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Belletristik
Buch Leseprobe Angie - die Prüfung, Angela Zimmermann
Angela Zimmermann

Angie - die Prüfung


Teil 1

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Ich strecke mich und jeder Knochen und jede Sehne an meinem Körper tut weh. Seit vier Wochen schlafe ich nun schon auf dem provisorischen Bett, was wirklich nur eine einfache Liege ist. Sie steht im Hinterzimmer meines kleinen Geschäftes. Das habe ich vor zwei Monaten eröffnet und nach ein paar Wochen war mir der morgendliche Weg, quer durch ganz Dresden, zu viel. Der Verkehr ist stets nervenaufreibend gewesen und ich hatte einfach keine Lust mehr, ständig im Stau zu stehen.


Ich bin bei Grace, eigentlich meine Großmutter, die ich aber schon immer so genannt habe, am anderen Ende der Stadt aufgewachsen. Nun habe ich mich jedoch dazu entschlossen, meinen eigenen Weg zu gehen.


Mit meiner besten und einzigen Freundin Elena habe ich mir den Traum vom eigenen Laden erfüllt.


Ich sehe mich als Lebensberaterin und so gibt es bei uns alles zu kaufen, was mit Himmel und Hölle zu tun hat. Von Gott, Engeln bis Teufel, von Dämonen bis Elfen. Wir haben Bücher, CD´s und sämtliches Kleinzeug von Amuletten bis hin zu Ratgebern für alle Lebenslagen.


Zudem halten wir Sitzungen ab, in denen wir mit unseren Kunden mittels Tarotkarten in die Zukunft sehen. Ach, und ein Pendel habe ich auch, aber das kommt eher selten zum Einsatz.


Am Anfang war es sehr schwer, mit diesem Angebot Fuß zu fassen, denn es gibt wenige Menschen, die an solche Sachen glauben. Laut Volksglaube gibt es paranormale Dinge und Ereignisse eigentlich nicht, oder man kann sie nur schwer erklären. Aber langsam haben wir uns einen Kundenstamm aufgebaut. Die Leute kommen nicht mehr nur neugierig schauen und verlassen dann doch kopfschüttelnd, ohne etwas zu kaufen, unseren Laden, sondern zeigen immer mehr Interesse.


Das mit den Tarotkarten ist so ein Familiending. Schon meine Urgroßmutter Gina hat es gemacht und auch Grace. Von ihr habe ich es gelernt. Stundenlang habe ich ihr als Kind heimlich zugeschaut, wenn sie ihre Kunden beraten hatte. Als ich vierzehn Jahre alt war, hat Grace begonnen, es mir beizubringen. Sie sagte immer, dass wir alle diese Gabe besitzen und wir vielen Menschen damit helfen können und sollten.


Elena hat es von mir gelernt und ihr Talent war erstaunlich. Das Kombinieren der Informationen der Karten lag ihr ebenso im Blut wie mir. Ich musste nie lange überlegen, was sie zu sagen haben. Elena brauchte etwas länger, um alles zu verstehen, aber jetzt ist sie fast genauso perfekt darin wie ich.


Unser Interesse weitete sich noch aus und wir sammelten alles, was mit Übersinnlichem und Paranormalem zu tun hat. Irgendwann wurde es so viel, dass wir uns entschieden, damit einen beruflichen Weg einzuschlagen. So kamen wir letztendlich zu unserem Laden. Es ist ein kleines Geschäft mit zwei Hinterzimmern. In Absprache mit unserem Vermieter haben wir alles so umfunktioniert, damit es unseren Vorstellungen gerecht wurde. Das eine Hinterzimmer ist der Beratungsraum, wo wir Sitzungen mit den Kunden abhalten und das andere mein kleines Wohndomizil. Dahinter haben wir noch ein winziges Bad, mit einer Dusche in der man sich zwar kaum drehen kann, aber für unsere Ansprüche reicht es aus. Meistens sind es sowieso nur meine.


Ich habe mich aus meinem primitiven Bett heraus gequält, war eben unter der sogenannten Dusche und meine Muskeln haben sich auch etwas entspannt. Ich mache mir einen Kaffee und schwelge weiter in meinen Gedanken. Während ich darauf warte, dass die Maschine fertig wird, fällt mein Blick auf die wenigen Fotos, die ich hier neben meinem Bett stehen habe. Es sind ziemlich alte Fotos. Auf dem Ersten ist meine Urgroßmutter Gina mit Grace und meiner Mutter als Baby auf dem Arm. Das zweite zeigt Grace mit meiner Mutter, die mich als Baby auf den Arm hält. Irgendwie komisch. So viele Jahre liegen zwischen den Bildern, aber sie gleichen sich so, dass man sie verwechseln könnte, wenn man es nicht wüsste, wer da zu sehen ist.


Mein Blick schweift zu meinem Spiegel und ich sehe wieder, warum es so ist. Jedes Mal bin ich über die Ähnlichkeit, die uns alle vier verbindet, erstaunt.


Wir alle sehen gleich aus. Ein zartes Gesicht, eingerahmt von rot leuchtenden langen Haaren, die sich in großen Locken um den Kopf schmeicheln. Und dann die grünen Augen, die sich wie Smaragde im Licht spiegeln. Ach ja, die Sommersprossen darf ich nicht vergessen, die ich als Kind verflucht habe und die sich nicht nur auf meiner Nase tummeln. Mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt und sie gehören einfach zu mir, wie die Gabe, die unsere Familie viele Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte schon begleitet.


Manche Menschen sagen, dass wir wie Hexen aus dem Mittelalter aussehen und an dem was wir tun, oder meine Ahnen getan haben, ist wahrscheinlich sogar etwas Wahrheit daran. Es ist nur gut, dass wir heute leben und die Menschen mit diesem Thema anders umgehen als vor dreihundert Jahren.


Da gibt es nur eins, was mir bei dem Blick auf das Foto mit meiner Mutter, mich immer wieder sprachlos macht. Ich kenne sie nicht. Ich habe nur dieses eine Bild und da bin ich gerade einmal drei Monate alt. Sie ist einfach verschwunden und deshalb bin ich auch bei Grace aufgewachsen. Grace hat kaum von ihr gesprochen, nur, dass sie unser Familienband durchtrennt hat. Ich habe dies nie verstanden, aber das sollte sich bald ändern.


In diesem Moment fällt mir der Traum von letzter Nacht wieder ein, den ich gar nicht richtig wahrgenommen habe. Aber plötzlich schlägt er wie Blitz ein. Ich schließe die Augen und er läuft noch einmal wie ein Film vor meinem inneren Auge ab.


Urgroßmutter Gina steht vor mir. Wunderschön mit ihren roten Haaren und sie sieht mich mit den grünen Augen ernst an, so wie ich es noch nie gesehen habe.


Es ist die Zeit gekommen deine Aufgaben in die Hand zu nehmen. Lebe nach unserem Familienvermächtnis. Sieh dich um, deine erste Prüfung ist in dem kleinen Haus, was dir sofort ans Herz wachsen wird.“


Ihre Worte schallen in meinem Kopf nach und ich öffne meine Augen, um den Traum loszuwerden. Was hat sie damit gemeint? Welche Aufgaben habe ich zu erfüllen? Was für eine Prüfung? Und von welchem Haus hat sie da gesprochen?


Ja, ich bin auf Wohnungssuche, aber ein Haus? Das könnte ich mir doch niemals leisten.


Gequält von Ginas Worten gieße ich mir den Kaffee ein und setze mich etwas benommen an den kleinen Tisch. Nach dem zweiten Schluck höre ich, wie die Ladentür aufgeschlossen wird.


„Hallo Angie, bist du schon munter?“, ruft Elena und ich bin glücklich, dass sie da ist.


Nicht nur weil sie mir ein frisches Milchbrötchen vom Bäcker mitbringt, nein, sie ist morgens immer so aufgedreht, dass sie mich in Handumdrehen auf andere Gedanken bringt. Und das ist heute genau richtig.


„Ich trinke gerade einen Kaffee. Möchtest du auch einen?“, rufe ich nach vorn und stehe gleichzeitig auf, um ihre Tasse aus dem Schrank zu holen.


„Ja klar, sonst komme ich doch nicht auf Touren“, antwortet sie und ich muss lachen, denn um auf Touren zu kommen, braucht sie garantiert keinen Kaffee.


„Du siehst heute aber mitgenommen aus. Ein anständiges Bett würde dir guttun“, sagt sie und steht mit einer Tüte Brötchen vor mir.


„Na, vielen Dank auch“, kontere ich, kann ihr aber nicht sagen, oder ich will es nicht preisgeben, warum ich nicht gut geschlafen habe. Am Bett hat es diesmal zumindest nicht allein gelegen.


Ich reiche ihr den Kaffee und wir setzen uns gemeinsam an den Tisch. Mit einem Brötchen in der Hand sieht mich Elena immer wieder aufmerksam an.


Sieht man mir etwa an, dass ich etwas Merkwürdiges geträumt habe? Oder wartet sie auf eine Erklärung von mir?


„Was ist? Habe ich etwas im Gesicht?“, frage ich gerade heraus und greife an meine Nase, damit sie meine Aufgeregtheit nicht erkennt.


„Nein, aber du solltest wirklich einmal darüber nachdenken, ob das hier ein richtiges Zuhause ist“, antwortet Elena mit besorgter Stimme.


„Ja, ich weiß. Ich werde mich darum kümmern.“


„Na ja, einen Katalog hast du dir ja schon mal besorgt“, lächelt Elena mir zu.


„Welchen Katalog?“


„Na, der da vorn auf der Ladentheke liegt.“


„Den hat mir bestimmt jemand hingelegt. Ich habe mir keinen besorgt“, sage ich und würde am liebsten aufspringen, aber meine Beine verweigern mir den Dienst, denn irgendetwas stimmt hier nicht.


„Du hast ja dann Zeit darin mal zu blättern. Ich habe gleich eine Sitzung und du bist ungestört.“ Elena trinkt ihren Kaffee aus, zupft noch einmal ihre schwarzen, glänzenden Haare und verschwindet nach vorn.


Ich bleibe wie angewurzelt sitzen und überlege, wie der Traum, der Katalog und meine verdammten Rückenschmerzen, die plötzlich wieder da sind, zusammen passen. Ich komme nicht darauf. Ich kann keine Verbindung finden und momentan auch keinen klaren Gedanken mehr in meinem Kopf formen.


„He, dass Häuschen sieht niedlich aus. Könnte mir auch gefallen. Und da sagst du, du hast den Katalog noch gar nicht gesehen, aber die entsprechende Seite schon markiert“, ruft Elena begeistert und mir verschlägt es vollkommen die Sprache.


Ich kann mich immer noch nicht rühren. Mein Körper ist wie gelähmt und mein Kopf leer wie eine Blase.


Elena begrüßt ihre Kundin und meldet sich bei mir ab, was heißt, wenn jetzt der Türgong erklingt, muss ich vor in den Laden. Hoffentlich kommt nicht so schnell jemand.


Deine Aufgabe! Familienvermächtnis! Die erste Prüfung!“, Ginas Worte hämmern in meinem Kopf und ich kann einfach nichts dagegen tun.


 


 


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