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Belletristik
Buch Leseprobe Carmen in fünf Akten, Ute Tietje
Ute Tietje

Carmen in fünf Akten



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„Wo wohnt Karin eigentlich hauptsächlich, bei ihrem Freund oder bei dir?“, unterbrach ich ihn.

„Bei mir natürlich, wo denn sonst“, antwortete Juan empört, als hätte ich eine ketzerische Frage gestellt. „Selbstverständlich leben wir zusammen, sie ist schließlich meine Frau! Wie du weißt, lieben wir uns sehr.“

„Ach ja? Lebt ihr immer und überall zusammen?“

„Ja, natürlich. Weshalb fragst du?“

„Auch in Madrugada?“, versuchte ich herauszufinden, was womöglich auf mich zukommen könnte, denn davon war bisher nie die Rede gewesen.

„Ja natürlich, meistens“, erwiderte Juan kopfschüttelnd.

„Willst du etwa damit andeuten, dass ich dort mit ihr und dir zusammen wohnen soll?“, entgegnete ich fassungslos.

„Nein, selbstverständlich nicht die ganze Zeit, wenn du da bist. Aber auch in Zukunft wird sie jedes Mal ein paar Tage anwesend sein. Was sollen die Leute sonst denken?“, rechtfertigte er sich.

„Als Agnostiker dürftest du mit der katholischen Kirche dort wohl kaum ein Problem haben“, bemerkte ich spitz, denn diese Idee wollte mir gar nicht behagen.

„Meine Familie ist eine sehr alte, angesehene Familie in der Region und da möchte ich keinen Schaden anrichten. Auch Karin ist hoch angesehen. Du wirst einfach als Freundin von Karin vorgestellt, die an einem Buch arbeiten will und dazu Ruhe braucht“, erfuhr ich mehr über seine Vorstellungen.

„Wissen eure Söhne davon?“

„Natürlich nicht, die können sich vermutlich nicht einmal vorstellen, dass ihre Eltern in dem Alter überhaupt noch Sex haben. Und außerdem hängen ja auch noch die Familien der Schwiegertöchter dran“, entsetzte sich Juan.

Kaum hatte ich mich von seiner Vorstellung, zeitweise zu dritt in Madrugada zu wohnen, erholt, überraschte er mich schon mit der nächsten Frage.

„Genüge ich dir?“

„Wie meinst du das?“

„Möchtest du nicht vielleicht noch einen zweiten Mann?“

„Ich kann dir irgendwie nicht folgen, Juan, worauf willst du hinaus?“, versuchte ich Einblick in seine Gedankengänge zu erhalten.

„Du solltest einen zweiten Mann haben. Ich wäre wirklich nicht eifersüchtig. Das steht mir nicht zu, da ich ja verheiratet bin.“

Ich starrte ihn an und stellte an seinem Gesichtsausdruck fest, dass er das, was er sagte, ernst meinte. Soviel Wein hatte er doch noch nicht getrunken. Außerdem war er Andalusier, der Wein schon mit der Muttermilch eingesogen hatte.

„Wie soll ich das verstehen? Woher sollte ich noch Zeit für einen weiteren Mann nehmen, ich habe doch bereits Probleme, genug Zeit für einen zu finden?“, versuchte ich, ihm seine Idee auszureden.

„Ich finde, er steht dir wegen der Gerechtigkeit zu“, beharrte er störrisch.

„Wegen welcher Gerechtigkeit?“, sah ich ihn erstaunt an.

„Weil ich zwei großartige Frauen habe, Karin und dich.“

Am Essen konnten seine absonderlichen Gedankenentwicklungen auch nicht liegen, sonst hätte ich sicherlich ebenfalls bereits abstruse Ideen.

„Deshalb muss ich ja nicht adäquat in Vielmännerei verfallen! Ich habe in dir einen sehr netten Mann gefunden, den ich bis Ende Juli sehr vermissen werde“, startete ich einen weiteren Versuch, ihn von diesem absurden Gedanken abzubringen.

Hartnäckig fuhr er fort: „Ich möchte nur nicht, dass du dich benachteiligt fühlst und unglücklich bist, weil Karin zwei Männer hat und ich dann zwei Frauen.“

War das eine neue Ruheständler-Ideologie, die mir noch nicht bekannt war? Es gibt schließlich noch andere Dinge auf der Welt als Männer! So etwas sollte doch nicht in Aufrechnerei ausarten, auch nicht für alle Gerechtigkeit der Welt.

Oder hätte sich Juan dann besser gefühlt, weil er kein schlechtes Gewissen mir gegenüber haben musste? Großartig, dann hätten wir uns alle vier gut gefühlt. Karin und ihr Lover, Juan und ich.

Aber was wäre mit dem Fünften in dieser Konstellation, meinem zweiten Liebhaber? Dem müsste man dann doch auch wegen der Gerechtigkeit und damit ich kein schlechtes Gewissen ihm gegenüber haben muss und deshalb glücklich bin, eine weitere Frau zugestehen? Und dieser Frau…………

Ich wollte das Thema lieber nicht weiter vertiefen, sonst hätte sich daraus womöglich noch eine die ganze Welt beglückende Bewegung nach dem Motto „Make Love not War“ entwickelt.

Ich schloss das Thema ab, indem ich erklärte, dass mich sein Gerechtigkeitssinn und seine Sorge um meine innere Zufriedenheit zutiefst rührten, ich es aber trotzdem bei einem Mann zur Zeit belassen wolle.

Während ich noch etwas verwirrt an meinem Weinglas nippte, hatte er schon wieder ein neues Thema parat.

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