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Belletristik
Buch Leseprobe Die Saga von Erik Sigurdsson, Rainer W. Grimm
Rainer W. Grimm

Die Saga von Erik Sigurdsson



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. Die Geißel Gottes
Im Morgengrauen hatten die Nordmänner ihre Schiffe an der Küste des Sachsenlandes unbemerkt auf den Strand gezogen. Eine schwarze Skaid und eine Schnigge.



Die Krieger scharrten sich um ihre Anführer und zogen dann landeinwärts. Aufsteigende Rauchschwaden in der Ferne, verrieten ihnen die Richtung in die sie Marschieren mussten.

In einem kleinen Wäldchen hielten sie inne. Vor ihnen lag, in morgendlichen Nebel gehüllt, eine große Ebene. Dahinter waren die niedrigen Mauern des Dorfes zuerkennen.

An der Spitze der Wikinger stand ein schwarzbärtiger Hüne. Sein schwarzes, langes Haar wehte leicht im Wind, einen Helm trug er nicht.

Neben dem Hünen stand ein Mann. Unter seinem schwarzen Umhang trug er ein ehernes Kettenhemd und unter dem Runenverzierten Helm ragte langes, blondes Haar hervor.

„Nun mein norwegischer Waffenbruder kannst du deinen unbändigen Hunger nach Christenleibern stillen", sprach der schwarze Hüne und lachte.

„Hier hast du ein ganzes Dorf voll von ihnen."



Er zog sein Schwert aus dem Wehrgehäng und rief den Namen seines obersten Gottes. Nun hob auch der blonde Wikinger seine langstielige Axt und wie ein Wolfsrudel stimmten die Krieger in den Ruf mit ein.

„Odin!" - „Odin!" - „Odin!"

Donnerhall gleich dröhnte der Name des nordischen Göttervaters durch die kühle Stille des Morgens.

Dann brach lautes Kriegsgeschrei los und die Nordmänner stürmten auf das ahnungslose Dorf zu.

Vertrauend auf den Schutz ihres Landesherrn, hatten sich die Bewohner des Sachsendorfes sicher gefühlt. Wachen gab es keine.

Nun bemerkten sie den Angriff der Wikinger mit Entsetzen. Der Lärm der anstürmenden Krieger, riss auch den letzten Sachsen aus dem Schlaf. Doch es war zu spät.

Hungriger Wölfe gleich, fielen die Nordmänner in das Dorf ein.

Dies war kein gewöhnlicher Überfall, der es zum Ziel hatte reiche Beute zu machen. In dem ärmlichen Dorf gab es nicht viel zu holen, das wussten die Wikinger.

Dieses Mal trieb sie nur die Lust am töten.



Die wenigen wehrfähigen Männer hatten Mühe sich zur Verteidigung ihres Dorfes zusammeln. Sie liefen aus ihren Hütten und erkannten nicht was um sie herum geschah. Ein Mann, der der Dorfälteste war, rief Befehle. Doch kaum einer hörte auf ihn.

Die Wikinger stürmten die flachen Mauern des sächsischen Dorfes und begannen ihr blutiges Handwerk.

Schon fielen die ersten Männer mit geschundenen Körpern in den Staub. Als sie die Ausweglosigkeit ihrer Situation erkannten, warfen die Verteidiger des Dorfes ihre Waffen von sich und liefen davon. Nun versuchten auch die anderen Bewohner in panischer Angst zu fliehen. Doch die schützenden Mauern der Burg ihres Lehnsherrn waren weit.

Sie liefen planlos umher und die Nordmänner wüteten inmitten ihrer Opfer, wie der Fuchs im Hühnerstall.



Krachend berstende Knochen unter den ehernen Klingen der nordischen Schwerter und Äxte.

Gellende Schreie geschändeter Weiber die in Todesangst um ihr Leben flehten.

Immer wieder der Ruf nach dem Gottessohn Jesus Christus, der Hilfe bringen sollte.

Blutende, zerschlagene Leiber in den Gassen und auf dem Platz des Dorfes. Alte Männer mit Mistgabeln bewaffnet, die verzweifelt versuchten ihre Familien und ihre Habe zu schützen.

Brennende Hütten und Ställe.

Wild um sich schlagende Wikinger mit ihren, vom Blut der Opfer, rot gefärbten Schwertern.



„Sieh was ich hier habe", rief der schwarzbärtige Hüne dem blonden Norweger zu.

Mit seinen riesigen Pranken hielt er einen kleinen, wild zappelnden Mann in die Höhe. Seine schwarze Kutte mit dem weißen Kragen gab ihn als Priester zu erkennen.

„Das ist genau das richtige für dich, Bjarne. Ein kleines Priesterlein!"

Mit einem gewaltigen Tritt beförderte er den Gottesmann direkt vor die Füße des Norwegers.

„Sieh da, ein Pfaffe", stellte Bjarne mit hasserfülltem Blick fest.

„Jetzt bekommt Odin ein passendes Opfer!" Er stellte dem kleinen Priester einen Fuß auf die Brust, so dass dieser ihm nicht mehr entweichen konnte. Langsam beugte er sich über den vor Angst schlotternden Mann.

„Nun werde ich dir zeigen, dass die Macht der Götter meiner Ahnen größer ist als die eures Heuchlergottes!" Zwei Krieger kamen hinzu und drückten den kleinen Mann zu Boden.

„Ihr seid die Geißel Gottes, verflucht sollt ihr sein", schrie der Priester in sächsischer Sprache.

„Ihr werdet in der Hölle schmoren und die schlimmsten Qualen erleiden. Gott der Herr wird euch strafen!"

Die Stimme des Mannes überschlug sich, als er seine Verwünschungen in höchster Erregung heraus schrie.

Der blonde Wikinger riss dem Mann die Kutte vom Leib und seine Krieger grölten vor Freude.

Langsam drang die Klinge seines Dolches in das weiße Fleisch und öffnete die Brust des kleinen Priesters. Mit beiden Händen griff der Norweger in die offene Wunde und bog die Rippen aus dem Brustkorb.

Die schrillen Schreie des Sachsen waren verstummt.

Aus weit aufgerissenen Augen starrte der Priester in das Gesicht des jungen Wikingers.



Nun schnitt die scharfe Klinge des Dolches dem Gottesmann das Herz aus der Brust und mit einem leisem Röcheln entwich der letzte Rest Lebens aus dem geschundenen Körper.

Mit beiden Händen hielt Bjarne das blutige Organ gen Himmel und rief dabei den Namen des nordischen Göttervaters.



„Odin!" Odin!"



Großer Jubel brach unter den Nordmännern aus. Und als würde Thor der Donnergott selbst, mit seinem Hammer die Kriegstrommel schlagen, stimmten die Krieger in den Ruf des blonden Norwegers ein.

Nun wurde auch der Schwarzbärtige aufmerksam, der gerade einem jungen Weib seinen Willen aufzwang.

Er begann laut zulachen, schnitt dem Weib kurzerhand mit dem Dolch die Kehle durch und ließ dann von dem gepeinigten Körper ab.

Das junge Weib fiel röchelnd zu Boden und der rote Lebenssaft floss über ihre milchweißen Brüste.



Nachdem er seine Beinkleider gerichtet hatte, ging er auf den blonden Norweger zu. Der Hüne betrachtete den verstümmelten Leichnam des Priesters. „Du würdest einen guten Goden abgeben, Bjarne!" rief er zufrieden.

Dabei legte er ihm Freundschaftlich seine Pranke auf die Schulter.



Nach kurzer Zeit gab es außer den Nordmännern in dem Dorf keine lebende Seele mehr. Menschen und Vieh lagen gleichsam abgeschlachtet im Staub.

Einigen Sachsen war die Flucht gelungen, doch die meisten hatten unter den ehernen Klingen der Normannen den Tod gefunden. Die Nordmänner begannen das Dorf zuplündern. Die wenigen Gebäude die nicht den Flammen zum Opfer gefallen waren, durchsuchten sie nach Wertvollem. Doch die Beute war gering.

Die Wikinger brachten das noch lebende Vieh und die wenigen Habseligkeiten die sie erbeutet hatten auf ihre Schiffe und so schnell und überraschend wie sie gekommen waren, verschwanden sie wieder in der rauen See.

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