Erbarmungslos.
Erbarmungslos lauert es im Bücherregal. Auf dass ich es wieder in die Hand nehme. Neu lese. Neu verstehe. Vielleicht überhaupt (erst) verstehe, nachfühlen kann.
Das Buch/Die Biographie über den Einzelgänger, der keinen Alkohol trank und nichts mit Drogen zu tun hatte und zum schlimmsten Verbrecher Luxemburgs wurde.
Nach all den sich überschlagenden Meldungen der letzten Tage und Wochen.
Wenn ich mit jedem Artikel, der jetzt über die brutalstmögliche Aufklärug der "Heimerziehung" auch nur wieder an die Zwischenüberschriften (Das Heim. Die Heime. Der Hieb. Die Hiebe. Die Prügelstrafe. Die Entwürdigung. Die Erniedrigung. Die Erziehung. Der Wahnsinn. ) denke ...
(Auch wenn man selbst die L(H)iebe Gottes nur wenige Wochen in einem als BSW-Erholungsheim gedachten "Idyll" im bayerischen Marwang spüren durfte und den Begriff "Heimweh" noch jahrelang später falsch assoziierte und bisher "Verständnis" für die Ergebnisse der wahnsinnigen Erziehung zum Wahnsinn bereits zu ahnen glaubte... . Man konnte es nicht.
Schließlich konnte man selbst nicht nur aus der als "Kinder-Kur" gedachten, befristeten "Sommerfrische", die eine Hölle war, nach Hause ins wohl behütete Elternhaus zurück, konnte seine Katharsis mit 19 selbst bei einem Wieder(be)such vor Ort des Wahninns mit Methode zu finden versuchen. (Bis jetzt, da alles wieder hoch kommt, inklusive Brech- und Würgereiz und beklemmender Atemnot, die einen noch nach Jahrzehnten an das Wiedernähern auf den letzten hundert Metern erinnert, nach damals bereits 14 Jahren.)
Man kann, man will es sich gar nicht vorstellen, was in einem vorgeht, der das heute hört und liest, der weder damals aus diesem Wahnsinn "aussteigen"konnte noch heute kann... .
Ein wichtiges Buch, das vielleicht erst jetzt, da man sich um die geschundenen Körper und Seelen von Kindern aus gut bürgerlichen Häusern kümmert, die Beachtung findet, die es lange schon verdiente.
(In einer zweiten Welle wird man sich ohnehin - auch wohl unter dem Einfluß des oskarnominierten Films "Das weiße Band" - auch um die Mißhandlungen durch freilaufende Geistliche (Pfarrer) kümmern, die auch ohne den Schutz durch Kloster- und/oder Heim-/Internatsmauern mehr als nur die "Hand Gottes" stellvertretend und atemlos spüren ließen