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Belletristik
Buch Leseprobe All unsere Momente, Marie Mohn
Marie Mohn

All unsere Momente


New Adult Liebesroman

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Ein durchtrainierter Mann trat ein und Noelies Lächeln fiel in sich zusammen. Er war es! Fast ein Jahrzehnt nach ihrer ersten Begegnung und Jahre nach ihrem letzten Treffen stand er tatsächlich wieder vor ihr. Nach wie vor war er verboten attraktiv. Mark Rottner humpelte ohne die Spur eines Lächelns mit Krücken auf sie zu. Todernst, als stünde ein Begräbnis an. Das ihrer Würde? Erkannte er sie nicht mehr? Einen Meter vor ihr blieb er wie angewurzelt stehen. Ihre Blicke verfingen sich. Da war sie noch immer, die traurige Note in seinem blassgrünen Universum voller Geheimnisse und Dämonen. Kurz schloss er die Augen und schüttelte den Kopf. »Noelie.« Er hob seine Hand. Sie wich zurück. Einen Augenblick verharrte er reglos, dann fuhr er durch seine dunklen Haare. »Schön, dich wiederzusehen.« Fassungslos öffnete sie den Mund. Er versuchte nicht einmal, es aufrecht klingen zu lassen. Wie konnte er ihr überhaupt gegenübertreten? Mühsam brachte sie ein Nicken zustande und deutete ihm, ins Behandlungszimmer zu gehen. Sie klammerte sich an ihr leeres Glas. Gleich müsste sie mit ihm reden. Und ihn berühren. Obwohl sie sich geschworen hatte, dies nie mehr zu tun. Wie könnte sie? Es musste einen Ausweg geben! Er tauchte hier auf, als wäre er nicht für immer aus ihrem Leben verbannt, als wäre dies ein freies Land … Sie stockte. Das war es wohl. Aber es war ihre Praxis und hier hatte sie das Sagen. Ihre Gedanken rasten. Könnte sie ihn zu einer ihrer Kolleginnen schicken? Die beiden Therapeutinnen, mit denen sie sich die Praxis teilte, arbeiteten nur Teilzeit und waren nicht mehr im Haus. Sie könnte ihn an jemand ganz anderen verweisen, dann müsste sie ihm überhaupt nicht mehr begegnen. Doch wie sähe das aus, nach all der Zeit? Als stünde sie nicht über dem, was geschehen war. Als hätte sie ihn nicht längst vergessen. Sie schluckte schwer und folgte ihm. Er saß auf dem Patientenstuhl, wie ein beliebiger Patient. Irgendjemand. Und so sollte sie ihn auch behandeln. Ob er sie wohl für verrückt hielt, wenn sie ihn siezte? Noelie atmete tief durch und verfluchte sich sogleich dafür. Noch immer umgab ihn dieser samtigschwere Duft nach Zartbitterschokolade, in den sie sich am liebsten vergraben würde. »Mark. Was führt dich her?« Mit erhobener Braue deutete er auf seinen einbandagierten rechten Fuß. Natürlich. Sie schüttelte den Kopf über sich selbst. »Was ist passiert?« »Ein Unfall.« »Bei einer deiner Freerunning-Touren?« Seine Stirn runzelte sich. »Sei nicht so überheblich. Das war mein erster gröberer Ausrutscher. Ich hab jetzt einen Job als Stuntman und auch dabei ist nie was passiert. Ich bin doch kein Anfänger!« Ach, er war empfindlich? Wollte fair von ihr behandelt werden? Das hätte sie sich damals auch von ihm gewünscht. »War wohl nur eine Frage der Zeit.« »Gehts noch?« Er rammte eine seiner Krücken in den Boden, sprang auf und verzog das Gesicht. »Verdammt!« Geschah ihm recht. Sie lächelte. »Du solltest dein Bein nicht mit ruckartigen Bewegungen oder zu viel Kraft belasten.« »Was du nicht sagst.« Seufzend setzte er sich wieder. Sie legte den Kopf schief. »Bist du nicht hier, um dich beraten und behandeln zu lassen?« »Sei nicht so provokant, Noelie. Du bist doch auch schon mit mir gelaufen.« Bei der Erinnerung an diese Demütigung wurde ihr übel. »Ich habe rechtzeitig aufgehört.« »Reibs mir ruhig unter die Nase.« Noelie schüttelte den Kopf. Er war nur ein Patient. »Also, Diagnose?« »Seh ich aus wie ein Arzt?« »Hast du keine Unterlagen mitbekommen? Was haben sie gesagt?« Er holte Papiere aus seinem Rucksack und schob sie ihr hinüber. Jetzt erst fielen ihr die üblichen Formalitäten ein. Sie überflog die Akte und seufzte, ehe sie auf ihn zutrat. »Dann lass mal sehen.« Behutsam wickelte sie den Verband ab und tastete sein Bein ab. Er zuckte zurück und auch sie erschauerte. Was sollte das denn? Es war nur ein Bein, verflucht! Sie setzte ihre Inspektion fort und unterdrückte ihre Reaktion. Einen Patienten zu untersuchen, war nicht erotisch. War es noch nie gewesen. Und sie würde ihre Einstellung diesbezüglich nicht ändern, sie war doch nicht pervers. Rasch brachte sie die Untersuchung hinter sich. Eine Massage zur Dränage der Entzündung wäre sinnvoll, aber sie konnte sich nicht überwinden, ihn nochmals anzufassen. Wozu bekam er sonst entzündungshemmende Tabletten? Eben. Sie nickte zufrieden. Isometrische Übungen reichten. Notfalls könnte sie übermorgen eine Massage in Betracht ziehen. Sie wies ihn an, sich auf die Liege zu legen und die Füße abwechselnd anzuspannen und zu entspannen. Ihr Blick blieb hängen und war längst nicht mehr professionell. Mark hatte verflucht muskulöse Beine. Sie schüttelte den Kopf. Machte er die Übung überhaupt korrekt? »Gut. Dreh dich auf den Bauch, Mark.« Sein flackernder Blick suchte ihren, dann atmete er durch und drehte sich folgsam um. Vielleicht hätte sie ihn früher auch entschlossener anleiten sollen. »Leg die Arme locker neben dich, stell die Füße auf und spann die Beine an.« Er gehorchte und sie verlor sich im Anblick seines durchtrainierten Körpers. Himmel! Mark räusperte sich. Sie zuckte zusammen. »Jetzt drück die Beine in die Liege und spann den Po an.« Er hustete verkrampft. »Was?« »Beine runterdrücken und Po anspannen.« Grummelnd folgt er ihren Anweisungen. »Genau, sieht gut aus.« Mehr als das. Sie schluckte. Mark hob den Kopf und grinste. »Du ordnest das nur an, damit du den Ausblick genießen kannst, oder?« Ihre Wangen brannten und sie biss sich auf die Lippe. »Nein! Das gehört definitiv zu den gängigen Übungen.« Zu ihrem Glück. Sein tiefes Lachen sprang wie ein Pingpongball durch ihren Körper. »Red dir das ruhig ein, No.« Schwungvoll stieß sie mit ihrem Ellbogen in seine Rippen. Das war natürlich ausgesprochen erwachsen von ihr – aber der Drang war übermächtig. »He!« Er rappelte sich auf. »Das gehört aber nicht zur Therapie.« »Das hattest du einfach verdient.« Nicht nur für diesen Kommentar, auch für alles, was damals geschehen war. Er öffnete den Mund, aber sie ließ ihn nicht zu Wort kommen. »Wir sind fertig für heute. Wiederhol die Übungen regelmäßig und komm Freitag um eins wieder.« Entschlossen wandte sie ihm den Rücken zu und verließ den Raum, um ins Bad zu stürzen, wo sie sich kaltes Wasser ins Gesicht schüttete. Diese Abkühlung war mehr als nötig.


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