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> Belletristik > 366 Tage der Angst:
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Belletristik
Buch Leseprobe 366 Tage der Angst:, Gordon Mörike
Gordon Mörike

366 Tage der Angst:


Dein Kalender des Grauens

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Vorwort:
Es bedarf nur weniger Sätze, um Angst sprießen zu lassen – Angst, die dank des Vorstellungsvermögens zu Horror erwächst.
Willst du dich jeden Tag des Jahres diesem Horror stellen?
Dann blättere um. Mögen fortan die Dunkelheit und all die Schrecken, die in ihr lauern, 366 Tage lang deine Begleiter sein.

P.S.: Falls du noch auf der Suche nach einem Tagesplaner sein solltest, der dir Platz für deine Termine, To-Do’s und Notizen bietet und dich gleichzeitig mit deiner täglichen Dosis Horror versorgt, dann wirf gern einen Blick auf die gedruckten Versionen dieses Buches.

1. Januar
Immer wenn ich im Gästezimmer meiner Großeltern übernachtete, hatte ich schreckliche Alpträume.
Ich wusste nicht, woran es lag. Gab es dort etwa Schimmel? Rührten meine Träume von der schrecklichen Blumentapete? Oder vielleicht von der Tatsache, dass so mancher Ahne mich von seinem Porträt aus beim Schlafen anstarrte?
Lange kam ich nicht dahinter, aber dann erwachte ich mitten in der Nacht und sah, wie sie aus ihren Gemälden stiegen.

2. Januar
Der Wahnsinnige hatte die drei Marathonläufer nebeneinander aufgestellt und ihre Hände hinter dem Rücken gefesselt.
„Wisst ihr, was ihr ab sofort mit Haien gemein habt?“, fragte er vergnügt. „Wenn ihr aufhört, euch zu bewegen, sterbt ihr.“
Dann lachte er auf und aktivierte die drei Laufbänder, die er am Rande des Hochhausdaches platziert hatte.

3. Januar
„Mit seinen Wünschen sollte man vorsichtig sein“, dachte er sich, als ihn die menschenleere Welt langsam, aber sicher in den Wahnsinn trieb.

4. Januar
Ich flehe den Mörder an, dass er mir nichts tun soll, bitte unter Tränen, gnädig zu sein, da ich Familie habe.
Aber er antwortet nur amüsiert: „Familie? Ich weiß, immerhin haben sie mich hierfür bezahlt.“

5. Januar
Die Lande werden grün und üppig sein, versprach mir die Fruchtbarkeitsgöttin, als sie erst meinen Samen und dann mein Leben nahm.

6. Januar
Als wir in der Selbsthilfegruppe über den Tod unserer Ehemänner sprachen, wurde ich gefragt, was daran die schwerste Zeit für mich war …
Und wie gern hätte ich die Wahrheit gesagt, dass es die drei Jahre waren, in denen ich mich jeden Tag aufs Neue gegen seine Ermordung entschied.

7. Januar
„Nimm das Messer und befrei mich“, höre ich sie Nacht für Nacht aus dem Bauch meiner schwangeren Frau flüstern.

8. Januar
Der Aberglaube besagt, dass es Unglück bringt, gestohlene Blumensträuße vom Friedhof zu verschenken. Drum überreiche ich ihr zu unserem ersten Date gleich einen besonders großen. Möge sie von allem Unglück der Welt für mich zermürbt werden, auf dass unsere Heirat und damit ihre Millionen in meine greifbare Nähe rücken.

9. Januar
„Hilft da nicht auch eine Tetanusspritze?“, frage ich den Polizisten, nachdem mich eine Frau in der U-Bahn gebissen hat, aber sein hoffnungsloser Blick, der langsam zu seiner Kanone wandert, sagt mir, dass nur noch eine Ladung Blei die Lösung ist.

10. Januar
Durch den Spalt zwischen den Schranktüren beobachte ich, wie er seine Frau ermordet. Ich atme durch und schlucke den Argwohn runter. Sei es ihm gegönnt, immerhin heißt es nicht umsonst, wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

11. Januar
„Besuch mich jederzeit“, sagte er stets zu jedem, zumindest, bis er das alte Haus auf dem Friedhof bezog – das Haus, in dem er fortan nie wieder allein sein sollte.

12. Januar
Dass er ein Herz aus Stein hätte, widerlegte ich, als ich es ihm aus der Brust schnitt.

13. Januar
Ich trat auf meine Dachterrasse und hörte seinen Schrei, sah den Mann an mir vorbeirauschen und 80 Stockwerke tiefer auf dem Boden aufschlagen.
„Wo kam der denn her?“, fragte ich mich noch, kurz bevor mich ein grelles Licht umhüllte, das mich langsam nach oben zog.

14. Januar
„Hast du abgeschlossen?“, fragte ihn seine Frau mitten in der Nacht.
„Nö“, antwortete der Mörder neben ihrem Bett.

15. Januar
Mit der kolossalen, dampfbetriebenen Maschine gedachte er, sein eigenes Gehirn mit dem seiner Assistentin verschmelzen zu lassen. Manch einer würde es für Wahnsinn halten, aber er hielt es für Liebe. Den einzigen Weg, sie nicht zu verlieren.

16. Januar
Halte jeden Moment auf Film fest, war stets das Motto des Kameramanns und das tat er. Er dokumentierte wirklich alles, von Familienfeiern, zu der Geburt seiner Kinder, all den Urlauben, bis hin zu Alltäglichem – den kleinen Dingen im Leben.
Wahrlich nichts entging seiner Kamera, nicht einmal sein Tod mitsamt einer schmerzlichen Erkenntnis, die er mit letzter Kraft in die Linse flüsterte: „Das Einzige, was ich nie gesehen habe, war mit meinen eigenen Augen.“


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