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> Tierbücher > Wuff, miau und andere Töne
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Tierbücher
Buch Leseprobe Wuff, miau und andere Töne, Gisela Schäfer
Gisela Schäfer

Wuff, miau und andere Töne


Tiergeschichten

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Es würde sich sehr gut ausnehmen, wenn ich als Einleitung berichten würde, dass ich mit Tieren groß geworden bin und mir von klein an nichts Schöneres als den Umgang mit Haustieren denken konnte. Aber solche wohlklingenden Bemerkungen muss ich mir leider verkneifen, weil sie nicht der Wahrheit entsprechen. In meiner Kinderzeit hatten wir nicht ein einziges Tier, ich hatte sogar ziemlich Angst davor. Da war beispielsweise der Papagei von nebenan, der – jedenfalls nach Aussage der Besitzer – den deutschen Gruß krächzen konnte und mir, als ich ihn bei unserer ersten Begegnung freundschaftlich streicheln wollte, feste in den Finger biss. Da war auf einem Grundstück, an dem ich auf dem Schulweg immer vorbei musste, der schwarze, struppige Hund, der jenseits des trennenden Zaunes kläffend neben mir her rannte und mir so gefährlich erschien, dass ich in Panik gehetzt davonjagte, so schnell mich meine sechs-jährigen Beine trugen. Da war auf einem Bauernhof im Sudetengau, wo ich zwei Jahre lang lebte, der mir riesig erscheinende Hahn, der drohend seitlich auf mich zukam und mir, sobald ich angsterfüllt Fersengeld gab, in die Waden hackte, dass es blutete. Nein, meine Aussichten, selber Haustiere zu halten, waren nicht sehr groß und mein Wunsch danach auch nicht... Aber dann heiratete ich einen Mann, der mit Tieren eng verbunden war. Kinderbilder zeigen ihn mit Schafen, Hunden, Pferden, und in der Familie selbst gab es einen Hund und einen Laubfrosch. So kam es, dass wir nach unserer Eheschließung schon in unserer Mietwohnung bald eine Schildkröte, ein Streifenhörnchen und Fische besaßen. Unsere Kinder wurden also tatsächlich mit Tieren groß und wünschten sich im Laufe der Jahre immer noch weitere dazu, was aber erst möglich wurde, als wir ins eigene Haus zogen und mehr Platz hatten. Insgesamt lebten bei uns – natürlich nicht alle gleich-zeitig – außer den schon genannten Tieren eine weiße Maus, die meiner Jüngsten auf dem Feld zugelaufen war, ein Meerschweinchen, ein Kaninchen, das wir auf einer Ausstellung gewonnen hatten, ein Goldhamster, drei Wellensittiche, ein Kanarienvogel, drei Katzen mit fünfzehn Jungen in vier Würfen, zwei Zwergkaninchen, ein Chinchilla und ein Hund. Nicht von allen kann ich viel erzählen. Ich habe die herausgegriffen, die mir selbst am vertrautesten waren und am längsten bei uns lebten. Allen Tierfreunden viel Spaß beim Lesen! Gisela Schäfer Hermann Unser allererstes Haustier war eine Schildkröte. Mein Schwager Hermann brachte sie vor 46 Jahren meinem Mann als Geburtstagsgeschenk mit. Sie war handteller-groß, also wohl noch ganz jung. Er hatte sie in einem kleinen Karton untergebracht, wo sie offenbar geschlafen hatte. Als er den Deckel öffnete und sie herausnahm, traten Kopf, Beine und Schwanz hervor, die im Ruhezustand eingezogen gewesen waren. Wir bestaunten den schön gezeichneten Panzer und nahmen die schuppige Haut und die Schaufelstellung der Beine wahr. „Die frisst vor allem Salat“, wusste mein Mann. „Aber was sonst noch?“ „Der Tierhändler sagte, dass sie verschiedene Kräuter mag, die man draußen findet“, erwiderte Hermann, „außerdem alle überreifen Früchte, besonders Erdbeeren. Und manchmal soll sie Schabefleisch oder Hundefutter bekommen.“ „Und wo lässt man so ein Tier?“, fragte ich. „Wir können es doch wohl schlecht in der Wohnung halten, wo es sicher alles schmutzig macht.“ „Am besten im Garten“, meinte mein Schwager. „Wenn er ummauert ist, kann man es frei herumlaufen lassen.“ Da hatten wir gleich das erste Problem! Wir wohnten zur Miete und besaßen keinen eigenen Garten, und der des Eigentümers war noch nicht angelegt, – das Haus war ja gerade erst neu errichtet. Natürlich war auch noch keine Umzäunung vorhanden. „Ihr könnt das Tier im Karton halten“, schlug mein Schwager vor, „und lasst es nur frei, wenn ihr dabei seid.“ Na ja, so mussten wir es wohl handhaben, eine andere Möglichkeit sahen wir nicht. Als Nächstes befassten wir uns mit der Namengebung. Als Hermann uns darüber aufklärte, dass unser neues Familienmitglied eine griechische Landschildkröte – mit wissenschaftlicher Bezeichnung eine Testudo Hermanni – sei, kam natürlich nur ein einziger Name infrage: Hermann. Als wir das unserem Vermieter erzählten, brach er in schallendes Gelächter aus, - er hieß nämlich genauso. Unser neuer Hausgenosse hatte einen ausgeprägten Freiheitsdrang. Offensichtlich hasste er Einengungen. Setzten wir ihn in den Karton, machte er darin durch unentwegtes Hin- und Herlaufen und Sich-Hochrecken und Drehen an den Wänden, wobei seine stumpfen Krallen an der Pappe entlang schabten, einen unglaublichen Lärm. Ließen wir ihn draußen frei, mussten wir, vor allem bei warmem Wetter, ein waches Auge auf ihn haben. Als wechselwarmes Tier bewegt sich eine Schildkröte bei kühler Witterung im Zeitlupen-tempo. Aber bei höheren Temperaturen legt sie in kurzer Zeit mehrere Meter zurück. Mehr als einmal war Hermann verschwunden. Da der Garten anfangs ohne Begrenzung ins freie Gelände überging, musste ich oft lange herumlaufen, ehe ich den Unruhgeist wiederfand. Einige Male buddelte er sich bei Regenwetter in die Erde und kam erst nach Tagen, als es wieder trocken und wärmer war, zum Vorschein. So suchten wir nach einer Lösung, das Weglaufen unserer Schildkröte zu verhindern. Es fiel uns nichts anderes ein, als sie wie eine Ziege anzupflocken. Ich klebte ihr einen Stoffgürtel mitten auf den Panzer und befestigte ihn an einem Stab, den ich in den Boden steckte, Ideal war das nicht; denn nun lief sie immer im Kreis. Aber eine bessere Idee hatten wir nicht. Ich steckte zwar den Stock täglich um, damit Hermann neue Möglichkeiten zum Fressen bekam – er nahm z. B. sehr gerne Löwenzahn und Klee – , aber die Kreislauferei änderte sich dadurch natürlich nicht. Erst nachdem wir selbst gebaut hatten, bekam Hermann seine Freiheit. Doch zunächst musste er sich sieben Jahre lang mit dem Angebundensein abfinden und nachts im Karton schlafen. Im zweiten Jahr, das Hermann bei uns verbrachte, machten mein Mann und ich (Kinder hatten wir damals noch nicht) Urlaub im Gartenhäuschen von Tante Lotte und Onkel Paul in Hagen, während die beiden zu Besuch bei anderen Verwandten waren. Die Schildkröte hatten wir mitgenommen, weil wir keine Möglichkeit sahen, sie irgendwo unterzubringen. Das Wetter war sehr schön in diesen vierzehn Tagen, und so hielten wir uns unentwegt draußen auf und ließen Hermann frei herumlaufen. Als wir einmal nur einige Minuten nicht Acht gaben, war er weg! Die ganze restliche Urlaubszeit haben wir nach ihm gesucht. Vergeblich! Schließlich fuhren wir sehr traurig mit einem leeren Karton nach Hause. Ein hermannloses Jahr ging vorüber. Kurz vor den nächsten Sommerferien machten meine Eltern an einem Wochenende eine Verwandtenrunde in Hagen und besuchten dabei auch Tante Lotte und Onkel Paul. Als sie zurückkehrten, sagte mein Vater sehr geheimnisvoll: „Wir haben euch etwas Besonderes mitgebracht. Ratet mal!“ Wir kamen natürlich nicht drauf. Da holte er aus dem Kofferraum einen Karton heraus. Sollte das etwa...? – Er war es, unser vermisster Hermann! Mein Vater berichtete, was er von seinem Bruder erfahren hatte: Tante Lotte kam eines Tages mit einer ihr fremden Frau aus der Schrebergartenkolonie ins Gespräch, und diese erzählte ihr, dass sie im Vorjahr auf dem Hauptweg eine handtellergroße Schildkröte gefunden hatten. „Nein, so was!“, hatte meine Tante gerufen. „Die ist meiner Nichte im vergangenen Jahr entlaufen!“ Die Frau holte das Tier sofort, und so bekamen wir den Ausreißer wieder.


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