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Tierbücher
Buch Leseprobe Sturm über den Highlands, Aileen P. Roberts
Aileen P. Roberts

Sturm über den Highlands



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Aus diesem Buch:  

An einem regnerischen, windigen Abend saßen Mara und Ian vor dem offenen Kamin. Das Torffeuer prasselte behaglich, während draußen der Wind ums Haus pfiff. Granny und Grandpa waren bereits ins Bett gegangen. Mara räkelte sich behaglich und kuschelte sich in ihre Decke. Sie blickte in die Flammen und sagte: »Also irgendwie finde ich auch den Winter schön. Es ist zwar stürmisch und kalt, aber alles ist so ruhig und friedlich.«

Ian nickte und legte einen Arm um sie. Er hatte gerade in einem Buch gelesen.

»Ja, so vor dem offenen Kamin kann man es wirklich aushalten …«, begann er, als das Telefon klingelte. Er verzog das Gesicht. »Oh nein, hoffentlich muss ich jetzt nicht wieder weg.«

Auch Mara machte ein wenig begeistertes Gesicht. Ian stand auf und hob ab. Kurz darauf kam er mit erschrockenem Gesichtsausdruck zurück.

»Schnell Mara, zieh dich an, die Pferde sind ausgebrochen. Mr. Burton hat angerufen. Gerade ist eine Herde Pferde an seinem Fenster vorbei galoppiert.«

»Oh Shit!«, rief Mara und rannte nach oben.

Ian weckte seinen Großvater und rief bei Leslie und John an, damit sie ihnen halfen.

Schnell sprangen alle in Ians Auto und fuhren durch das kleine Dorf zu Mr. Burton, der am Ende von Clachtoll wohnte. Auch Leslie und John kamen gerade angefahren.

Der ältere Mann, der eine Schaffarm betrieb, begrüßte sie im Regen vor der Haustür und erzählte in seinem grollenden Dialekt, dass er nur kurz vor die Tür geschaut hätte und ihm die Pferde entgegengekommen wären. Sie seien die Strasse in Richtung Stoer hochgaloppiert.

Mara und Ian bedankten sich. Sie fuhren die Strasse hinauf und ein Stück hinter Clachtoll sahen sie plötzlich am Straßenrand die große Gestalt von Schorsch, der ihnen im grellen Scheinwerferlicht entgegenblinzelte.

»Na Gott sei dank«, seufzte Grandpa und stieg aus. »Ich möchte nur wissen, was die so aufgescheucht hat.«

Die Herde stand vollzählig neben der Strasse und knabberte an dem spärlichen Gras herum. Irgendwie wirkten jedoch alle ein wenig aufgeregt. Ian hatte Myrrdin bereits das Halfter übergestreift und hielt Schorsch mit der anderen Hand fest. Leslie hielt Mary am Strick, Grandpa hatte Charly eingefangen und Mara drückte ihm gerade Heathers Strick in die Hand. Rhiann stand etwas abseits. John lief zu ihr und wollte sie gerade einfangen, doch Rhiann schnaubte ängstlich und galoppierte ein paar Schritte weg. John meinte es wohl nur gut und rannte ihr hinterher.

»Nein, warte John«, rief Mara. »Sie hat doch vor fremden Männern Angst.«

Doch es war bereits zu spät. Rhiann galoppierte wie vom Teufel gejagt davon in die finstere, regnerische Nacht. Die anderen Pferde wurden ein wenig unruhig und schnaubten ängstlich. Mara fluchte leise und rannte hinterher.

»Mara warte, ich komme mit«, schrie Ian ihr hinterher, der gerade mit dem zappelnden Myrrdin kämpfte, doch Mara hörte nicht und war kurz darauf verschwunden. John kam mit betretenem Gesicht zurück.

»Tut mir Leid, ich wollte doch nur helfen.«

»Rhiann wird nicht weit gehen«, sagte Grandpa beruhigend.

Sie warteten eine ganze Zeit, es regnete immer stärker und bald waren alle klatschnass. Ian wurde immer unruhiger. Mara und Rhiann waren immer noch nicht aufgetaucht. »Wo bleiben die denn so lange?«, fragte er ungeduldig und starrte angestrengt in die Nacht.

Doch auch nach einer halben Stunde war von den beiden nichts zu sehen. Auch Grandpa wirkte mittlerweile ziemlich besorgt.

»Ich verstehe das nicht. Rhiann würde doch nicht so lange von ihrer Herde wegbleiben. So ein Mist, jetzt werden wir alle klatschnass«, sagte er.

»John, traust du dich zwei Pferde zu führen? Dann könnt ihr nach Hause gehen und ich suche Mara«, sagte Ian besorgt.

John machte ein unsicheres Gesicht. Die ruhige Heather traute er sich ja noch zu, aber vor Myrrdin hatte er ziemlichen Respekt.

»Warte, ich nehme Myrrdin und Schorsch, dann kann John Charly und Heather führen, die sind ruhiger«, schlug Grandpa vor.

John nickte erleichtert. Jetzt war er heilfroh um die heimlichen Reitstunden bei Mara, sonst hätte er sich das sicher nicht getraut.

»Bist du sicher, dass du das schaffst?«, fragte Leslie kritisch, die sich sehr über ihren Mann wunderte. Doch John nickte beruhigend.

Ian rannte los und Grandpa rief ihm hinterher, dass er später mit dem Auto nachkommen würde.

Mara war einfach blind drauflosgerannt. Natürlich war sie nicht so schnell wie ihr Pferd, aber sie hatte panische Angst, dass Rhiann etwas passierte und sie vielleicht in der Dunkelheit auf dem matschigen Boden stürzte, vor allem da Rhiann ja trächtig war. Immer wieder rief sie Rhianns Namen und glaubte auch hin und wieder das Geräusch von Hufen zu hören, aber wirklich sehen konnte sie in der Dunkelheit und dem Regen nichts. Bald war Mara klatschnass, da sie in der Hektik ihre Regenjacke nicht gefunden hatte. Ständig trat sie in irgendwelche Matschlöcher und fiel hin, als sie in der Dunkelheit einen kleinen Abhang übersah. Sie fluchte und stand schlammbespritzt auf.

»Rhiann, Rhiann«, rief sie immer wieder. Normalerweise hörte das Pony auf seinen Namen.

Mara wusste überhaupt nicht, warum Rhiann so panisch davon galoppiert war. Sicher, sie mochte keinen fremden Männer, aber John hatte sie schon öfters gesehen und so ängstlich wie früher war das Pony jetzt auch nicht mehr. Mara hatte vollkommen das Zeitgefühl verloren. Sie stolperte durch das Heidekraut und wusste schon gar nicht mehr, wo sie eigentlich war. Endlich hörte es auf zu regnen und der Himmel riss hier und da auf. Der Mond stand groß und beinahe voll am Himmel, die Sterne leuchteten auf sie herab. Doch da noch immer ein frischer Wind wehte, war ihr reichlich kalt in ihren nassen Kleidern. Mara konnte jetzt zumindest etwas mehr sehen, da der Mond ihren Weg beleuchtete, doch von Rhiann war nichts zu erkennen. Sie seufzte und begann, in Richtung Strasse zu laufen, sie hoffte den richtigen Weg einzuschlagen, da sie scheinbar ziemlich weit in die Hügel gelaufen war. Verdammt, wo ist sie denn nur hingelaufen?«,fragte sich Mara und schlang fröstelnd die Arme um ihren Oberkörper. Der nasse Schafswollpulli wärmte so gut wie gar nicht mehr. Wahrscheinlich ist sie nach Hause galoppiert und steht schon in ihrem trockenen Unterstand, dachte sie wütend.

Mara stolperte weiter durch Matschlöcher, über Hügel und Felsen. Es war eine unheimliche, kalte Nacht. Der Mond ließ die Umgebung irgendwie mystisch und geheimnisvoll erscheinen. Der Wind erzeugte merkwürdige Geräusche und Mara kam sich plötzlich furchtbar alleine vor. Sie schluckte und riss sich zusammen.

Es ist sicher nicht mehr weit zur Strasse und Ian kommt mich bestimmt holen, sagte sie sich selbst, um sich Mut zu machen.

Aber die Strasse war scheinbar weiter entfernt als sie gedacht hatte. Mara war mittlerweile den Tränen nahe. Ihr war kalt, sie machte sich Sorgen um ihr Pony und außerdem fand sie es unheimlich so ganz alleine hier draußen. Irgendwann sah sie eine Gestalt auf sich zukommen.

»Ian?!«, rief sie erleichtert und rannte in seine Richtung.

Doch dann stockte sie. Das konnte nicht Ian sein, der war wesentlich größer. Mara schluckte und blieb stehen. Ihr stellte sich eine Gänsehaut auf. Der Mann kam weiter auf sie zu, doch nun erkannte sie zu ihrer Erleichterung, dass es Hamish war. Der alte Schäfer kam in seinem langen Mantel und mit dem Stock in der Hand auf sie zu...


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