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Belletristik
Buch Leseprobe Backlash, Nina Casement
Nina Casement

Backlash


Erzählung eines somalischen Piraten

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Der Wind pfiff Hanad eisig ins Gesicht, kleine Gischttropfen auf seine Wangen sprühend. Heute Mittag war es brütend heiß gewesen, doch nun zog er fröstelnd die dünne Jacke enger um seine Schultern. Niemand auf dem Schnellboot sprach – es wäre auch kaum möglich gewesen einander zu verstehen, beim Röhren des Außenbordmotors und dem regelmäßigen Klatschen, wenn der Bug hart auf der Wasseroberfläche auftraf.


Neben dem ohrenbetäubenden Lärm war es zudem stockfinster. Ibrahim, der Boss, gleichzeitig auch ihr Steuermann, hatte aus gutem Grund eine Neumondnacht für ihr Unterfangen gewählt. Hanad hoffte bloß, dass der Mann wusste, was er tat und sie nicht in diesem Tempo mit einem der anderen beiden Boote kollidierten. Dann würde er hier draußen sterben, bevor es überhaupt begonnen hatte und niemand würde seinem Vater sagen können, wohin er verschwunden war. Denn hätte der gewusst, was er vorhatte, er hätte ihn niemals gehen lassen – bloß eine Tracht Prügel hätte Hanad bezogen, ungeachtet seines Alters, das wusste er genau.


Hanad schloss die Augen und versuchte sich abzulenken, doch seine Gedanken landeten erneut unweigerlich bei seinem Vater. Er war ein strenger Mann, mit sich selbst, mit Anderen und auch mit seinem jüngsten Sohn. Der hatte sich früher oft ungerecht behandelt gefühlt und es hatte häufig Streit gegeben, weil er weniger gedurft hatte als all die anderen Jungen, stattdessen unter der unbeugsamen Härte des Mannes zu leiden gehabt hatte. Erst später war dieser milder und das Verhältnis besser geworden, auch weil Hanad nun mehr Verständnis für seine Sorgen hatte. Nicht zuletzt, weil er mittlerweile einige davon teilte.


Ihre Väter, Onkel oder Brüder hatten den anderen Jungen Schießen beigebracht, wenn sie eine Waffe besaßen – seiner dagegen hatte ihn geohrfeigt, als er einmal eine verrostete Pistole daheim angeschleppt hatte. Farah, sein ältester Freund, hatte ihn dann später mit in die Berge genommen, um dort mit der AK seines Cousins auf Dosen zu schießen. Hanad hätte es später nie offen zugegeben, aber eigentlich war das Gefühl überhaupt nicht cool gewesen, eher unheimlich.


Auch als die riesigen Fässer am Strand angespült worden waren und das halbe Dorf losgezogen war, um sie zu begutachten, hatte sein Vater ihm verboten mitzugehen. Die Fässer seien von den Weißen und den Männern aus China, sie stopften ihre Gifte und Krankheiten hinein, um sie im Meer zu versenken und so loszuwerden, erklärte er ihm. Deswegen hätten sie dort keine Krankheiten. Hanad war schon alt genug gewesen, um am Wahrheitsgehalt dieser Aussage zu zweifeln, doch er hatte trotzdem gehorcht und die riesigen, korrodierten Büchsen nur aus der Ferne betrachtet. Wie überdimensionale Eier lagen sie harmlos im Sand, kaum vorstellbar, dass sie irgendetwas Schreckliches beinhalteten. Doch zwei Tage darauf waren die ersten Menschen im Nachbardorf krank geworden, entstellt von heftigem Ausschlag, geschüttelt von Fieber und Brechdurchfall und nicht wenige kurz darauf tot. Da war er sich dann doch nicht mehr so sicher, ob sein Vater nicht Recht gehabt hatte.


Am Horizont hob sich eine vage Silhouette ab, die noch schwärzer zu sein schien als der Rest. Nur ein Schemen im Licht der wenigen Sterne, der größer und größer wurde, je näher sie kamen. Ibrahim drosselte das Tempo, der Motor erstarb, nun glitten sie nur noch lautlos auf den Giganten zu. Bald ragte er übermächtig vor ihnen auf, den Himmel fast vollständig verschluckend. Als hätte sich einer der Berge hinter dem Dorf eine neue Heimat gesucht und an diesem Platz niedergelassen, um ihnen nun die blanke, undurchdringliche Felswand darzubieten. Hanad hatte noch niemals ein so gewaltiges Schiff aus der Nähe gesehen und ihm rutschte das Herz in die Hose – worauf hatte er sich da nur eingelassen? Aber jetzt gab es kein Zurück mehr.


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