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> Zeitzeugen > Oh mein Gott ...
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Bücher Zeitzeugen
Buch Leseprobe Oh mein Gott ... , Alfred M. Bach
Alfred M. Bach

Oh mein Gott ...


... ein guter Zeitpunkt zum Sterben

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Oh mein Gott, was is‘n das für ne Mail. Da fragt mich eine, ob ich sie kenne? In einem dieser neuen Internet-Online-Communitys „wer-kennt-mich-nicht-de“, bei der ich auf Einladung einer alten Freundin seit ein paar Tagen ebenfalls – oh Gott, oh Gott – Mitglied bin. Ich öffne die Nachricht, und was lese ich da? Hallo, bist Du der Manfred, der mir vor 33 Jahren die Unschuld raubte? Bist Du der Manfred, der mich damals ganz „kirre“ machte? Wenn Du an der rechten Oberschenkelinnenseite ein ca. 3 cm, fast kreisrundes, braunes Muttermal hast bist Du Manfred, der „weltbeste Beatgi-tarrist“ der „Rivergroup“, die mit gecoverten Titeln wie „Tell me“ und „As tears go by“ von den Rolling Stones uns Mädchen damals geradezu willenlos und verrückt machten. Sei so lieb und schreib mir, ob Du dieser Manfred (damals Fredie gerufen) bist. LG Erika Mein Gott, entfährt es mir nochmals, was weiß ich denn noch, was vor 33 Jahren in meiner „Karriere“ als „Beatgitarrist“ der „Rivergroup“ alles so abging. Natürlich hatte ich damals relativ viele Freundinnen – hin und wieder auch mal zwei zur gleichen Zeit – jedoch irgendeiner die „Unschuld“ geraubt? Nee, räuberisches Gehabe war doch noch nie mein Ding. Zugegeben, ich habe so manches (mit)genommen, was „Frau“ mir leichtsinnigerweise, doch „Gott-sei-Dank“, angeboten hatte. Es müsste in der Zeit gewesen sein, als ich so ungefähr 18 bzw.19 Jahre alt war und mit Mädchen respektive Frauen, Frauen waren für mich damals Mädchen so ab 21 bis 22 Jahren, die sogenannte allerschönste Nebensache der Welt – für mich damals jedoch die allergrößte und wunderbarste Hauptsache der Welt – erfahren und auskosten, ach was … genießen durfte. Ich konnte mir damals überhaupt nicht vorstellen, dass man(n)/Frau bei so etwas von einer Nebensache reden konnte. Aber mein Gott, wer war Erika – so nannte sich die „Nach- Manf-red-Fragestellerin“ – denn nur? Verzweifelt dachte ich nach und viele, längst zum Mythos mutierte Kopulierungslegenden, als auch wunderschöne, zärtliche Erinnerungen und erotische Begebenheiten aus dieser Zeit fielen mir ein. Sogar in den hasch- und alkoholgeschwängerten Momenten von damals kramte ich, recherchierte One-Night-Stands, oder aber rief in mir den ein und auch anderen Quickie – soweit das nach so langer Zeit möglich war – ins Gedächtnis zurück. Doch ich konnte mich partout nicht an eine Erika erinnern. Verarschte mich da vielleicht jemand? Allerdings, das mit dem kreisrunden Muttermal an der linken Oberschenkelinnenseite passte haargenau und wer außer Insider konnte das ansons-ten wissen? Ich musste mir irgendwie Klarheit verschaffen. Ich mailte zurück: Wie, der liebe Gott ist mein Zeuge, könnte ich je in meinem Leben die göttliche Erika verges-sen. Du musst mir unbedingt mehr aus Deiner Vita schreiben, z. B. wie es Dir geht, was Du so machst, wo Du wohnst und … und … und. Ich trug vorsichtshalber mal nicht allzu dicke auf. Hoffentlich – dachte ich – ist sie so schreib-freudig wie Frauen im Allgemeinen redselig sind, und sie verrät mir Einzelheiten von damals, die mir aus der Patsche helfen könnten. Es war Mittwoch, der 6. März, 18:30 Uhr, als ich ihr die E-Mail schickte. Ich stelle den PC ab und schaute mir die ZDF-Nachrichtensendung „Heute“ um 19:00 Uhr an. So richtig konnte ich mich nicht auf das Tages-geschehen konzentrieren, und das lag nicht nur an Petra G., die an diesem Tag die Nachrichten moderierte und die mir überhaupt nicht abging, im Gegenteil, sie ging mir mächtig auf die Nüsse. Nein, immer wieder spukte Erika durch die Wirren meiner Gedanken. Ich bin jetzt 53 Jahre alt und seit ca. 11 Jahren „im Namen des Volkes“ geschieden. Mittler-weile – wie mir scheint – glücklich geschieden, das gebe ich auch zu. Ich war für unsere Kin-der ein ganz passabler Alleinerzieher – sagen diese jedenfalls, bin beruflich ganz zufrieden, hatte nach der Scheidung auch die ein und andere „Beziehungskiste“, jedoch habe ich seit etwa einem halben Jahr mein zukünftiges Leben als Single definiert. Unsere beiden Mädchen – lange schon hübsche, junge, selbstständige Frauen – haben vor Jahren das elterliche bzw. väterliche Nest verlassen. Nur unser Nesthäkchen Friedensreich, benannt nach Friedensreich Hundertwasser, der meinem damaligen Eheweib als auch mir sehr imponierte, hat sich noch bis zum Ende seines Sozialarbeiterstudiums ein Rückzugsrefugium in meiner Hütte, die eigenhändig von mir erbaut wurde, bewahrt. Im Grunde genommen geht es mir/uns – uns, das sind teilweise mein Sohn Friedensreich, wenn er denn mal daheim ist, und mein Kater „Leo“, der sich sicherlich noch an der ein oder anderen Stelle präsentieren wird – „saugut", wie man umgangssprachlich einen solchen Zu-stand in unserem, dem schönsten Bundesland der Welt, treffend beschreibt. Es geht uns gut in unserem kleinen, etwa 2.800 Bewohner zählenden, agrarländlichen geprägtem Dorf. Hier wird alles seiner steten dörflichen Lethargie gerecht (ich meine das nicht negativ), nur … es passiert halt nix, und wenn doch einmal etwas Außergewöhnliches passiert, ist es höchstens, dass ein besoffener, minderjähriger Jugendlicher, der mit Papis Auto, das er sich nur mal kurz ausgeliehen hat, Nachbars Oma auf dem Zebrastreifen umfährt. Mittlerweile war es 21:17 Uhr, und das Fernsehprogramm langweilte mich so sehr, dass ich die Glotze abschaltete und/oder war es womöglich Intuition, ich den PC wieder hochfuhr und erstaunt, aber auch erfreut – wie dem auch immer sei – auf der Homepage „wer-kennt-mich-nicht-de“ feststellte, „du hast eine neue Nachricht“, die ich sofort öffnete. Was ich dieses Mal las, erheiterte mich enorm, und amüsiert las ich die Zeilen. Es war Erika und sie schrieb … Hallo Fredie, habe mit Verlaub auf Deiner Seite ein bisschen gestöbert. Du bist ja anschei-nend immer noch der süße, lustige Bengel von damals. Wie viele gefühlte 1.000 Jahre ist das eigentlich her seit jener Beatmusikzeit? Heilands Blitz, warum war ich noch nicht auf ihrer Seite? Ich verschob das auf später und las weiter, was sie denn so schrieb. Sie berichtete, sie wäre Mutter eines erwachsenen Sohnes, seit über zehn Jahren geschieden und eigentlich Single. Aber was meinte sie wohl mit „ei-gentlich“ Single? Doch seit ich Single gelesen hatte, regte sich bei mir der maskuline, primiti-ve Jagdinstinkt, und ich spürte, dass der Arterhaltungstrieb so etwas wie „ich bin auch noch da“ lauthals hinausposaunte. Ich las weiter und nach einigen scheinbaren Belanglosigkeiten fiel es mir wie Schuppen von den Windpocken. Erika hieß das Mädchen, das mich damals nach einem Auftritt der „Rivergroup“, zu einer Gruppensexparty eingeladen hatte. Es war einer der besseren Auftritte unserer recht jungen damaligen Beatkarriere. Es hatten sich an diesem Abend, ich kann mich heute nur noch vage erinnern, fast 250 Jugendliche und Erwachsene zwischen 16 und ca. 25 Jahren in einem uralten Saal des dortigen Gasthauses „Zur alten Post“ eingefunden. Da die Veranstaltung um 20:00 Uhr begann und erst gegen 3:00 Uhr morgens endete, mussten wir unser Programm, das aus gerade mal 40 Titeln bestand, komplett wiederholen, was aber weiter nicht tragisch war, weil viele der Jugendlichen um 23:00 Uhr schon total besoffen waren und nichts mehr mitbekamen bzw. viele um diese Zeit überhaupt erst zur der Veranstaltung kamen. So passierte auch, dass eine Schnulze, wie z. B. „Monja“ von „The Cry‘n Strings“ – später von Roland W. gecovert und in den Charts bis zur Nummer 1 vorgestoßen, bei der die verliebten jungen Pärchen engumschlungen dem Sex unplugged (Petting) frönten – bis zu 35 Minuten von uns am Stück zelebriert wurde und mancher Jugendliche seinen Brunftschrei akustisch in einem „Mo-ohh-oh-nja-Mitgegröle“ äußerte, und auch hier und da einer der Jungen wahrscheinlich seinen Slip mit so genannten „Sportflecken“ bereicherte. Doch zurück zu Erika. Sie hatte mich an diesem Abend zur „Gruppensexparty“ eingeladen, um – wie sie später sagte – mir zu imponieren. Aber weit gefehlt, ich war mit so etwas damals total überfordert. Am darauf folgenden Wochenende sollte diese Party stattfinden. Trotz meiner Bedenken und dem Schlottern in den Beinen fuhr ich zwar mit dem Auto hin, das Ganze fand in der sturmfreien Bude einer ihrer Freundinnen statt, deren Eltern sich auch noch paradoxerweise – ich schwöre – auf einer Buspilgerfahrt nach Rom zum Pontifex be-fanden, welch genialer „Zufall“. Erika war selbstverständlich ebenfalls anwesend, und wir begrüßten uns mit einer damaligen Floskel: „Du auch da?“ Ich war jedoch, den schlotterten Knien nachgebend, nach einer relativ kurzen Zeit durch das rückwärts gelegene ebenerdige Küchenfenster im wahrsten Sinne des Wortes geflüchtet. Geflüchtet, weil ich viel zu schüch-tern und allzu sehr ein banausischer Alltagsmensch und von meiner Herkunft eine spießige Krämerseele mit kleinbürgerlichem Hintergrund war. Meine große Klappe war da zwar ganz anderer Meinung, aber die Nummer war für mich drittklassigen „Beatgitarristen“, wie ich nun einmal unter uns gesagt einer war, schlicht und ergreifend zu gigantisch. Die Situation über-forderte mich vollkommen. Erika hatte mich beobachtet und draußen, ich wollte gerade in meinem Renault-Dauphinchen mit dem schönen Namen „Jenny“ flüchten, abgefangen und sich einfach neben mir auf dem Beifahrersitz niedergelassen. Was danach geschah war schlicht und einfach geradezu „göttlich“. Ich möchte nicht näher darauf eingehen, nur so viel sei gesagt: Nach so einem „Event“ hätte es für Napoleon nie und nimmer ein Waterloo ge-geben, denn mit solch einer Adrenalinfülle in den Adern hätte er nicht nur die Briten, Nieder-länder, die Deutschen und Preußen geschlagen … Nein, Wikinger und Hunnen – sehr wahr-scheinlich, auch noch die Luxemburger, Flamen und Wallonen – hätten ebenfalls keine Chance gehabt. Dieses wunderschöne intime zärtliche Tête-à-tête war um vieles faszinie-render und reizvoller, als ein primitives, in der Vulgärsprache damals gewissermaßen als „Rudelbumsen“ bezeichnetes, emotional distanziertes Gruppensexerlebnis. Erika und ich hatten anschließend eine wunderschöne, unsagbare, einzigartige und fabelhafte Zeit. Wieso dieses Wunder dann plötzlich nach ein paar Monaten keines mehr war, ist mir bis heute – 33 Jahre danach – eigentlich irgendwie immer noch ein Rätsel. Na ja, sie Single und ich ebenfalls Single, schauen wir mal, tät der Bundesfranzl in einem solchen Augenblick sagen. Ich klickte nach dem Lesen ihrer Mail sofort ihre Seite bei „wer-kennt-mich-nicht.de“ an. Was ich dort sah war beeindruckend. Neben persönlichen Daten, Hobbyangaben, Literatur- und Filmvorlieben (oho, guter Geschmack, sagte ich zu mir selbst) hatte sie auch Fotos aus der Jetztzeit eingestellt. Wow, das Mädchen sah immer noch total hübsch, ach was attraktiv, gut, wohlgestalt, schlicht und ergreifend anziehend aus – zumindest auf den Fotos. Ich fand, dass sie gefühlte 12 Jahre jünger aussah als ich. Tatsächlich dürften es aber nur ca. 4 Jahre Altersunterschied gewesen sein. Aber was macht`s, schließlich gehen 35 Jahre Rock‘n Roll – siehe auch die Mutter Teresa der Rolling Stones Keith Richards – nicht spurlos an einem vorüber. In der Folgenacht schlief ich nur sporadisch kurz mal ein, um sogleich wieder aufzuwachen und genüsslich mit einem „Lächeln“ im Gesicht längst vergangenen Zeiten schwelgend zu frönen. Immer fester wurde der Wunsch in mir, dieses Mädchen wiederzusehen, ja der Wunsch wurde noch in dieser Nacht zum Zwang, zur Manie. Am nächsten Tag, es war der zweite von 14 Urlaubstagen, wachte ich unausgeschlafen aber gravitätisch, majestätisch, eher aber mich königlich-sauwohl fühlend, auf und dachte, obwohl ich seit 3 Jahren, 2 Monaten und 27 Tagen rauchfrei war, an eine Zigarette. Wieso? Keine Ahnung! Ich fand auch nicht unbedingt eine Assoziation zu dem, was momentan abging. Na ja, bin auch kein Psychologe, der mit Sicherheit etwas hinein interpretieren könnte. Mein Frühstück, meist aus Kaffee und der Tageszeitung bestehend, fiel heute Morgen noch ein wenig karger aus, denn es blieb nur Zeit für eine dürftige Tasse Kaffee. Wie von Geisterhand gesteuert signalisierte mir mein Computer Betriebsbereitschaft. Ich rief die „wer-kennt-mich-nicht-de“ Homepage auf, klickte Erika an und wollte, hatte ich mir doch nachts eine tolle Mail ausgedacht, sie mit einer besonders witzigen Nachricht beeindrucken. Was aber kam her-aus? Eine typisch männliche „Scheißplattitüde“, in der ich wohlformuliert um ihre Adresse, Telefonnummer und Handynummer bat. Vorsichtshalber hatte ich, falls sie mir die Bekannt-gabe verweigern würde, meine Telefonnummer prophylaktisch mitgemailt. Man(n) konnte ja nie wissen! Wie Recht ich hatte, zeigte sich nach relativ kurzer Zeit.


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