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> Belletristik > Der Stille Tod der Schattenfrau
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Belletristik
Buch Leseprobe Der Stille Tod der Schattenfrau, Bella Sorriso
Bella Sorriso

Der Stille Tod der Schattenfrau


Eine kleine Novelle über das Leben und Sterbe

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Ich kann nicht mehr«, flüsterte die mittlerweile fast durchsichtige Schattenfrau. Ihr Kopf war schwer und voll dunkler Gedanken. In diesem Moment hasste sie ihren Kopf, der nicht aufhören konnte, zu denken, und ihr Leid mit jedem dieser Gedanken noch vergrößerte. Egal, wie stolz sie einst auf ihre Intelligenz und ihre Fähigkeit, Dinge schnell zu erfassen und umzusetzen, gewesen war. Jetzt wäre sie froh, wenn nichts davon übrig geblieben wäre. Sie hätte es begrüßt, wenn dieser dumme Kopf einfach zur Ruhe kommen könnte und diese dunklen Wolken der traurigen Gedanken nicht wie ein Damoklesschwert über ihr schweben würden.


 


»Ich kann nicht mehr«, wiederholte sie erschöpft und leise. Eine Träne, wie ein kleiner Kristall, entstand in ihrem Augenwinkel, um sich langsam zu lösen und eine brennende Spur in ihrem Gesicht zu hinterlassen. Die alltäglichen Dinge waren so unsagbar schwer geworden. Sie konnte sie nicht mehr bewältigen. Sogar Luft zu holen und ihre Lungen mit dem lebensnotwendigen Sauerstoff zu füllen, war unbeschreiblich anstrengend für sie. Sie musste sich darauf konzentrieren und all ihre Kraft einsetzen. Mit jedem dieser anstrengenden, kräftezehrenden Atemzüge fühlte sie sich jedoch noch leerer und noch einsamer. Der Sauerstoff war nicht mehr länger der Quell des Lebens, er verlängerte nur ihr Leid und bedeutete Vergänglichkeit und Abschied. Es gab jedoch etwas, das die gesamte Situation noch grotesker erscheinen ließ. Mit jedem der verzweifelten Versuche, Luft zu holen, wurde die Schattenfrau ein bisschen durchsichtiger. Ihre einst so klare und strahlende Gestalt verblasste mehr und mehr, bis sie schließlich kaum mehr vorhanden war. Selbst ihre Konturen begannen sich langsam aufzulösen und in manchen Momenten verschmolz sie sanft mit dem Hintergrund und wurde kurz zu einem Nichts.


 


Eine unnatürliche Stille hatte sich über die Szenerie gelegt. Die Schattenfrau wirkte darin zerbrechlich und gläsern. Sie lag bewegungslos am Boden und man konnte das Heben und Senken ihres Brustkorbs kaum noch wahrnehmen. Die Zeit verging langsam und unmerklich eroberte die Dämmerung immer mehr von dem stillen Raum. Nichts unterbrach die Stille. Nichts stellte sich der Dämmerung entgegen.


Nach einer unglaublich langen Zeit geschah endlich etwas. Die Schattenfrau öffnete langsam und vollkommen unerwartet ihre blauen Augen. Darin schimmerte ein unerwarteter Glanz. Und obwohl sie erneut mit Tränen gefüllt waren, konnte man sehen, wie sie aufleuchteten. Man konnte sehen, wie das Leid verschwand und dafür etwas Sanftes in ihren Zügen erschien. Fast befremdlich und surreal wirkte es, als sie in dieser unwirklichen Stimmung zu lächeln begann. Ganz leicht nur hoben sich ihre Mundwinkel, aber das Lächeln setzte sich bis in ihre Augen fort und verbreitete bereits einen zarten Zauber. Sie lächelte. Und es war das schönste Lächeln, das die Welt je gesehen hatte! Es schien das Lächeln aus einer längst vergangenen Zeit zu sein. Aus einer Zeit, in der sie so unsagbar glücklich und geliebt gewesen war. Dieses zauberhafte Lächeln spiegelte alles wider, was sie jemals empfunden hatte.


 


Sie sah Pierre vor sich. Sie sah sein Gesicht, das sie mit diesem ganz besonderen, liebevollen Blick ansah. Sie lächelte ihn an. Dann hob sie ihre schwache Hand und strich sanft über das Gesicht, das nur sie allein sehen konnte. Sie wollte sich alles genau einprägen, jede Einzelheit für immer festhalten. Seine wunderschönen blassblauen Augen, die schmalen, rosafarbenen und so unglaublich weichen Lippen, seinen hohen Haaransatz, seinen Bart, der gleichseitig grau geworden war. Sie kannte alles an ihm und diesen letzten Moment wollte sie in sich aufsaugen und für immer festhalten. Es war nicht mehr wichtig, wo dieser Weg sie hinführen würde. Sie wollte sich nur daran erinnern können. Sie wollte nicht vergessen, wie unbeschreiblich gut er roch, wenn sie ihren Kopf an seine Schulter schmiegte. Sie wollte das Gefühl seiner Umarmung festhalten und die Art, wie er ihre blassroten Lippen küsste, tief in ihr Gedächtnis brennen.


 


Sie atmete tief ein und dieses Mal schien es leichter zu sein. Der schmerzhafte Druck war einer Sehnsucht gewichen. Noch ein letztes Mal spürte sie diese unbeschreiblich große Liebe in sich, fühlte das Glück und die Geborgenheit, die er ihr gegeben hatte. Plötzlich wurde sein Bild schwächer und sie schloss ein letztes Mal die Augen. Ganz leise und kaum zu verstehen hauchte sie »Leb wohl!«, und er verschwand …


 


4 Jahre vor Tag X – Von der Raupe zum Schmetterling


 


Die Schattenfrau war glücklich. Sie verbrachte einen wunderschönen und besonderen Abend mit Pierre. Sie strahlte ihn an und er erwiderte ihren Blick mit einer Intensität, die sie schaudern ließ. Sein Blick versprach mehr und ihr Blick zeigte ihm, dass sie mehr wollte. Es war nicht der erste Abend, den sie auf diese Art zusammen verbrachten, aber mit jedem weiteren Treffen hatte sie das Gefühl, ihm noch näher zu sein und noch mehr von ihm zu spüren. Sie war berauscht von den Gefühlen, die er jederzeit in ihr wecken konnte. Sie hatte niemals geglaubt, dass sie zu solch bedingungsloser und hemmungsloser Leidenschaft und Hingabe fähig wäre.


 


Gerade in diesem Moment, an diesem Abend mit Pierre, war sie jedoch noch keine Schattenfrau. Genau das Gegenteil war der Fall. Sie war ein schillernder und wunderschöner Schmetterling, der alle faszinierte, die mit ihr zu tun hatten. Hatte man sie einmal gesehen und berührt, wollte man immer mehr von ihr. Sie barg so unendlich viel Schönheit und Lebensfreude in sich, dass niemand sich ihrem Bann entziehen konnte und man nichts anderes hoffte, als dass sie für immer bleiben würde. Sie wusste von den Emotionen, die sie weckte und sie genoss dieses Spiel. Sie war in einer Phase ihres Lebens angelangt, in der sie das Leben grenzenlos genießen wollte. Sie wollte sich an niemanden binden und sich zu nichts verpflichten. Sie wollte frei sein und sie wollte diese Freiheit leben. Die Suche nach sich selbst hatte sie erfolgreich beendet. Sie war endlich bei sich selbst angekommen und sie war zu diesem einzigartigen Schmetterling geworden, der von Blüte zu Blüte flog. Sie verweilte für einen Moment, genoss den Augenblick und war im nächsten Moment wieder verschwunden. Auf ihrem Flug hinterließ sie nichts außer ihrem Zauber, dem sich niemand entziehen konnte.


 


Pierre war anders. Er unterschied sich von allen anderen und deshalb musste er eine der ganz besonderen Blüten sein. Das reizte sie...


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