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> Zeitzeugen > Der unwegsame Pfad der Zeit
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Buch Leseprobe Der unwegsame Pfad der Zeit, Barbara Siwik
Barbara Siwik

Der unwegsame Pfad der Zeit


ein Familienroman

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(Heimkehr nach Liegnitz und Tod der kleinen Monika)


Das Liegnitz, das sie verlassen hatten, gab es nicht mehr. Auf dem Ring lag so viel Papier wie im Winter Schnee auf den Uferwiesen der Katzbach. Wer auch immer so gewütet hatte – er schien alle Akten, die im Rathaus aufzufinden waren, auf dem Platz verstreut zu haben. Viele Gebäude in der Frauenstraße waren ausgebrannt. Es sah aber nicht nach einem Bombenangriff aus, eher nach Brandstiftung. Die Inneneinrichtung der Häuser lag zumeist zertrümmert als Müll auf der Straße. Der Geruch nach Brand und Verwesung schlug ihnen überall entgegen. Nur vereinzelt waren Menschen zu sehen, die auftauchten wie Gespenster und eilig wieder verschwanden.


Endlich standen sie auf der Nepomukbrücke und spähten mit bangem Blick voraus: Ja, das Häuschen von Weigts stand noch. Unter dem Glockengeläut der Dreifaltigkeitskirche zogen die Heimkehrer durch die Gerichtstraße. Die Haustür des kleinen Gebäudes stand offen. Im Treppenhaus lag das Eigentum der Weigts und der Pohls umher. Es stank bestialisch, als befänden sie sich in einer Kloake. Letztendlich sollte sich das bewahrheiten.


Die alte Frau Weigt hatte ihre Wohnung wohl doch verlassen, ehe die Russen einrückten. Wo mochte sie untergekommen sein? In dem verwüsteten Haus schien sich dennoch jemand aufzuhalten, denn die Treppe war freigeräumt. Die Wohnungstüren im Obergeschoss standen sperrangelweit offen, die Tür des separaten Mittelzimmers dagegen war abgeschlossen.


Beklommen nahm Trudl ihre Wohnung in Augenschein: Überall lagen Wäsche, Kleidung, Bücher, zerbrochenes Geschirr und Mobiliar herum. Sämtliche Federbetten waren aufgeschlitzt worden. Die Federn bedeckten den Fußboden, vielfach vermischt mit Urin und Scheiße. Der bestialische Gestank machte das Atmen schwer. Es gab kaum eine größere Fläche, auf der sich kein Haufen befand. Was, um Himmels willen, waren das für Menschen, die sich hier ausgetobt hatten?


Sie setzte Monika auf dem Wohnzimmertisch ab – eine von Fäkalien freie Fläche – stieg in ungläubigem Entsetzen zwischen dem Unrat umher und entdeckte, dass da auch Dinge herumlagen, die nicht ihr gehörten.


Bei ihnen sähe es nicht besser aus, erfuhr sie von Käthe, die die Schaukel der Kinder ablieferte, Fremdgut gewissermaßen. Trudls Vater hatte am letzten Weihnachtsfest als Geschenk für die Enkel zwei Haken in das obere Futter der Schlafzimmertür eingedreht und eine Gitterschaukel daran aufgehängt. Bei geöffneter Tür ließ es sich zwischen Wohn- und Schlafraum nun so gut schaukeln wie im Sonnenland neben der Laube. Die Kinder hatten sich jedoch nur kurze Zeit an dem Geschenk erfreuen können, denn im Februar waren sie ja aus Liegnitz geflohen.


Aus der Wasserleitung im Hausflur lief nur ein dünner Strahl. Ein Wunder, dass es überhaupt Wasser gab. Trudl schrubbte die Schaukel sauber, so gut es möglich war, hängte sie auf und setzte Moni hinein. Die Kleine war nun erst einmal beschäftigt. Eins der beiden Kinderstühlchen befand sich in noch brauchbarem Zustand. Darin saß Bärbel in der Nähe der Schlafzimmertür und schaute Moni beim Schaukeln zu.


Trudl reinigte die Couch. Offenbar hatte die als Gelegenheit für gewisse Dienste gedient. Sie war mit typischen Flecken übersät, aber wenigstens nicht beschissen! Vorerst würden die Kinder leider auf dieser Couch schlafen müssen, denn für die Kinderbetten gab es weder Kissen noch Zudecken. Wenn sie es geschickt anstellte, rettete sie vielleicht noch Federn für ein dünnes Deckbett. Nähzeug war vorhanden, dafür hatte sich keiner interessiert.


Bärbel hielt es nicht mehr auf dem Stühlchen, sie wollte unbedingt das Märchenbuch suchen. Trudl warnte: „Pass auf, wohin du trittst!” 


Das Kind balancierte um die Haufen und die schaukelnde Moni herum bis zum Kachelofen im Schlafzimmer. Dort schrie es wütend auf ...


So schnell wie möglich versuchte Trudl ins Schlafzimmer zu gelangen, rutschte auf einem Haufen aus und bekam glücklicherweise die Schaukel zu fassen. Die Seile hielten! Moni lachte fröhlich, weil sie glaubte, das sei ein Spiel.


Dann stand Trudl im Schlafzimmer und erkannte die Ursache für Bärbels Wutgeschrei: Das Märchenbuch lag in fast aufgelöstem Zustand auf dem Boden. Die Blätter waren herausgerissen und als Klopapier benutzt worden. Auf dem abgetrennten Buchdeckel machte sich ein eingetrockneter Scheißhaufen breit und ringsherum war es einmal sehr nass gewesen.


„Ich hasse sie! Ich hasse sie!”, schluchzte Bärbel. Sie hatte Helmut Pohl nicht verstanden, als er ihr erklärte, was Hass sei. Jetzt wusste sie, wie sich das anfühlte. Diese Gemeinheit hatten Ungeheuer wie das in Komotau begangen!


„Mäusl! Hör auf zu weinen”, tröstete Trudl. „Du bekommst ein neues Buch. Es wird genauso aussehen wie das alte, denn davon gibt es nicht nur eins.” Ihr Blick irrte umher, fiel auf die Spiegeltoilette und da erkannte sie das Bambi-Buch, offensichtlich unbeschädigt. Sie stieg über einen Haufen Federn, griff danach und hielt es hoch. „Sieh mal! Bambi ist noch da!” Bärbel ließ sich beruhigen. Trudl half ihr zum Stühlchen zurück und machte sich wieder ans Aufräumen. Sie kam nur langsam voran. Bis zum Abend schaffte sie es jedoch noch, ein dünnes Federbett für die Kinder zurechtzustopfen. Die heil gebliebenen Sofakissen steckte sie in Bezüge, die sie noch im Schrank vorgefunden hatte. Für das Federbett fand sich nichts Passendes.


Die Kinder hatten Hunger. Woher sollte Trudl etwas Essbares nehmen? Als habe sie etwas geahnt, brachte Käthe zwei Gläser Pflaumenkompott herüber. Martha Vogt war bald nach der Ankunft mit den Töchtern im Keller verschwunden und sie hatten nach oben getragen, was an eingeweckten Vorräten  noch zu finden war.


„Da unten ist es sauberer als hier oben”, berichtete Käthe. „Es sind schon welche vor uns im Keller gewesen, aber die kannten Frau Weigts Lager für schlechte Zeiten nicht. Die Vorräte sind jetzt drüben bei uns. Sie werden ein Weilchen reichen, wenn wir sparsam sind.” Und dann erzählte sie, dass sich im Mittelzimmer ganz eindeutig jemand aufhalte. „Vater vermutet, dass es Trieblich ist. Offenbar will er von uns nicht gesehen werden.”


Die Kinder schliefen, eins zu Häupten eins zu Füßen, auf der Couch. Trudl verbrachte die Nacht in einem heil gebliebenen Sessel, bedeckt mit ihrem Wintermantel, den sie unter einem Haufen Federn gefunden hatte. Sobald es draußen hell wurde, war sie wieder auf den Beinen, räumte und säuberte weiter. In der Waschküche im Hof lief das Wasser besser als oben im Hausflur. Sie füllte eine Wanne und walkte die Wolldecken durch.


Nach einigem Suchen fand sie eine Wäscheleine und Klammern. Der Tag versprach warm zu werden, also würden die Decken gut trocknen. Während sie aufhängte, läuteten auch an diesem zweiten Pfingstfeiertag die Glocken. Waren Pfarrer Smaczny und die Grauen Schwestern in Liegnitz geblieben? Gern wäre Trudl bis zur Kirche gelaufen, aber sie wagte sich nicht auf die Straße. Die Angst, noch einmal vergewaltigt zu werden, war zu groß. schrie ...te ihn mit der Tür zur Seite geschoben, wie eine breite Blutbahn zeigte.


Als Gertrud sich endlich vom Anblick des Toten zu lösen vermochte und ihre Blicke weiter durch den Bodenraum glitten, schrie sie auf, schrie ... und schrie ...


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