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Belletristik
Buch Leseprobe Das Leben ist nicht einfach, um sch, Ernst Luger
Ernst Luger

Das Leben ist nicht einfach, um sch



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Leseprobe „Das Leben ist nicht einfach, um schön zu sein“   

„Darf ich fragen, holt ihr immer noch das Wasser vom Brunnen am Viehgatter?“
„Ja sicher, warum fragst du?“
„Schon gut, ich liebe einfach das Wasser von dort.“ Mehr wollte und konnte ich in diesem Moment einfach nicht sagen und auch nicht ertragen. Die momentanen Umstände machten es mir fast unmöglich, mich auf das Wesentliche in der Alphütte zu konzentrieren. Trotzdem konnte ich es kaum erwarten, den ersten Schluck Schiwasser zu trinken. Das kühle Nass floss wie ein erfrischendes Bächlein durch meine durstige Kehle. Dabei versuchten meine Geschmacksnerven, das Aroma so einzufangen, dass ich es mit der Erinnerung von damals vergleichen konnte. „Herrlich, einfach herrlich“, war mein Kommentar. Ich hatte gar nicht bemerkt, wie mich die kleine Jessi beobachtete. Verwundert bemerkte sie: „Trinkst du gerne Schiwasser?“
 „Ja, ich liebe es, aber nur hier. Sonst trinke ich auch lieber was anderes, denn Schiwasser schmeckt mir nur hier oben und nur so, wie es damals Jessika angerührt hat.“
„J E S S I K A“, meinte die Kleine ganz verwundert. „Welche Jessika meinst du?“
Wie von der Nadel gestochen fuhr Peter der kleinen Jessi über den Mund: „Jessi, ich habe dir schon tausendmal gesagt, dass man fremde Leute nicht so ausfragt.“  
Um der angeregten Diskussion ein Ende zu setzen, machte sich Peter am offenen Herd zu schaffen und drückte den Spätzleteig durch den „Spätzler“ (Küchengerät) ins kochende Wasser. Die aufsteigenden Spätzle schöpfte er mit einer Lochkelle in eine Schüssel und hob den geriebenen Käse unter. Nebst dem kochenden Wasser brutzelten wohlriechend und appetitanregend Zwiebelringe in reichlich flüssiger Butter, bis sie fast schwarz waren. Zum Schluss wurden selbige samt der flüssigen Butter über die Spätzle gegossen. Zu meiner Überraschung stellte Peter die Schüssel mitten auf den Tisch und jeder schöpfte mit seinem Löffel direkt daraus.
Genau so wie damals, wenn Jessika Käsknöpfle für uns machte.
„Wenn du willst, kannst du heute hier übernachten, denn von einem Abstieg bei der Dunkelheit ins Tal kann ich nur abraten – denke, das weißt du selber auch.“ Auf diese Einladung, aber nur von Jessika gesprochen, habe ich immer gewartet. „Wenn ich darf, dann bleibe ich gerne.
Was meinst du, sollen wir morgen versuchen, das Täle zu queren?“ „Hmmm, weiß nicht, sie haben für die nächsten Tage schlecht Wetter für die ganze Gegend angesagt. Darum ist es sicher nicht gut, wenn wir so eine Tour planen. Aber ein andermal sind wir sicher gerne dabei.“ „Na, wenn’s so ist, dann werde ich morgen wieder ins Dorf absteigen.“ Nach dem Nachtmahl half ich Peter noch beim Aufräumen, währenddessen machte sich die Kleine fertig für die Nacht.
Peter und Jessi schliefen in ihrer Schlafkammer, ich bettete mein müdes Haupt auf dem „Ofabänkle“ (Ofenbank) zur Ruhe. War eine harte Angelegenheit, aber egal, ich war hier oben und das machte mich rundum glücklich.
Gleich beim Tagwerden stand ich auf, ging vor die Hütte und genoss den Blick ins noch dunkle Tal. Hinter den Bergen konnte man schon die aufgehende Sonne erahnen. Der Himmel war klar, doch schon am Horizont sah ich das nahende Wolkenband. Erneut fing meine Seele an zu tanzen. Da ich nicht einfach so nutzlos herumstehen, jedoch den werdenden Tag nicht verpassen wollte, stieg ich ab bis zum Brunnen am Viehgatter. Dort stand wie damals die Wasserkanne bereit, die ich unter den Wassereinlauf stellte. Der Moment, als ich die Kanne auf meinen Rücken lud, ließ meine Gedanken wieder in die Vergangenheit zurückkehren. Morgens um diese Zeit kam ich meistens vom Tal herauf, lud die Kanne auf meinen Rücken und trug sie zur Alphütte hoch. Als ich die Stallungen erreichte, kam mir wieder die kleine Jessi entgegen. „Da bist du ja! Wir dachten, du bist schon wieder gegangen.“ „Nein, nein, ich habe nur den werdenden Tag hier oben genossen und dabei die Kanne vom Brunnen geholt.“ „Das macht Papa immer, bis ich aufgestanden bin. Aber heute haben wir verschlafen. Frühstückst du mit uns?“ „Möchtest du das?“ „Ja, ich mag gerne, wenn Leute zu Besuch kommen. Papa hat sicher schon alles hergerichtet und den Kaffee gemacht.“ Als wir in die Hütte zurückkehrten, stand Peter bereits am Herd und ich glaubte zu träumen: Er stupfte für uns einen Riebel in reichlich flüssiger Alpbutter. „Morgen, Peter“, waren die einzigen Worte, die ich im Moment aus mir herausbrachte.
Still setzte ich mich an den Tisch.
„Danke fürs Wasserholen. Hättest du nicht müssen, trotzdem danke“, meinte Peter, und ich glaubte, in seinen Worten ein wenig Schwermut gespürt zu haben.
Gleichschon stellte er die eiserne Pfanne mit dem köstlich duftenden Riebel mitten auf den Tisch. Der Kaffee stand ebenfalls bereit. Voller Genuss griff sich jeder von uns seinen Löffel und schweigend genossen wir gemeinsam das für mich beste und edelste Frühstück der Welt.
Nach dieser Stärkung packte ich meinen Rucksack und machte mich bereit zum Aufbrechen. Notgedrungen änderte ich meinen Tagesplan und beschloss, meinen Kindheits- und Jugendfreund Hans vom Siedlerhof, den Bruder von Jessika, zu besuchen. Er hatte vor ein paar Jahren den Erbhof von seinen Eltern übernommen. Nebst dem Hof unterrichtet er an
der dortigen Volksschule und steht als Feuerwehrkommandant bei der örtlichen Wehr im Dienst.
Bevor ich jedoch aufbrach, setzte ich mich noch einmal aufs Bänkle neben den Stallungen. Dort steht auch das Alpkreuz, das die vorbeikommenden Wanderer zu einer besinnlichen
Minute einlädt. Wundrig setzte sich die kleine Jessi zu mir, und da Papa gerade nicht in der Nähe war, fuhr sie mit ihren Erkundigungen mir gegenüber fort: „Wenn du jetzt gehst, wohin gehst du?“
„Na, du kleine Neugierdsnase. Ich denke, ich werde gleich mal ins Dorf hinuntergehen und dort einen alten Freund besuchen. Du, darf ich dich auch mal was fragen?“
„Ja sicher, was willst du wissen?“
„Wie ist das, wo ist deine Mutter?“
„Ich habe keine Mama. Papa sagt, er und ich zusammen sind unsere Familie.“


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