, damit sie hindurchpasste, und sie erreichte dieses Loch nur mithilfe einer wackligen, unsicher stehenden Leiter. Unter der Öffnung im Inneren des Raumes stand ebenfalls eine schmale Leiter, die er aber jedes Mal, wenn sie sich darin befand, sofort herauszog. Danach verschloss er stets die Öffnung bis auf einen schmalen Spalt. 


Sie trug, wie immer, nur ein dünnes Unterkleid und keine Schuhe oder Strümpfe. Sogar den Schmuck nahm er ihr ab. Alles! Armband, Ringe und auch das Amulett ihrer Mutter, welches sie an einer einfachen Kordel um den Hals trug. Das tat er stets, ehe sie diesen Kerker betrat. 


Es war stockdunkel in diesem Raum, in dem sie gerade vier Schritte gehen konnte, ehe sie an die gegenüberliegende Wand stieß. Noch nie hatte er so lange auf sich warten lassen, um sie wieder aus ihrer Gefangenschaft zu befreien. Sie wusste nicht, wie lange sie schon auf dem muffigen Stroh saß. Sie hatte keine Ahnung, wie viel Zeit vergangen war, in der sie mit ihren Fingern versucht hatte, den Mörtel aus den Fugen zu kratzen. Langsam dämmerte es ihr, dass sie wohl nie mehr das Tageslicht sehen würde.


Vielleicht war ihm etwas zugestoßen? Niemand wusste, wo sie war! Sie schluchzte auf, würgte und übergab sich. Sie spie nur noch Galle. 


Der Durst war quälender als der Hunger. Es gab da eine Art Abflussschacht, in dem stinkendes, abgestandenes Wasser stand. Sie hatte nur einmal versucht, etwas davon zu trinken, würgte dies allerdings sofort wieder hoch. Wie lange konnte ein Mensch ohne Wasser überleben?


Die Luft in dem quadratischen Raum wurde zunehmend schlechter, der Gestank beinahe nicht mehr zu ertragen. Sie weinte. Was hatte sie verbrochen, dass er ihr so etwas antat? Sie war seine große Liebe, so beteuerte er immer wieder. Ja, er war rasend eifersüchtig. Aber sie war ihm stets treu gewesen! Was um Himmels willen ließ ihn so etwas tun?


Malvina kauerte sich in eine Ecke. Sie schlief ein. Ihr Atem wurde flacher. Sie wachte nicht wieder auf.


 


 


Bainmond


 


Theresa hatte sich in ihrer dicken Jacke auf dem Beifahrersitz eingekuschelt. Draußen war es trüb und regnerisch. Typisch für Schottland. Der Wind zerrte an dem schweren Range Rover, den ihr Verlobter sicher über die schmale Küstenstraße lenkte. Theresa sah ihn von der Seite an und schmunzelte.


»Was?«, fragte er, nachdem er ihren Blick bemerkt hatte.


»Nichts«, antwortete sie und grinste weiter.


»Du hast doch was«, murrte er und verschaltete sich heftig, was das Getriebe des Wagens mit einem lauten und schnarrenden Geräusch quittierte.


»Nein, wirklich nicht. Pass du mal besser auf, dass wir nicht im Graben landen«, kicherte Theresa übermütig.


Sean warf ihr einen scheelen Seitenblick zu, der mehr sagte, als Worte es vermocht hätten. Sie waren auf dem Weg, sich ein Haus anzusehen. Lange hatten sie überlegt, ob sie sich das wohl leisten könnten. Sean arbeitete als Steuerberater und verdiente ziemlich gut. Theresa hatte einen Job in einer Bank. Der Plan war, dass sie Seans rechte Hand werden sollte, wenn das mit dem Haus klappen würde. 


»Warst du schon mal dort?«, fragte Theresa unvermittelt.


»Wo?«, kam die stumpfe Gegenfrage. Sean konzentrierte sich auf die Straße. Immer dann, wenn er das tat, bildete sich auf seiner Stirn eine kleine Falte. 


»Na, bei dem Haus«, ergänzte Theresa ihre Frage.


»Nein. Hab es nur in dem Exposé gesehen.«


»Exposé? Hast du es dabei?«


»Leider nicht. Habe es zu Hause liegen lassen. Aber gedulde dich, Terry. Wir sind bald da. Und ich weiß, du wirst es lieben!«


Sean nannte sie immer Terry. Zu Anfang ihrer Beziehung wehrte sie sich noch dagegen. Irgendwann aber gab sie es auf. Inzwischen nannte sie alle Welt so und nur, wenn Sean sauer auf sie war, rutschte ihm ihr voller Vorname heraus.


Terry betrachtete ihn erneut. Sean sah gut aus. Das wusste er auch. Er war hochgewachsen, schlank und drahtig, hatte braunes Haar, das er exakt kurz geschnitten trug. Seine Augen waren kristallblau, was seinen etwas dunkleren Teint hervorragend zur Geltung brachte. Wie jeden Tag trug er einen sündhaft teuren Anzug und einen passenden, dunklen Mantel dazu. Terry grinste wieder. Sie neigte sich etwas zur Seite, um sich im Außenspiegel betrachten zu können. Sean hatte sich gewünscht, dass sie heute das Haar hochgesteckt tragen würde. Sie war seinem Wunsch nachgekommen, obwohl das bei ihrer üppigen, dunkelblonden Mähne ein ziemlicher Aufwand war. Dann hatte sie ein dunkelblaues Kostüm aus dem Schrank genommen und sah nun aus, wie die Gattin eines bekannten Steuerberaters eben auszusehen hatte. Hochhackige Pumps und eine warme Jacke mit Fellkragen rundeten ihre Erscheinung ab. Sie schminkte sich selten, doch heute hatte sie ihre braunen, großen Augen etwas betont und sogar Lippenstift aufgetragen.


»Der Makler muss sehen, dass er es mit solventen Leuten zu tun hat«, hatte Sean gesagt. Als sie dann angekleidet aus dem Schlafzimmer kam, lächelte er zufrieden. Mehr brauchte es nicht um Terry zu bestätigen, dass ihre Wahl in seinen Augen vollkommen in Ordnung war.


»Liegt aber sehr einsam, oder?«, unterbrach Terry das Schweigen, das sich im Auto breitgemacht hatte.


»Na ja«, kam es gedehnt aus Seans Mund.


»Meinst du denn, dass das gut ist, wenn du dich hier in der Gegend als Steuerberater niederlassen willst?«, forschte Terry weiter.


»So einsam ist es nicht, Schatz. Es gibt hier viele ziemlich reiche Leute, die immer in die Stadt müssen, wenn sie ihren Steuerkram erledigen wollen. Ich denke schon, dass wir schnell eine gut gehende Kanzlei aufbauen werden.«


»Dann brauchen wir aber viel Werbung«, murrte Terry. Es war ihr hier einen Tick zu einsam. Nur ab und zu huschte der schwere Wagen an einigen Häusern vorbei. Ja, sie waren alle ausnahmslos sehr hübsch anzusehen und wurden von parkähnlichen Gärten umrahmt. Aber wie zum Geier wollte man es anstellen, dass die Leute hier von der Existenz eines sehr guten und bekannten Steuerberaters erfuhren?


»Mundpropaganda«, grinste Sean und sah kurz zu Terry hinüber. »Der Makler ist hier sehr bekannt. Ich denke, das spricht sich schneller rum, als du Cheesecake sagen kannst.«


»Wenn wir das Haus kaufen, Darling«, näselte Terry arrogant. Sean lachte.


»Du wirst es wirklich mögen, Terry. Glaub mir«, sagte er dann.


»Warten wir mal ab. Wie, sagtest du, heißt das noch mal?«


»Das Haus? Bainmond-House.«


»Bainmond? Nach dem ehemaligen Besitzer?«


»Richtig. Das war eine ziemlich reiche Familie, die da lebte. Die haben einen irren Stammbaum.«


»Wir reden jetzt aber nicht von Hunden, oder?«


»Was?«


»Von wegen Stammbaum«, kicherte Terry.


»Ach so, nein. Natürlich reden wir von DEN Bainmonds. Weißt du denn nicht, wer die waren?«


»Nö!«


»Ich auch nicht«, lachte Sean und bog um eine scharfe Kurve.


»Da bin ich aber froh. Ich dachte schon, ich hätte da eine Bildungslücke.«


»Nein Schatz. Hast du nicht. Ach, übrigens, da vorne ist es!«


Sean deutete kurz nach rechts, wo nun ein paar uralte Bäume auftauchten. Es dauerte noch einen Moment, bis man das Haus sah. Vor dem Zaun, der aus großen Feldsteinen aufgetürmt das Grundstück umsäumte, stand ein silberner Jaguar. Das nahm Terry allerdings nicht gleich wahr. Ihre Augen waren mit einem gewissen Entsetzen auf das Gebäude gerichtet.


Als Sean den Wagen anhielt, starrte sie weiter stumm durch die Windschutzscheibe.


»Bainmond-House«, seufzte Sean zufrieden und sah dann zu Terry hinüber.


»Was ist? Gefällt es dir nicht?«, fragte er unsicher.


»Dieser grässliche Kasten da? Gefallen? Entschuldige, Sean. Das ist kein Haus, in dem ich wohnen möchte!«, kam es bestürzt aus Terrys Mund.


»Aber Liebes, du hast es ja noch gar nicht von innen gesehen!«, protestierte Sean.


»Was ich hier sehe, reicht mir völlig.«


»Bitte, lass es uns wenigstens ansehen, ja? Wir haben jetzt den ganzen Weg zurückgelegt und ich will mir das Haus wenigstens anschauen!«


»Wie du meinst«, murmelte Terry und öffnete die Beifahrertür. Für sie war es jetzt schon klar! Dieses Haus würde nicht das neue Heim für sie, Sean und ihre Kinder, die sie sich so sehr wünschte, werden! Sie starrte mit großen Augen auf das graue Ungetüm vor sich, als könne sie es mit ihren Blicken einfach wegzaubern. Es war groß, damit hatte Sean definitiv recht. Groß und unheimlich! Die Fenster zur Straße hin waren schmal und hoch. Sie wirkten mit ihren Bögen wie die Fenster einer Kirche. Links gab es einen Turm, was dem Ganzen den Hauch einer Festung verlieh. 


Terry war so von diesem Anblick gefangen, dass sie den Mann nicht bemerkte, der überaus freudestrahlend auf sie und Sean zukam.


»Sie sind sicher das Ehepaar Drake, so nehme ich an«, sagte er dabei und streckte Terry die Hand entgegen. Sie registrierte das nicht, sondern starrte immer noch auf das große, graue Haus.


»Theresa«, mahnte Sean sie und legte seine Hand auf ihre Schulter. Betreten lächelte sie nun den Mann vor sich an. Sie war so irritiert von dem Anblick dieses Anwesens, dass sie dem Makler nicht widersprach, als er sie und Sean als Ehepaar ansprach. Es war in ihren Augen im Moment auch nicht das größte Problem.


»Oh, natürlich, entschuldigen Sie«, hauchte sie schließlich verlegen.


»Tate. Marius Tate, zu Ihren Diensten!« Der Mann verbeugte sich leicht und reichte nun auch Sean die Hand. Terry musterte ihn, während er stolz auf das Haus blickte, als stünden die drei Menschen vor der Pyramide von Gizeh.


Tate war etwa so groß wie sie selbst, etwas untersetzt und sehr nobel gekleidet. Terry schätzte, dass der Mantel, den er trug, ein paar Tausend Pfund gekostet haben mochte. Seine graublauen Augen stecken hinter einer goldgefassten Brille. Das Gesicht war glattrasiert und von ihm ging eine penetrante Duftwolke aus. Fast so, als habe er sich gerade eben erst einparfümiert. Wenn er lächelte, sah man einige goldene Zähne im hinteren Bereich seines Mundes, und er lächelte auffällig viel. Sein Haar war mit einer dicken Schicht Pomade an den Schädel geklebt. Alles in allem wirkte er mehr wie ein Zuhälter als ein Makler.


»Ja, das ist es also, Mr. Drake«, sagte Tate nun, ohne das dümmliche Grinsen aus seinem Gesicht zu nehmen. »Bainmond-House. Beeindruckend, nicht wahr?«


»Ziemlich. Ich bin gespannt, wie es innen aussieht«, antwortete Sean.


»Ich glaube nicht, dass wir es uns ansehen sollten, Schatz«, fing Terry nun leise an.


»Warum nicht?«


»Hier in der Gegend wirst du, wie ich vorhin schon sagte, kaum Mandanten finden.«


Tate hatte Terrys Einwand mit offenem Mund registriert und sprang sofort in die Bresche:


»Oh, da machen Sie sich mal keine Gedanken. Ich habe es in unseren Kreisen schon erwähnt, dass ein Steuerberater beabsichtigt, sich hier niederzulassen. Sie ahnen nicht, wie positiv das aufgenommen wurde.«


»In Ihren Kreisen?«, hakte Terry spitz nach. Tate kam ihr vor wie ein Versicherungsvertreter, der um alles in der Welt eine vollkommen überteuerte Police loswerden wollte. 


»Nun«, machte er und sah auf seine Hände. »Das sind viele und durchaus wohlhabende Leute«, sagte er und spielte dabei mit einem dicken, goldenen Siegelring an seiner rechten Hand.


Terry nickte verstehend.


»Lass uns doch einfach mal sehen, ja?«, bat Sean. Er wirkte fast verzweifelt.


»Eben«, grinste Tate und reichte Terry den Schlüssel. »Ansehen kostet nichts«, meinte er süffisant und zwinkerte Sean vertraulich zu.


Terry starrte auf den Schlüssel in ihrer Hand. Er war an einem großen, silbernen „B“ befestigt.


»B wie Bainmond«, ließ der Makler verlauten. Terry nickte erneut mechanisch und gab den Schlüssel an Sean weiter.


»Mach du«, sagte sie dabei und fügte dann noch an: »Es ist immerhin deine Idee!«


Sean zuckte die Schultern und fasste nach Terrys Hand. Er zog sie beinahe hinter sich her, als er auf den Eingang zusteuerte. Dieser war ziemlich unscheinbar in dem burgähnlichen Turm eingelassen, welcher oben sogar über einige Zinnen verfügte. Sean registrierte Terrys Blick nach oben und meinte:


»Von da hat man bestimmt einen tollen Ausblick.«


»Wer es mag«, flüsterte Terry leise.


Sean öffnete die Tür und blieb dann verheißungsvoll im Türrahmen stehen.


»Bainmond-House. Sieh dir nur diese Treppen an!«


»Die Fenster kommen mir vor wie Kirchenfenster. Es wird da drin nicht hell genug sein«, entgegnete Terry. Ihr Blick war immer noch auf die Rundbögen der Fenster gerichtet. 


»So schmal und hoch«, unkte sie weiter.


»Du kannst dir eine Putzfrau leisten, die dann die Fenster für dich reinigt. Falls das deine einzige Sorge ist«, ließ Sean nun etwas ungehalten vernehmen. Dann wandte er sich wieder dem Eingang zu und sagte ergriffen:


»Sieh doch nur dieses Treppenhaus! Das ist feinstes Mahagoni!«


»Allerdings«, hörte man nun von dem Makler. Der drängte sich etwas unsanft an Terry und Sean vorbei und baute sich nun vor ihnen auf.


»Dieses Haus wurde inklusive des Inventars verkauft«, propagierte er. »Das heißt im Klartext: Alle Möbel, Gegenstände und eben alles, was Sie hier im Haus sehen, ist im Preis mit inbegriffen. Ich möchte dazu noch bemerken, dass die Möbel wirklich von einem exquisiten Geschmack des ehemaligen Besitzers zeugen. Und sie waren sicher nicht billig!«


»Warum tut jemand so was?«, fragte Terry verwirrt nach. »Ich meine, brauchen die ehemaligen Besitzer nichts davon?« Ihr war nicht einmal aufgefallen, dass der Makler sagte, es wurde verkauft.


»Der ehemalige Besitzer ist verstorben. So vermutet man«, antwortete Tate. 


»Man vermutet es?« Terry starrte fragend in das Gesicht des Maklers. »Was heißt das? Ich meine, wenn der Mensch noch lebt, dann kann er doch jederzeit seine Ansprüche geltend machen, oder?« Nun wanderte ihr Blick zu Sean.


»Also, das denke ich eher nicht.« Der Makler sah erst auf seine Füße und dann wieder zu Terry.


»Mister Bainmond ist verschollen. Er war ein passionierter Kletterer. Ein Bergsteiger. Er ist vor Jahren zum Mount Everest aufgebrochen und kam nie wieder zurück. Man vermutet, dass er noch dort ist. Irgendwo.« 


»Auf dem Everest?« Terrys Stimme klang spitz.


»Äh, ja. Es ist so, dass die Menschen, die dort ihr Leben ließen, meist nicht zurückgeholt werden können. Das ist zu riskant.«


»Sie behaupten, da oben auf diesem Berg liegen Tote einfach so herum?«


»So ist es. Die Menschen, die diesen Berg besteigen, wissen um die Gefahren.«


»Und dieser Bainmond liegt jetzt auch da irgendwo?« Terrys Entsetzen war nicht gespielt. 


»Davon ist auszugehen, ja. Leider.«


»Gibt es denn keine Erben?«


»Nein. Nach dem Ablauf einer gewissen Zeit, die nun vergangen ist, verfügte Mister Bainmond, dass dieses Haus verkauft werden solle. Mit allem, was sich darin befindet. Es war sein letzter Wille. Sie können gerne den hiesigen Notar aufsuchen, der dieses Gebäude bis zum heutigen Tage verschlossen gehalten hat.«


»Dieser Bainmond verfügte, dass niemand das Haus betreten dürfe, bis eine gewisse Anzahl von Jahren nach seinem Ableben vergangen wäre«, erklärte nun Sean geduldig. »Ich habe schon mit dem Notar gesprochen, Liebes. Wir sind die Ersten, die dieses Haus betreten, nachdem Bainmond es für seine Exkursion verlassen hat.«


»Es gab lediglich einen Gärtner, der hin und wieder auf dem Grundstück für Ordnung gesorgt hat«, fuhr der Makler nun fort. »Kurz, nachdem Bainmond für tot erklärt wurde, wurden auch viele seiner persönlichen Dinge aus dem Haus entfernt. So, wie er es vorgeschrieben hatte. Eine Vertrauensperson durfte hin und wieder nach dem Rechten sehen. Das war der hiesige Pfarrer und nun sein Nachfolger.«


»Sie selbst waren demnach auch noch nie hier im Haus?«, hakte Terry erstaunt nach. Sie klang, als fürchte sie um ihren Verstand.


»Nein«, gestand der Makler. »Ich habe den Schlüssel erst vorhin beim Notar abgeholt. Auch wenn ich zugegebenermaßen sehr neugierig war, so habe ich das Haus nicht betreten. Der letzte Wille eines Menschen steht für mich über allen Dingen. Da bin ich sehr eigen. Außerdem gehört es Ihnen ja schon.«


»Was bitte?!« Terry starrte nun fassungslos in Seans Gesicht. Der druckste etwas herum und gestand dann:


»Ja, also, ja. Ich habe es gekauft.«


»Oh, Pardon«, flüsterte der Makler. »Ich wusste nicht, dass Sie Ihre Gattin nicht unterrichtet hatten!« Er klang betreten, doch in seinem Gesichtsausdruck spiegelte sich ein kleiner Triumph.


»Es ist ebenfalls der letzte Wille dieses Bainmond gewesen, dass nur der das Haus betreten darf, der es ungesehen gekauft hat. Also musste ich doch, oder?«, stammelte Sean.


»Du hast also die Katze im Sack gekauft!«, warf Terry ihm ziemlich aufgebracht vor.


»Womöglich ein Sack voll mit wundervollen Schätzen und Erinnerungen!«, wehrte der sich.


»Von einem Menschen, den wir überhaupt nicht kennen? Der jetzt irgendwo auf dem Mount Everest – was weiß ich denn? Hatte er keine Frau?«


»Mister Bainmond scheint in dieser Hinsicht leider sehr unglücklich gewesen zu sein. Er hatte drei Ehefrauen, die ihn alle nach einer gewissen Zeit verlassen haben«, berichtete Tate.


»Dann gibt es also wenigstens die Ehefrauen und eventuell Kinder, die ihren Anspruch geltend machen könnten!«


»Keine Kinder. Das haben wir geprüft. Er war offenbar kinderlos geblieben. Und die Ehefrauen sind leider auch alle nicht aufzufinden. Ein Unglücksrabe dieser Mister Bainmond! Nun, vielleicht wird er eines Tages gefunden, da oben auf dem Berg. Gefunden und identifiziert. Aber er muss verstorben sein. Er wäre jetzt weit über einhundert Jahre alt.«


»Nach so vielen Jahren kann doch keiner mehr eine Leiche identifizieren«, motzte Terry mürrisch weiter.


»Die da oben schon. Die sind quasi tiefgefroren«, hörte man Sean sagen. »Ich gehe davon aus, dass man ihn irgendwann finden wird. Und wenn man ihn nicht mehr erkennen kann, dann gibt es ja noch diese DNA-Tests und den ganzen Kram.«


»Das ist makaber!«, wetterte Terry. »Ich ziehe doch nicht in ein Haus, das einem „Vielleicht-Toten“ gehört oder einem, der tiefgefroren auf einem Berg – äh, herumliegt?«


»Komm schon! Du hast gehört, dass er jetzt weit über hundert Jahre wäre. Ich bitte dich, Terry! Du bist doch sonst nicht so zimperlich!«


»Außerdem gehört es Mr. Bainmond nicht mehr, denn wir haben all seine Verfügungen peinlichst genau erfüllt und Ihr Gatte hat die Kaufsumme beglichen. Es gehört nun offiziell Ihnen!«, warf der Makler immer noch selbstgefällig grinsend ein.


Während Terry laut: »Ich weiß nicht, mir ist nicht wohl dabei!«, sagte, trat sie vorsichtig über die Schwelle. Sie hatte nun ein riesengroßes Problem. Ihr Innerstes wehrte sich massiv gegen dieses Haus. Alles, was sie eben erfahren hatte, verstärkte das Gefühl nur noch. Doch da war Sean, den sie sehr liebte und der dieses Haus für sie beide gekauft hatte. Hier nicht einziehen zu wollen würde bedeuten, sich von Sean zu trennen. Das würde sie niemals wollen! Es musste eine andere Lösung geben und sie betete, dass ihr etwas einfallen möge.


 


 


Pläne


 


Terrys Augen gewöhnten sich nur langsam an das dämmrige Licht im Haus. Sie sah eine Treppe, die sanft geschwungen in die oberen Räume führte. Sie musste Sean beipflichten, als der vorhin bemerkt hatte, dass diese Mahagoni-Treppe allein schon ein Hingucker war. Wenn man die dicke Staubschicht darauf entfernen und das Holz richtig aufpolieren würde, so käme mit Sicherheit die ganze Schönheit dieses Werkstoffes zur Geltung. Die Enden der Handläufe wurden von Löwenköpfen geziert. Diese waren für sich genommen schon eine wundervolle und kostbare Schnitzarbeit.


In Terry siegte nun die Neugierde. Was gab es noch zu entdecken? Was hatte der ehemalige Besitzer auf diese sonderbare Weise nun ihr und Sean überlassen? Gab es wirklich Schätze in diesen Mauern zu finden?


»Nun«, sagte der Makler, »ich darf Sie jetzt mit Ihrem Eigentum alleine lassen. Hier endet mein Auftrag. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit und viel Freude in Bainmond-House. Wenn Sie alles eingerichtet haben, lassen Sie mich dies bitte wissen. Ich weiß bereits von zwei meiner Kunden, die dringend steuerliche Hilfe benötigen.« 


Er verabschiedete sich von Terry und Sean und schloss langsam die Eingangstür hinter sich.


»Ja, also«, machte Sean und rieb sich die Hände. »Wollen wir dieses Schätzchen mal erkunden?«


»Es reizt mich, das muss ich zugeben. Aber gleichwohl komme ich mir immer noch so vor, als gehöre ich nicht hierher«, antwortete Terry. »Ein komisches Gefühl, mit den Hinterlassenschaften eines Verstorbenen zu wohnen.«


»Wir müssen das Zeug ja nicht behalten, wenn es uns nicht gefällt«, entgegnete Sean leise und nahm sie in seine Arme. »Schau, alles, was nicht unser Stil ist, werfen wir einfach raus. Wir können ja auch umbauen und neue Fenster kaufen, wenn dich die alten zu sehr an eine Kirche erinnern. Schöne, große Fenster, ja?«


»Stimmt, das könnten wir«, gab Terry erleichtert zu. An diese Option hatte sie überhaupt nicht gedacht.


»Lass uns einfach schauen, was wir draus machen können, okay?«


»Okay, das ist ein Deal.« Terry fixierte einen Lichtschalter mit ihren Augen und fragte:


»Meinst du, in diesem Mausoleum gibt es Strom?«


»Angemeldet ist er. Versuch es einfach!«


»Ich werde dir nie verzeihen, dass du das alles hinter meinem Rücken in die Wege geleitet hast«, sagte Terry und wandte sich aus Seans Arm, um zu dem Lichtschalter zu gelangen.


»Ich wollte dich damit überraschen. Ist mir ja auch geglückt, oder?«, prahlte der schelmisch.


»Ein wenig schon. Aber nur ein wenig. Hätte ich das alles gewusst, hätte ich abgeraten.«


»Es ist ein bisschen Nervenkitzel, das gebe ich zu. Aber wir können ja unser Nest daraus machen.«


»Da gibt es nicht wieder irgendwelche Vorschriften, die dieser Bainmond festgelegt hat?« Terry knipste das Licht an und wie durch ein Wunder funktionierte es.


»Nicht dass ich wüsste«, entgegnete Sean und starrte auf den verstaubten und mit Spinnweben überdeckten Kronleuchter über ihrem Kopf, der nun den Raum erhellte. Es waren einige Lämpchen darin ohne Funktion und doch reichte die Lichtausbeute aus, um sich umsehen zu können.


»Dieses grässliche Ding fliegt als Erstes raus«, meinte Terry, indem sie ebenfalls zu dem Lüster hinaufsah. »Das ist ja ein Vorkriegsmodell. Außerdem frage ich dich, ob dir aufgefallen ist, was für altertümliche Lichtschalter hier noch verbaut sind. Ich denke, wir müssen die ganzen Stromleitungen erneuern!«


»Das ist mir bewusst. Ich habe auch schon einen Fachmann an der Hand. Aber, lass uns weiterschauen, ja?«


»Mit den Leitungen wird’s nicht getan sein, Sean. Ich fürchte, das ist ein Fass ohne Boden!«, seufzte Terry entmutigt. »Die Elektrik, dann mit Sicherheit auch die Wasserversorgung und die Sanitäranlagen!«


»Alles bedacht«, grinste Sean. »Alles im Plan! Das Haus war nicht sehr teuer, Terry. Ich habe noch genug Mittel, um die notwendigen Arbeiten durchführen zu lassen.«


»Hätten wir dann nicht einfach neu bauen können, statt eine Ruine zu kaufen und die umzubauen?«


»Wäre auch eine Option gewesen, Schatz. Aber sieh mal, ich denke auch an die Zukunft. Hier gibt es viel Natur. Unsere Kinder wachsen frei mitten auf dem Land auf. Wir können Haustiere haben. Hunde, Katzen. Alles, was du dir vorstellen kannst. Unsere Töchter können reiten, wenn wir einen Stall bauen und uns Pferde anschaffen.«


Terry lachte auf. So sehr wie gerade eben hatte Sean sich noch nie irgendwelchen Zukunftsträumen hingegeben.


»Oh mein Gott«, rief Terry amüsiert aus. »Du denkst ja wirklich weit voraus!«


»Das tue ich, Liebes«, sagte Sean plötzlich sehr ernst geworden und kramte hektisch in den Taschen seines Mantels. Terrys Herz fing an, heftig gegen ihre Brust zu schlagen. Sie ahnte plötzlich, was kommen würde und als Sean vor ihr auf die Knie ging und ihr eine kleine, rote Schachtel entgegenhielt, fing sie an zu weinen. Er war offensichtlich sehr aufgeregt, denn er hatte vergessen, das Etui zu öffnen.


»Mach das nicht«, schluchzte sie auf.


»Theresa Duncan, willst du meine Frau werden?«, fragte Sean bitterernst. Terrys Blick war tränenverschleiert und sie nickte heftig. 


»Natürlich«, japste sie. »Ja, ja! Natürlich!«


Sean öffnete endlich die kleine Schmuckschatulle und nahm einen wunderschönen Ring aus Weißgold heraus, der mit einem funkelnden Diamanten verziert war. Er griff nach Terrys Hand und steckte ihr den Ring an.


»Das alles hier«, sagte er dabei ruhig und ernst, »das alles soll unser gemeinsames Heim werden. Ich will, dass wir das zusammen aufbauen. Ich möchte, dass du hier mit mir und unseren Kindern glücklich wirst!«


»Und den Hunden und den Pferden«, stammelte Terry. 


»Alles, was du dir vorstellen kannst!«


Endlich fiel Terry ihm um den Hals und küsste ihn lange. Er hielt sie fest an sich gepresst und nun spürte Terry tatsächlich, wie aufgeregt er war. Es legte sich nur langsam.


»Nun lass uns sehen, was es noch zu entdecken gibt, Mrs. Drake, ja?«, flüsterte Sean nahe ihrem Ohr.


»Was wir noch an Grässlichkeiten rauswerfen können«, kicherte Terry übermütig. Nach einem weiteren, langen Kuss löste sie sich aus Seans Armen und sah sich um. In dem Treppenhaus, wo sie jetzt standen, gab es zwei Türen. Terry öffnete die, welche zu dem Zimmer mit den Kirchenfenstern führen musste. Sie betrat daraufhin einen großen Raum, der wohl einst das Wohnzimmer gewesen war. Es gab einige Möbelstücke, die sorgfältig mit weißen Tüchern abgedeckt waren. Trotz der schmalen Fenster war es recht hell in dem Zimmer. Die Gardinen wirkten etwas schäbig, was wohl der langen Zeit, die sie vor den Fenstern gehangen hatten, zuzuschreiben war.


»Die müssen runter«, entschied Terry. Sie mochte keine Gardinen und war der Meinung, dass Fenster dazu da waren, um Licht in die Räume gelangen zu lassen und nicht durch Stoffe verhängt zu werden.


Sean zog inzwischen an einem der Tücher, welches ein hohes und langes Möbelstück verdeckte. Zum Vorschein kam ein Schrank, der aus dem gleichen, wundervollen Edelholz gefertigt war, wie die Treppe.


»Wow!«, machte Terry. Sie war beeindruckt vom warmen Schimmer des Holzes.


»Der bleibt, auf jeden Fall!«, sagte Sean und trat einen Schritt zurück.


»Da stimme ich dir zu. Der ist bestimmt ein Vermögen wert«, bestätigte Terry seine Worte. Sean öffnete inzwischen einige der Türen und stellte fest, dass der Schrank komplett leer war.


»Was hast du erwartet«, fragte Terry, die eine gewisse Enttäuschung bei Sean bemerkte. »Der Makler sagte doch, dass einiges aus dem Haus entfernt wurde.«


»Dachte nur«, murmelte Sean und zog weitere Tücher von den vorhandenen Möbeln. Es gab noch ein Sideboard, das ebenso wundervoll gearbeitet war. Es stand direkt unter den hohen Fenstern. Auch seine Fächer waren leer geräumt. Dann standen noch Tische, ein Sessel und eine Vitrine in dem Raum. Eine weitere Tür führte die beiden in das nächste Zimmer, das offenbar das Speisezimmer war. Auch hier enthüllte Sean einige wunderschöne Schränke, Highboards und einen Esstisch mit acht sehr schön gearbeiteten Stühlen daran.


»Das kann man behalten«, stellte er fest. 


»Die Lampe muss raus. Die ist ja enorm hässlich!«, stellte Terry fest, als sie nach oben sah. Die Decke war mit reichlich Stuck verziert und die Lampe, die über dem Esstisch hing, passte überhaupt nicht zum Stil des ganzen Raumes. Sie wirkte kitschig und vollkommen deplatziert. Während die Möbel wunderschön und wertvoll waren, hing an der Decke eine einfache Glaskugel.


»Hast recht«, meinte Sean. »Geht gar nicht!«


Terry ging nun schon zur nächsten Tür und stand gleich darauf in der Küche.


»Ach du lieber Himmel!«, seufzte sie, als sie die altertümlichen Möbel sah. Es gab einige abgegriffene Hängeschränke, einen uralten Gasherd, ein Spülbecken, das offenbar aus Stein gehauen war, einen primitiven Tisch mit zwei plastiküberzogenen Stühlen aus längst vergangenen Zeiten daran. 


»Hier haben sich die Herrschaften wohl nie aufgehalten«, stellte Terry fest. Die vorderen Räume waren ziemlich prunkvoll. Dagegen kam man sich in der Küche vor, als stünde man in einer uralten, billigen Mietwohnung. Auch hier waren die Schränke leer.


»Das muss alles raus«, jammerte Terry. 


»Jap«, machte Sean. Er hatte eine Tür geöffnet und stand unmittelbar darauf im Treppenhaus.


»Dienstbotentür«, murmelte er.


»Wie meinst du?«


»Nun ja, die Tür haben wir vorhin überhaupt nicht bemerkt, richtig? Sie diente wohl dazu, dass die Bediensteten dieses Hauses durch die Gänge huschen konnten, ohne von jemandem bemerkt zu werden. Das machte man früher so. Sie konnten hier in die oberen Räume gelangen, während die Herrschaften im Salon ihre Gäste empfingen.«


»Durchaus möglich.«


»Dann lass uns mal nach oben gehen, ja?«


»Groß sind die Zimmer ja«, meinte Terry, als sie Sean nach oben folgte. Mit dem Finger wischte sie den Staub vom Treppengeländer. »Man kann echt was draus machen«, stellte sie dabei fest.


Oben angekommen gab es noch einmal drei Räume. Einer davon war wie ein zweites Wohnzimmer eingerichtet. Die Möbel waren nicht weniger kostbar wie unten, allerdings nicht ganz so protzig. Dann gelangte man in eine Art Kaminzimmer. Der Raum war holzvertäfelt und man konnte noch den kalten Dunst von Zigarren und Nikotin atmen.


»Das Herrenzimmer, vermute ich«, erklärte Sean. Ein weiterer Raum war das Badezimmer. Es war so hässlich, dass Terry sich sofort abwandte, indem sie sagte:


»Raus, da muss alles neu!«


»Unten gab es kein Klo, ist dir das aufgefallen?«, bemerkte Sean. »Wo sind die denn auf Toilette gegangen, wenn sie sich unten aufgehalten haben?«


»Kriegen wir auch noch raus, aber das hier geht ja mal gar nicht!« Terry wagte nur einen kurzen Blick in das gelb geflieste Zimmer, das von einer alten, monströsen Badewanne dominiert wurde. Es gab ein Fenster zur Hinterseite des Hauses hinaus, welches total fleckig und blind war. Das Waschbecken und die Toilette waren verschmutzt und unbrauchbar.


»Widerlich!«, kommentierte nun auch Sean und schloss die Tür. Sie gingen zurück zur Treppe. Sie führte noch weiter hinauf direkt unters Dach. Dort lag ein Schlafzimmer, das komplett leer war. Auch hier gab es ein kleines Bad, was das andere an Hässlichkeit noch überbot. Zwei weitere, kleinere Räume waren noch mit jeweils einem Bett ausgestattet, welches in jedem der Zimmer direkt unter der Dachschräge stand. Daneben gab es jeweils einen Nachtschrank und einen Stuhl sowie einen kleinen Kleiderschrank.


»Womöglich die Dienstbotenzimmer«, meinte Sean.


»Kann sein. Wenn man die Wand wegnimmt, kann man hier ein Kinderzimmer draus machen«, dachte Terry laut nach. »Man hätte somit hier dann zwei geräumige Kinderzimmer, unten das Elternschlafzimmer und einen Ankleideraum. Na ja, die Wohnräume dann im Erdgeschoss.«


Sean nickte nur zu ihren Worten.


»Das kostet ein Vermögen!«, seufzte Terry.


»Wenn man alles auf einmal machen will, ja«, sagte er. »Man kann’s aber auch langsam angehen. Zuerst die Küche und die Bäder, dann den Rest.«


»Stimmt. Aber ohne neue Badezimmer und eine funktionierende Küche bekommen mich hier keine zehn Pferde rein.«


»Apropos funktionieren«, murmelte Sean und sah sich um. In jedem Raum gab es einen klobigen und uralten Heizkörper.


»Ach Gott, ja. Die Heizung!«, seufzte Terry. 


»Wir müssen uns den Keller noch ansehen«, sagte Sean und ging voraus. Der Keller bestand aus drei Räumen, wovon einer von einer unförmigen, verstaubten und wahrscheinlich nicht mehr funktionstüchtigen Heizungsanlage eingenommen wurde. Diese schien offenbar noch mit Kohle befeuert worden zu sein.


Die Kellerräume selbst waren trocken und leer bis auf einige Regale. 


»Gut. Also eine neue Heizung muss auch. Ich sagte ja, das ufert aus!«, mäkelte Terry.


»Alles mit in meiner Planung, Liebes«, grinste Sean. »Ich habe das alles schon vorausgesehen.«


»Und wann soll das losgehen? Ich meine, willst du jeden Tag hier rausfahren, um die Handwerker anzuweisen?« Terry stieg langsam die Treppe nach oben, während sie das fragte.


»Nein. Wir haben Frühling, das heißt, das Wetter wird besser und es wird warm werden. Die Arbeiten im Bad und in der Küche fangen übernächste Woche an.«


»So schnell soll es losgehen?« Terry blieb stehen und sah Sean überrascht an.


»Ich will, dass wir im Sommer hier einziehen. Bis dahin sollten die Bäder und die Küche fertig sein. Den Rest machen wir dann nach und nach. Im Erdgeschoss ist ja außer der Küche nicht viel zu machen. Den Wohnraum oben nutzen wir als Schlafzimmer. Das Kaminzimmer bleibt, wie es ist. Den anderen Raum vor dem Bad gestalten wir um als Ankleidezimmer.«


»Du lieber Himmel«, grinste Terry. »Du lässt mir ja gar keinen Raum für eigene Ideen!«


»Oh, verzeih bitte. Natürlich sollst du mitreden!«


»Da möchte ich drum bitten. Übrigens, wir haben eine Tür übersehen«, stellte Terry fest, als sie wieder im Erdgeschoss angekommen waren.


»Ja? Wo denn?« 


Als sie vorhin im Treppenhaus gestanden waren und ihren Rundgang starteten, hatte Terry eine zweite Tür bemerkt. Diese führte nicht in die Küche, sondern in ein entsetzlich altmodisches Gästebad.


»Damit hätte sich die Frage nach der Toilette im Erdgeschoss auch geklärt«, stellte Terry fest und rümpfte die Nase. »Hoffentlich gibt es einen Abwasseranschluss und nicht nur eine Sickergrube«, unkte sie. Der Geruch in diesem Raum war absolut ekelerregend.


»Gibt es«, meinte Sean und warf einen Blick in den Raum. 


»Was?«, fragte Terry verwirrt.


»Abwasseranschluss«, ergänzte Sean seine Worte. »Hab mich vorher schon informiert. Nun, hier wurde eben lange nicht mehr geputzt.«


»Widerlich«, kommentierte Terry und schloss die Tür.


»Zu dem Haus gehören noch ein großes Gelände und ein Stück Wald«, erklärte Sean, während er die Haustür abschloss. »Platz genug für Pferde und Hühner und Enten!«


»Das müssen wir aber jetzt nicht anschauen, oder?« Terry war inzwischen ziemlich durchgefroren und sie freute sich auf die Heizung in Seans Wagen.


»Können wir morgen auch noch. Wir fahren jetzt gemütlich nach Hause. Dann möchte ich mit dir ein wenig feiern, denn immerhin hast du ja gesagt.«


»Habe ich das?«, lachte Terry übermütig, als sie in das Auto stieg.


»Mir war so«, griente Sean.


 


 


Umzug


 


Die Arbeiten in Bainmond-House starteten wie geplant schon ziemlich bald. Während Terry ihrem Job nachging, war Sean jede freie Minute dort, um den Fortschritt der Renovierungen zu überwachen. Terry fuhr nur zwei Mal mit ihm mit. Sie hatte immer noch ein mulmiges Gefühl, wenn auch schon binnen kurzem eine komplett neue Küche in Bainmond aufgebaut wurde und die Bäder saniert waren. Dieses Haus und sein verschollener Besitzer beunruhigten Terry in einer befremdlichen Weise. Als der Tag näher rückte, an dem sie ihre Wohnung in Edinburgh verlassen und nach Bainmond ziehen sollte, verstärkte sich dieses Gefühl noch. Es ließ sich auch nicht durch die Freude auf die im Spätjahr bevorstehende Hochzeit verdrängen. 


Ziemlich nervös packte sie ihre wenigen Habseligkeiten. Die kleine Stadtwohnung, die sie seit Jahren in Edinburgh ihr Eigen nannte, hatte sie bereits verkauft. Es gab also kein Zurück mehr. Oft hatte sie versucht, dieses eigenartige Gefühl zu analysieren, das sie bei dem Gedanken an Bainmond hatte. Es gelang ihr allerdings nicht.


Unterdessen war auch eine neue Heizung eingebaut worden. Als Terry mit ihren Umzugskartons in Bainmond ankam, wartete Sean schon mit einer Flasche sündhaft teurem Champagner auf sie. Er war bester Laune, und das konnte er auch sein. Mit einem Architekten zusammen hatte er eine traumhaft schöne Küche installiert. Die Bäder und Toiletten glänzten in reinem Weiß und waren auf dem neuesten Stand. Und doch spürte Terry einen Kloß im Hals, als sie von Sean über die Schwelle getragen wurde.


Staunend betrachtete sie die modernen, weißen Küchenschränke und den im Raum frei stehenden Herd. Die Wohnräume waren unberührt geblieben und die Möbel standen alle noch an dem Platz, an dem Terry und Sean sie vorgefunden hatten. Ein Trupp fleißiger Helfer hatte Spinnweben und Staub entfernt und die Schränke und die wuchtige Treppe auf Hochglanz poliert. Der große Kronleuchter im Flur hing noch an der Decke. Sean hatte beschlossen, ihn doch zu behalten, nachdem er gereinigt und repariert worden war. Terry fand diese Entscheidung jetzt, wo sich die Glühbirnen in tausendfachen, wundervoll geschliffenen Kristallverzierungen spiegelten, nun ebenfalls sehr gut. Im ganzen Haus roch es nach Bohnerwachs. Eigentlich hätte allein schon dieser Geruch für eine gewisse gemütliche Stimmung bei Terry sorgen können, doch dem war nicht so.


Sie tranken in der Küche ein Glas Champagner. Dann half Sean Terry dabei, ihre Kisten auszuladen. Seine Sachen waren inzwischen ebenfalls eingetroffen und so hatten die beiden ordentlich zu tun, bis die Dämmerung hereinbrach.


Die Kisten stapelten sich im Treppenhaus und in den Wohnräumen. Ans Auspacken war nicht zu denken. Während oben im Schlafzimmer drei Tischler das Bett und die Schränke aufbauten, überlegte Terry, wo sie mit ihrem ganzen Dekokram hinsollte. Dabei fiel ihr das Sideboard im Wohnraum wieder ein. Darauf sollten die Bilderrahmen mit den Fotos ihrer verstorbenen Eltern und die Bilder, die sie von sich und Sean hatte, doch wunderbar zur Geltung kommen. Sie wollte unbedingt heute noch etwas Persönliches aufstellen. Als sie diese Fotos also auf dem Sideboard aufbaute, rutschte ihr eines davon zwischen Wand und Möbel. Ohne Unterstützung konnte sie das schwere Board nicht wegrücken und so bat sie Sean um Hilfe.


»Wieso fängst du jetzt mit den Fotos an?«, keuchte der, während er versuchte, das Sideboard auf die Seite zu schieben.


»Oben kann ich noch nichts machen und ich wollte einfach, dass diese Fotos hier stehen«, antwortete Terry bockig. Sie versuchte, den Bilderrahmen aus dem schmalen Spalt, den Sean durch das Wegrücken des Möbels erzeugt hatte, hervorzuholen. 


»Da, ich habe es«, schnaufte Terry, die bäuchlings auf dem Sideboard lag. Das Bild, das sie hervorholte, war jedoch nicht das, welches sie suchte. Es war ein schwerer, silberner Rahmen mit einem verblassten Foto darin, welches eine junge Frau zeigte. 


»Oh, hat man wohl übersehen«, sagte Sean lapidar. Terry starrte auf das Bild. Die junge Frau darauf trug ihr schwarzes Haar kunstvoll hochgesteckt. Sie war sehr hübsch, blickte aber traurig und mit großen Augen in die Kamera. Sie saß auf einem Stuhl und hatte die Hände im Schoß gefaltet. Ganz so, wie man vor Jahrzehnten Menschen ablichtete. Sie wirkte stocksteif und verkrampft. Der Kleidung nach zu urteilen war dieses Foto sehr alt. Am Rand des Bildes zeigten sich bräunliche Flecke.


»Womöglich eine der Ex-Frauen unseres Mister Bainmond«, sagte Terry ergriffen. Sean sah sich das Bild nun auch an und nickte.


Terry angelte weiter nach ihrem verschwundenen Foto und stieß mit den Fingern an etwas Weiches. Entsetzt richtete sie sich auf.


»Du musst das Board ganz von der Wand wegrücken. Da liegt noch mehr dahinter«, japste sie und wischte ihre Hand angewidert am Hosenbein ab.


»Noch mehr?«, fragte Sean ungläubig.


»Ja, da ist irgendwas Weiches. Bitte, rück es noch weiter weg!«


»Das schaffe ich nicht alleine. Das Ding ist ja fast drei Meter lang und wiegt über eine Tonne!«


»Übertreib mal nicht.«


»Du kannst es ja versuchen, mir zu helfen«, grinste Sean schelmisch. Terry wusste, dass sie das Sideboard selbst mit seiner Hilfe nicht hätte verrücken können. Der winzige Spalt, den Sean mit seinem Zerren und Ruckeln erzeugt hatte, reichte einfach nicht aus. 


»Dann hol dir Hilfe von den Schreinern oben im Schlafzimmer. Ich will wissen, was noch alles dahinter liegt!«, sagte sie und verschränkte trotzig die Arme vor der Brust. Sean kannte diese Körperhaltung bei ihr schon so gut. Es gab keine Widerworte, kein Besänftigen oder in den Arm nehmen. Wenn Terry so dastand, tat er besser, was sie wollte, um nicht einen Streit vom Zaun zu brechen. Also rief er nach den Tischlern, die oben ihre Arbeit schon fast beendet hatten. Zu dritt schafften die Männer es, das Möbel zehn Zentimeter von der Wand abzuziehen. Mit ihrer Handytaschenlampe leuchtete Terry in den jetzt groß genug gewordenen Spalt zwischen Mauer und Sideboard. 


»Wieso ist das Teil so enorm schwer?«, japste Sean und streckte sich. Die Frage war an einen der Tischler gerichtet. Der zuckte die Schultern und meinte kurzerhand:


»Verdammt gute Arbeit! Das Schätzchen würde ich auf keinen Fall hergeben, wenn ich Sie wäre.«


Mit diesen Worten verschwand der Mann wieder nach oben.


»Und?«, fragte Sean nun Terry, die wieder bäuchlings auf dem Sideboard lag und mit der Hand nach etwas tastete.


»Ein Tuch oder Schal oder so was«, murmelte sie. »Versuch du mal, an das Ding ranzukommen. Meine Arme sind leider zu kurz«, meinte sie dann und richtete sich auf.


»Sag ich ja immer!«, konterte Sean lachend und warf sich nun seinerseits auf das Sideboard. Terry beobachtete ihn und dachte, dass dieses Möbelstück ein Zwischending zwischen Side- und Highboard war. Also, weder das eine, noch das andere. Für ein Sideboard war es zu hoch, für ein Highboard zu niedrig. Es musste eine Maßanfertigung sein, da es genau in die Mauernische vor die Fenster passte.


Terry musste lachen, als Sean wie wild mit den Beinen ruderte, sich den Hals verrenkte und so versuchte, das Tuch zu erreichen, welches sie dort ausgemacht hatte.


»Na? Deine Arme auch zu kurz?«, kicherte sie übermütig. Sean rappelte sich auf und schnaufte.


»Hol einen Besen!«


Aber klar! Dass sie nicht selbst darauf gekommen war! Sie eilte in die Küche und kam mit einem Besen zurück. Damit angelte Sean nun nach den Fundstücken und zog endlich ein zusammengeknotetes Tuch hervor. Gleich darauf folge auch das Bild, das Terry hinter das Sideboard gerutscht war.


Beide standen sie nun und starrten auf das dunkelrote Tuch, das sorgsam verknotet vor ihnen auf dem Möbelstück lag. Es war eine Art Schultertuch mit schwarzen Fransen daran. Eine sehr schöne Arbeit. Allerdings hatte es wohl auch lange hinter dem Board gelegen und war verstaubt, an manchen Stellen verblasst und hatte auch einige Löcher.


»Mäuse?«, fragte Sean.


»Eher Motten, denke ich«, murmelte Terry und begann, mit spitzen Fingern das Tuch zu entknoten.


Es dauerte eine Ewigkeit, bis sie den darin verborgenen Inhalt freilegen konnte. Ein Stück Papier und ein Medaillon, das an einer einfachen Kordel befestigt war. Terry starte mit großen Augen darauf, griff nach dem alten Foto, welches sie ebenfalls hinter dem Sideboard gefunden hatte, und hielt es Sean unter die Nase.


»Das war ihres!«, stellte sie dabei fest. Sean erkannte das Medaillon nun ebenfalls wieder. Die junge Frau auf dem Foto trug es um den Hals. Es passte in seiner Schlichtheit so gar nicht zu dem Kleid, welches sie trug.


»Tatsache«, stieß Sean baff hervor. »Welch ein Fund!«


»Verarsch mich nicht!«, unkte Terry und versuchte, das Medaillon zu öffnen. Es war offenbar aus Silber, ziemlich angelaufen und ließ sich nur sehr mühsam aufmachen. Darin kam ein weiteres Foto zum Vorschein. Es stellte offenbar die Mutter der jungen Frau dar, denn die Ähnlichkeit war nicht zu übersehen.


»Warum hat sie es hinter dem Sideboard versteckt?«, fragte Terry und blickte zu Sean, der immer noch damit beschäftigt war, sich die Spinnweben von den Armen zu klopfen.


»Weiß ich doch nicht«, murmelte er dabei und fuhr dann fort: »Vielleicht wollte sie es vor ihrem Mann verstecken?«


»Warum das denn? Bist du dumm?«


»Weiß ich das? Also frag mich nicht!« Mit diesen Worten verschwand Sean in der Küche. Terry lief ihm nach und sagte:


»Das Teil wurde mit großer Sorgfalt da versteckt. Du hast selbst gemerkt, dass ein Mensch alleine das Board unmöglich da wegrücken kann. Schon gar nicht eine Frau wie sie! Da muss ihr also jemand geholfen haben und sie muss dieses Schmuckstück wissentlich dort versteckt haben. Warum nur?«


»Ich habe keine Ahnung. Wir haben es gefunden, es gibt niemanden, der Anspruch daran geltend machen könnte, also behalt es einfach.«


Terry schwieg. Da fiel ihr wieder das Stück Papier ein, welches bei dem Medaillon gelegen hatte. Sie holte es und drehte es hin und her.


»Steht nix drauf«, meinte sie.


»Vielleicht stand da mal was und es ist zwischenzeitlich verblasst. Damals gab es keine Kugelschreiber«, dozierte Sean und wusch sich am Spülbecken die Hände.


»Dann kann man es bestimmt wieder sichtbar machen«, dachte Terry laut nach.


»Nun ist aber gut. Was interpretierst du denn da hinein, Dummchen?« Sean nahm sie in den Arm und sagte: »Ich habe keine Ahnung, wie man es anstellen könnte, verblasste Schrift lesbar zu machen. Und du genauso wenig, mein Schatz. Vergiss es einfach und schmeiß den Fetzen Papier weg.«


»Na mal sehen«, murrte Terry und entzog sich Seans Griff. Sie ging zurück zum Sideboard und rief nach den Tischlern, die das Möbelstück wieder in die Nische rückten. Dann dekorierte sie die Bilderrahmen darauf und ganz außen fand auch der Rahmen mit der fremden Frau einen Platz.


»Wieso stellst du das auf?«, fragte Sean perplex.


»Ich habe das Gefühl, dass es dort stehen soll. Ich weiß auch nicht.«


»Ein Gefühl?« Sean tat verwundert.


»Ja, ein Gefühl!«, schimpfte Terry spielerisch los. »Gefühl ist das, was dir augenscheinlich fehlt, mein Lieber!«


Sean ging nicht auf diesen Spruch ein, sondern betrachtete das Foto der Fremden und meinte plötzlich im Brustton der Überzeugung:


»Du hast recht. Sie gehört da hin.« 


Terry sah ihn verwundert an. Er wirkte sehr ernst und nickte zur Bestätigung seiner Worte, indem er erneut sagte:


»Ja, das muss so sein.« 


Die Schreiner waren unterdessen …




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