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> Belletristik > Die Katze von Frau Wagner
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Belletristik
Buch Leseprobe Die Katze von Frau Wagner, M-F Hakket
M-F Hakket

Die Katze von Frau Wagner



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Prolog „Ramona! Sag mir mal bitte, was wir mit dem ganzen Haufen Katzen anfangen sollen!" „Ach Reiner, die sind doch sooo süüüß ..." „Ja, schön! Ich bin aber nicht bereit, fünf kleine Katzen durchzufüttern. Und die ganze Kacke wegzumachen. Wirklich nicht. Die machen doch überall hin. Sechs Katzen im Haus! Weißt du, wie das stinkt? Man kann sich nirgends mehr hinsetzen. Überall Katzen. Außerdem hast du gesagt, dass Kitty keine Kinder mehr bekommen könnte." Ramona wich dem vorwurfsvollen Blick ihres Mannes aus und gab etwas von sich, das sich wie „tüdeltüdeltüüü" anhörte. Vor nicht einmal sechs Monaten sind die jungen Eheleute Reiner und Ramona Leiß in das Neubaugebiet der Stadt gezogen. Endlich raus aus dieser bedrückenden Plattenbausiedlung am anderen Ende der gleichen Stadt, wo die alten, grauen Hochhäuser jegliches Gefühl nach Freiheit und Leben vermissen ließen. Rund drei Monate später kamen sie überein, sich eine Katze anzuschaffen. Hier konnte das Tier noch draußen herumlaufen, ohne gleich von einem Auto überfahren zu werden. Hier im Neubaugebiet gab es noch Natur. Ramona liebte Katzen - Reiner weniger, er zog Hunde eigentlich vor. Aber was tat man nicht alles für die Person, die man liebte? So ließ er sich also nach einer langen Diskussion dazu überreden, auf einen Hund zu verzichten. Schön, eine Katze, nun gut. Es zeigte sich, dass Kitty - die Katze - den ihr gebotenen Auslauf sehr gern annahm, sich entsprechend bedankte und als Gegenleistung ausgesprochen schnell schwanger wurde. Obwohl das Tierheim Ramona versicherte, das Kitty kastriert worden war. Das behauptete Ramona wenigstens. Tatsache war, dass sie, als sie alleine ins Tierheim ging, Kitty sofort entdeckte und nichts, aber auch gar nichts konnte sie davon abhalten, genau diese, und nur diese Katze mitzunehmen. Sie hatte der Tierheimleitung, der die Sache äußerst unangenehm war, in die Hand versprechen müssen, sich um die entsprechenden Impfungen und die Kastration zu kümmern. Eigentlich hätte sich das Tierheim lieber selbst um die Angelegenheit gekümmert. Doch die nette, zuständige Dame nahm Ramonas Begeisterung wahr. Sie liebte Katzen ähnlich wie Ramona und konnte es voll und ganz verstehen, dass sie nicht länger auf das Tier warten wollte. Kitty bekam ein neues Zuhause. Ramona ließ Kitty auch impfen, genau wie sie es versprochen hatte. Was die Vernichtung Kittys Fortpflanzungsmöglichkeit anging, brachte das Ramona jedoch einfach nicht fertig. Kitty war ein Weibchen, und Ramona war fest davon überzeugt, dass es nichts Schlimmeres gab, als einem weiblichen Wesen die Möglichkeit zu nehmen, Kinder in die Welt zu setzen. Denn genau das war Ramona selbst passiert. Sie und Reiner versuchten immer wieder ein Kind zu bekommen, allerdings verloren sich ihre Bemühungen irgendwann in mechanischen Pflichtübungen. Ein Kind war ihr größter Wunsch, denn erst ein kleines Menschenwesen hätte sie zu einer vollwertigen Familie gemacht. Und nach einer endlos erscheinenden Odyssee von einem Arzt zum anderen traf sie die Gewissheit wie ein Keulenschlag. Ramona war unfruchtbar. Nicht erst geworden, sie war es schon immer. Ein Gendefekt, wie ihnen der Arzt erklärte. Ramona war verständlicherweise untröstlich. Sehr lange. Aber nun hatte sich das Wunder der Geburt doch noch ereignet. Zwar nicht ganz so, wie es immer in Ramonas Träumen ablief, aber wenigstens gehörte Kitty ihr. Und irgendwie fand sie, die kleinen süßen Kätzchen waren wie ihre eigenen Babys - die sie selbst nie bekommen konnte. Reiner sah das anders. Mit einer Katze konnte er leben, vielleicht auch mit zwei - wenn es unbedingt sein musste. Doch vor ihm in dem Bastkorb lagen sechs Katzen - eine große und fünf winzig kleine. Zugegeben, niedlich waren sie ja, aber ... „Hör mal, Ramona", schlug er schließlich vor, „wir können doch in der Zeitung inserieren, dass wir kleine Katzen zu verschenken haben. Dann kannst du dir die betreffenden Personen aussuchen, und deine Katzen kommen in gute Hände. Was hältst du davon?" Ramona schüttelte kaum merklich den Kopf. Sie sagte allerdings nichts. Sie wusste, dass Reiner Recht hatte. Sie konnten die kleinen Katzen unmöglich behalten. Sie bückte sich und streichelte den wuselnden Fellhaufen. Kitty ließ es geschehen. Sie hatte Vertrauen zu den Menschen, die ihr ein neues Zuhause gegeben hatten. Ramona drehte den Kopf und sah ihren Mann mit bittenden Augen an. Im selben Moment nahm sie eine der kleinen Katzen in die Hand und hielt sie ihm entgegen. Das Tier war kaum größer als ein Tennisball. „Aber die hier ... die hier, die Schwarze mit den grünen Augen, die behalten wir doch ... irgendwie glaube ich, dass sie etwas ganz besonderes ist." „Ramona, Schatz! Lass uns nicht streiten, ja? Kümmere dich bitte um eine Anzeige in der Zeitung." Ramona legte das kleine Geschöpf behutsam zurück und erhob sich, Trotz spiegelte sich in ihren Augen wider. „Wenn du meinst ...", murmelte sie lang gezogen. „Aber wir müssen ohnehin noch warten." Reiner runzelte die Stirn. „Warum?" „Na, weil du die Kleinen nicht einfach von der Mutter trennen kannst. Das würden sie nicht überleben." „Ach so." Damit war das Gespräch vorerst beendet. Reiner hatte jedoch nie vor, die Katzen zu verschenken. Er wusste ganz genau, dass es Ramona nicht übers Herz bringen würde. Er kannte ihr Verhalten, kannte ihre fadenscheinigen Ausreden. Wenn sich jemand auf die Anzeige hin gemeldet hätte, egal wer, so wäre dieser Jemand doch nie gut genug für ihre Katzen gewesen. Er dachte daran, den kompletten Wurf dem Tierheim anzudrehen. Immerhin war es, so wie es aussah, an der Schwangerschaft von Kitty - zumindest in gewissem Sinne - nicht ganz unbeteiligt gewesen. Doch ein kurzes Telefongespräch legte offen, dass das Tierheim hoffnungslos überfüllt war, und die Betreiber sich außerstande sahen, noch weitere Tiere aufzunehmen. Vorausgesetzt, es handelte sich nicht um einen Notfall. Reiner war eigentlich der Meinung, dass es ein solcher war - das Tierheim nicht. Die Erschaffung von Leben fiel im Allgemeinen nicht unter die Bezeichnung Notfall. Reiner hatte keine besondere Beziehung zu Katzen. Er sah es ein, dass Katzen für viele Menschen interessant waren, er verglich sie aber eher mit sinnlosen Spielzeugen, Dingen, die zur allgemeinen Belustigung und Unterhaltung dienten. Pech brachten sie außerdem - vor allem schwarze. Und diese seltsamen Geschichten, die man sich seit Anbeginn der Menschheit schon immer über Katzen erzählt hatte, trugen auch nicht wirklich dazu bei, ihnen Vertrauen entgegen zu bringen. Die Ägypter hatten sie vielleicht noch als Gottheiten verehrt, aber der christliche Glaube - seiner Meinung nach der einzig wahre -, hielt Katzen eher für die Werkzeuge des Teufels. Was saß denn immer auf dem Buckel der Hexe? Eine schwarze Katze, was sonst? So zu denken war natürlich Blödsinn, doch so ganz konnte sich Reiners Unterbewusstsein nicht von der Vorstellung lösen: dass da etwas war - mit Katzen. Etwas Seltsames - wenn nicht sogar unheimliches. Sie waren so ... so undurchschaubar. Ein Hund, ja, ein Hund war da eine ganz andere Sache. Der konnte beschützen und war schon seit ewigen Zeiten der beste Freund des Menschen gewesen. Man konnte ihm etwas beibringen, man konnte ihn formen, ganz so, wie man es für richtig hielt. Man konnte Hunde erziehen, mit ihnen Gassi gehen, man konnte eine wirkliche Beziehung zu ihnen aufbauen. Der Mensch war die Nummer eins, und der Hund sah zu ihm auf. So, und nicht anders sollte es sein. Aber Katzen? Wofür sollten die gut sein, wenn nicht nur zur allgemeinen Belustigung? Die machten eh, was sie wollten. Eben egozentrische Tiere für egozentrische Menschen - so einfach war das. Und Ratten- und Mäuseplagen gab es nicht mehr, zumindest nicht hier, in der Stadt. Selbst in einem Neubaugebiet mit viel Natur nicht. Reiner konnte sich nicht auf Ramona verlassen. Wenn er es täte, würden sie die Katzen nie loswerden. So fasste er eines Abends einen Entschluss. Sicher, es war keine schöne Lösung des Problems, den ersten Preis eines Tierschutzwettbewerbs hätte er damit wahrscheinlich auch nicht gewonnen, aber er sah es einfach nicht ein, sich den Kopf weiter darüber zu zerbrechen und in endlose Diskussionen mit seiner Frau zu verfallen. Der Zufall wollte es, dass Ramonas Mutter krank wurde. Natürlich hielt es Ramona für ihre Pflicht, ihrer Mutter beizustehen. Sie würde auch nur ein paar Tage bei ihr bleiben, versprach sie ihrem Mann. Er hatte damit kein Problem. Ganz im Gegenteil. Es passte sogar ganz hervorragend zu seinem Plan. „Pass mir ja auf meine Babys auf!", ermahnte Ramona Reiner, als sie auf dem Bahnsteig standen und auf den Zug warteten, der Ramona in den Wohnort ihrer Mutter bringen sollte. Sie warnte ihn außerdem davor, auch nur eines der kleinen „Babys" in fremde Hände zu geben. „Mach dir keine Sorgen, Schatz", antwortete Reiner und streichelte ihre Wange. Es sind ihre Babys, dachte er. Sie übertreibt völlig. Es sind ein paar blöde Katzenviecher, sonst nichts. Ihre Babys .... Mensch Ramona, du steigerst dich da in etwas hinein. Es wurde höchste Zeit, die Katzen verschwinden zu lassen. So ließ er auch keine weitere Nacht verstreichen. Obwohl in seiner eigenen Wohnung, näherte er sich dem Bastkorb auf Zehenspitzen. Ihm war klar, dass Ramona nicht plötzlich hinter ihm auftauchen würde, aber irgendetwas in ihm verhinderte, dass er zu laute Geräusche verursachte. Vielleicht sein Gewissen. Vielleicht das Donnerwetter, das er mit Sicherheit zu erwarten hatte, wenn seine Frau wieder da war. Er stand vor dem Bastkorb, wagte kaum zu atmen. Fünf kleine Katzen schliefen friedlich. Nur eine - eine, die wesentlich größer als die anderen war -, sah ihn an. Sie sah ihn auch weiter einfach nur an, als er eine kleine Katze nach der anderen aus dem Korb nahm und in einen Pappkarton steckte. Reiner bemühte sich, vorsichtig zu sein. Fest rechnete er damit, dass ihn das Muttertier an seinem Handeln hindern würde. Doch Kitty tat nichts. Sie sah nur mit fragenden Augen zu ihm hoch. „Glotz nicht so doof!", zischte er das Tier an, nachdem er alle fünf Kätzchen im Karton verstaut und dann selbigen mit einem Gummiband verschloss. Eine Weile später gab Kitty ein klägliches, trauriges und vor allem verwirrtes Miauen von sich. Sie spürte, dass man ihr etwas genommen hatte. Etwas sehr wichtiges. Etwas, von dem sie nicht wusste, ob sie es jemals wieder sehen würde. Es gab natürlichen ein ordentliches Donnerwetter, als Ramona wieder Zuhause war. Doch Streit wird unter anderem durch Gefühle verursacht, und Gefühle verfliegen mit der Zeit. Als Kitty dann vier Wochen später an einer Infektionskrankheit starb, kam auch Ramona zu dem Schluss, dass ein Hund ebenfalls ein tolles Tier sein konnte. Und diese abendlichen Spaziergänge mit Reiner und dem Hund hatten schließlich auch etwas für sich. Irgendwie schaffte es der Hund, die Beziehung der Eheleute Leiß noch zu festigen. Er wurde fast zu dem Kind, das sie beide nicht haben konnten. Manchmal kam es sogar vor, dass die drei einen Spaziergang durch ihren alten Wohnbezirk machten. Nicht aus wehmütigen Gründen, eher weil sie froh darüber waren, hier nicht mehr wohnen zu müssen. Was Kittys Babys anging ... nun, nur eine einzige Katze aus ihrem Wurf überlebte die Aussetzung. Erstaunlicherweise war es die kleinste. Eine schwarze Katze. Eine schwarze Katze mit leuchtend grünen Augen. Ramona sollte Recht behalten. Der kleine schwarze Fellbeutel war etwas ganz besonderes ... Und auch Reiners Unterbewusstsein sollte Recht behalten - irgendwie - und auf eine merkwürdige Art und Weise ...

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