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> Belletristik > Die letzten Kinder: Kampf gegen das
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Belletristik
Buch Leseprobe Die letzten Kinder: Kampf gegen das, Peter Ritter
Peter Ritter

Die letzten Kinder: Kampf gegen das



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Heute im Jahr 2098 ist es richtig schlimm geworden. Die Menschheit hat sich verändert, aber nicht zum Besseren. Es gibt kaum noch neue Ideen. Es gibt keinen Fortschritt mehr. Und das schlimmste, es gibt auch keine Babys mehr. Ich hätte mir das früher nicht vorstellen können. Ich schrieb Bücher über die schönen Dinge des Lebens. Aber im Moment kann ich nichts Schönes mehr im Leben entdecken. Und so schreibe ich dieses Buch, das wahrscheinlich vom Untergang der Menschheit handelt. Aufgefallen ist es vor etwa 60 Jahren, immer, weniger Kinder wurden geboren. Keiner konnte sich erklären, warum. Die Menschen waren nicht krank. Doch sie hatten keinen Antrieb mehr, sie wollten nichts mehr entdecken, nichts mehr erforschen, nicht einmal auf Sex hatten sie mehr Lust. Ich selbst war zu dieser Zeit Journalist für die Süddeutsche Zeitung. Ich ging Wandern, Bergsteigen und wenn ich Muse hatte, schrieb ich Gedichte und Geschichten. Ab und zu machte ich auch ausgiebige Motorradtouren. Das Leben war schön! Man setzte zu dieser Zeit zunehmend auf künstliche Befruchtung, um den Fortbestand der Menschheit zu gewährleisten. Doch die künstlich gezeugten Babys starben kurz nach ihrer Geburt oder sie wurden schon als etwas geboren, was keiner haben wollte. Es war zu schlimm, um das hier genauer zu erläutern. Die Forscher und Biologen versuchten immer wieder neue Sachen, um dem Geburtenrückgang ein Ende zu setzen. Aber alle Versuche blieben erfolglos. Natürlich war auch ich über solche Nachrichten erschüttert, da meine Familienplanung bereits abgeschlossen war, ergab sich für mich persönlich kein direktes Problem. Bei jungen Männern und Frauen hingegen sah das ganz anders aus. Sie hatten Angst vor der Zukunft. Mich würde das sicher nicht mehr tangieren, dachte ich damals, es war ein Irrtum! Das erste Mal, dass mir diese Veränderung mancher Menschen ziemlich schockartig bewusst wurde, war am 13. Oktober 2045. Auf einer Bergwanderung zum Geißhorn im Tannheimer Tal hörte ich auf über 2000 Meter einen merkwürdigen Gesang. Es klang sehr melancholisch und traurig, dann plötzlich wieder fröhlich und lebhaft. Ich wusste, der die das singt, geht es nicht gut. Ich hielt Augen und Ohren offen. Aber ich konnte nur ahnen, woher der Gesang kam. Vom Grat ging es südwärts über eine Geröllflanke, hier war Aufmerksamkeit und Trittsicherheit gefragt, für mich kein Problem, ich hatte vor einem halben Jahr in jedes Knie eine Knorpelaufbauspritze bekommen und war solches Terrain gewohnt. Ich sah Schleifspuren im Geröll, sie waren sicher nicht frisch, eher ein paar Tage alt. Mir lief ein kalter Schauer über den Rücken, den sie führten, genau in die Richtung, aus der der Gesang kam. Ich hielt kurz inne und überlegte, was ich tun soll. Vielleicht war da jemand verletzt und brauchte Hilfe. Andererseits hat heutzutage jeder ein Smartphone und kann Hilfe rufen. Funklöcher gibt es schon seit über 20 Jahren nicht mehr. Aber der Akku könnte leer sein, doch dann würde sie „Hilfe“ rufen und nicht singen? Ich war etwas verwirrt. Da mir eine Kante den Blick versperrte, beschloss ich, mich abzuseilen. Ja, ich war so ein Typ, der immer alles dabeihatte. Normal braucht man hier kein Seil auch keine Rettungsdecke, kein Messer und kein Feuerstahl. Blasenpflaster und Verbandszeug trug ich auch bei jeder Bergtour mit, auch wenn ich es nicht brauche kann es ja jemand anderen helfen. Ich suchte in diesem lockeren Gestein ziemlich lange, nach einem geeigneten Punkt, um das Seil zu fixieren. Doch nach einiger Zeit fand ich einen Block, der sich nach unten verjüngte und ziemlich festzusitzen schien. Ich begann, mich abzuseilen. Als ich über die Kante kam, bot sich mir ein seltsames Bild. Eine junge Frau saß am Ende eines Geröllfeldes, direkt am Übergang zu einer Steilwand. Sie saß da und sang. Als ich näherkam, konnte ich erkennen, dass sie sehr viele Schürfwunden an den Armen und am Rücken hatte. Ich wollte sie nicht erschrecken, also räusperte ich mich, obwohl sie mich schon längst bemerkt haben musste. Der Abstieg über das Geröllfeld hatte zahlreiche kleine Steine ins Rutschen gebracht, das konnte man nicht überhören. Sie wandte den Kopf zu mir und lächelte mich an. „Hallo, schöner Mann“, sagte sie zu mir. Ich wollte ihr das nicht ganz glauben, denn ich war sicher 60 Jahre älter als sie. Ich bat sie das Seil zu greifen und von der Kante weg, ein Stück zu mir zu kommen. Sie sagte „warum, es ist doch so schön hier“. Also fragte ich, ob ich mich neben sie setzen dürfte. „Ja, warum nicht, dann können wir diese Schönheit zu zweit genießen“. Als ich neben ihr saß, sah ich wie schlimm ihre Verletzungen wirklich waren. Sie hatte Abschürfungen am ganzen Körper, ihre Klamotten waren total zerfetzt, der Sturz durch das Geröllfeld hatte deutliche Spuren hinterlassen. Ihr rechter Fuß zeigte nach innen, vermutlich war der Knöchel gebrochen. Das komische war, keine der Wunden blutete. Entweder saß sie schon sehr lang hier oder sie war stark dehydriert – vermutlich beides, denn ihren Rucksack konnte ich etwa 50 Meter tiefer erkennen. Ich wählte sofort den Notruf. Sie fragte: „Was machst du?“. „Ich hole Hilfe“ Sie: „Brauchst du Hilfe?“ Ich: „Ich nicht, aber du“. Darauf sagte sie: „Ich brauche keine Hilfe, ich sitze hier an einem der schönsten Orte auf Gottes Planet, mit einer Aussicht, die nicht zu toppen ist. Und wenn ich hier sterbe, es gibt keinen schöneren Ort zum Sterben.“ Jeglicher Versuch ihr Lebensmut zuzusprechen war erfolglos. Sie sagte: „Was ist denn meine Zukunft? Was bleibt von mir? Ich werde keine Kinder haben, es wird nicht einmal jemand merken, wenn ich weg bin.“ Ich war ziemlich erschrocken als ich das hörte und zudem war ich scheinbar in einem dieser angeblich nicht mehr existierenden Funklöcher, kein Notruf möglich. Doch ich begann, sie zu verstehen. Mir selbst war es nicht mehr wichtig, was nach meinem Tode geschieht. Ich habe keine eigenen Kinder, warum? Keine Ahnung, nicht zur rechten Zeit am richtigen Fleck? Anfangs wollte ich mein Leben leben und mich nicht mit einer Familie belasten. Dann kam eine Zeit, in der ich mich nach einer Familie sehnte. Irgendwann lernte ich eine liebe Frau kennen, doch da war ich fürs Windeln wechseln bereits zu alt. Ich fragte die Verunglückte, ob sie Schmerzen hat, sie antwortete: „Der größte Schmerz auf dieser Welt ist schon gekommen und niemand kann ihn mir nehmen, aber ich bin glücklich hier, geh weiter und kümmere dich um dein Leben“. Ich fragte: „Willst du wirklich hier und jetzt sterben?“. Sie: „Hier schon, aber ich habe sicher noch ein paar Stunden. Vielleicht überlebe ich die Nacht und sehe morgen noch einen herrlichen Sonnenaufgang, schöner kann man doch nicht sterben, oder? Ich fragte: „Und was spricht gegen weiterleben“ Sie: „Wozu? Noch kann ich es mir aussuchen, wo, wann und wie ich sterbe. Wenn ich gelähmt in einem Pflegebett liege, kann ich das nicht mehr. Ich: Aber du hast noch so viel Zeit, ich bin 60 Jahre älter als du und sitze hier neben dir, du hast noch viel Zeit diese Entscheidung zu treffen. „Zeit, Zeit, Zeit wofür? Es war immer mein Traum mindesten vier Kinder großzuziehen, die weitertragen, was meine Eltern, Großeltern und Urgroßeltern einst begonnen haben. Da ist nichts mehr für das es sich lohnt zu leben!“ Ich fragte sie nach ihren Namen und sie sagte:“ Wenn ich dir meinen Namen nenne, wirst du ewig darüber nachdenken, was aus mir geworden ist. Ich verrate dir lieber, was aus mir wird. Irgendwann, wenn die letzten Kräfte mich verlassen, werde ich nach vorn kippen und diesen Abhang herunterstürzen. Dann bin ich hoffentlich tot.“ Ich nahm sie in den Arm, was sie keineswegs störte, langsam setze die Dämmerung ein und ich wusste, es ist Zeit zu gehen. Ich zog ihr meinen Pulli an und legte zwei Rettungsdecken um sie. Sie schimpfte und wehrte sich. Ich sagte „Das brauchst du, um morgen den Sonnenaufgang zu erleben.“ Mein restliches Wasser und den Traubenzucker gab ich ihr auch. Sie schaute mich traurig an und ich sagte: „Ich bin noch nicht bereit kampflos von dieser Welt zu verschwinden, es wäre schön, wenn du mit mir kommst. Doch diese Entscheidung kann ich nicht für dich treffen. Ich umarmte sie und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. Dann schaltete ich meine Stirnlampe ein und begann den Abstieg. Im Dunklen war es heikel, zumindest der erste Teil, wo es über Geröll ging. Nach circa 40 Minuten gelang es mir die Bergwacht zu alarmieren, ich drang noch darauf einen Psychologen mitzunehmen, aber irgendwie war mir klar, dass sie sie nicht lebend bergen werden. Gegen 23 Uhr erreichte ich den Vilsalpsee. Ich war fertig, ich wusste nicht einmal den Namen dieser Frau. Ich wollte ihr so gern helfen und wusste doch ganz genau, dass keiner das konnte.


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