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Belletristik
Buch Leseprobe Breaking free, Rina Meadow
Rina Meadow

Breaking free



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Leseprobe Rina Meadow: Breaking free  Kapitel 1 Zugegeben, in Cornwall regnete es häufiger und länger als im restlichen vereinigten Königreich. Doch trotzdem wäre Elizabeth Tally, kurz Liz, nie aus Penzance weggezogen, der kleinen Stadt, in der sie mit ihrem Vater Jim Tally und ihrer Mutter Maleena Tally, geborene Postels, eine heruntergekommene Mietwohnung bewohnte. Nicht einmal ins entfernte Schottland, das sie aus Erzählungen kannte und liebte, seit sie ein kleines Mädchen war.
Diese Einsicht sollte sich am 22. November schlagartig ändern, genauer gesagt am Donnerstag, den 22. November 1951 um 09:26 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt hätte sie normalerweise in der Schule sein sollen, und während sie in ihrem Bett lag und auf die rot-weiß gestreifte Tapete sah, wunderte sie sich, warum ihre Mutter sie nicht geweckt hatte. Es kam selten vor, dass Maleena etwas vergaß, sei es ein Geburtsdatum, der Name einer alten Kameradin oder eben die Zeit, da ihre Tochter in die Schule gehen sollte. Sehr selten. Der Zeiger der Wanduhr im Wohnzimmer war bereits auf 09:27 Uhr gerückt, was sie sehen konnte, da die Zimmertür offen war und sie somit einen recht guten Blick ins Wohnzimmer hatte. Eigentlich gefiel es ihr im Bett eh besser als auf der Schulbank, doch trotzdem sorgte sie sich zunehmend um ihre Mutter und das, was zwangsläufig geschehen sein musste. Um 09:48 Uhr krabbelte sie aus dem Bett, ging barfuß in die Küche und erschrak, denn um den Küchentisch saßen drei Männer in Latzhosen, die in gedämpftem Ton mit Maleena diskutierten. „Nur 40 für den Schrank? Sie wollen mich wohl auf den Arm nehmen“, keifte sie in dem Augenblick, da Liz die Küche betrat.
„Aber, verehrte Mrs. Tally, 40 Pfund für den Schrank sind wirklich mehr als genug“, sagte ein Mann mit Schnauzbart.
„Gemäß Ihrer momentanen Situation“, näselte ein anderer, „sollten Sie um jeden Penny froh sein.“ „Beachten Sie bitte auch“, sagte der dritte Mann, „dass wir Ihnen für die Abholung nichts berechnen. Der Schrank kommt kostenlos weg, und von dem Geld können Sie die nächste Miete bezahlen.“ Es war offensichtlich, dass keiner der drei ihre Mutter besonders ernst nahm – sie versuchten es nicht mal, redeten nur weiter darüber, wie großzügig sie seien, den Schrank sogar abzubauen. Liz hatte genug gehört, darum machte sie sich bemerkbar, indem sie sich laut räusperte. Sofort wurde sie von Maleena sowie den drei Männern angesehen. „Guten Morgen“, sagte sie steif. „Darf ich erfahren, warum der Schrank wegkommen soll?“ Die Arbeiter sahen Maleena an, wohl wissend, dass sie die Einzige war, die Liz es erzählen konnte.
„Pack einen Koffer mit den wichtigsten Sachen“, sagte Maleena.
„Den Rest erkläre ich dir später.“ Auch wenn ihr eine ganze Menge Fragen im Hals kitzelten, war Liz gut genug erzogen, dass sie wusste: Vor den Männern eine Szene zu machen, wäre unklug. Deswegen drehte sie sich weg und ging in ihr Zimmer, einen kleinen Raum, der nicht mehr als ein Bett, einen Stuhl und eine Kommode beinhaltete, die gleichzeitig als Schreibtisch diente. Unter dem Bett lag der braune Reisekoffer, den sie hervorzerrte, auf das Bett legte und aufschnappen ließ. Dann wandte sie sich um und öffnete die Kommode. Der recht bescheidene Inhalt würde problemlos in den Koffer passen: zwei Jeanshosen, ein grauer Rock, zwei Blusen und ein zitronengelbes Petit Coat, das ihre Großmutter ihr vor zwei Jahren zum 13. Geburtstag geschickt hatte.
Dazu kamen drei Paar Socken, die Maleenas Schwester Margaret gestrickt hatte. Mit Unterwäsche und Nachthemd war die Garderobe vollständig.
Schnell verschloss sie die Tür und zog sich eine Jeans sowie eine Bluse an, den Rest faltete sie und legte alles ordentlich in den Koffer, der zur Hälfte gefüllt war. Der freie Platz wurde von den zwei Büchern, die nichts mit Schule zu tun hatten (Die Drehung der Schraube von Henry James und Dracula von Bram Stoker) sowie der Lester-Young-Platte (sie besaß keinen Plattenspieler, aber sie liebte die Jazzmusik) belegt.
Vielleicht könnte sie in nicht allzu ferner Zukunft die Platte hören können. In einem eigenen kleinen Wohnzimmer. Vielleicht in Plymouth. So sehr sie Penzance liebte – ihr ganzes Leben wollte sie dort nicht verbringen. Dann war da noch ein Karton übrig. Bevor sie ihn in den Koffer legte, lächelte sie und klappte ihn auf. Zwei Päckchen Zigaretten, ein hellgrüner Plastikkamm und eine schwarze Haarschleife lagen darin. Es war die Schatzkiste ihrer Kindheit, und obwohl sie kein Kind mehr war, hatte sie die Kiste behalten. Maleena wusste nichts davon, was gut war. Das machte es zu ihrem Geheimnis, und davon hatte sie weiß Gott nicht viele. Jetzt, da Klamotten und Bücher nicht mehr zu sehen waren, wirkte der eh schon kahle Raum noch leerer. Das Bettzeug und der Schulrucksack waren noch da. Im Badezimmer nahm sie ihren Waschbeutel, steckte ihn in den Rucksack und ging ins Wohnzimmer, wo Maleena, bereits mit Mantel und Hut bekleidet, neben ihrem eigenen Koffer stand.
„Fertig?“, fragte sie. Auf Liz’ Nicken hin half sie ihrer Tochter in die Jacke und stapfte ohne ein weiteres Wort aus der Tür. Liz folgte mit ihrem viel zu leichten Koffer. „Warte“, rief sie, da sie mit dem strammen Tempo ihrer Mutter nicht mithalten konnte. „Wohin gehen wir?“ Maleena presste die Lippen zusammen und ging noch schneller, immer geradeaus, bis sie am Bahnhof ankamen. „Was machen wir hier?“, fragte Liz, obwohl sie es sich vorstellen konnte. Sie würden Penzance verlassen. „Zwei Tickets nach London, bitte“, sagte Maleena zu dem Mann am Ticketschalter. Liz zuckte zusammen.
London. Die Hauptstadt. Was wollten sie dort? Ihres Wissens nach lebte dort ihre Großmutter, Belisha Postels. Halt, nein, so hieß sie nicht mehr. Nachdem ihr Mann gestorben war, hatte sie ihren Mädchennamen wieder angenommen: Belisha Wilder. „Fahren wir zu Granny Wilder?“, fragte sie, wobei es ihr zu ihrem eigenen Erstaunen gelang, die Stimme ruhig zu halten, obwohl sie innerlich sehr aufgewühlt war. „Frag nicht so viel“, entgegnete Maleena unwirsch und führte sie zum Gleis.
Die Bahnhofsuhr zeigte 10:28 Uhr an, als der Zug einfuhr. In dem Abteil, in dem ihre Plätze lagen, waren bereits drei Plätze belegt. Maleena schob die beiden Koffer in das Gepäcknetz über ihnen und setzte sich. Sie saßen sich gegenüber, direkt neben der Tür.
Ein paar Minuten lang beobachtete Liz fasziniert, wie vor der Tür Menschen auf und ab gingen. Dann besann sie sich darauf, dass sie immer noch nicht wusste, warum sie hier waren.
„Mum?“, fragte sie zögerlich. Maleena, die sich gerade eine Zigarette angesteckt hatte, sah auf. „Was ist denn?“ „Was machen wir?“ Der weiche Gesichtsausdruck Maleenas wich einem ärgerlichen, fast traurigen. „Wir fahren für eine unbestimmte Zeit zu deiner Großmutter. Und jetzt keine Fragen mehr.“ Sie nickte und die Bahn begann sich zu bewegen.
Zwar saß sie zwei Plätze vom Fenster entfernt, doch trotzdem konnte sie die Umrisse der Stadt erkennen, die sich langsam entfernte. Es war ein eigenartiges Gefühl, die Stadt zu verlassen, sehr eigenartig. Fast sofort hatte sie Heimweh, was nicht mal durch die Vorfreude auf die Großstadt vertrieben werden konnte. Nach einer halben Stunde ließ das dumpfe Gefühl in ihrer Magengegend langsam nach, und sie begann, ihre Mitreisenden zu studieren.
Neben Maleena saß ein dicker Mann. Hut, Mantel und Backenbart hatten denselben gräulich-schwarzen Farbton, aus dem Mundwinkel hing ihm eine braune, polierte Pfeife. Das wabbelige Doppelkinn lag auf seiner Brust, die Hände hatte er friedlich vor dem Bauch verschränkt. Er schlief. Bei jedem Schnarcher wackelte die Pfeife ein wenig, und fast hätte Liz gekichert.
Neben ihm am Fenster saß eine genauso alte Dame, die angestrengt in ein Shakespeare-Buch sah und hin und wieder umblätterte. Dennoch glaubte Liz nicht, dass sie wirklich las.
Ihre Augen bewegten sich nicht, vielmehr starrte sie auf einen unbestimmten Punkt jenseits der Buchseite. War sie mit dem Schlafenden verheiratet? Liz schielte auf ihren Ringfinger und tatsächlich trugen beide die gleichen schmalen Ringe.
Wahrscheinlich waren sie aus Silber und Liz konnte sich gut vorstellen, wie die Frau damit vor anderen Leuten angab. Fast bildlich konnte sie sich vorstellen, wie die Frau einer anderen die Wurstfinger unter die Nase hielt. „Ja, ja. Ganz silbern. Er hat ihn mir zur Verlobung geschenkt, fast zwei Jahre musste er schuften, um ihn bezahlen zu können. Nein, anprobieren darfst du ihn nicht, ist ja ein Verlobungsring. Wo kämen wir denn hin, wenn alle die Ringe der anderen anzögen?“ Sie wurde durch Maleena in ihren Gedankengängen unterbrochen.
„Starr die Dame nicht so an, Kind“, zischte sie. „Das ist unhöflich.“ Also wandte sie ihren Blick von der Frau ab.
Der andere Fensterplatz war unbesetzt. Wahrscheinlich würde ihr Vater in Saint Austell zusteigen, dort verlegte er gerade ein Gleis. Die letzte Person saß neben ihr, eine Frau, etwa 25 Jahre alt. Sie trug modische Hosen und eine mintgrüne Bluse mit roten Kirschen, die sie knapp über dem Nabel zusammengeknotet hatte – etwas, das Liz sich nie getraut hätte. Die Frau sah aus dem Fenster, dann grinste sie und wandte sich Liz zu.
„Guten Tag. Fährst du das erste Mal aus der Stadt?“, fragte sie. Für einen Moment vergaß Liz ihre Erziehung und stammelte nur: „Öh …“ Die Frau lachte. „Du siehst aus, als wärst du noch nicht oft in einem Zug gesessen, deswegen frage ich.“ „Das ist das erste Mal“, sagte Liz, froh, dass sich der Knoten in ihrer Zunge gelöst hatte. „Wohin fahrt ihr denn? Falls das deine Mutter ist“, wollte die Frau wissen und nickte in Maleenas Richtung, die mit hochgezogenen Augenbrauen dem Gespräch folgte. „London. Und Sie?“, fragte Liz. Sie lächelte. „Eigentlich nach Birmingham, dafür muss ich in Reading aussteigen. London, das ist interessant. Warst du auf Besuch hier?“ Liz schüttelte den Kopf. „Nein, ich wohne hier.
Dad steigt wohl in Saint Austell zu, wir fahren zu Granny … zu meiner Großmutter. Was machen Sie in Birmingham?“ Maleena sah aus, als hätte sie in eine Zitrone gebissen, und Liz wollte fragen, was los war. Die Frau sprach weiter, darum richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf die Fremde. „Familien11 treffen, ähnlich wie du. Meine Schwester wird heiraten, und wir, ihre Freundinnen, die Brautjungfern und ich, müssen das Fest planen. Sieh mal, was ich ihr mitbringen werde.“ Sie kramte in der Tasche zu ihren Füßen und holte eine Schachtel hervor, die sie offenbar aus Zeitungspapier gebastelt hatte.
Diese Schachtel öffnete sie und zum Vorschein kam ein winziges Violoncello. „Ist es nicht hübsch? Das können sie sich in der Wohnung aufstellen.“ Erst bei genauerem Betrachten entdeckte Liz, dass das Instrument selbst gemacht war. „Meine Schwester spielt das Violoncello ganz reizend. Ich mag das Klavier mehr“, erzählte die Frau. „Haben Sie das selbst gemacht?“, fragte Liz staunend.
Ihre Gesprächspartnerin nickte. Bis sie in Reading ankamen hatten sie sich angefreundet. Die Frau, die sich als Cherilyn Walters vorstellte, hatte ihr in Saint Austell einen fragenden Blick zugeworfen, als Jim Tally nicht zugestiegen war, hatte aber nichts gesagt, wofür Liz ihr sehr dankbar war. Sie konnte Mitleid nicht ausstehen – es war wie eine Bestätigung dafür, dass man sich gerade in einer blöden Situation befand.
Nachdem Miss Walters weg war, wurde es still im Abteil, außer gelegentlichen Schnarchern war nichts zu hören. Die Stille brachte Liz zum Nachdenken, und sie fragte sich, warum ihr Vater noch nicht da war. Sie traute sich nicht, Maleena zu fragen, die mittlerweile schon die achte Zigarette rauchte – sie sah aus, als wäre sie in ihren Gedanken versunken.
Also ließ sie sich zurück in den Stuhl sinken und spielte mit einer Strähne ihrer blonden Haare, die sie etwas länger als schulterlang trug. Meistens hatte sie zwei hohe Zöpfe, doch heute hatte sie sie aus Zeitmangel auf Schulterhöhe mit zwei schwarzen Schleifen locker zusammengebunden. Zwillings12 zöpfe hieß es, wenn Miss Walters sich nicht vertan hatte. Sie hatte Liz’ Frisur gelobt.
Mittlerweile hatten sie Watford Slough passiert und die Landschaft zog an ihnen vorbei. Sie kamen London näher, doch die anfängliche Freude war vergangen. Liz war schlecht. Der Zug ruckelte, Maleenas Rauch verpestete die Luft, und sie kannte ihre Großmutter nicht einmal. Sie schloss die Augen und versuchte, auf den letzten Meilen einzuschlafen, was ihr nicht gelang. „London, Endhaltestelle. Dieser Zug fährt weiter nach Edinburgh.“ Am liebsten wäre sie sitzen geblieben.
Maleena drückte die Zigarette an der Armlehne aus und stand auf. „Komm“, forderte sie Liz auf, während sie die Koffer aus dem Gepäcknetz nahm. Liz stand ebenfalls auf und schulterte den Rucksack. Das ältere Ehepaar verließ das Abteil noch vor ihnen. Maleena gab Liz den kleineren Koffer, dann kletterten sie aus dem Zug.
Die Kälte Londons schlug ihnen ins Gesicht und Liz begann zu zittern, obwohl sie eine Jacke trug. Es regnete. „Zum St.
James’s Park“, sagte Maleena mehr zu sich selbst, straffte die Schultern und stiefelte los. Wieder musste Liz sich beeilen, Schritt mit ihr zu halten, wobei sie schnell aus der Puste kam.
Als sie etwa eine halbe Stunde durch den Regen gegangen waren, blieb Maleena stehen. Sie standen vor einem roten Backsteinhaus, aus dessen Dach eine verbogene Antenne ragte: Canon Row 32. „Wir sind da.“ Maleenas Stimme klang belegt. Sie atmete tief ein, dann klingelte sie. Im Haus waren Schritte zu hören, die der Tür näherkamen, und es wurde geöffnet. Belisha Wilder hatte ihre Enkeltochter erst dreimal gesehen, woran Liz sich nur schemenhaft erinnern konnte, da sie ein Kleinkind gewesen war. Sie kannte ihre Großmutter größtenteils aus Erzählungen und dem Satz: „Granny Wilder würde das nie dulden.“ Und ganz so sah sie auch aus: Die Lippen waren zu einem Strich zusammengekniffen und trotz ihres Alters rosa angemalt. Die grünen Augen wurden zunehmend trüber. Die einst braunen langen Haare waren jetzt grau, ockten sich über den Ohren und waren teilweise von einem schwarzen, mit floralen Mustern verzierten, Topfhut bedeckt – offenbar trug sie ihn sogar im Haus. Außerdem hatte sie ein schwarzes Hauskleid und braun karierte Filzschuhe an.
„Maleena“, schnarrte sie. Ihre Stimme passte zu ihrem Auftreten: herrisch, aber gebrechlich. „Guten Tag, Mutter“, sagte Maleena und senkte den Kopf. „Und du bist …?“, fragte Granny Wilder in Richtung Liz. „Ich bin Liz, äh, Elizabeth“, korrigierte sie sich nach einem warnenden Blick ihrer Mutter.
Granny Wilder trat zurück und bedeutete ihnen, das Haus zu betreten.


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