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> Belletristik > Das Leben liebt es kurvenreich
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Belletristik
Buch Leseprobe Das Leben liebt es kurvenreich, Petra Kesse
Petra Kesse

Das Leben liebt es kurvenreich



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Alexandra Ahlers wickelte den Blumenstrauß aus dem Papier, während sie den langen Flur des Pflegeheimes entlang ging, in dem ihre Großmutter seit ihrer Demenzerkrankung lebte. Alexandra wusste nie, was sie erwartete, wenn sie nach Wochen aus dem Ausland zurückkehrte, wo sie als Fernsehjournalistin arbeitete. Zu erleben, wie von dem, was ihre Großmutter ausmachte, mehr und mehr verschwand, machte ihr Angst. Auch jetzt war da wieder dieses Gefühl, diese besondere Mischung aus Vorfreude und Unbehagen. Sie war dankbar, dass ihre Freundin Katja, die als Pflegekraft in dem Heim arbeitete, an ihrer Seite war.
Als die beiden das Zimmer betraten, saß Carla in ihrem geliebten Ohrensessel, dessen lindgrüner Velours seine besten Zeiten hinter sich hatte. Es war unübersehbar, dass er gemeinsam mit ihr alt geworden war. Auf dem Tisch stand ein Topfkuchen, in dem eine erloschene Geburtstagskerze steckte. Die Mittagssonne schien durch das großzügige Fenster und tauchte das Zimmer in ein warmes Licht. An den Wänden hingen neben Carlas gerahmten Handstickereien unzählige Familienfotos aus längst vergangenen Zeiten, die dem Zimmer eine Seele verliehen. Mit einem wehmütigen Lächeln dachte Alexandra an die Worte ihrer Großmutter, nachdem ihr der Arzt die Vermutung einer Demenzerkrankung bestätigte. ›Im Moment sind es nur die kleinen Gauner, die Kleinigkeiten mitgehen lassen. Angst habe ich vor den großen Halunken, die, die mir irgendwann mein Leben klauen.‹  Schon immer hatte Alexandra Carlas bildhafte Art gefallen, Dinge verständlich zu beschreiben, die eigentlich nicht zu verstehen waren. Carla hatte ihr Leben auf beneidenswerte Weise gelebt, weder der Vergangenheit nachgehangen noch sich in der Zukunft verloren. Die Gegenwart war es, die sie mit all ihren Sinnen genossen hatte. Umso tragischer empfand es Alexandra, dass diese Krankheit Carla nun zwang, eine Gegenwart zu leben, die eigentlich ihre Vergangenheit war. ›Manchmal schlägt das Leben eine Tür hinter dir zu, ob du es willst oder nicht‹, hatte es Katja damals zu erklären versucht.



   »Hallo Oma, alles Liebe zum Geburtstag.« Den Versuch, ihrer Großmutter einen Kuss auf die Wange zu geben, wehrte Carla mit einer ungewohnt schroffen Handbewegung ab. Alexandra schluckte. »Entschuldige, ich wollte … «
   »Ich habe jetzt keine Zeit«, unterbrach Carla sie wirsch, »können Sie nicht vorher anrufen?«
   »Natürlich«, entschuldigte sich Alexandra, stellte den Biedermeierstrauß aus lachsfarbenen Rosen in eine Vase und holte ihr Laptop und eine Packung Kekse aus ihrer Tasche. »Ich habe dir Zimtkekse mitgebracht.«
Carla runzelte die Stirn. »Mag ich das?«
   »Es sind deine Lieblingskekse!«
Misstrauisch blickte Carla ihre Enkelin an.
   »Wenn Sie’s sagen.«
Alexandra legte Carla einen dunkelroten Seidenschal auf den Schoß.
   »Sieh mal, Mamas Schal. Als ich klein war hast du ihn mir umgelegt, wenn ich sie vermisste. Sie sei dann ganz nah bei mir, hast du gesagt, auch wenn ich sie nicht sehen kann. Ich bin sicher, es wäre in ihrem Sinne, wenn du ihn bekommst.« Alexandra schluckte und betrachtete wehmütig das Foto ihrer verstorbenen Mutter, Carlas einziger Tochter Karin.
   »Warum hast du dein Laptop mitgebracht?«, fragte Katja interessiert und holte ihre Freundin damit in die Gegenwart zurück.
   »Mein Geburtstagsgeschenk.«
   »Ein Laptop? Du schenkst ihr ein Laptop?« Katja riss die Augen weit auf und sah Alexandra verständnislos an.


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