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Leseproben
"Der Narr und das Management"
(gekürzt)

Ein-Klang
Der Versuch einer Gebrauchsanleitung
Ich weiß, warum viele Menschen es lieben, Holz zu hacken.
Bei dieser Tätigkeit sieht man sofort das Ergebnis.
Albert Einstein
Ich weiß, warum viele Menschen es lieben, Holz zu hacken.
Bei dieser Tätigkeit sieht man sofort das Ergebnis.
Albert Einstein
Ich weiß, warum viele Menschen es lieben, Holz zu hacken.
Bei dieser Tätigkeit sieht man sofort das Ergebnis.
Albert Einstein
Wozu braucht ein Buch eine Gebrauchsanleitung?
Eine berechtigte Frage! Ich möchte zwei Dinge damit erreichen: Als Erstes möchte ich erläutern, warum ich gerade den Narren als Leitfigur für dieses Buch ausgewählt habe. Als Zweitens versuche ich Ihre Verwunderung über einige närrische Inhalte zu steigern, aber gleichzeitig diese soweit zu erklären, daß Sie nicht Angst davor bekommen. Denn Narren sind furchtlos! Als Drittes möchte ich deutlich machen, daß es verschiedene richtige Wege gibt, dieses Buch zu lesen und anzuwenden. Da Narren den Weg nicht kennen (deswegen sind sie ja so furchtlos!), haben sie damit wenig Probleme.
Eine berechtigte Frage! Ich möchte zwei Dinge damit erreichen: Als Erstes möchte ich erläutern, warum ich gerade den Narren als Leitfigur für dieses Buch ausgewählt habe. Als Zweitens versuche ich Ihre Verwunderung über einige närrische Inhalte zu steigern, aber gleichzeitig diese soweit zu erklären, daß Sie nicht Angst davor bekommen. Denn Narren sind furchtlos! Als Drittes möchte ich deutlich machen, daß es verschiedene richtige Wege gibt, dieses Buch zu lesen und anzuwenden. Da Narren den Weg nicht kennen (deswegen sind sie ja so furchtlos!), haben sie damit wenig Probleme.
Zum Ersten
Der Narr als Leitfigur und Wegweiser für dieses Buch
Als Leitfigur und Wegweiser für dieses Buch dient der Narr - seine Symbolik führt durch die einzelnen für die Leistungssteigerung im Unternehmen notwendigen Schritte und gibt damit diesem oft mißverstandenen, ja mißbrauchten Thema des "Reengineering" eine neue, menschliche Dimension.
Dieses Buch schlägt eine Brücke zwischen (scheinbar) widersprüchlichen Faktoren: Menschlichkeit im Unternehmen und der Notwendigkeit ständiger Leistungssteigerung. Es ist aber auch Wegweiser zwischen bewährten Managementmethoden und ganzheitlicher Denkweise - und soll nicht zuletzt dazu anregen, sich mit ungewohnten, neuen, "närrischen" Themen zu beschäftigen.
Der Narr ist der Ver-rückte, der aus der Norm gerückte und daher Ab-normale, der in sich den Samen des Genies trägt. Er ist der Katalysator zur Veränderung der Gesellschaft - jener Gesellschaft, die ihn heute ausgrenzt und in Irrenhäuser wegsperrt.
Dieses Buch fordert dazu auf, es dem Narren gleichzutun und alle Barrieren und Hindernisse in Ihrem Unternehmen, in Ihrem Arbeitsbereich, in Ihrem Leben, die einer Leistungssteigerung und einem langfristig gesicherten Erfolg im Wege stehen zu, ver-rücken.
Denn nur Narren als Manager und Mitarbeiter sind frei genug, um diesen mutigen Weg zu gehen, der den geforderten wirtschaftlichen Erfolg und die Zufriedenheit der Menschen im Unternehmen dauerhaft sicherstellt.
Zur Symbolik des Narren
Bei näherer Beschäftigung mit dem Narren und seiner Symbolik wurde mir klar, wieviele Analogien es dabei zum Management von Veränderungsprozessen im Unternehmen gibt.
Den Archetyp des "weisen Narren" findet man in vielen (alten) Kulturen und in allen Teilen der Welt. Sein Mangel an gesellschaftlicher Erfahrung sieht - oberflächlich betrachtet - wie ein Nachteil aus. In Wirklichkeit jedoch stellt diese Distanz vor der Gesellschaft, dieses "ausgeschlossen sein" sicher, daß er nicht von ihr eingezwängt wurde:
Sein "reiner Geist" ist jenen ungewöhnlichen Erfahrungen nicht verschlossen, die "gewöhnlichen Menschen" verborgen bleiben. Genau deswegen nennen diese ihn ja auch närrisch und sperren ihn weg.
Zum Zweiten
Das Symbol des Narren als Leitfigur wurde nicht ganz zufällig gewählt. Wann immer ich ein Tarot-Deck oder ein Buch darüber in der Hand gehalten habe, hat mich der Narr - diese rätselhafte Figur, die gleichzeitig am Anfang und am Ende steht - am meisten interessiert. Abgesehen von meiner Affinität zu dieser Figur (und zu meiner Identifikation mit ihr, auch wenn es mein Umfeld fallweise in Verwirrung stürzt) wurde mir bei näherer Beschäftigung mit dem Narren und seiner Symbolik klar, wieviele Analogien es dabei zum Management von Veränderungsprozessen im Unternehmen gibt.
Eine Anmerkung:
Wundern Sie sich bitte nicht über so manches in zwei Wörter aufgeteilte Wort (wie etwa Ein-Klang als Titel dieses Kapitels) - sie haben es erraten, auch hier steckt närrische Absicht dahinter: Die Absicht, durch diese Wort-Teilungen - fallweise versteckte - Bedeutungen von Wörtern zu betonen und deutlich zu machen.
Zum Dritten
Ich stelle es Ihnen frei, wie Sie dieses Buch lesen - es gibt sehr viele verschiedene richtige, aber keine einzige falsche Methode. Falsch wäre nur, es nicht zu lesen - aber Sie sind ja schon mitten drin.
Chaos-orientierte Diagonalleser mögen ungestört querdurch stöbern, bis sie an irgendeinem Text, irgendeinem Bild hängenbleiben.
"Ordentliche Leser" (oder weniger närrische) mögen es gerne Kapitel für Kapitel lesen.
Wann immer Sie irgendwo an-stoßen, irgendwo ein Thema finden, daß sie ab-stößt: lassen Sie es einfach aus (noch besser: lesen Sie es, und denken Sie darüber nach, was genau durch dieses Thema in Ihnen an-gesprochen wurde, an-geklungen ist). Sie werden bemerken, daß die den einzelnen Themen zugeordneten Basistexte dort, wo es in offensichtlicher und direkter Form um das Thema des Buches - um Leistungssteigerung im Unternehmen - geht ganz bewußt recht sachlich geschrieben sind. Dafür erlaube ich mir die närrische Freiheit, in den Variationen und Kadenzen zum Thema - scheinbar - weit abzuweichen, obwohl der Zusammenhang (zumindest für Narren deutlich sichtbar) immer da ist.
Wenn Sie nach der Lektüre dieses Buches zur Ansicht kommen, es sei ein recht ver-rücktes Buch, dann habe ich mein Ziel erreicht. Gehen Sie dann aber bitte auch den nächsten Schritt:
Ver-rücken Sie alle Barrieren und Hindernisse in Ihrem Unternehmen, in Ihrem Arbeitsbereich, in Ihrem Leben, die einer Leistungssteigerung und einem langfristig gesicherten Erfolg im Wege stehen.
Schon wieder ein Buch über Reengineering?
Nein - denn Business Process Reengineering ist nur eine mögliche Methode zur Leistungssteigerung im Unternehmen, und selbst dann nur eine Teil-Methode, denn ohne entsprechende begleitende Vorbereitung und Veränderungsmanagement ist Reengineering alten Stils eine vorwiegend für Crash- und Krisen-Management geeignete Methode, um kurzfristig deutliche Einsparungen (meist an Personalkosten) zu erzielen, aber keinesfalls, um langfristig den Unternehmenserfolg zu steigern.
Ja - denn die grundsätzliche Vorgangsweise des Business Process Reengineering ist eine hervorragende Methode, über die Optimierung von Prozessen nicht wertschöpfende Aktivitäten (aus Kundensicht) einzusparen und daher mehr Arbeitszeit den wertschöpfenden zu widmen - ohne Downsizing, aber mit deutlich besseren wirtschaftlichen Ergebnissen. Und natürlich finden sich die Grundzüge des Reengineering auch in diesem Buch, natürlich habe auch ich Hammer und Champy gelesen. - denn die grundsätzliche Vorgangsweise des Business Process Reengineering ist eine hervorragende Methode, über die Optimierung von Prozessen nicht wertschöpfende Aktivitäten (aus Kundensicht) einzusparen und daher mehr Arbeitszeit den wertschöpfenden zu widmen - ohne Downsizing, aber mit deutlich besseren wirtschaftlichen Ergebnissen. Und natürlich finden sich die Grundzüge des Reengineering auch in diesem Buch, natürlich habe auch ich Hammer und Champy gelesen.
Ein gravierender Widerspruch?
Mag sein - aber Sie werden sehen, daß dieses Buch voll von Widersprüchen steckt. Widersprüche, die zum Nachdenken auffordern, Widersprüche, die bei Ihnen Emotionen freisetzen werden. Und Emotionen sind gut, denn sie bringen etwas in Bewegung.
Vieles was ich von mir dachte,
war ich sicherlich noch nie,
und für vieles was ich bin,
fehlt mir noch die Fantasie.
Konstantin Wecker
"Inwendig Warm"

Aus-Klang
Aus-Klang
Am Ende dieses Buches, vor dem fertigen Manuskript habe ich nochmals nachgedacht, über den Entstehungsprozeß und was ich denn wirklich erreichen möchte mit diesem Buch.
Es gab einen Zeitpunkt - als etwa ein Drittel des Buches geschrieben war - da wäre ich fast der Versuchung erlegen, ein Buch nur über den Narren zu schreiben, denn es gab so viel, was ich nicht niedergeschrieben habe, weil es den Rahmen dieses Buches sprengen würde, und es gab so viel, was noch zu recherchieren wäre über ihn.
Zu diesem Zeitpunkt wurde mir klar, daß ein Narrenbuch ohne Bezug zu dem, was mit Menschen in Unternehmen passiert, ohne Bezug zum Druck auf alle Unternehmen, ihre Leistung ständig zu steigern und ihr Ergebnis laufend zu verbessern wenig Sinn gemacht hätte: Dieses Buch hätten keine Manager, sondern nur Narren gelesen - die kennen den Inhalt in dieser oder ähnlicher Form aber sowieso.
Wichtig ist es, daß ganz normale, seriöse, logisch denkende Menschen dieses Buch lesen und vielleicht - hoffentlich - auf diese Weise dahinter kommen, daß es neben Karrierestreben, EGT, Shareholder Value und Kostenreduktion auch Menschen im Unternehmen gibt, Menschen deren Potential nur dann zum Wohl des Unternehmens eingesetzt werden kann, wenn sie wenigstens ganz wenig närrisches Denken annehmen - ganz egal, in welcher Hierarchieebene diese Menschen arbeiten.
Ich erlaube mir zu träumen, daß das so oft zitierte "Human Capital" eines Unternehmens in naher Zukunft wirklich ernst genommen wird, genauso sorgsam behandelt wird wie jenes Unternehmenskapital, daß leichter in Geldwert zu messen ist.
Man wird ja noch träumen dürfen - als Narr!

Die Symbolik des Narren im Tarot
Der Narr nimmt in der Symbolik des Tarot eine ganz eigenartige Stellung ein, er steht am Anfang (die Null) und gleichzeitig am Ende der 22 Karten, schließt also den Kreislauf - und er ist die einzige Karte der "Großen Arkana" , also der symbolträchtigsten aller Karten, die bis heute im Rommé-Spiel als Joker überlebt hat. Oder besser ausgedrückt: Den man für so harmlos gehalten hat, daß man ihn überleben ließ. Aber davon später mehr.
Er ist ein Prinz aus einer anderen, fremden Welt
auf seiner Reise durch unsere.
Die Sonne, die hinter ihm scheint weiß,
wann er gekommen ist, wohin er geht
und wie er auf einem anderen Weg zurückkehren wird.
Arthur Edward Waite: The Pictoral Key to Tarot, vor 1910
Der Narr ist etwas besonderes - das erkennt man (zumindest im Tarot, manchmal auch im wirklichen Leben) schon an seiner Kleidung, spätestens aber an seinem närrischen Verhalten. Und er ist meistens auf der Durchreise, denn es hält ihn nicht lange an einem Platz, bei einem Thema, seine Neugier treibt ihn fort. Wir sollten uns die Erfahrung, die er in dieser fremden Welt gemacht hat, zunutze machen, ihm zuhören.
Und eines ist sicher: Der Narr kommt zurück, irgendwann auf seiner unendlich langen Reise, und nur die werden ihn wiedererkennen, die einen klaren Blick haben. Denn er kommt auf einem anderen Weg, in anderer Gestalt, mit anderen närrischen Ideen.
Er spaziert mit derselben Leichtigkeit in das Schloß des Königs
wie in das Dorf der Bauern.
Die Alten glaubten daran, daß Verrückte eine klaren Geist hatten,
da sie durch ihre Distanz von der Gesellschaft nicht
durch deren materiellen Zwänge eingeschränkt wurden.
A.E. Waite w.o.
Der Narr kennt keine Unterschiede und Standesdünkel - er ist doch selbst ein Ausgestoßener, von der Gesellschaft Gemiedener, Gesetzloser, Unberührbarer. Er geht daher mit der gleichen Selbstverständlichkeit auf den König zu, um ihm als Hofnarr zu dienen, wie er zum Bauern geht, um Knecht zu werden. Aber beides nur für die Zeitspanne, die er für angemessen hält, denn - Sie wissen es ja schon - der Narr liebt die Veränderung. Vielleicht führt er morgen einen Bauernaufstand gegen den König, oder er heiratet die Königstochter, wer weiß.
Der klare Geist der Narren - das ist ja eigentlich ein Widerspruch, denn Verrückte sperren wir doch schließlich in Irrenhäuser und nennen sie "geistig umnachtet". Aber "die Alten" - das sind jene Menschen einer lang zurückliegenden Zeit, die ohne technische Hilfsmittel, ohne moderner Kommunikationsmittel Wissen und Fähigkeiten hatten, die wir durch unsere Zivilisation längst verloren haben - haben es besser gewußt: Der Narr sieht klar und ungetrübt, denn er schert sich nicht um die Zwänge der Gesellschaft, er ist von ihnen nicht eingezwängt.
Wieder ein Grund mehr, warum der "alte" Narr verschwinden mußte, zuerst vom Christentum im wahrsten Sinn verteufelt und schließlich weggesperrt wurde. Und wieder ein Grund, warum es Narren im Unternehmen noch immer schwer haben - zum Schaden des Unternehmens.
Leistungssteigerung als zyklischer Prozeß
Leistungssteigerung als zyklischer Prozeß
Jede Leistungssteigerung, ja jede Veränderung im Unternehmen durchläuft einen zyklischen Prozeß aus der Stabilität über die durch Kreativität ausgelöste Instabilität in Akzeptanz und Erfahrung und damit wieder in die Stabilität - dort beginnt der Kreislauf von Neuem.
Dieser Kreislauf birgt eine große Gefahr in sich:
Die Angst
Es ist ganz natürlich, ein Teil unserer Ur-Instinkte, daß jede Veränderung spontan, instinktiv Verunsicherung und Angst auslöst. Jeder Einzelne hat die Freiheit, mit dieser Ur-Angst unzugehen:
-
Die Veränderung zu ignorieren und abzuwarten, was passiert
-
Die neue Situation zu überprüfen und anzunehmen
-
Maßnahmen zu setzen, um mit der neuen Situation zurechtzukommen
-
In Panik - und wenn es sein muß gewaltsam - die alte Ordnung wieder herzustellen.
Die letzte Option ist - leider - ein sehr "natürliches" Verhalten. Das haben wir irgendwann einmal gelernt, wie wir noch in Höhlen gelebt habe: Wenn sich irgendwas an unserer Umwelt verändert, wenn irgendwas nicht so ist, wie "es zu sein hat", dann heißt das "Gefahr".
Wenn Sie sich diesen oben beschriebenen Veränderungskreislauf dreidimensional vorstellen, kommen Sie dahinter, daß es sich in Wirklichkeit um eine Spirale handelt:
Jeder abgeschlossene Kreislauf, jede neu gewonnene Erfahrung hebt das Unternehmen (oder den Mitarbeiter im Unternehmen) auf eine neue Entwicklungsstufe. Wenn wir das Gleichnis mit der Höhle nehmen, war derjenige, der nicht angstgeschüttelt sich in der Ecke zusammengedrängt hatte, als es mitten in der Nacht vor der Höhle plötzlich hell wurde jener, welcher sein Steak zum ersten Mal gebraten essen konnte (auch wenn die anderen ihn einen Steinzeitnarren genannt haben!).
Und genau da sehen Sie die Fatalität dieser Angstreaktion: Wird die Veränderung (oder deren Auswirkung) gewaltsam verhindert, kehrt das Unternehmen (der Mitarbeiter) wieder an den Ausgangspunkt zurück, in die scheinbare Sicherheit der "alten Ordnung" - und aus der Spirale wird ein Kreislauf auf gleicher Ebene, ohne Weiterentwicklung. Was das für den Bestand eines Unternehmen heißt, ist klar: Höchste Gefahr!
Ein Mann,
der Herrn K. lange nicht gesehen hatte,
begrüßte ihn mit den Worten:"
Sie haben sich gar nicht verändert!"
"Oh" sagte Herr K. und erbleichte.
Bert Brecht, Geschichten über Herrn K.
Den inneren Narren finden
Den inneren Narren er-möglichen
Sei ohne Tun
auf daß nichts ungetan bleibe.
Lao Tse
Logisch denkende, weise Menschen haben es recht schwer mit dem Narren, denn Ihnen wurde (oder Sie haben sich selbst) über Jahre und Jahrzehnte eingebleut, sich "ordentlich zu benehmen" oder - noch schlimmer - sich "erwachsen zu benehmen" und nur Dinge zu tun, deren (möglichst finanzieller) Nutzeffekt deutlich erkennbar und kurzfristig realisierbar ist. Ihre Eltern haben sich redlich bemüht, aus Ihnen einen solch "ordentlichen" Menschen zu machen, Ihre Lehrer haben auch einiges dazu beigetragen.
Werfen Sie diesen Ballast über Bord - Sie erinnern sich, der Narr reist nur mit leichtem Gepäck - und versuchen Sie, Ihren inneren Narren zu erkennen, kennen zu lernen. Sie haben einen, glauben Sie mir, er wohnt nur sehr versteckt unter all den Krusten und Mustern Ihrer Vergangenheit.
Das Problem dabei: Mit Ehrgeiz, strategischem und strukturiertem Vorgehen haben Sie keine Chance, Ihren Narren zu finden. Am Beginn steht die Erkenntnis, daß auch Sie närrische Aspekte besitzen - diese Erkenntnis kommt meist sehr plötzlich, zur unpassendsten Gelegenheit, schockt Sie und noch viel mehr Ihre Umwelt. Erst wenn Sie diese Angst überwunden haben, machen Sie es Ihrem inneren Narren möglich, aus seinem Versteck herauszukommen und sich zu entfalten.
Den inneren Narren er-kennen
Licht?
Du mußt nur aus Deinem eigenen Schatten
heraustreten,
dann erkennst Du es.
Herrmann Hesse
Als nächsten Schritt probieren Sie einmal aus wie das ist, so richtig närrisch, verrückt, anders zu sein. Gehen Sie - Jahrzehnte nachdem man Ihnen das Singen ausgetrieben hat - in einen Gesangskurs, lernen, nein spielen Sie irgendein Musikinstrument, möglichst eines, auf dem man eigentlich keine Musik im "ordentlichen" Sinn machen kann, malen Sie Ihre Wände an, schreiben Sie ein Buch, trainieren Sie für den nächsten Marathon - auch wenn Sie jahrzehntelang unsportlich waren, machen Sie mit einem Schamanen eine Reise in eine andere Welt, laufen Sie über glühende Kohlen - Sie werden sehen, es macht Spaß!
Zu diesem Ausprobieren gehören zwei Dinge:
Der Mut, es gegen jede logische Vernunft ("Du kannst nicht singen" - "Du keuchst ja schon, wenn du die Stiegen hinaufgehst" - "Du hast überhaupt keine Zeit dafür" - "Kümmere Dich lieber um Deine Karriere") zu versuchen.
Das "Gespür", sich das richtige Thema, den richtigen Lehrer, die richtige Betätigung zu suchen - oder einfach wach und wach-sam darauf zu warten. Und eines im Auge zu behalten: Egal, was Sie auf diesem Weg erleben, es wird sie weiterbringen. Aber es wird Sie nur dann weiterbringen, wenn Sie sich nicht daran festklammern und wieder in Ihre alten Muster zurückfallen. Denn auch närrische Tätigkeiten kann man mit verbissenem Ehrgeiz betreiben - dann sind sie allerdings nicht mehr närrisch und Ihr innere Narr wird sich davon distanzieren.
Und noch etwas: Lassen Sie sich nicht zwingen, zu nichts und von Niemandem - Sie allein treffen die Entscheidung, was Sie tun und wie Sie es tun.
Den inneren Narren akzeptieren
Und frage nicht: "Was ist der richtige Weg?" Alle Wege sind richtig - oder falsch.
Es geht nicht darum, zu entscheiden, welcher Weg richtig ist.
Das einzige, was entschieden werden muß, ist der Weg, der zu dir paßt.
Baghwan
Sie haben den ersten Schritt zur Akzeptanz Ihres inneren Narren schon getan, indem Sie Ihn gesucht und gefunden haben und die ersten Schritte in die richtige Richtung gemacht haben. Bleiben Sie nach diesem ersten Schritt nicht stehen, sondern gehen Sie weiter. Dazu gehört auch, Ihrer "normalen" Umgebung zu erzählen, vorzuzeigen, was Sie da tun. Im Kapitel über Kreativität habe ich Ihnen klargemacht, daß kreative Gedanken allein nicht ausreichen, erst die Realisierung setzt den schöpferischen Akt.
Erzählen Sie Ihren Freunden und Kollegen, was Sie da tun, laden Sie sie ein, zu Ihrer Ausstellung, zu Ihrem Konzert, zu Ihrem Narrenfest - sie werden sehen, viele werden es ignorieren ("Der ist ja verrückt"), einige werden kommen, einige werden Sie beneiden, einige werden es Ihnen gleichtun. Aber Sie sollten sich bewußt sein, daß Sie einige Freunde verlieren werden, einige Kollegen Sie mit schiefen Blicken ansehen werden, ihre Karriere vielleicht gefährdet ist (pfeifen Sie drauf oder suchen Sie sich einen närrischeren Arbeitgeber) - die neuen, närrischen Freunde, die Sie bei dieser Gelegenheit dazugewinnen werden, machen das alles wett.
"Kindisch" werden viele Leute in Ihrer Umgebung zu Ihrem Verhalten sagen - richtig, kleine Kinder haben ihren inneren Narren noch nicht verloren, wissen noch nichts von Logik und Vernunft, sehen noch Zwerge und Elfen, dürfen noch träumen.
"Verrückt" werden viele Leute in Ihrer Umgebung sagen - richtig, Sie haben etwas ver-rückt in Ihnen, haben neue Dimensionen für sich geöffnet.
Den inneren Narren er-nähren
Da-Sein bringt Gewinn,
doch Nicht-Sein macht brauchbar.
Lao-Tse
Es genügt keineswegs, Ihren inneren Narren zu wecken - ist er einmal wach, will er Nahrung. Sie haben es weiter vorne in diesem Buch schon erfahren: Der Narr schreitet fort, sucht die ständige Veränderung, neue Abgründe über die er springen kann, neue Welten, die er erforschen kann.
Es wird also notwendig sein, Ihrem Narren immer wieder Nahrung zu geben - durch neue närrische Vorhaben, durch neue närrische Verhaltensweisen, durch neue Welten, die Sie sich erschließen.
Und damit schließt sich der Kreis zum Thema dieses Buches: Die Erneuerung muß ein fortschreitender Prozeß sein, ein Kreislauf, denn Stillstand bedeutet Tod.
Den inneren Narren weiter-geben
Das ist natürlich ein äußerst ehrgeiziges Vorhaben: Wenn Sie Ihren Narren gefunden haben, sollten Sie sich so überzeugend und positiv verändern, daß auch andere Menschen in Ihrer Umgebung Lust bekommen (Auch "Lust" ist ein Wort, daß "seriöse" Menschen nicht verwenden!) ihren Narren zu suchen. Aber Vorsicht: Fühlen Sie sich nicht als Missionar im negativen Sinn und versuchen sie Leute mit Zwang zu bekehren. Auch deren innerer Narr muß ohne Druck und durch Sie selbst erweckt werden. Und Methoden, Tätigkeiten, Lehrer, die Ihnen geholfen haben können für andere völlig falsch sein. Sie können nur Hinweise geben, Beispiele aufzeigen, Türen öffnen - durchgehen muß jeder für sich und in die richtige Richtung.
Wenn Du in einem Raum stehst,
der an drei Wänden eine Tür hat,
und an einer Wand keine
geh durch die Wand.
Sepp Resnik – Extremsportler (sehr frei zitiert)
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Der Narr und das Management

“Das hat dem modernen Manager gerade noch gefehlt. Unter dem Druck des globalen Wettbewerbs … sucht er Prozesse zu optimieren … und nun das: „Akzeptieren Sie Narren in Ihrem Unternehmen”, rät Fritz Maywald. “Und wenn Sie keinen haben, dann engagieren Sie einen.” Als ob es nicht genug Mitarbeiter gäbe, die den Ernst der Lage noch immer verkennen. Doch als Unternehmensberater weiß Maywald, wovon er schreibt. Das Loblied auf die Narretei dient in seinem Managementleitfaden nicht nur der Unterhaltung. Er huldigt dem „subtilen, plötzlichen Impuls von einer unerwarteten Seite“, der Kreativität gedeihen läßt.
Der Narr als Veränderungsmanager, als Schöpfer der viel beschworenen „lernenden Organisation“? So haben es sich auch die flexibelsten der modernen Manager nicht gedacht. Aber, leitet Maywald seine so geistreichen wie unterhaltsamen Gedanken ein: “Sie werden sich wundern, was Sie über Ihre Mitarbeiter, oder über sich selbst, alles erfahren.“
Handelsblatt „Das Wirtschaftsbuch fürs Wochenende“
„Die Botschaft des Buches lautet: Nur wenn kluge, furchtlose und erfinderische Narren Einzug in die Unternehmen halten, nur wenn die Manager närrischer werden, kann eine Brücke zwischen Menschlichkeit und Veränderung geschlagen werden.“
Windmühle Extrablatt
„Der Narr und das Management ist ein interessantes, unkonventionelles und mutiges Werk, das viele Leser verdient. Die jedem Abschnitt vorangestellten Zitate sind von erlesener Brillanz und verkünden bemerkenswerte Botschaften.“
Versicherungswirtschaft Nr. 13
„Der Autor, selbst Unternehmensberater, entdeckt den Narren als Leitfigur eines erfolgreichen Unternehmens. Als Querdenker soll er Neugier, Veränderungslust, Kreativität und Unabhängigkeit symbolisieren – alles Eigenschaften, die im modernen Management gefragt sind.“
Computerwoche „Närrisches Management“
„Führungskräfte auch in sozialwirtschaftlichen Unternehmen sehen sich den beiden – oft gegensätzlichen – Anforderungen des wirtschaftlichen Erfolges und des sozialen Auftrags ihrer Organisation gegenüber. Der Narr … kann gelegentlich als Leitfigur und Wegweiser für die richtige Vorgangsweise dienen.“
Social Management, Frankfurt „Vom Narren lernen“
„Der moderne Narr im Unternehmen wird immer da gebraucht, wo die Leistung der Mitarbeiter gesteigert werden soll. Über den Verlauf solcher Umstrukturierungen ist bereits viel geschrieben worden … das Besondere an seinem Ansatz ist, daß er zu jeder Projektphase den besonderen Wert des Närrischen hervorhebt. Aus Maywalds Ansatz folgt sein Ergebnis: Ein veränderungswilliges Unternehmen sollte einen Joker beschäftigen.“
Frankfurter Allgemeine Zeitung
„Auf den Narren zu hören heißt, offen zu sein für Veränderungen, lautet die Botschaft. Auch „seriöse, logisch denkende Menschen“ sollten das Potential der Joker unter ihren Mitarbeitern erkennen – und zugleich ihren „inneren“ Narren akzeptieren. Nur „närrische“ Manager hält Maywald für frei genug, um mutig neue Wege zu beschreiten.“
Stuttgarter Zeitung
„Ich war schon immer ein Narr. Seit ich Ihr Buch gelesen habe, bin ich stolz darauf!“
Ein Leser
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