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Tierbücher
Buch Leseprobe Seelenkatze, Susanne Hartwig
Susanne Hartwig

Seelenkatze


Über Tierliebe und Abschied

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Einleitung


 


Als meine geliebte Kartäuserkatze Daisy an einem sonnigen Septembermorgen starb, ging für mich ein Lebensabschnitt zu Ende, der mich für immer verändert hat. Ich habe durch dieses bezaubernde sanfte, humorvolle, geduldige Geschöpf unendlich viel über das Leben und zuletzt auch über das Sterben gelernt.


 


Das Thema Tod steht im Zusammenleben mit einem Tier immer im Raum. Wir mögen es eine ganze Weile verdrängen, doch früher oder später können wir dem Unvermeidlichen nicht länger ausweichen. Das sehe ich aber auch als großes Geschenk an, welches uns unsere Tiere machen. Wann denken wir sonst über den Tod nach, wenn wir nicht durch einen Schicksalsschlag dazu gezwungen werden? Es gibt bekanntlich nichts auf der Welt, was uns so sicher ist, wie das eigene Sterben und das unserer Lieben. Aus dem Verdrängen dieser Tatsache entstehen jedoch viele Verwirrungen des Menschen - von harmlosen Ersatzbefriedigungen bis hin zu schweren seelischen Störungen.


Ich habe mich schon immer für diesen Grenzbereich des Lebens sehr interessiert und den Tod nie als grausamen Endpunkt angesehen. Für mich ist er wie ein Übergang von unserer sichtbaren Wirklichkeit in eine andere Ebene, und das Sterben sehe ich als eine Geburt dorthin.


 


Daisy's letztes Lebensjahr war für mich eine intensive, beanspruchende Zeit, doch immer wieder durchzogen von Sonnenstrahlen, die diese Katze bis zum Schluss einfing und wieder aussandte.


 


Mein besonderer Dank gehört Sabine Arndt und Petra Kriegel, deren Buch über Sterbebegleitung für Tiere mir in der Zeit Daisy's fortschreitender Schwäche eine wertvolle Hilfe war bei der schweren Entscheidung zwischen Euthanasie und natürlichem Sterbeprozess. So konnte ich mich schon ein Jahr vorher auf das kommende Unbekannte einstellen und geriet nicht in Panik, als es soweit war. Dass trotzdem Zweifel bleiben, ob die Entscheidung, die wir einem uns ausgelieferten Tier zumuten, richtig war, gehört wahrscheinlich zum Leben dazu.


 


Die Idee zu diesem Buch entstand nach dem Tod meiner Katze. Es möchte einerseits ein Ratgeber für Menschen sein, die sich Gedanken über Sterben und Tod ihrer Haustiere machen, zu eigenen Entscheidungen ermutigen und Hilfe für die Zeit der Trauer bieten. Andererseits befasse ich mich im letzten Kapitel mit dem vielfältigen Thema Tierliebe.


Dabei greife ich sowohl auf Erfahrungen aus meiner mehrjährigen tierpsychologischen Beratungstätigkeit zurück als auch auf psychologische und philosophische Einsichten, die ich in den letzten Jahren gewonnen habe.


Ich möchte einige Aspekte unseres Umgangs mit Tieren etwas näher beleuchten, weil ich glaube, dass über die Mensch-Tier-Beziehung viele Missverständnisse existieren. Besonders wichtig ist es mir dabei, aufzuzeigen, wie eng unsere eigene psychische und physische Gesundheit mit dem Wohlergehen der Tiere zusammenhängt und dass es eine Kausalkette gibt, die immer wieder Leid für Mensch und Tier produziert.


Wenn ich mit meinen Gedanken einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, dass unser Planet lebenswerter wird für Mensch und Tier, würde mich das sehr freuen.


 


Ich wünsche Ihnen viele schöne, liebevolle Stunden mit Ihren Tieren und bedanke mich herzlich für Ihr Interesse an diesem Buch.


 


Susanne Hartwig


 


Daisy's Geschichte


 


Als ich mich auf den Weg machte, um Daisy und ihre Schwester endlich kennenzulernen, wusste ich schon Einiges aus Erzählungen der Züchterin über die beiden Kartäusermädchen. Daisy war das Mama-Kind, das ihrer Mutter Lilli nicht von der Seite wich, während ihre Schwester verliebt in den Papa war.


Ich war eigentlich schon vor der ersten Begegnung sicher, dass ich mich für Daisy entscheiden würde. Mich beeindruckte ihre Geschichte sehr und ich fühlte mich diesem Kätzchen, ohne es gesehen zu haben, bereits verbunden. Schon ihr erster Lebenstag verlief dramatisch: Das kleine Katzenkind kam mit einem offenen Bauch zur Welt und nur, weil es so kämpferisch und lebenshungrig in ihrer Hand quietschte, fuhr die Züchterin mitten in der Nacht ins nächste Dorf zum einzigen diensthabenden Tierarzt, der sonst nur Rinder behandelte. Ihm war das Ganze auch nicht so geheuer, weil er so etwas Winziges noch nie operiert hatte. Aber er tat sein Bestes, gab Daisy aber keine gute Prognose. Er glaubte, dass sie trotz OP die Nacht nicht überstehen würde.


Aber meine Daisy überlebte und entwickelte sich zu einer schalkhaften, tollpatschigen kleinen Katze, die auch gern mal in ihren Wassernapf purzelte. Wahrscheinlich lernte sie damals schon, Wasser zu schätzen. So wusch sie sich immer erst sorgfältig die Vorderpfötchen, bevor sie aus ihrem Napf trank. Das wurde schnell eines ihrer vielen liebenswerten Rituale.


Als Daisy und ich uns dann zum ersten Mal begegneten, fiel meine endgültige Entscheidung für sie recht schnell, als sie mir mit einem neckischen Zwinkern in meinen großen Zeh biss. Das Wissen um ihre aufregenden ersten Lebenstage und ihre kleine Kämpfernatur machten das Bild von „meiner“ Katze komplett. Am Bauch hatte sie immer noch die große Narbe und wir witzelten, dass der Tierarzt lieber gleich einen Reißverschluss hätte einnähen sollen, denn in ein paar Monaten würde Daisy's Kastration anstehen.


 


Ein paar Wochen nach dieser ersten Begegnung durften wir sie dann endlich abholen in ihr neues Zuhause. Daisy war jetzt zwölf Wochen alt und ihre wunderbare Katzenmama, die ihre kleine Daisy immer im Schlepptau hatte, blinzelte nur träge, als ihr Töchterchen in meinen Katzenkorb kletterte. Auch als ich die Klappe schloss, blieb sie entspannt liegen und ich war froh, dass ich Lilli's Segen hatte. Mir tat es furchtbar leid, die beiden zu trennen, denn sie waren nach wie vor ein Herz und eine Seele.


Daisy legte sich, satt wie sie war, erstmal gemütlich im Korb schlafen (obwohl – satt war sie eigentlich nie). Als wir sie zum Auto trugen, blieb auch zunächst alles ruhig. Während der Fahrt wurde ihr die Sache dann aber wohl doch langsam mulmig und sie miaute etwas, womit sie uns einen ersten Eindruck von ihrer melodiösen, siamartigen Stimme gab.


Gleich als wir zu Hause ankamen und sie alles neugierig ausgekundschaftet und beschnuppert hatte, schnappte Daisy sich eine Sisalrolle und kullerte damit gefühlte zwei Stunden durch den Flur. Ich versuchte immer wieder, ihr spielerisch die Katzenklappe zu erklären, durch die sie ins Bad zu ihrer Toilette gelangen konnte. Dazu hielt ich die Klappe hoch, während sie begeistert rein- und rauskletterte, um die Papierkugel zu fangen, die ich ihr hinwarf. Nachdem sie das, ohne aus der Puste zu kommen, -zigmal gemacht hatte, dachte ich, es wäre an der Zeit für sie, zu begreifen, dass ich die Klappe nicht den ganzen Tag hochhalten kann. Ich war auf ein großes Theater gefasst, als sie drin im Bad war und erwartete schon das Ertönen des Gesangs, den ich die nächsten zwölf Jahre noch lieben, aber auch fürchten lernen sollte. Es dauerte keine Minute, da stolzierte sie mit erhobenem Schwänzchen, ohne einen Laut von sich zu geben, zielstrebig durch die Klappe heraus. Ich staunte nicht schlecht.


Gleich wandte sie sich wieder ihrer Sisalrolle zu und polterte weiter damit durch den langen Flur. Erst einige Zeit später wurde sie müde, hüpfte aufs Sofa, begann ihr hochwissenschaftliches Einroll-Ritual und schnurrte vor sich hin. Ich hatte Bedenken, dass sie mitten in der Nacht aufwachen könnte und herzzerreißend nach ihrer Mama rufen würde. Aber sie war von dem aufregenden Tag wohl so mitgenommen, dass sie bis morgens durchschlief. Wir wachten von ihrem Hunger-Morgenlied auf und begeisterten sie mit ihrem ersten Frühstück im neuen Heim. Ich glaube, erst da beschloss sie, zu bleiben. Liebe ging bei ihr buchstäblich durch den Magen und ich bin sicher, für ein leckeres Essen wäre sie mit Jedem mitgegangen.


Diesem ersten Morgen mit Daisy folgten Wochen, Monate, Jahre voller Freude, Schalk, Streicheleinheiten, innigstgeliebter Sonnenplätze, waghalsiger Kratzbaummanöver, irrer Sprungakrobatik, ohrenbetäubender Hunger-Gesänge, fröhlichem Erzählen in immer neuen Tonfolgen, verzücktem Meisen-Beobachten im Baum vor dem Fenster, wohligem Schnurren von Sonnenaufgang bis zum Mondschein... Ja, ich glaube, diese Katze war glücklich. Dazu trug wohl wesentlich ihr ausgeglichenes Naturell bei. Sie lebte ihr Leben mit einer gewissen stoischen Grundheiterkeit, die sie bis zu ihrem Tod nicht verlor.


 


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