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Belletristik
Buch Leseprobe Der letzte Koan, Hans Rosegger
Hans Rosegger

Der letzte Koan



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......Fragen wurden nur drängender und aufdringlicher. Waren wir wirklich nur materielle Samenkapseln für eine fliehende elektromagnetische Schwingung? Oder kamen wir als Schwingung aus unserer Zukunft zurück um in dieser prähistorischen materiellen Form die Geschehnisse so zu steuern, dass wir zu dem werden konnten was wir sind? Oder gab es einen anderen Grund? Hatten wir in der Zukunft Dinge erfahren, die es uns nötig erscheinen ließen zurückzukehren um etwas zu heilen? Etwas, was sich sonst in ferner Zukunft fatal auswirken würde? Mein Gedanken purzelten durcheinander wie Kegel auf der Kegelbahn, wenn der Ball der Konzentration dazwischenfuhr. Jedes Mal ins Leere treffend. Gab es womöglich gar keine Zukunft, keine Vergangenheit? Nur ein ewiges Jetzt? Diesen einen armseligen Augenblick, den ich damit vertrödelte derartige Gedanken zu denken? Diesen einen wundersamen Augenblick, der die ganze Welt und mein Leben enthält?



Waren meine Gedanken dieser Augenblick oder gehörten sie zu jenem energetischen Muster, das wir als Zukunft oder Vergangenheit bezeichnen? Was zum Teufel war Zeit? In diesem Augenblick, entstand ein Bild in meiner Phantasie. Es war der grüne Reklameteufel, der gehörnt und grinsend langsam aus den aufgewühlten Fluten eines endlosen Meeres auftauchte. Seine stechend gelben Katzenaugen auf mich gerichtet und mit röhrender Stimme sagte: „Schau!” Der dick mit grauen Sturmwolken verhangene Himmel öffnete sich und ein strahlend blaues Licht hellte meine Vision auf. Zwei gleißende elektrische Lichtbögen brachen durch die blaue Öffnung und näherten sich liebevoll den Spitzen seiner Hörner. Sie drangen in ihn ein und er begann zu leuchten wie Smaragde in der Sonne. Zwischen seinen Hörnern entstand etwas, ein leuchtender blauer Punkt zuerst, dann eine Linie, dann eine rotierende Fläche, dann eine glänzende Pyramide, deren Flächen sich zu einem Würfel wandelten, dann zu einem Oktaeder, der in dem Licht reflektierte wie eine spiegelnde Wasserfläche. Der Körper veränderte sich immer weiter. Seine Flächen reflektierten das Licht in allen Regenbogenfarben. Es war wunderschön und ich fühlte meine innere Hitze wieder aufsteigen, doch sie war sanft und weich. Ich sah dann, dass der Körper sich zu einer von innen heraus leuchtenden Kugel verwandelt hatte. Blau und grün. Es war unser Planet. Unsere Erde, die sich dort im himmlischen Licht, zwischen den Hörnern des Teufels drehte.



Dann veränderte sie sich auf eine unsagbare Art weiter, so als ob sie sich in den Dimensionen vervielfältigen wollte. Leuchtende Kugeln in leuchtenden Kugeln, umgeben von Schalen aus reinem Licht. Es gab keine Worte so etwas auszudrücken. Nur Schweigen. Tränen traten mir in die Augen und die Konturen der Vision verwischten, als ob sie in tiefes Wasser absinken würde.

Ein lautes Krachen im Holz der Deckenbalken riss mich in den Augenblick zurück. Mein Herz pochte wie wild von dem Schreck und meine Aufregung vermischte sich seltsam mit der Schönheit und dem Frieden meiner Vision. Ich wurde mir bewusst, dass es stockdunkel im Zimmer war. Wie lange hatte ich hier gesessen? Schon wieder stürmten meine ungezähmten Fragen los und zertrampelten die feinen Strukturen meiner Erfahrung. Ich lauschte in die Nacht. Allmählich gewöhnten sich meine Augen an die Dunkelheit und ich konnte die Umrisse der Möbel erkennen. Sternenlicht drang klar und silbern durch die Scheiben. Es war noch nicht allzu spät und so beschloss ich nochmals Bruder Olaf aufzusuchen. Trotz der angenehmen Erfahrung, deren Wirkung immer noch zu spüren war, erschien mir der Weg durch die dunklen Gänge des Hofes zu dieser nächtlichen Stunde geheimnisvoll.

....

Sein Gesichtsausdruck wurde weiter, und ein mildes Leuchten trat aus seinen Augen hervor, als er sinnierend weiter sprach: „Alles was wir in Worte fassen können, entstammt unserem objektivierten Wissen. Es entspringt den energetischen Mustern und Netzwerken, die sich um unseren Lebenskern spinnen. Wir selbst haben uns da hinein gesponnen, und so einen physischen Körper erhalten. Auf dieser Dimension der Schwingung manifestiert sich alles Existierende in der Form des Objektes.



Vergangenheit und Zukunft sind beides energetische Netze, die in der Gegenwart wurzeln. Die Gegenwart ist die Pause zwischen Vergangenheit und Zukunft, wie die Pause zwischen dem Einatem und dem Ausatem. Sie ist die ewige Veränderung in unendlicher Langsamkeit. Die Netze der Zeit durchdringen sich gegenseitig. Die Gegenwart ist die Membran in der sie alle miteinander verbunden sind. Wie die Öffnungen von Muschelhörnern liegen die Zeitnetze aufeinander, und erlauben einen Austausch. Nur in der Gegenwart existieren physische Objekte. Die transzendente Sonne unserer Existenz liegt immer jenseits allen Wissens. Sie gebar den Lebenskern und sandte ihn als Strahl hinaus. Der Lebenskern reflektiert in der Strahlung: So entsteht die Membran der Gegenwart. Es gibt keine Gegenwart ohne Lebenskern.



Was auch immer erfahren wird: Es gibt keine Erfahrung ohne den Erfahrenden. Die transzendenten Strahlen durchdringen den Kern von innen und projizieren die Reflexionen nach außen. So entsteht Kosmos und Chaos, alles was durch die Sinne erfahrbar ist. Doch alles was ist, ist transzendente Strahlung. Es ist uns möglich alles zu erfahren, was unser Wille erfahren will. Es ist eine Frage des Geschmacks. Jenseits von Gegenwart gibt es nur energetische Muster, die sich aus dem Lebenskern entwickeln, oder zu ihm werden. Jede Änderung der physischen Gegenwart, verändert diese Muster. In welcher Form wir diese Muster erfahren ist Sache des persönlichen Geschmacks. Dieser Kosmos ist dabei aufzuwachen. Der Erfahrende erwacht in der Gegenwart – wohin sonst! Hier ist der Kraftpunkt der Schöpfung aus der alles wird. In alle Richtungen entfliehen die Wahrscheinlichkeiten und verflechten sich zu undurchdringlich komplexen Geweben. Hier ist alles einfach und klar. Wir schreiben ein Buch und es entstehen Welten. Wir denken einen Gedanken und es vergehen Welten. Wir lieben und es erblühen Wesen. Wir hassen und unendliches Leid erfüllt die Zeiträume. Es ist an uns. Wir sind die transzendente Sonne aller Welten jenseits unserer Gegenwart. Wir sind die ungezähmte Lebenskraft, die sie hervorbringt. Unsere Gedanken sind ihr atomares Feuer, das sie erhält oder zerstört.



Es ist in unserer Verantwortung diese Kraft mit Liebe zu den so entstehenden Geschöpfen zu modulieren und es ihnen zu ermöglichen zu verstehen, dass sie selbst die Quelle anderer Welten sind. Wir sind die Schöpfer unseres Kosmos und aller Wesen, die darin sind. Deshalb sind wir verantwortlich und daran gebunden so lange an uns zu arbeiten, bis es kein leidendes fühlendes Wesen mehr gibt. Wir sind die Quelle, die eingebettet in Gott, alles erhält. Wer es fassen kann, soll es fassen!”



Bruder Olaf senkte den Blick und schwieg. Seine Präsenz füllte den Raum und ließ ihn vibrieren. Die Worte klangen in meinen Ohren nach, als hätte ich nicht schnell genug folgen können. Doch indem mir das bewusst wurde, entstanden schon wieder neue Gedanken und Verbindungen. Ein riesiges Netzwerk von Verästelungen und Knoten bildete sich und fesselte meine Aufmerksamkeit – und ich ließ geschehen, folgte den Bildern, die in meinem Geist aufstiegen, sich wandelten und verblassten: Zuerst sah ich eine riesige silberne Scheibe, die sich in der unendlichen Weite des Weltraumes langsam drehte und sich dabei immer weiter ausdehnte.



Während sie so wuchs zerfransten ihre Ränder und es entstand eine gigantische Spirale silbernen Lichtes. Dann sah ich wie sich das Licht an vielen Stellen verdichtete und eigene kleine Sterne bildete, die wiederum zu gleißenden Spiralen anwuchsen. Je mehr ich von diesen Spiralen sah, desto farbiger wurden die leuchten Sterne. Ich sah, dass alle Sterne aus einer zentralen Sonne kamen, die wiederum der Mittelpunkt der ursprünglichen Spirale war. Konzentrierte ich mich tiefer auf diesen Mittelpunkt, erlebte ich um so mehr, dass Licht in Strahlen diesem Zentrum entwich und das jeder Strahl einen Zwilling hatte. Sie trugen, eng umschlungen wie Sinus und Kosinus, die Ganzheit der Mitte mit hinaus und überall, wo sie sich verknäulten, oder wieder verdichteten, um neue Sterne zu schaffen, geschah dies in der Anwesenheit der Mitte. Es war nicht gerade geordnet was ich da sah: ein chaotischer Ausbruch entfesselter Energie, der sich in alle Richtungen und Dimensionen ergoss, Harmonie, als auch Disharmonie erzeugend, alles miteinander vermischt und durchdrungen. Doch je tiefer ich in das lichte Zentrum eindrang, desto klarer und gerichteter wurden die Strahlen. Sie kamen aus einem geometrischen Punkt, den sie in vier Gruppen von je drei Strahlen verließen. Innerhalb des Punktes gab es nur gleißendes Licht.



Ich sah hinter mich und schaute in den Weltraum. Das dunkle Schwarz des nächtlichen Himmels überzogen mit Myriaden glänzender, blinkender Sterne.

.......

Bruder Olaf sah mich an und lächelte: „Es ist was du glaubst und je geglaubt hast! Das ist das einzige Gesetz, das für dich gilt. Dein gesamter Glaube umgibt dich, liefert das Bühnenbild für den Traum, den du Leben nennst. Doch nimm es nicht zu leicht, vieles an Deinem Glauben entstammt tiefen Lebenserfahrungen und hat seinen Sinn. Anderes wiederum ist Ballast, aufgehäufter Müll, den es gilt so schnell wie möglich zu beseitigen. Die Kunst Deines Lebens ist es nun Deine Entscheidungskraft zu stärken und ihr Schwert zu schleifen, damit es schnell und schmerzlos das eine vom anderen trennen kann. Dazu muss seine Klinge dünner werden, als das kleinste Teilchen, das du dir vorstellen kannst. Deine Unterscheidungsfähigkeit muss so hauchdünn und durchdringend werden, dass du ihm selbst zum Opfer werden kannst. Nur so wirst du zu deiner Ganzheit zurückfinden. Verlasse dich nicht auf Hilfen von außen, es sind nur Spiegelungen deiner inneren Vorgänge. Auch ich bin nur ein Abbild eines Vorgangs in dir und doch bin ich glücklich über das, was ich an dir erleben darf.”

..... standen an den Wänden, bis unter die Decke gestapelt, Fernseher und Bildschirme. Auf jedem lief ein anderer Film. „Schau es dir in Ruhe an“, sagte sie und verschwand wieder in jenem Teil des Ladens, in dem die Kaffeemaschine stand. Ich ging nahe an die Monitore heran und staunte nicht schlecht: Hier lief ein Film mit Mord und Totschlag, dort eine Messe. Aber das erstaunlichste war, dass alle Personen mir so sehr ähnelten. Sie sahen aus wie ich!

Auf einem anderen Monitor, sah ich mich als Familienvater mit drei Kindern, glücklich und zufrieden in einer durchschnittlichen Siedlung in einem durchschnittlichen Reihenhaus ein durchschnittliches Leben führen. Und alle meine Nachbarn sahen aus wie ich!



Weitere Filme zeigten mich als Lehrer, als Priester, als Hure und Schamanen. Ich sah mich als Wissenschaftler und als Gauner, als Wirtschaftsboss und als Landstreicher. Ich rang im Kloster um mein Seelenheil und verspielte es am Spieltisch im Casino. Als Soldat zog ich kämpfend und mordend in die Schlacht, brachte Frauen und Kinder um, dann wieder war ich Arzt und Heiler und rettete Millionen das Leben. Ich sah mich die menschlichsten und unmenschlichsten Dinge tun. Entsetzt und verwirrt wich ich vor der Bildwand zurück. Dabei stolperte ich hinterrücks über einen Sessel und fiel hinein. Was erlebte ich hier gerade? Was wollte mir diese Welt mitteilen? Ich sah mich im Raum um. An allen Wänden standen die Monitore und flimmerten ihre Bilder zu mir. Doch nur die Bildwand vor mir, verwirrte mich so tief. Sollte es etwa bedeuten, dass alles nur so war, weil ich es so wahrnahm? Die ganze Welt war alles was ich denken und erfahren konnte? Kalte Schauer liefen mir den Rücken hinauf und wieder hinunter. Das konnte nicht sein! Das durfte nicht sein!



Ich Wurm, ich schwaches Menschlein sollte das Zentrum sein? Oh, nein! Was war dann mit Gott und seiner Allmacht, der Schöpfer dieser Welt? Bisher war meine Spiritualität so einfach gewesen. Sie war so abstrakt, so weit weg von der Welt und all ihrem Tun. Doch das jetzt? Es sprach die Sprache des Alltags. Es machte mich ja verantwortlich für die täglichen Geschehnisse. So konnte ich mich ja gar nicht mehr aus der Betroffenheit schleichen! Nein, das konnte nicht sein. Das wollte ich nicht.

In diesem Augenblick kam Beate wieder herein. Der würzige Kaffeeduft verbreitete sich im Raum und meine aufgeregten Gedanken beruhigten sich etwas. Doch in meinen Augen muss das Entsetzen noch gestanden haben, denn sie sagte: „Verstehst du jetzt? Lass dir Zeit, denn es ist die wichtigste Lektion, die du zu lernen hast. Hier pass auf!“ Sie drehte an einem kleinen Schalter in der Sessellehne. Eine kleine leuchtende Anzeige sprang von drei auf vier, und auf den Monitoren erschienen ganz andere Filme. Da erschien die Frau in dem blauen Kleid und öffnete ihre Hände, in denen das Herz schlug. Ein junger Mann hackte auf einem Bauernhof Holz und ein anderes Bild zeigte mich wie ich einem Schmetterling nach starrte. Andere Bildschirme zeigten lachende grüne Teufelsfratzen. Beate schaltete auf die nächste Anzeige. Als die fünf erschien, sah ich mich in Form von Spiralen und Kreisen, Quadraten und Pyramiden. Jede Form spiegelte sich in der anderen und erfüllte sie mit Leben. Mit jeder höheren Anzeige veränderten sich die Bilder, doch immer war es ganz ohne Zweifel ich, der sich dort auf den Bildschirmen wiederfand. Als Form oder Farbe, als Ton oder Licht. Als Stein oder Vogel, Baum oder Wolke. Immer ich! Dann sah ich mich im Zentrum spiritueller Bilder, die von Millionen von Menschen verehrt wurden, ich fand mich in Form von mathematischen Formeln und Gleichungen, in abstrakten Geometrien. Die höchste Anzeige war die sechsundzwanzig. Hier erloschen die Bilder. Nur ein gleichmäßiges Flimmern blieb auf den Sichtschirmen erhalten und je intensiver ich es betrachtete, desto mehr Struktur nahm dieses Flimmern an.



Beate stoppte meine Konzentration: „Hier schöpfst Du! Hier erschaffst du Welten. Hier in der sechsundzwanzigsten Lebensdimension ist Dein Platz. Von hier breiten sich alle anderen Dimensionen aus und bilden Deine Realität. Deine Realität ist eine Mischung aus allen Dimensionen, allen sechsundzwanzig Lebensebenen. Du musst dich erinnern. Du kennst alle diese Tatsachen, nur hast du sie vergessen, weil du dich so intensiv auf die vier Dimensionen konzentriert hast.“ „Bin ich dann Gott?“, fragte ich zaghaft. Sie brach in schallendes Gelächter aus: „Nein, du bist nicht Gott. Du bist und bleibst ein Mensch. Joan! Ein Mensch ist ein multidimensionales Wesen mit mächtigen Fähigkeiten, aber Gott kann er nicht sein. Weder Du, noch sonst irgend jemand. Das was wir als Gott bezeichnen ist immer jenseits von allem was wir denken, fühlen, und mit unseren Sinnen wahrnehmen können. Gott ist immer hinter der Grenze unserer Vorstellungsfähigkeit und das ist gut so, denn Gott ist die Quelle aus der alles kommt. Wir Menschen sind Kräfte, die diese Quelle modulieren, in Form bringen. Wir benutzen Gottes Kräfte um damit unsere Realität zu formen, uns zur Lehre und Gott zum Ruhm!

Verstehst du jetzt das Prinzip der Schöpfung?

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