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> Belletristik > Der Stadtkannibale
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Belletristik
Buch Leseprobe Der Stadtkannibale, Thomas Reich
Thomas Reich

Der Stadtkannibale



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KOSTPROBE


 


„Zu braven Kindern kommt der Nikolaus. Zu bösen Kindern Knecht Ruprecht mit der Rute. Du, meine Kleine, warst ein böses Kind.“


Andreas teilte einen weiteren Klebestreifen ab, den er ihr über den Mund klebte. Für einen kurzen Moment weiteten sich ihre Augen ungläubig. Wie weit die Pupillen eines Tieres doch werden konnten, wenn es den nahen Tod ahnte. Es gab keine Gliedmaßen mehr, mit denen es sich hätte aufbäumen können. Unterhalb vom Hals spürte sie nichts mehr. Nur an ihrem Gesicht konnte man ihre Qualen ablesen. Ein Zittern, welches über ihre Wangen eilte. In diesem Moment ähnelte sie auf fatale Weise ihrer jüngst verstorbenen Tochter. Andreas wandte seinen Blick ab, als ihre Augen sein Gesicht nach einem Moment der Reue absuchten. Den Tieren ihren Frieden lassen. Es brauchte nicht mit dem Wissen zu sterben, dass er keine Reue kannte. Nie gekannt hatte.


Soviel Fleisch, und so wenig Zeit. Muttertier und Tochtertier fachgerecht zerlegen. Aus seinem Aktenkoffer entnahm er ein paar frische Cellophanbeutel, und breitete sie vor sich aus. Versuchte, eine sichere Wahl zu treffen. Mensch bist du gewesen, Fleischbrocken wirst du sein. Mehr ist von dir nicht geblieben. Als eine gute Mahlzeit auf dem Teller!


Mit dem breiten Fleischmesser drang er in die Bauchdecke ein, zog ein paar lange Streifen heraus, breit genug, um sie in den Rauch zu hängen, und trotzdem ein gutes Ergebnis zu erzielen. Fleisch, welches er erst später wirklich genießen konnte. Anders sah es mit dem Kalb aus, wo er flache Stücke aus den mageren Partien gewann, die er später mit mehr Muße zu Züricher Geschnetzeltem verarbeiten würde. Als er die Wohnung verließ, hatte er Mühe, seinen Koffer zu schließen.


 


*



Während das Muttertier im Tannenrauch hing, schnitt er grobe Brocken aus dem Kalbfleisch. Briet sie mit braunen Champignons scharf an, und löschte sie mit Weißwein ab. Goss Sahne dazu, und ließ es mit einem Bündel frischer Küchenkräuter einkochen, bis die Sauce eine gewisse Sämigkeit erreichte. In der gusseisernen Pfanne brutzelten die original Schweizer Rösti, die er aus frisch geriebenen Kartoffeln selbst gewonnen hatte. Es ging nichts über eine frische und nachhaltige Küche. In den Kartoffelteig arbeitete er noch Emmentaler ein, der kräftig Fäden zog. Gerne hätte er noch ein paar Speckwürfel der Mutter beigefügt, aber der Speck war noch lange nicht fertig. Er begnügte sich damit, ein paar Grieben des Muttertiers als Schmalz auszulassen, in dem er die Champignons anbriet. Die ganze Familie auf einem Teller vereint.″


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