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Belletristik
Buch Leseprobe Als das Eis den Himmel berührte, Helmut Brüggemann
Helmut Brüggemann

Als das Eis den Himmel berührte



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Die Rückkehr der Jäger


 


 


 


„Bleib einmal stehen Vilo, ich brauche eine Pause“, keuchte Kaiba. Auch Vilo spürte schon seit einiger Zeit eine wachsende körperliche Erschöpfung. Es waren ja nicht nur die Schulter und der Rücken, auf der er ebenso wie Kaiba, ein Fell mit bestem Mammutfleisch trug, die schmerzten, mittlerweile spürte er auch jeden Muskel in seinen Beinen. Der Vorschlag seines Bruders Kaiba kam ihm daher sehr recht.


 


Beide Jäger legten mit einem nach Erleichterung klingenden Seufzer ihre Last ab und ließen sich ins trockene Moos des Waldbodens sinken.


 


Als ihr Vater Weco sie erreichte, lagen die beiden Jäger noch immer ausgestreckt im Moos und schauten, alle Gedanken beiseiteschiebend, ins Kronendach des Waldes.


 


Als Kaiba seinen Vater neben sich stehen sah, richtete er sich auf und sah ihn fragend an: „Wie geht es deinem Fuß?“.


 


Der alte Jäger setzte sich zu seinen Söhnen und legte den dicken Ast, auf dem er humpelnd seine Söhne erreicht hatte, über seine Beine.


 


„Schon viel besser!“


 


Weco merkte nicht, wie Vilo seinen Bruder Kaiba mit gerunzelter Stirn ansah.


 


Vilo hatte seinen Vater auf ihrer Wanderung zurück zu ihrem Lager beobachtet und wusste, wie schwer ihm das Gehen fiel.


 


Die drei Jäger hatten an einer riesigen Eiswand, die den Himmel berührte und deren seitliches Ende sie nicht gefunden hatten, Mammut gejagt.


 


Die Jagd war sehr erfolgreich gewesen. Mit ausgewähltem Fleisch einer erlegten Mammutkuh, hatten sie vor vier Sonnenaufgängen in bester Laune den Rückweg in ihr Lager angetreten.


 


Sie freuten sich schon auf das Essen, das ihre Köchin Ule aus dem Fleisch zaubern würde. Auf ihrem Weg beschrieben sie immer wieder, in welchen Varianten Ule das Fleisch zubereiten würde.


 


Nun aber schaute Vilo seinen Vater sorgenvoll an: „Ich sehe aber, dass du starke Schmerzen hast und kaum gehen kannst. Ich bin immer noch der Meinung, dass wir dir eine Schutzwand mit einem Feuer machen sollten. Dann könnten wir das Fleisch ins Lager bringen und dich anschließend abholen. Nur wenn wir das Fleisch nicht mehr tragen müssen, können wir dich tragen.“


 


Weco schüttelte den Kopf, als er antwortete: „Ich bin doch bis hierhergekommen, also werde ich den Rest des Weges auch noch schaffen.“


 


Mit einem traurigen Blick zu Vilo antwortete Kaiba seinem Vater: „Das glauben wir eben nicht, Vater. Wir müssen über einen Fluss. Dann über die Bergkette und zum Schluss noch einen halben See umrunden. Das schaffst du ohne Hilfe nicht. Ich bin sicher, dass du dir den Fuß in dem Kaninchenbau gebrochen hast. Es ist ja nicht deine Schuld. Keiner von uns hat den Bau gesehen, aber sieh endlich ein, dass wir das Fleisch ins Lager bringen müssen. Wenn wir noch länger für den Rückweg brauchen, verdirbt es und wir können es nicht mehr essen.“


 


Weco nickte traurig und sah dabei seine Söhne an, als er Vilo antwortete; „Ja, ihr habt wohl recht. Ich hätte nicht gedacht, dass mir der Fuß so viel Probleme macht.


 


Gut, dann baut mir einen Windschutz, macht mir ein Feuer und legt genügend Holz bereit. Wenn ihr damit fertig seid, bringt ihr das Fleisch ins Lager und holt mich danach ab. Vielleicht sollte unsere Zauberin Airam euch dann begleiten. Sie kann sicher etwas für meinen Fuß tun, so dass mir der Rückweg leichter fällt.“


 


Schnell machten sich seine Söhne daran, den Windschutz herzustellen. Dafür banden sie dünne Äste mit Mammutsehnen, die sie für solche Fälle immer mit sich führten, zwischen zwei nahe bei einander stehende junge Birkenbäume. Dazwischen steckten sie Zweige mit dichtem Blattwerk. Auf der vom Wind abgewandten Seite legten sie den Boden nun noch mit einer dicken Schicht trockenem Laub aus. So schützten sie ihren Vater vor der nächtlichen Feuchtigkeit des Mooses.


 


Mit einem Ächzen setzte sich Weco auf den so ausgepolsterten Erdboden. Seine beiden Söhne brachten indes die für Weco vorgesehenen Vorräte und legten neben ihren verletzten Vater noch einen Jagdspeer.


 


Erstaunt schaute der alte Jäger seine Söhne an: „Was soll ich mit dem Speer? Meint ihr, ich könnte mit dem Fuß jagen?“, dabei hob er das Bein an und zeigte den Jägern so deutlich seinen verletzten Fuß.


 


Vilo lächelte, als er seinem Vater antwortete: „Wer weiß? Vielleicht kommt ja ein Hase dicht bei dir vorbei gehoppelt und du kannst ihn mit einem gezielten Wurf deines Speeres erlegen.“


 


Langsam und dabei vorsichtig sein Bein mit dem verletzten Fuß von sich streckend, lehnte sich Weco mit dem Rücken gegen eine der beiden Birken an denen der Windschutz befestigt war und schaute zweifelnd umher.


 


Erleichtert darüber, dass er bei der Bewegung seines Beines keinen Schmerz verspürt hatte, antwortete er: „Das glaube ich kaum, aber wenn ihr meint, so lasst mir den Speer hier. Nun trödelt hier nicht länger herum, sondern macht euch auf den Weg.“


 


Der Abschied zwischen dem alten Jäger und seinen Söhnen war nur kurz. Schon bald konnte Weco sie auf dem Weg zu ihrem Stamm weder sehen noch hören.


 


Als der Alte anfing seine Lage zu überdenken, war er eigentlich recht zufrieden. Sicher, die Verletzung seines Fußes machte ihm arg zu schaffen, und dass er hier einige Zeit hilflos alleine im Wald verbringen musste, gefiel ihm auch nicht besonders, aber dafür war ihre Jagd sehr erfolgreich gewesen.


 


Von dem Fleisch konnte der Stamm einige Wochen leben.


 


Langsam wurde es dämmerig und Weco legte ein wenig mehr Holz aufs Feuer. Das Feuer sollte ihn ja nicht nur wärmen, sondern auch die Raubtiere vom Lagerplatz fernhalten. Er hatte keine Lust mit seinem verletzten Fuß gegen einen Bären, einen Säbelzahntiger oder gar ein Rudel Wölfe zu kämpfen.


 


Die Flammen des Feuers schlugen nun höher und der Jäger griff hinter sich, um von seinem Tragegestell sein Bärenfell zum Schutz vor der kalten Nacht zu nehmen.


 


Seine Hand griff ins Leere.


 


Wo war sein Tragegestell?


 


Mühsam, sich dabei auf seinem Jagdspeer abstützend, stand er ächzend auf.


 


Aber so sehr er auch suchte, sein Tragegestell mit all seinen Sachen blieb verschwunden.


 


Kälte umfasste sein Herz und immer stärker werdende Panik stieg in ihm hoch.


 


Seine Ausrüstung musste doch hier sein, überlegte er krampfhaft. Niemals würde er, nur mit seiner leichten Bekleidung und ohne seine Felldecken eine dieser eiskalten Nächte überleben. Da würde ihm auch das Feuer nicht helfen.


 


Seine Furcht bekämpfend, zwang er sich zur Ruhe. Wo nur hatte er das Gestell zum letzten Mal gesehen?


 


Als heute die Sonne am höchsten stand, hatte er mit seinen Söhnen eine längere Pause gemacht. Trotz seiner Schmerzen im Fuß war er eingeschlafen. Seine Söhne waren, nachdem sie ihn geweckt und das Fleisch aufgenommen hatten, gleich weitergezogen.


 


Mühsam sich auf einen Stock stützend, war er ihnen sofort gefolgt. Er hatte große Angst davor, dass sie ihn zurücklassen würden.


 


Sicher, es würde den beiden Jägern sehr schwer fallen, ihn alleine der Wildnis zu überlassen, aber es war nun einmal ihre vordringlichste Aufgabe, das Fleisch ins Lager zu bringen. Die Gefahr, dass ihr Stamm ohne dieses Fleisch verhungern würde, war einfach zu groß. Da konnten sie keine Rücksicht auf einen verletzten Jäger nehmen.


 


Auch nicht, wenn dieser ihr Vater war.


 


Aber alle Mühen und Schmerzen schienen vergebens gewesen zu sein.


 


Nun da die Sonne dort steht wo man sie nie sieht, mussten ihn seine Söhne doch noch alleine und am Fuß verletzt in der Wildnis zurücklassen.


 


Nur wo um der Göttin willen, war sein Tragegestell?


 


Langsam erkannte der Jäger, dass er es bei seinem eiligen Aufbruch vom letzten Lagerplatz vergessen hatte. Der Verlust war weder ihm noch seinen Söhnen aufgefallen.


 


Nun würde er sehr kalte Nächte ohne wärmende Felle durchstehen müssen.


 


Vielleicht hatte er ja Glück. Wenn er nicht einschlief und sich irgendwie warmhielt, konnte er vielleicht die Nächte, bis er abgeholt würde, doch überleben. Dafür würde er dann versuchen am Tage, wenn es wärmer war, zu schlafen.


 


Jetzt galt es zuerst, diese kalte Nacht zu überstehen.


 


Mit der Gewissheit, dass seine Ausrüstung nicht hier an seinem Lagerplatz war, setzte der Jäger sich dicht ans Feuer.


 


Nach einiger Zeit ließen die beim Suchen nach seiner Ausrüstung aufgekommenen Schmerzen in seinem Fuß nach, die Ruhe tat ihm gut.


 


Mühsam kämpfte er gegen das Einschlafen.


 


Immer wieder fielen ihm die Augenlider zu. Wenn er sie dann öffnete und zu den Bäumen sah, meinte er zwischen diesen sich langsam bewegende Schatten zu sehen.


 


Spielte ihm sein müder Geist nun einen Streich oder bewegte sich doch etwas auf ihn zu.


 


Nur mit Mühe schaffte er es seine Augen etwas länger offen zu halten und als er wieder zu den Bäumen sah, stellte er erleichtert fest, dass die Schatten fort waren.


 


Obwohl er versuchte weiterhin wach zu bleiben, ließen ihn die Erleichterung über die nicht mehr vorhandenen Schatten und die völlige Erschöpfung seines Körpers einschlafen.


 


Ein Geräusch wie das Knacken zerbrechender Zweige weckte den alten Jäger.


 


Immer noch völlig ermattet, öffnete Weco die Augen.


 


Er war sicher kein ängstlicher Mensch, aber was seine Augen nun erblickten, ließ ihn voller Panik einen schrillen Schrei ausstoßen. Trotz seines Entsetzens über das was er sah, gelang es ihm nach seinem Speer zu greifen und ungeachtet seines verletzten Fußes aufzuspringen.


 


Aber es war zu spät; ein fürchterlicher Hieb traf ihn und warf ihn zurück gegen seinen Windschutz.


 


 


 


In einiger Entfernung vom Lagerplatz ihres Vaters hatten Vilo und Kaiba rechtzeitig vor Beginn der Dunkelheit den Fluss erreicht.


 


Am Ufer suchten sie die Furt, durch die sie auf ihrem Hinweg zur Mammutherde den Fluss durchquert hatten. Es dauerte nicht lange und sie hatten diese Stelle gefunden.


 


„Was meinst du Vilo, sollen wir gleich den Fluss durchqueren?“


 


Vilo schüttelte den Kopf und antwortete seinem Bruder: „Nein Kaiba, sicher erinnerst du dich daran, dass es vor sieben Sonnenaufgängen trotz der Furt recht gefährlich war. Eigentlich fing da schon das Pech unseres Vaters an. Er wäre fast von einem vorbei schwimmenden Baum mitgerissen worden. Nur mit viel Glück gelang es ihm, dem Baum auszuweichen. Damals war es hell, kein Nebel behinderte unsere Sicht und dennoch hatten wir den treibenden Baum sehr spät gesehen. Jetzt wird es bald dunkel und der aufziehende Nebel verdeckt schon bald das gegenüberliegende Ufer. Nein Bruder, heute schaffen wir den Übergang nicht mehr. Lass uns zurück in den Wald gehen. Zwischen den Bäumen sind wir vor dem Wind geschützt und es ist nicht so kalt wie hier am Fluss. Wenn wir uns dann noch einen Windschutz bauen und Feuer machen, werden wir die Nacht gut überstehen.“


 


Kaiba hatte seinem Bruder sehr wohl zugehört, aber er machte keine Anstalten vom Fluss in den Wald zu gehen. Der Jäger war vom Anblick der Berge, die sich bereits dicht am gegenüberliegendem Ufer aus einem Dunstschleier heraus erhoben, wie gebannt.


 


Er sah seinen Bruder Vilo an und antwortete ihm: „Du hast recht, in der Dämmerung sollten wir den Übergang nicht wagen. Hast du schon einmal Berge bluten sehen?“


 


Vilo schaute seinen Bruder leicht verwirrt an, als er ihn fragte: „Spinnst du? Berge sind aus Stein und Steine können nicht bluten.“


 


Kaiba zeigte mit ausgestrecktem Arm hinüber zu den Bergen und fragte Vilo: „Nun, dann sag mir mal, was das ist?“


 


Da Vilo bisher nur den Fluss betrachtet und sein Blick zum gegenüberliegendem Ufer allein dem dort aufziehenden Nebel gegolten hatte, waren ihm die Berge nicht aufgefallen. Als nun seine Augen Kaibas Arm folgten, sah auch er die blutenden Berge. Erstaunt über den sich ihm bietenden Anblick antwortete er: „Du hast recht Kaiba, jetzt sehe ich es auch. Bei der Göttin, seit wann gibt es denn blutende Berge?“


 


Lange konnten sich die Jäger dem Anblick der auf der anderen Seite des Flusses durch einen sanften Nebelschleier zu erkennenden blutenden Berge nicht entziehen.


 


Immer noch seinen Blick den Bergen zugewandt, sagte Kaiba: „Lass uns zurück in den Wald gehen und dort die Nacht verbringen. Im Wald ist es wärmer als hier am Flussufer.“


 


Die Worte Kaibas brachten den immer noch staunend auf die Berge blickenden Vilo zurück in die Wirklichkeit.


 


„Ja“, antwortete Vilo seinem Bruder: „Das hatte ich dir eben auch schon vorgeschlagen. Also los, gehen wir und suchen uns einen warmen Schlafplatz.“


 


Langsam drehten die Brüder sich um und gingen zurück in den Wald.


 


 


 


Weco hatte beim Angriff des Höhlenbären unbeschreibliches Glück gehabt. Die gewaltige Pfote des Bären hatte seine Brust nur gestreift. Dennoch war der Schlag so heftig gewesen, dass er ihn vom Feuer fort gegen den Windschutz geworfen hatte.


 


Der Hieb hatte ihn zwar nicht getötet, aber nun kam der Bär auf seinen Hinterbeinen hoch aufgerichtet und mit wütendem Brüllen auf ihn zu.


 


Beim Anblick des übermächtigen Gegners umklammerte eine eisige Kälte das Herz des Jägers.


 


Das gewaltige Raubtier war höchstens noch zwei Schritte von ihm entfernt, als es schon wieder seine riesigen Tatzen erhob, um ihn erneut anzugreifen.


 


Diesen Angriff würde der Jäger nicht überleben.


 


Der Bär war schon viel zu nah und mit seinem verletzten Fuß konnte er dem Raubtier nicht entkommen. Zu allem Übel lag sein Speer hinter dem angreifenden Tier.


 


Der Jäger wusste, er war verloren und schloss entsetzt die Augen.


 


Plötzlich war alle Angst von dem alten Jäger gewichen.


 


Ruhig wartete er, noch immer mit geschlossenen Augen auf den Schmerz des Todes.


 


Aber wo blieb der Schmerz?


 


Wollte der Bär ihn zwingen die Augen zu öffnen, damit er ihn ansah bevor er den tödlichen Hieb ausführte?


 


Nun, dann sollte es so sein. Er würde die Augen öffnen und das Raubtier ansehen.


 


Langsam öffnete der Jäger die Augen. Erstaunt sah er, dass der Bär nun auf allen vier Pfoten stand und ihm den Rücken zudrehte.


 


Was war geschehen?


 


Sofort nutzte der Jäger die Möglichkeit, sich von dem Bären zu entfernen.


 


Langsam und sehr darauf bedacht keine Geräusche zu machen, kroch Weco von dem Raubtier fort.


 


Dabei behielt er das Tier immer im Blickfeld.


 


Plötzlich erschallte ein lautes Brüllen aus einiger Entfernung und nun wusste der Jäger was den Bären von ihn abgelenkt hatte.


 


Ein weiterer Bär hatte sein Feuer erreicht.


 


Der fremde Bär war in das Revier des ersten Bären eingedrungen und wollte diesem die Beute, Weco, streitig machen.


 


Unter ohrenbetäubendem Fauchen und Brüllen kamen sich die Bären immer näher.


 


Bevor sie einander erreichten, stellten sich die beiden gewaltigen Raubtiere auf ihre Hinterbeine. Dann stürzten sie sich mit lautem Brüllen und weit aufgerissenen Mäulern aufeinander und kämpften um ihre Beute.


 


Darauf hatte Weco nur gewartet.


 


Zwar musste er nun auch noch den Rest seiner Ausrüstung zurücklassen, aber die Bären waren so miteinander beschäftigt den stärkeren unter ihnen auszumachen, dass sie nicht merkten, wie ihre Beute langsam von der Lichtung verschwand.


 


Als Weco annahm nun so weit von den Raubtieren entfernt zu sein, dass sie ihn nicht mehr sehen oder hören konnten, stand er, wegen der Schmerzen in seinem Fuß leise stöhnend, langsam auf.


 


Wie kam er nun weiter? Seinen Speer, auf den er sich bisher immer gestützt hatte umso seinen kranken Fuß zu entlasten, hatte er ja auf seinem Lagerplatz zurücklassen müssen.


 


Gehetzt schaute der Jäger umher.


 


Er musste bald eine Stütze finden. Nur mit ihr konnte er sich schnell genug so weit von den Raubtieren entfernen, dass sie seine Witterung nicht mehr aufnehmen konnten.


 


Nicht weit von seinem Standplatz sah er einen geeigneten Ast auf dem Boden liegen. Sein Fuß brannte höllisch, als er zu dem Ast humpelte.


 


Selbst das Hochheben des Astes vom Boden erforderte all seine Kräfte.


 


Nach einiger Zeit hatte er es geschafft. Jetzt hatte er endlich eine Stütze, mit deren Hilfe er hoffte den wilden Tieren zu entkommen.


 


Im Stillen dankte der Jäger der Göttin, dass der volle Mond die Erde beleuchtete. So konnte Weco hoffen, genug zu sehen, um die Nacht ohne zu stürzen durchzugehen. Seine Söhne würden sicher die Nacht an einem geschützten Platz verbringen und erst am Morgen weiterziehen. Vielleicht konnte er sie ja noch einholen. Dann würden sie gemeinsam eine sichere Stelle für ihn finden, wo er auf Hilfe aus dem Lager warten könnte, während seine Söhne das Fleisch ins Lager brachten.


 


Mit einem letzten Blick in Richtung der noch immer kämpfenden Bären begann Weco seine beschwerliche Wanderung.


 


Langsam lernte der alte Jäger, den Ast als Gehhilfe richtig einzusetzen. Weco kam nun viel schneller voran. Schon bald hörte er das Brüllen der Bären nicht mehr.


 


Dennoch musste er immer wieder eine kurze Rast einlegen, um sich von den Anstrengungen des Marsches zu erholen. Seit seinem Aufbruch war der Mond schon eine große Strecke am Himmel weitergezogen. Der Jäger hatte wieder einmal neue Kräfte in einer kurzen Rast gesammelt, als er Geräusche vernahm, die direkt auf ihn zukamen.


 


Täuschten einige seiner Sinne ihn?


 


Es war dem Jäger als höre er Stimmen, als röche er Rauch und sähe er den Schein zweier Fackeln.


 


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