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> Belletristik > Angie - Zwischen Gegenwart und Verg
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Belletristik
Buch Leseprobe Angie - Zwischen Gegenwart und Verg, Angela Zimmermann
Angela Zimmermann

Angie - Zwischen Gegenwart und Verg


Teil 2

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Ich stehe auf meiner Terrasse, die Arme eng um meinem Körper geschlungen, weil es merklich kälter geworden ist, und ich bin wieder einmal in meinen Gedanken gefangen.


Es ist Ende November und die Bäume haben endgültig ihr Laub verloren. Die Bäume stehen kahl und ungeschützt dem Wind gegenüber. Vor ein paar Tagen habe ich die ganze Wiese geharkt und das bunte Laub liegt jetzt auf einem großen Haufen. Ich will ihn liegen lassen, damit sich vielleicht Igel ein Lager für den Winter bauen.


Gerade als ich wieder ins Haus gehen will, weil mich die Kälte eingenommen hat, sehe ich Ranja mit einem breiten Grinsen auf den Lippen, an mir vorbei schweben. Sofort weiß ich, dass sie etwas im Schilde führt und so ist es auch. Mit einem Mal scheint der Laubhaufen zu explodieren. Hunderte bunte Blätter wirbeln durch die Luft. Ich muss schmunzeln, weil ich das als Kind genauso gemacht habe und es der größte Spaß war.


Plötzlich sehe ich meine Nachbarin im Augenwinkel, wie sie über die Hecke lunscht. Mein Lächeln erstarrt und in ihrem Gesicht, was jegliche Farbe verloren hat, sehe ich, wie erschrocken sie ist. Ranja wirft alles um sich und das was meine Nachbarin sieht, sind nur die fliegenden Blätter, ohne eine Spur von Wind. Nicht einmal ein kleines Lüftchen weht. Ranja kichert vergnügt, als sie sieht, wie entsetzt die Nachbarin zurück in ihr Haus läuft. Sie macht es ständig und lässt sich den Spaß nicht nehmen, Leute zu erschrecken.


Ich bin mir sicher, dass die Nachbarin weiß, was bei uns vor sich geht, aber sie hat mir bis heute keine Chance gegeben, mit ihr darüber zu reden.


Ich sehe Ranja noch eine Weile zu, denn ich bin froh, dass sie sich überhaupt so ausgelassen zeigt. Die letzten drei Monate hat sie sich nur noch in Schweigen gehüllt. Bis heute habe ich nicht erfahren, warum sie nicht mit Tabea ins Licht gegangen ist. Ich kenne weder ihr Problem, was sie hier noch festhält, noch vor wem sie mich beschützen will. Ich höre immer wieder ihre Worte in meinem Kopf, aber ich komme einfach nicht an sie heran.


Mir wird es jetzt zu kalt und ich gehe in die Küche, wo ich mir einen heißen Kakao mache. Mit dem setze ich mich ans Fenster und beobachte, wie die Wolken am Himmel immer dunkler werden und die ersten Tropfen an meine Fensterscheiben trommeln.


Ranja ist es wahrscheinlich auch zu ungemütlich geworden, denn sie hat sich wieder auf den Dachboden verkrochen. Ich höre leise Geräusche von oben und kann über sie nur den Kopf schütteln. Dort ist sie in letzter Zeit ständig. Warum sie nicht in ihrem Kinderzimmer ist, kann ich nicht sagen, aber ich vermute, dass sie dort zu sehr an Tabea erinnert wird und sie dadurch noch mehr vermisst.


Deshalb bin ich wieder allein und sofort halten mich meine Gedanken wieder gefangen. Ich denke an die vergangene Zeit zurück.


 


Drei Monate ist es her, dass Tabea mit ihrer Mutter ins Licht gegangen ist. Es war gleichzeitig so wunderschön, die Ruhe und den Frieden zu spüren, welche das Licht ausgestrahlt hat, aber auch erdrückend von dem Schmerz den Ranja durchlitten hat. Es war ihre Entscheidung und ich konnte und wollte nicht eingreifen. Sie hat ihre Gründe und sie wird sie mir irgendwann sagen. Ich hoffe es zumindest, denn die Trennung macht sie merklich verletzlicher.


Sandra ist wieder nach Australien. Sie konnte es nicht ertragen, durch Ranja ständig an die Zeit als Kindermädchen und dem Tod der Zwillinge erinnert zu werden. Sie spürte sie ständig um sich und konnte nicht damit umgehen. Also ging sie nach ihrer Aussage bei der Polizei zurück, dort hin, wo sie sich mittlerweile heimisch und sicher fühlt. Ebenso hat sie sich einen Freundeskreis aufgebaut, der ihr zu jeder Zeit zur Seite steht.


In meinem Geschäft hat sich nicht viel geändert. Eigentlich gar nichts. Ramona, die für mich eine sehr gute Freundin geworden ist, ist so beschäftigt, dass man sie eigentlich nur früh beim Kommen und abends beim Gehen für einen Moment sieht. Unsere Gespräche sind ziemlich kurz und man redet nur noch über den Laden. Es ist eigentlich schade, denn ich mag sie immer mehr und die magische Verbindung zwischen uns wird immer stärker. Ich sollte daran wirklich etwas ändern. Vielleicht lade ich sie am Wochenende einmal zu mir nach Hause ein. Das habe ich schon lange nicht mehr gemacht und so ein gemütlicher Kaffeeklatsch, bei dem nicht gerade schönen Novemberwetter, muss wieder einmal sein.


Allein bin ich ja nicht. Ranja, na ja, die ist eigentlich nicht da, aber seit einem Monat wohnt Elena, mit der ich unseren kleinen Laden aufgebaut habe, bei mir. Sie hat Sandras Zimmer bezogen, womit Ranja natürlich einverstanden war und ansonsten haben wir jetzt eine ganz normale WG. Sie war richtig froh, aus ihrer alten Wohnung ausziehen zu können, denn mit den Leuten hat sie sich nicht gut verstanden. Sie haben immer darauf herumgehackt, weil sie in dem mysteriösen Geschäft arbeitet. Ebenso konnten sie nicht damit umgehen, dass Elena Karten legt und vielleicht auch mal jemanden die Zukunft voraussagt. Ich sage nur, dass Hexe die angenehmste Bezeichnung für sie war. Elena ist seitdem richtig aufgeblüht und genießt ihre neue Freiheit, die ich ihr hier im Haus gerne gebe, in vollen Zügen.


Mit der Zeit hat sie sich auch daran gewöhnt, dass in unserem Laden jede Menge Geister und Seelen zu finden sind. Einzige Bedingung von ihr war, dass sie nie allein mit ihnen im Geschäft ist. Das gilt natürlich auch für mein Haus. Da hält Ranja die Geister, die nach mir suchen, auf Abstand zu Elena. Ihr Zimmer ist absolutes Tabu für Geister. Das ließ sich auch bis jetzt alles gut organisieren. Ich will sie auf keinen Fall verlieren. Ich denke auch nicht daran, wie ich das machen soll, wenn Ranja nicht mehr da ist. Noch ist sie da.


Sie ist dagegen ein ganz besonderes Thema. Sie ist, nachdem wir Sandra zum Flughafen gebracht haben, noch verschlossener geworden. Ich kann mir bis heute nicht im geringsten vorstellen, wie sie sich fühlt. Sie hat ihre Zwillingsschwester gehen lassen. Wie weh muss das wohl tun? Man sollte Zwillinge nie trennen, auch nicht im Tod.


Seitdem hüllt sie sich, wie schon erwähnt, in Schweigen. Sie geht mir aus dem Weg und so habe ich kaum Gelegenheit, mit ihr zu reden. Ich habe schon mehrmals versucht, wenigstens etwas zu erfahren, aber man bekommt kein Wort aus ihr heraus. Ich kann nicht sagen, ob ich oder sie mehr Angst hat, vor dem was sie mir nicht sagen will. Oder kann sie es nicht? Aber wer oder was könnte sie davon abhalten? Wer könnte mir zur Gefahr werden?


Ranja ist neuerdings immer öfter mit im Laden und bringt mir Geister, die ich hinüber begleiten soll. Einige davon habe ich schon dazu gebracht, aber ich sehe darin nur den Versuch von ihr, von sich selbst abzulenken.


Das gelingt ihr in gewisser Weise auch. Ich verbringe die meiste Zeit damit, mich um die Geister zu kümmern, als auf sie einzugehen. Momentan kann ich aber daran nichts ändern, denn wenn ich sie zwingen würde, was ja sowieso nicht geht, weil sie einfach verschwinden kann, könnte ich sie vielleicht schneller verlieren als mir lieb ist. Und wer beschützt mich dann, vor was oder wem auch immer?


Mein Verhältnis zu Grace, meiner Großmutter, ist auch wieder so, wie vor unserer Auseinandersetzung. Der Besuch bei ihr steckte mir noch lange in den Knochen. Zu erfahren, dass Grace, Ramona und sogar Gina, meine Urgroßmutter, mir nichts über Marc, wie ich dachte meine große Liebe, und seinen Machenschaften erzählt haben, sondern einfach abgewartet haben, was sich bei mir entwickelt, hat mich erschüttert. Dazu wusste ich nie, dass Grace ein Medium ist. Warum hat sie mir das verschwiegen? Es hatte doch sowieso keine Auswirkungen auf das, was für mich vorbestimmt war. Ich kann nur froh sein, das Buch von Gina zu besitzen, denn Grace kann mir nicht helfen, das alles zu verstehen und zu meistern. Letztendlich haben wir noch einmal in Ruhe über alles geredet und ich zweifel ihre Entscheidung, mir nichts gesagt zu haben, nicht mehr an. Erfahrungen am eigenen Leib, sind eben die besten. Daraus lernt man am meisten.


Eigentlich sollte ich der Erbfolge nach ein Medium sein, aber jetzt kann ich Geister sehen. Soll ich darüber glücklich sein? Wäre ich besser daran, wenn ich ein Medium, wie Grace und Ramona wäre? Diese Fragen habe ich längst für mich selbst beantwortet. Ein Medium zu sein ist genauso anstrengend, ich kann es an Ramona sehen. Sie hat manchmal sogar mehr zu tun als ich. So habe ich mich meinem Schicksal ergeben und versuche seitdem, mein Leben mit der Gabe zu bewältigen. Hilfe kann ich nur wenig erwarten, wer versteht schon mein Leben und diese Gabe.


 


Ich schwelge in meinen Gedanken und inzwischen ist die Tasse Kakao leer. Ich räume die schmutzige Tasse in den Geschirrspüler und schaue noch einmal in den fast leeren Kühlschrank. Schnell sind einige Sachen auf einen Zettel geschrieben. Ich nehme meinen großen Einkaufskorb und mache mich auf den Weg. Nach dem Einkauf fahre noch in den Laden. Elena ist heute nicht da und ich will Ramona nicht den ganzen Tag allein lassen. So wie ich das Geschäft betrete, ist Ramona auch schon mit einem Lächeln in ihrem Zimmer verschwunden. Mehr bekomme ich wirklich in letzter Zeit nicht von ihr zu sehen. Ich schaue mich um und bemerke, dass sie schon wieder die neue Ware ordentlich eingeräumt hat. So bleibt für mich nicht viel übrig und ich mache mir einen heißen Tee zum aufwärmen, denn die feuchte Novemberkälte hat mich schon wieder eingenommen.


Ich gehe mit der Tasse nach vorn und öffne die kleine Kiste, die auf dem Tresen steht. Diese hat Ramona für mich übrig gelassen, ansonsten hätte ich ja gar nichts mehr zu tun. Zum Vorschein kommen silberne Ketten und Armbänder mit kleinen Anhängern und Ringe. Alles ist mit den zwölf Sternzeichen in verschiedenen Formen graviert. Das habe ich im Internet bestellt und sie waren auch nicht zu teuer. Ganz unten im Paket finde ich den Ständer, der dazu gehört. Schnell baue ich ihn zusammen und bestücke ihn mit dem neuen Schmuck. Es ist eindeutig ein Hingucker und ich stelle ihn neben der Kasse auf. Dort fällt der Blick der Kunden automatisch darauf, wenn sie bezahlen. Vielleicht geht so auch ab und zu ein Stück davon auf Reisen.


Zu dem schönen Gefühl, wieder eine gute Entscheidung für meinen Laden getroffen zu haben, mischt sich plötzlich ein Unangenehmes hinzu. Ich kann es nicht richtig deuten und suche den Laden nach Geistern ab. Aber ich finde keinen und so schwenken meine Gedanken, ohne dass ich es beeinflussen kann, zu Elena.


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