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Belletristik
Buch Leseprobe Das Mädchen mit den neun Zehen, Ray Wilkins
Ray Wilkins

Das Mädchen mit den neun Zehen



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Er erwachte vom Klang leiser Stimmen und dem Geruch eines Lagerfeuers. Als er die Augen öffnete, sah er ein niedriges Dach, das aussah wie aus Rinde und Ästen gebaut. Er befand sich in einer Art Hütte und jemand rief seinen Namen: „Turawwa, Turawwa! Die Sonne wartet auf dich. Komm nach draußen und begrüße den Tag."

Er kroch aus der Hütte und fand eine Gruppe Aborigines, die sich im Kreis um das Feuer versammelt hatten. Ein großer schwarzer Kessel hing über der Feuerstelle und sie tranken Tee. Er gesellte sich zu ihnen die alte Hüterin des Feuers reichte ihm einen Becher mit kräftigem, süßen Tee. Das tat gut. Ein Mann, dessen ganzer Körper mit Federn geschmückt war, sagte zu ihm:

„Turawwa, du hast nun den zweiten Stein im Fluss erreicht. Er wird dich Selbstvertrauen lehren. Auf der ganzen Welt gibt es niemandem, dem du völlig vertrauen kannst, außer dir selbst. Du kannst nicht in die Köpfe anderer Menschen schauen, um zu wissen, ob sie die Wahrheit sprechen, oder ob sie den Speer der Integrität bei sich tragen. Aber du kannst in dein eigenes Herz schauen, in deinen eigenen Verstand, um die Lieder zu begreifen, die die Ahnen für dich singen. In jeder Situation, in der du eine Entscheidung treffen musst, auch wenn es gefährliche Folgen hat, oder du jemanden, den du liebst, verletzt, musst du deinem Herzen folgen. Das ist der Weg des Selbstvertrauens."

Meine Augen tränten vom Rauch des Feuers und ich antwortete ihm:

„Ich glaube, dass ich bereit bin, zum zweiten Stein zu springen, aber ich habe Angst, dass ich scheitere, wie so oft in der Vergangenheit."

Ich nahm noch einen Schluck von dem süßen Tee blickte über das Feuer hinweg den Mann mit dem Feder-

schmuck an.

„Besinne dich auf einen Moment in der Vergangenheit, wo du ein großes Problem bewältigen und eine Entscheidung treffen musstest, ohne die Hilfe oder den Rat von jemand anderem. Und die Entscheidung, die du getroffen hast, war vollkommen richtig, auch wenn sie schwierig in die Tat auszuführen war. Wie hast du dich in diesem Moment gefühlt, als du genau gewusst hast: Das ist das Richtige."

Ich dachte an eine Zeit zurück, als ich eine Entscheidung treffen musste, ob ich Australien Truppen nach Timor schicken sollte, oder nicht. Alle anderen waren dagegen, aber ich wollte für den Frieden kämpfen. Als ich mir imaginierte, wie ich ganz alleine dastand und ohne den geringsten Zweifel wusste, dass diese Entscheidung richtig war, sah ich, wie ich aufrecht stand, meine Schultern waren entspannt und ein leichtes Lächeln umspielte meine Lippen. Ich verspürte ein tiefes Gefühl der Wärme in meiner Brust und als ich meine Hand auf diese Stelle legte, wurde dieses Gefühl noch stärker.

„Das ist dein Moment des Selbst-Vertrauens. Nutze dieses Kraftlied jedes Mal, wenn du eine Entscheidung treffen musst. Wenn du es nicht hörst, dann ist deine Entscheidung falsch.", sagte Mr. Federkiel.

Ich öffnete die Augen, um die anderen Menschen anzusehen, doch zu meinem Erstaunen fand ich mich alleine am Feuer wieder. Alles, was ich sah, war ein flacher, staubiger Landstrich, übersät mit knorrigen Buschstümpfen und vereinzelten trockenen Grasbüscheln. Ich stand auf und blickte der Sonne entgegen. Es war wohl noch früh am Morgen, aber trotzdem schon sehr heiß. Von einem nahegelegenen Strauch drangen Stimmen zu mir herüber. Zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen rannten auf mich zu.

„Das Mädchen mit den neun Zehen schickt mich. Ich soll dir dabei helfen, der neuen Herausforderung auf deinem Weg zu begegnen. Ich will alles tun, was ich kann, um dir behilflich zu sein. Ich bin auf deiner Seite!" Die Stimme des Mädchen klang beruhigend und freundlich, aber aus irgendeinem Grund vermied sie es, mir direkt in die Augen zu schauen.

„Mein Name ist Wootara und das ist Yarawwa", sagte das andere Kind, ein etwa zwölf Jahre alter Junge.

„Du musst dich für einen von uns entscheiden, wem du dein Vertrauen schenkst, wer dein Spurenleser sein soll. Und du musst dich schnell entscheiden!" Er sagte das sehr, sehr schroff und ungeduldig, und sah mir ohne die Spur eines Lächelns direkt in die Augen.

Ich kannte diese Situation nur allzu gut aus meiner Vergangenheit, wenn ich aufgefordert war, zu entscheiden, wer der oder die Richtige war. Die meiste Zeit über wurde ich von dem Glauben beeinflusst, dass ein höflicher und freundlicher Mensch auch der vertrauenswürdigere sei. Das ging manchmal sogar soweit, dass ich Angst hatte, die Gefühle dieses Menschen zu verletzen, wenn ich ‚Nein' sagte. Ich betrachtete das Mädchen und spürte in mich hinein, um zu sehen, was mein Herz mir sagte. Sie lächelte mich an und schlug die Augen nieder. Ich fühlte nichts. Ich blickte zu dem Jungen hinüber, der mir unverwandt in die Augen blickte und legte meine Hand auf mein Herz. Ein starkes Wärmegefühl durchströmte meinen Körper. „Ich wähle Dich, Wootara!" rief ich und Yarawwa verschwand. Er wandte sich zur Wüste hin und murmelte undeutlich: „Folge mir!" Und das tat ich auch.

Es wurde heiß und Schweißtropfen rannen an mir herunter. Der Sand knirschte unter meinen bloßen Füßen. In der Wüste herrschte vollkommene Stille. Nach einer Weile blieb Wootara wie angewurzelt stehen. „ Horch, Turawwa, Der mit dem Herzen führt, was hörst du?" Ich schloss Augen und Mund und nahm konzentriert die Laute in meiner Umgebung auf. Bald schon konnte ich schwache Stimmen vernehmen, die von sehr weit her zukommen schienen. „Das sind die Stimmen der Ahnen. Sie sind mit deiner inneren Stimme verbunden und wo immer du auch bist, was immer du auch wissen willst, du kannst sie jederzeit fragen. Hier liegt all die Information verborgen, die Anworten auf alle deine Fragen, alles, was du jemals wissen musst, um ein glückliches und erfülltes Leben zu haben. Aber der einzige Weg, um diese Stimmen zu hören, ist es, mit deinem Herzen zu lauschen."





Er erwachte vom Klang leiser Stimmen und dem Geruch eines Lagerfeuers. Als er die Augen öffnete, sah er ein niedriges Dach, das aussah wie aus Rinde und Ästen gebaut. Er befand sich in einer Art Hütte und jemand rief seinen Namen: „Turawwa, Turawwa! Die Sonne wartet auf dich. Komm nach draußen und begrüße den Tag."

Er kroch aus der Hütte und fand eine Gruppe Aborigines, die sich im Kreis um das Feuer versammelt hatten. Ein großer schwarzer Kessel hing über der Feuerstelle und sie tranken Tee. Er gesellte sich zu ihnen die alte Hüterin des Feuers reichte ihm einen Becher mit kräftigem, süßen Tee. Das tat gut. Ein Mann, dessen ganzer Körper mit Federn geschmückt war, sagte zu ihm:

„Turawwa, du hast nun den zweiten Stein im Fluss erreicht. Er wird dich Selbstvertrauen lehren. Auf der ganzen Welt gibt es niemandem, dem du völlig vertrauen kannst, außer dir selbst. Du kannst nicht in die Köpfe anderer Menschen schauen, um zu wissen, ob sie die Wahrheit sprechen, oder ob sie den Speer der Integrität bei sich tragen. Aber du kannst in dein eigenes Herz schauen, in deinen eigenen Verstand, um die Lieder zu begreifen, die die Ahnen für dich singen. In jeder Situation, in der du eine Entscheidung treffen musst, auch wenn es gefährliche Folgen hat, oder du jemanden, den du liebst, verletzt, musst du deinem Herzen folgen. Das ist der Weg des Selbstvertrauens."

Meine Augen tränten vom Rauch des Feuers und ich antwortete ihm:

„Ich glaube, dass ich bereit bin, zum zweiten Stein zu springen, aber ich habe Angst, dass ich scheitere, wie so oft in der Vergangenheit."

Ich nahm noch einen Schluck von dem süßen Tee blickte über das Feuer hinweg den Mann mit dem Feder-

schmuck an.

„Besinne dich auf einen Moment in der Vergangenheit, wo du ein großes Problem bewältigen und eine Entscheidung treffen musstest, ohne die Hilfe oder den Rat von jemand anderem. Und die Entscheidung, die du getroffen hast, war vollkommen richtig, auch wenn sie schwierig in die Tat auszuführen war. Wie hast du dich in diesem Moment gefühlt, als du genau gewusst hast: Das ist das Richtige."

Ich dachte an eine Zeit zurück, als ich eine Entscheidung treffen musste, ob ich Australien Truppen nach Timor schicken sollte, oder nicht. Alle anderen waren dagegen, aber ich wollte für den Frieden kämpfen. Als ich mir imaginierte, wie ich ganz alleine dastand und ohne den geringsten Zweifel wusste, dass diese Entscheidung richtig war, sah ich, wie ich aufrecht stand, meine Schultern waren entspannt und ein leichtes Lächeln umspielte meine Lippen. Ich verspürte ein tiefes Gefühl der Wärme in meiner Brust und als ich meine Hand auf diese Stelle legte, wurde dieses Gefühl noch stärker.

„Das ist dein Moment des Selbst-Vertrauens. Nutze dieses Kraftlied jedes Mal, wenn du eine Entscheidung treffen musst. Wenn du es nicht hörst, dann ist deine Entscheidung falsch.", sagte Mr. Federkiel.

Ich öffnete die Augen, um die anderen Menschen anzusehen, doch zu meinem Erstaunen fand ich mich alleine am Feuer wieder. Alles, was ich sah, war ein flacher, staubiger Landstrich, übersät mit knorrigen Buschstümpfen und vereinzelten trockenen Grasbüscheln. Ich stand auf und blickte der Sonne entgegen. Es war wohl noch früh am Morgen, aber trotzdem schon sehr heiß. Von einem nahegelegenen Strauch drangen Stimmen zu mir herüber. Zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen rannten auf mich zu.

„Das Mädchen mit den neun Zehen schickt mich. Ich soll dir dabei helfen, der neuen Herausforderung auf deinem Weg zu begegnen. Ich will alles tun, was ich kann, um dir behilflich zu sein. Ich bin auf deiner Seite!" Die Stimme des Mädchen klang beruhigend und freundlich, aber aus irgendeinem Grund vermied sie es, mir direkt in die Augen zu schauen.

„Mein Name ist Wootara und das ist Yarawwa", sagte das andere Kind, ein etwa zwölf Jahre alter Junge.

„Du musst dich für einen von uns entscheiden, wem du dein Vertrauen schenkst, wer dein Spurenleser sein soll. Und du musst dich schnell entscheiden!" Er sagte das sehr, sehr schroff und ungeduldig, und sah mir ohne die Spur eines Lächelns direkt in die Augen.

Ich kannte diese Situation nur allzu gut aus meiner Vergangenheit, wenn ich aufgefordert war, zu entscheiden, wer der oder die Richtige war. Die meiste Zeit über wurde ich von dem Glauben beeinflusst, dass ein höflicher und freundlicher Mensch auch der vertrauenswürdigere sei. Das ging manchmal sogar soweit, dass ich Angst hatte, die Gefühle dieses Menschen zu verletzen, wenn ich ‚Nein' sagte. Ich betrachtete das Mädchen und spürte in mich hinein, um zu sehen, was mein Herz mir sagte. Sie lächelte mich an und schlug die Augen nieder. Ich fühlte nichts. Ich blickte zu dem Jungen hinüber, der mir unverwandt in die Augen blickte und legte meine Hand auf mein Herz. Ein starkes Wärmegefühl durchströmte meinen Körper. „Ich wähle Dich, Wootara!" rief ich und Yarawwa verschwand. Er wandte sich zur Wüste hin und murmelte undeutlich: „Folge mir!" Und das tat ich auch.

Es wurde heiß und Schweißtropfen rannen an mir herunter. Der Sand knirschte unter meinen bloßen Füßen. In der Wüste herrschte vollkommene Stille. Nach einer Weile blieb Wootara wie angewurzelt stehen. „ Horch, Turawwa, Der mit dem Herzen führt, was hörst du?" Ich schloss Augen und Mund und nahm konzentriert die Laute in meiner Umgebung auf. Bald schon konnte ich schwache Stimmen vernehmen, die von sehr weit her zukommen schienen. „Das sind die Stimmen der Ahnen. Sie sind mit deiner inneren Stimme verbunden und wo immer du auch bist, was immer du auch wissen willst, du kannst sie jederzeit fragen. Hier liegt all die Information verborgen, die Anworten auf alle deine Fragen, alles, was du jemals wissen musst, um ein glückliches und erfülltes Leben zu haben. Aber der einzige Weg, um diese Stimmen zu hören, ist es, mit deinem Herzen zu lauschen."

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