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> Belletristik > Am Ende bin ich – ich selbst
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Buch Leseprobe Am Ende bin ich – ich selbst, Patricia Hemberger
Patricia Hemberger

Am Ende bin ich – ich selbst



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Wir kommen ungefragt auf diese Welt. Die Frage ist nur: Was erwartet uns auf unserem Lebensweg? Jeder Mensch ist geprägt von seiner Kindheit und jede Familiengeschichte wiederholt sich irgendwann im Laufe der Jahre in einer der folgenden Generationen. Ich kann mich daran erinnern, dass ich mir schon in frühen Kindheitstagen die Frage gestellt habe, warum in meiner Familie so viel gestritten wurde.
Jeder Feiertag, jedes Fest, jede gut vorbereitete Einladung von Gästen – ich weiß nur, dass ich irgendwann damit aufgehört habe, mich auf besondere Anlässe zu freuen, aus Angst, ich könnte ja doch enttäuscht werden, und vorher oder danach gäbe es „dicke Luft“. Ein Streit, der oft tagelang seine Schatten über unser Leben legte. Grauenvoll, wenn ich heute daran denke.
Meine Kindheit war bis zu meinem achten Lebensjahr sehr schön – zumindest das, was mir davon noch in Erinnerung geblieben ist. Dennoch bereitet es mir immer ein unbehagliches Gefühl, an diese Zeit zu denken. Trotzdem möchte ich davon erzählen.
Im August 1966, das Jahr, als Ludwig Erhard Bundespräsident war, einen Tag nach dem letzten Auftritt der Beatles in San Francisco, kam ich im Sternzeichen der Jungfrau zur Welt. Jungfrauen sagt man nach, dass sie mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität stehen. Leider neige ich oftmals dazu, vom Boden abzuheben, besonders wenn ich von einer Idee total begeistert bin.
Meine Mutter hat meinen Vater sehr jung geheiratet, und sie hat nach kurzer Zeit entschieden, dass sie ein Kind wollte.
Ich war wohl ein Wunschkind, zumindest seitens meiner Mutter. Mein Vater war damals noch beim Bund, und beide hatten noch keine eigene Wohnung. In dieser Zeit muss es für meine Eltern nicht einfach gewesen sein. Meine Mutter lebte noch bei meinen Großeltern in einer Dreizimmerwohnung und mein Vater wohnte während seines Urlaubs auch dort, oder bei seinen Eltern, die ein eigenes Haus besaßen.
Dann gab es noch die Schwester meiner Mutter, die etwas jünger war. Sie wurde in das Wohnzimmer ausquartiert und musste sich fortan damit abfinden, dass das Wohnzimmer oft bis spätabends belegt war und sie ihr Klappbett erst dann herunterlassen konnte, wenn alle anderen im Bett waren.
Heute kaum vorstellbar, dass es trotzdem genug Platz für alle gab.
Meine Großeltern waren dabei sehr anspruchslos. Sie haben uns allen ein Nest gegeben – und mir ganz besonders. Ich weiß auch, dass Großmutter und Großvater dabei auf vieles verzichtet haben. Ich muss dabei erwähnen, dass ich eigentlich noch eine Tante hätte, die nur wenige Jahre älter gewesen wäre als ich. Meine Großmutter verlor ein paar Jahre vor meiner Geburt ihr drittes Kind. Heute weiß ich, dass ich für sie der Ersatz für dieses Kind war. Ich war ihr Kind. Ihre „Trizi“, ihre „Trizel“, wie sie mich oft rief. Nur wenn sie auf mich zornig war, wurde ich mit meinem Namen „Patricia“ gerufen.
Nun, ich war ganz schnell ein Oma-Opa-Kind. Wie das Leben so spielt, wurden meine Eltern bereits kurze Zeit nach meiner Geburt geschieden. Mein Vater wollte unbedingt in das Haus seiner Eltern ziehen, was meiner Mutter nicht passte. Das soll angeblich zur Trennung geführt haben. Später habe ich noch gehört, dass mein Vater sich eine andere Frau angelacht hatte. Ich muss sagen, ich habe die meisten Informationen von meiner Großmutter über diese Geschehnisse. Leider hat meine Mutter bis heute nie so richtig über diese Zeit gesprochen.
Ich suche immer noch nach Antworten.
Nachdem die Ehe schließlich geschieden war, verschwand mein Vater schon wieder aus meinem Leben. Genauer gesagt: Ich habe zwar ein Bild von ihm, kenne seine Adresse, aber er ist für mich ein fremder Mann geblieben. Bis zum heutigen Tag habe ich die Hoffnung nie aufgegeben und immer wieder Versuche gestartet, diese Situation zu ändern.
Leider ohne Erfolg! Dennoch fehlte es mir nicht an Essen, Trinken, Spielsachen, schöner Kleidung. Nein, ich kann sogar sagen, dass ich immer wie aus dem Ei gepellt ausgestattet war. Da meine Mutter ganztags berufstätig war, hatte meine Großmutter die volle Verantwortung für mich. Zu dieser Zeit hatte sie noch eine Putzstelle inne und gab diese auf, da sie mich zu hüten hatte und dadurch meine Mutter weiter zur Arbeit gehen konnte. Alles was mich daran erinnert, sind immer ihre Worte in den Jahren meiner Kindheit bis hin zum Erwachsenendasein: „Wegen dir habe ich so wenig Rente. Hätte ich dich nicht großziehen müssen, dann hätte ich meine Arbeit nicht aufgegeben.“ Oft taten mir diese Worte weh. Ich habe dazu immer geschwiegen, bis zu dem Tag, an dem ich sagte: „Du hättest das doch nicht tun müssen, das war doch nicht meine Schuld.“ Obwohl ich immer wieder gegen diese Worte kämpfte – innerlich hatte ich Schuldgefühle und natürlich ein schlechtes Gewissen. Sie war sich bestimmt nicht bewusst, wie tief sich diese Worte in meine Seele eingebrannt hatten.
Auch konnte sie mir bei vielen anderen Gelegenheiten ein schlechtes Gewissen machen. Leider hat sich das wie ein roter Faden durch mein Leben gezogen. Um sie besser zu verstehen, brauchte es für mich Jahrzehnte.
Ja, das liebe, schlechte Gewissen, das habe ich noch heute in vielen Situationen meines Lebens. Was sich als Kind einprägt, das kann man als Erwachsene schwer ablegen, es sei denn, man lernt, es auszuhalten. Es ist ein langer, steiniger Weg, bis man es gelernt hat. In all den folgenden Jahren haben mich die damit verbundenen Ereignisse immer wieder verfolgt, aber später mehr dazu.


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