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Leseproben online - Schmökern in Büchern

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Wohin der Wind uns führt...


Mein Leben 1940 - 1972

von Marianne C. Kruse

zeitzeugen
ISBN13-Nummer:
9783837073638
Ausstattung:
Taschenbuch
Preis:
14.95 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Books on Demand
Kontakt zum Autor oder Verlag:
marianne.krs@freenet.de
Leseprobe

Meine Jugend Meine Einschulung und die ersten vier Jahre bis zum Ende des Krieges. Bereits zum Schulbeginn war ich schon ein Soldatenkind. Am ersten Schultag lernten wir erst einmal das richtige Grüßen. Also, den Arm ausgestreckt und “Heil Hitler“. Anschließend wurden wir alle gefragt, wie zu Hause gegrüßt wird. Ganz stolz zeigte ich: Hand seitlich zur Stirn und „Tag“, oder „Morgen“, wie es unser Vater immer tat. Die Lehrer hatten nun schon einmal eine Vorstellung, wie das Elternhaus zum „Führer“ stand. Die Schule bereitete mir viel Freude. Jeden Tag ging ich mit meinem kleinen Freund Kurtchen zur Schule und hatte aus diesem Grund auch viel Spott einzustecken. Oft wurde uns hinterher gerufen: „Braut und Bräutigam, die sich lieben, muss man unters Bette schieben. Unterm Bette war’s so schön, haben sich nen Kuss gegeben“. Manches mal gab es danach auch böse Schneeballschlachten, wobei ich gegen mehrere immer den Kürzeren zog. Oft hatten wir während der Schulzeit Freistunden, in denen ich dann als einziges Mädchen mit den Jungen Räuber und Schandarm spielen durfte, wenn ich nicht gerade draußen in irgendeinem Busch saß und in einem Buch las. Lesen war schon immer etwas für mich. Bereits in der 1. Klasse, als wir die Fibel erst zur Hälfte gelesen hatten, war ich schon mit den letzten Seiten beschäftigt. Meine Patentante bat mich einmal ihr etwas aus der Fibel vorzulesen. Das funktionierte so gut, dass sie der Meinung war, ich könne alles auswendig. Um das zu prüfen schlug sie in dem Buch die letzte Seite auf und hat sich so überzeugen lassen, dass ich wirklich lesen konnte. Mein Schulweg führte mich an einem Fleischer vorbei, auf dessen Hof große Gänse lebten. Das Hoftor stand morgens immer geöffnet und obwohl ich jeden Morgen am offenen Tor vorüber rannte, erwartete mich schon immer der dort lebende Ganter. Er kam hinaus gerannt und lief so lange hinter mir her, bis er mich an meiner Hose zu fassen bekam. Mit aller Not konnte ich mich täglich von diesem Tier befreien. Im letzten Jahr des Krieges mussten alle alten Männer, die noch nicht eingezogen waren, in unserem Ort Schützengräben ausheben. Wir Kinder sind dann von der Schule auf dem Heimweg oft beinahe bis zur Haustür durch die Gräben marschiert. Es waren immer furchtbare Momente, wenn wir in der Schule waren und die Sirene losging. Das bedeutete für uns “Fliegeralarm”. Obwohl wir bei Fliegeralarm in den Schulkeller gehen sollten, rannten wir alle so schnell wir nur konnten nach Hause. Wir wussten, unsere Eltern wollten ihre Kinder lieber bei sich haben. Mein Schulweg war ca. 2 bis 3 km lang. Meine ein Jahr jüngere Schwester wurde von unserer Mutti mit dem Fahrrad abgeholt. Etwa ein Kilometer meines Weges war unbebautes Land. Genau an dieser Stelle überraschte mich eines Tages beim Fliegeralarm ein Tiefflieger, der es auf mich abgesehen hatte. Er schoss auf mich und ich rettete mich so schnell ich konnte im Straßengraben. Als er abdrehte sprang ich wieder hinaus, doch schon war der Tiefflieger wieder da und ballerte weiter. Ich rannte im Zickzack wie ein Hase, versuchte mich zu verstecken, fand ein Gebüsch und sah, dass der Tiefflieger abdrehte und verschwand. Nach kurzer Zeit flitzte ich weiter nach Hause. Sehr groß war die Freude, wenn unser Vater auf Heimaturlaub kam. Ich war immer seine Große und er baute uns auf dem Hof eine Schaukel, die sicher an die drei Meter hoch war. Auf der einen Seite war eine breite Leiter, die bald mit wildem Wein berankt war. Ganz oben war mein Lieblingsplatz. Da saß ich oft auf der letzten Sprosse versteckt in den Weinranken, habe für die Schule gelernt oder einfach nur geschmökert. Vor allem aber hatte ich dort Ruhe vor meinen Schwestern, auf die ich als Älteste oft aufpassen musste. Nach einer Krankheit meinerseits haben wir am ersten Schultag eine Deutscharbeit geschrieben. Die ging vollkommen daneben und als Note bekam ich eine „4“. Auf dem Weg nach Haus habe ich nur geheult und bin in meiner Verzweifelung durch alle Pfützen gelaufen. Mein Freund Kurtchen hat mich immer trösten wollen und sagte ständig, ich solle nicht traurig sein und auch nicht weinen. Er würde doch immer eine „4“ schreiben, wäre doch gar nicht so schlimm. Übrigens … Kurtchen wurde später Pilot. Zuhause weinte ich weiter. Mein Vater kam zu mir, er war gerade wieder mal auf Urlaub, und sagte: „also meine Große, nun trinken wir beide erst mal einen Schnaps und dann vergessen wir mal diese Arbeit“. Ich bekam also auch einen Fingerhut voll in einem Schnapsglas, wir prosteten uns zu, und der Fall war erledigt.

Klappentext

Mit diesem Tatsachenbericht blättert die Autorin in ihren Erinnerungen. Sie beschreibt eine Zeit, die damals viele miterleben mussten. Eine Zeit, gesprägt von Hunger, Flucht, Trauer und Angst. Sie lässt den Leser teilhaben an den Kriegswirren, den entbehrlichen Jahren danach und schließlich noch an ihrer spektakulären Flucht in den Westen.