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Belletristik
Buch Leseprobe Diagnose: Paranoide Schizophrenie, Mara Majeskie
Mara Majeskie

Diagnose: Paranoide Schizophrenie


Ein Schicksal

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Am Abend gingen sie noch ins Rotlichtviertel De Wallen. Dort lernten sie die falschen Leute kennen.


Die Männer hatten die beiden in ihre Wohnung eingeladen. Dann hatte einer der Männer Mara etwas zu Rauchen angeboten, sie traute sich nicht nein zu sagen, denn sie wollte dazugehören. Es blieb nicht dabei. Kurz darauf läutete es an der Tür und ein weiterer Mann kam in die Wohnung. Er hatte Speed dabei und Mara zog eine ´Line´. Sie verwendete einen Fünfeuroschein dafür, den sie zu einem Röhrchen zusammenrollen musste, um damit dann mit der Nase das Speed einzuatmen. Nach einiger Zeit hörte sie einfach nicht mehr auf zu reden. Mara ging ins Bad und sah erschrocken, dass ihre Pupillen unterschiedlich groß waren. Als sie wieder zu Emma ging, wurden die Männer sehr aufdringlich. Mara überkam ein ungutes Gefühl und sie wollte nur noch nach Hause. Einer der Männer wollte gerade die Türe verschließen, da packte Mara Emma bei der Hand, riss dem Mann den Schlüssel aus der Hand und sie flüchteten.


Mara sprach es nicht laut aus, aber sie war sich sicher, dass die Männer etwas Schlimmes mit ihnen vorgehabt hatten. Emma und Mara hatten sich geschworen, nie wieder Drogen zu nehmen.


Im Alter von sechzehn ließ sich Mara gemeinsam mit ihrer damals besten Freundin ihr erstes Piercing stechen und sie entschied sich für ein Bauchnabelpiercing. Emma ließ sich ein Traguspiercing, also ein Ohrknorpelpierching stechen.


Mara war sehr nervös, es tat auch höllisch weh. Da Mara keinen besonders starken Kreislauf hatte, kippte sie beinahe um und ihr wurde schwarz vor Augen. Sie setzte sich und kam schnell wieder zu sich, die Freude über diesen Körperschmuck war stärker als der Schmerz, den sie verspürte. Es blieb nicht bei dem einen Piercing und weitere folgten.


In der siebten Klasse fuhren sie mit dem Nachtzug nach Rom. Dort sahen sie sich viele Kirchen und Sehenswürdigkeiten an, es gefiel ihr ganz gut. Ihre Professorin wollte ihnen unbedingt alles zeigen, was zwar nett gemeint war, aber puren Stress bedeutete. Die Klasse rannte förmlich von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten.


Wirklich spannend war aber die Heimfahrt mit dem Zug. Dort stand er, ein Junge, sehr gut aussehend, suchte ständig den Blickkontakt zu ihr. Mara wurde ganz rot, sie konnte ihr Glück kaum fassen, als er kam und mit ihr zu reden begann. Sie verbrachten die ganze Nacht damit, im Gang vor dem Abteil zu reden, wenn nicht gar zu flirten. An Schlaf war gar nicht zu denken. Sie tauschten ihre Handynummern aus und bald ergab sich eine Beziehung.


Mara verlor ihre Unschuld an ihn.


Die Beziehung jedoch hielt nicht lange, denn Mara sah ihn mit der Zeit nicht mehr durch die rosarote Brille. Er redete ständig von Reichtum und Macht, an diesen Themen hatte Mara so gar kein Interesse und sie beendete nach drei kurzen Monaten die Beziehung zu ihm.


Mara bereitete sich intensiv auf die Matura vor, was dazu führte, dass sie wenig aß und immer dünner wurde. Die bewundernden Blicke gefielen Mara und sie beschloss, weiter abzunehmen. Ihre Lehrer mutmaßten eine Essstörung, eine Magersucht, jedoch konnten sie Mara nicht darauf ansprechen, da sie ja nicht untergewichtig war, nur eben sehr schlank.


In dieser Zeit fing sie an zu Rauchen. Vor ihrer Familie versteckte sie sich draußen, und sie bemerkten auch lange Zeit nichts davon. Außerdem fing sie an, ihren Kaffeekonsum zu erhöhen, sie ließ die Milch weg und trank massenhaft starken, schwarzen Kaffee. Nach einiger Zeit glaubte sie sogar, dass das Leben ohne Nikotin und Koffein keinen Sinn hätte.


Zudem verspürte Mara den Drang, sich die Arme aufzuritzen. Der Druck war einfach so groß und musste abgelassen werden. Sie traute sich nicht, ein Messer anzusetzen, deshalb nahm sie einen Gummiring und ließ ihn gegen den Unterarm schnalzen. Es war ein angenehmes Gefühl und der innere Druck von Mara ließ nach. Der Gummiring hatte gegenüber einem Messer zudem den Vorteil, dass er keine Narben hinterließ, was ihr sehr wichtig war.


Mara hatte keine Bedenken, die Matura nicht zu schaffen, aber bei dem Fach Englisch war sie immer schon schlecht. Egal wie viel Zeit sie investierte, es kam nie etwas Besseres heraus als eine Vier minus. Das lag aber nicht nur an ihren schlechten Englischkenntnissen, denn sie hatte auch unglaubliche Angst vor ihrer Englisch-Professorin.


Mara hatte zum Beispiel einmal einen Aufsatz als Hausaufgabe abgegeben. Diese war angeblich so mies, dass sie vor der ganzen Klasse vorgelesen werden musste. Aber dabei blieb es nicht. Wenn Mara Referate hielt, wurde sie so lange von dieser Professorin ausgefragt, bis sie nichts mehr wusste. Sie konnte es ihr einfach nicht recht machen und dies war auch ein Grund, warum ihr Selbstvertrauen immer weiter abnahm.


Ein Maturathema beschäftigte Mara sehr, und zwar das Thema Schizophrenie im Wahlfach Psychologie. Sie erfuhr, dass es zahlreiche Untergruppen bei dieser Erkrankung gab.


Mara rief sie sich ins Gedächtnis:


– Paranoide Schizophrenie,


– Hebephrene Schizophrenie,


– Katatone Schizophrenie,


– Undifferenzierte Schizophrenie,


– Schizophrenia Simplex und die Wahnhafte


Störung.


Zu den Symptomen zählen die Positiv-, Negativ-, Affektive, Kognitive Symptome, zudem Aggressivität, Feindseligkeit und Probleme ihren Alltag zu bewältigen. Besonders spannend fand sie die Positivsymptome, zu denen Halluzinationen und Wahnvorstellungen gehören. Sie fragte sich, wie es wohl sein mag, wenn man Stimmen hörte.


Aber eines war Mara nicht ganz bewusst: Was war der Unterschied zwischen einem Negativsymptom wie Antriebslosigkeit und einer Depression? Sie fragte sich zudem, wie man die Negativsymptome behandelte.


Dann geschah das Unfassbare, sie schaffte ein Befriedigend in Englisch und fiel im Fach Psychologie durch, obwohl sie sich so gut vorbereitet hatte, aber sie hatte einfach die Frage nicht verstanden. Das war kein Problem für Mara, denn sie wiederholte die Prüfung nach einem halben Jahr noch mal und bekam die Bestnote: Sehr Gut.


Als Mara die Matura geschafft hatte, wusste sie noch immer nicht, was sie beruflich machen sollte, aber das war erstmals Nebensache, denn sie freute sich schon auf die Maturareise in die Türkei.


Als der Stress von dem Lernen nachließ, kehrte auch ihr Appetit wieder zurück und Mara sah wieder gesund aus.


Während der Maturareise lernte sie viele Leute aus ganz Österreich kennen. Sie tranken auch viel Alkohol, die Drogen jedoch lehnte sie ab, denn Mara hatte zu schlechte Erfahrungen mit diesen gemacht. Ein Highlight war der Gastauftritt eines berühmten Stars. Es gab dann auch noch die VIP-Partys, wo nur geladene Gäste hinkamen. Mara war nicht im Geringsten daran interessiert, auf so eine Party eingeladen zu werden, aber manche Mädchen aus ihrer Klasse taten förmlich alles, um dort hinzugelangen. Mara widerte dieses Verhalten an und sie distanzierte sich von diesen Mädchen.


Zu Hause musste Mara in den Sommerferien mit ihrem Vater in den Wald fahren, Holz fällen. Denn durch den heißen Sommer, bedingt durch den Klimawandel, wurden fast alle Fichten vom Borkenkäfer befallen. Dieses Käferholz musste schnellstmöglich raus, da sonst die umliegenden, gesunden Bäume auch vom Käfer befallen worden wären.


Mara konnte die Leute nicht verstehen, die den Klimawandel leugneten und nicht auf die Umwelt achteten. Alle redeten davon, sie würden beim Einkauf auf das Bio-Gütesiegel achten, jedoch war Mara der Ansicht, dass es wichtiger sei, auf Regionalität zu setzen, denn das erspart dann unnötige Transportwege. Zudem war Mara seit ihrem sechzehnten Lebensjahr überzeugte Vegetarierin, was zur Folge hatte, dass sie sich vor den Fleischliebhabern immer rechtfertigen musste. Mara hatte einfach Mitleid mit den Tieren, zudem schmeckte ihr der Geschmack des Fleisches nicht. Sie hatte sogar überlegt, Veganerin zu werden, das heißt auf sämtliche tierische Produkte zu verzichten, aber das war ihr dann doch zu anstrengend.


Dass Mara kein Fleisch aß, konnten nicht einmal ihre Freundinnen verstehen. Sie wurde zwar trotz dieser Tatsache angenommen, aber das ständige Rechtfertigen ging ihr richtig auf die Nerven.


Der Sommer verging und sie hatte im Herbst dann ja auch die Matura bestanden; also hatte sie beschlossen, erstmals Soziologie zu studieren.


Eigentlich interessierte sie sich sehr für Psychologie, aber da hätte sie von zu Hause ausziehen müssen, und dazu war Mara noch nicht bereit.


Mara war das Studium nicht wichtig und sie freundete sich auch mit niemandem an. Sie konnte sich auch nicht vorstellen, ein Referat zu halten. Zunehmend fühlte sich Mara beobachtet, aber sie wusste nicht wieso.


Dass Mara ihr Leben lang schüchtern gewesen war, stellte für sie eigentlich kein Problem dar, aber im Alter von zwanzig entwickelte sich daraus eine richtige Sozialphobie. Sie war ständig darum bemüht, es allen recht zu machen, ja nicht aufzufallen und doch: sie fühlte sich beobachtet. Deshalb hatte sie beschlossen, das Studium abzubrechen, denn während eines Soziologiestudiums musste man viele Präsentationen vor ganzen Hörsälen halten, und das traute Mara sich einfach nicht zu. Zudem sah sie sich in Zukunft nicht als Soziologin.


Dies war auch der Zeitpunkt, an dem Mara die Freundschaft zu Emma abgebrochen hatte. Sie war der festen Überzeugung, dass Emma sie nur ausnutzte, um ihren seelischen Ballast bei ihr abzuladen. Emma redete nur über sich und interessierte sich nicht im Geringsten für das Leben von Mara. Als sie die Universität verließ, sahen sie sich nie wieder.


Mara wollte endlich ihr eigenes Geld verdienen, wusste aber, dass dies ohne Ausbildung schwierig werden würde. Mara machte dann ein Freiwilliges Jahr im Sozialbereich.


Diese Arbeit war so bereichernd für Mara, dass sie auch noch die Ausbildung angefangen hatte. Zu ihrem Entsetzen stellte sie fest, dass die Lehrer an dieser Schule schlecht hinter ihrem Rücken über Mara redeten. Sie war der festen Überzeugung, dass die Lehrer an dieser Schule Mara für überqualifiziert hielten, da sie ja die Matura hatte. Mara solle doch wieder an die Universität gehen, um zu studieren. Zudem verspürte Mara ein Ziehen im Nackenbereich und litt an Schlafstörungen. Sie konnte nicht mehr in diese Schule gehen, denn sie musste sich gegen ihre Lehrer wehren.


Durch Zufall stieß Mara auf die Todesanzeige ihrer damals besten Freundin, Emma. Sie war zwei Tage nach Maras zweiundzwanzigsten Geburtstag unerwartet gestorben, stand im Internet. Sofort schlich sich ein unangenehmes Gefühl in Maras Gedanken: Hatte der Tod von Emma etwa mit ihr zu tun? Hatte sie sich das Leben genommen, weil sie den Kontakt zu ihr abgebrochen hatte? Warum war sie genau zwei Tage nach Maras Geburtstag verstorben?


 



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