Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern



Kategorien
> Belletristik > Bad Boy senior
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Belletristik
Buch Leseprobe Bad Boy senior , Viola Lyskander
Viola Lyskander

Bad Boy senior



Bewertung:
(4)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
204
Dieses Buch jetzt kaufen bei:
Drucken Empfehlen


Love out of nothing at all


 


„Ich habe Ihre Lesung vorhin mitbekommen, Frau Schieferstein! Ich mag Ihren Stil! Vom Schreiben als auch vom Lesen her!“


Claudia erstarrte.


Sie kannte die Stimme.


Sie hatte allerdings nicht damit gerechnet, sie einmal in Natura zu hören zu bekommen, am Allerwenigsten in diesem halbdunklen, kahlen Hallenausgang hier in Frankfurt, auf der Buchmesse.


Langsam, mit rasendem Herzklopfen, wandte sie sich um.


Und geriet augenblicklich in einen Realitätskrise.


Mit dieser Stimme hatte sie bisher immer das Bild eines jungen Mannes verbunden, muskulös, tätowiert, rebellisch, unbeugsam, auf der Bühne als auch privat.


Der Mann, der die Treppe hinter ihr hinunter kam, war über Fünfzig.


Das wusste sie.


Allerdings sah man ihm das auch deutlich an.


Er wirkte wie eine Mischung aus Axl Rose und Gunther Gabriel.


Falten kringelten sich um seine Augen und unübersehbar graue Stoppeln sprossen zwischen seinen rötlichen Barthärchen über seinen Wangen, seinem Kinn.


Auch hatte er nicht mehr die drahtige Figur eines jugendlichen Rebellen, ganz im Gegenteil.


Claudia konnte ihn für Sekunden bloß anstarren während in ihrem Hinterkopf der Gedanke rotierte, dass sie sich zusammenreißen sollte!


Sie spürte genau, dass das der Moment war, in dem sie sich wieder in ihn verliebte, diesmal in diesen übergewichtigen, etwas verlebt aussehenden Mann.


Ganz einfach so.


Es traf sie wie ein Schlag.


Von einer Sekunde zur nächsten.


„Vielen Dank, Herr Müller! Das ist sehr nett von Ihnen!“ brachte sie schließlich heraus.


Natürlich war es Michael Müller, der jetzt auf sie zukam.


Der großartige Michael Müller.


Deutschland schien für seine Künstler nicht ohne Adjektive auszukommen.


Seine markante tiefe Stimme konnte sie gar nicht verwechseln.


Sie klang noch viel männlicher hier zwischen den hohen Wänden des Messeausganges.


Claudia mochte Männer mit tiefen dunklen Stimmen.


Müller war Musiker.


Ein deutscher Rockmusiker der ersten Stunde.


Es war Jahrzehnte her, dass er mit seiner Band die Rolling Stones vom ersten Platz der deutschen Charts vertrieben hatte.


Elmo and the Stampede.


Sie hatten in Deutschland für ein paar Jahre eine fulminante Musikkarriere hingelegt, sozusagen den Weg geebnet für alle weiteren Künstler im Bereich Rock.


Und er war einer der Umstrittensten.


Ein ′Chaot ′ wie er gerne beschrieben wurde.


Früher zumindest.


In den letzten Jahren schien er ein bisschen ruhiger geworden zu sein, was an seiner kleinen Familie liegen mochte oder an seinem nicht mehr jugendlichen Alter.


Oder an Beidem!


Jetzt blieb er vor ihr stehen.


Claudia wusste, dass er durchschnittlich groß war.


Er war noch immer breitschultrig und strahlte eine verhaltene Kraft aus.


Es gab nur drei Stimmen, die Claudia aufhorchen hießen.


Die von Bela B. von den Ärzten.


Die von Campino von den Toten Hosen.


Und die von Michael Müller.


Er wirkte etwas derangiert.


Sein schwarzer Anzug war tadellos, doch weil er eine dicke schwarze Jacke darüber trug war die Anzugjacke verrutscht.


Auch sein schwarzes Hemd darunter war schief, hing mit dem linken Hemdzipfel aus seiner Hose.


Um den Kragen der dicken Jacke lag ein schrecklich karierter brauner Schal, auf der rechten Seite länger als auf der Linken.


Es wirkte, als stecke im Körper dieses Mannes ein kleiner Junge, der sich noch immer nicht alleine anziehen konnte!


„Michael Müller!“ stellte er sich artig vor.


Claudia ergriff seine Hand.


Sie war groß, kräftig, warm, eine richtige Männerhand.


Und dennoch war sein Händedruck unerwartet sanft.


„Claudia Schieferstein.“ stellte sie sich vor.


„Freut mich!“ fügte sie rasch hinzu.


„Ganz meinerseits.“ gab Müller zurück.


Ein kleines Lächeln verzog seine vollen Lippen.


„Ich habe Sie vorhin lesen gehört! Mir gefällt die Ruhe, mit der Sie das gemacht haben! Ihre Sprachmelodie!“


„Danke.“ erwiderte Claudia verlegen.


Sie spürte, wie ihre Wangen zu brennen begannen.


„Ich wusste gar nicht, dass Sie hier sind! Hatten Sie auch … eine Lesung?“


Das Wort kam ihr nur schwer über die Lippen.


Sie war keine Profi-Schriftstellerin.


Sie machte das so zum Spaß, in der Hoffnung, vielleicht doch irgendwann davon leben zu können.


Der heutige Termin hier am Verlagsstand war ein glücklicher Zufall gewesen!


„Nein. Ich musste nur am Stand vorbei schauen, den Termin hatte der Verlag vorgegeben. Ich habe morgen Abend eine Lesung. Im Goethe-Saal!“


„Was haben Sie geschrieben?“ erkundigte sich Claudia verlegen.


Diese ′Fachsimpelei ′ war ihr ungewohnt.


Sie war noch nicht so weit.


Hätte sie über die Arbeit ihres ′Kollegen′ im Bild sein müssen?



Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2022 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 1 secs