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Tierbücher
Buch Leseprobe Ist ja tierisch, Claus Beese (Hrsg.)
Claus Beese (Hrsg.)

Ist ja tierisch


Tiergeschichten-Anthologie

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Der Eckenschieter

von Claus Beese


 


 


Eines Tages stand Onkel Jupp in der Tür unserer Gaststätte im Bahnhof, auf dem Rücken seinen Seesack und in der Hand eine große Reisetasche. Onkel Jupp, dessen Nachname so kompliziert war, dass wir ihn kaum aussprechen konnten, fuhr als Maschinen-Ingenieur auf einem Frachter rund um die Welt. Sein Dampfer war von einer langen Reise nach Bremen zurückgekehrt. Mittelmeer, Suez-Kanal, Arabischer und Persischer Golf und dann Indien. Häfen wie Dubai, Basra, Khorramschar, Bombay; Onkel Jupp konnte stundenlang über sie erzählen.


„Und im Hafen von Bombay, Kinners, ick konnt dscho gor nich anners, da hab ich mir ein kleines Mitbringsel gekauft, das zeich ich euch ma!“


Er griff zu seiner Reisetasche, stellte sie vorsichtig vor sich auf den Tisch und schaute bedeutungsvoll in die Runde. Erst, als er sicher war, dass alle Umstehenden und am Tisch Sitzenden mit voller Aufmerksamkeit und aller Neugier auf ihn starrten, öffnete er den Reißverschluss der Tasche ein ganz klein wenig. Heraus kam ein Schwanz, braun behaart, zum Ende hin spitz zulaufend.


„Oh! Ein Affe“, vermuteten die Umstehenden in ihrer ganzen Unwissenheit und Onkel Jupp griff nach dem buschigen Schwanz und zog ihn ein wenig in die Höhe.


„Sieht so der Schwanz eines Affen aus?“, fragte er und schaute strafend in die Runde. Dann ließ er die Flaschenbürste los, die blitzartig wieder in der Tasche verschwand und im nächsten Moment tauchte aus der Öffnung der putzige Kopf eines Wesens auf, das entfernte Ähnlichkeit mit einem Marder hatte. Bräunlich-silbernes, kurzes Fell, schwarze Knopfaugen und kleine runde Ohren, die wie an den Kopf gesteckt aussahen. Das Tier blickte umher und ließ ein leises Keckern hören, wobei es eine Reihe spitzer Raubtierzähne zeigte. Im Nu flogen ihm die Herzen aller Anwesenden zu und die von uns Kindern ganz besonders.


 


„Was ist denn das für eine Ratte?“, wollte Ludwig, ein Stammgast, wissen.


„Ratte? Ludwig, du tünst wohl? Das ist doch ein Mungo! Kennst du nicht die Geschichte von Rikki-Tikki-Tavi, dem berühmten Schlangentöter aus Rudyard Kiplings Geschichten?“


„Rikki-was? Radscha-wer? Mensch, Jupp! Du warst wohl zu lange ohne Kopfbedeckung in der Sonne, wa?“


„Ist der süüüüß!“, befanden meine  Schwestern. „Kann man den mal streicheln?“


 „Onkel Juhupp! Wie heißt der Mungo?“, fragte eine der Schwestern und der Seemann schaute etwas irritiert zur Seite.


„Wie? Was? Wieso? Der heißt Mungo, der Mungo.“


Das war doch wohl kein Name! Man rief einen Hund auch nicht „Hund“. Nein, so ging das nicht! Das arme Tier brauchte dringend einen Namen.


„Aber nix indisches!“, brummte Ludwig. „Man muss ihn ja schließlich auch aussprechen können, nich?!“


„Schaut doch, dieses niedliche, kleine, freche Gesicht. Und wie er meckert! Der kann nur Felix heißen!“, stellte meine älteste Schwester fest. Und so tauften wir den Mungo auf den Namen Felix, der Glückliche.


 


Onkel Jupp war Junggeselle und das war auch gut so. Was hätte er als Seemann denn auch mit Frau und Kind anfangen sollen? Er war ja doch nie daheim. Und so kam, was kommen musste: Nach vier Wochen Landurlaub hieß es für ihn wieder Seesack packen und ab auf die nächste Reise. Nur…, wohin mit Felix?  Das Bordleben würde dem kleinen Kerl sicher auf Dauer nicht bekommen. Was er brauchte, war jemand, der sich ständig um das Tier kümmern konnte, mit ihm spielen würde...! - Spielen? Kinder! Aha!


 


So wuchs unsere Familie noch ein klein wenig weiter und der Mungo fühlte sich bei uns sehr wohl. Er fand schnell heraus, was wir nicht wussten. Nämlich, dass der ganze Bahnhof, in dem wir lebten, von Versorgungsschächten und Gängen durchzogen war, in denen es sich herrlich jagen ließ. Was machte es denn schon, dass es hier keine Schlangen gab? Konnte man sich doch herrlich mit den Ratten und Mäusen balgen, und man wäre kein Mungo, wenn man nicht auch über sie der Sieger geblieben wäre. Der Rattentöter tauchte mal hier, mal dort auf, mal huschte er über die Bahnsteige, mal trottete er keckernd durch die unterirdischen Gänge des Bahnhofs und es dauerte nicht lange, da war das ganze Gebäude quasi „Rattenfreie Zone“.


 


Direkt neben dem Bahnhof stand und steht noch heute der Rest eines im Krieg nicht mehr fertig gebauten Bunkers. Nachdem Felix das ganze Haus von den lästigen Nagern befreit hatte, dehnte er sein Revier nach dort hin aus, denn der Bunker diente den Ratten als Refugium, in welches sie sich zurückzogen, wenn Felix auf Patrouille war. Und auch hier setzte er sich binnen kürzester Zeit durch. Felix war nunmehr der uneingeschränkte Herrscher des Bahnhofs und so benahm er sich auch. Als eigentlich im tiefsten Innern noch immer wildes Tier, war er nicht dressierbar und erledigte seine Geschäfte, wo es ihm gerade so einfiel oder es halt einfach sein musste. Das war meistens draußen, aber er machte nicht wirklich einen Unterschied zu drinnen. Seine Hinterlassenschaften in Form kleiner schwarzer Würste fanden sich im ganzen Haus, bevorzugt unter den Betten, Schränken und Kommoden, also dort, wo man sie erst fand, wenn einen die Nase da hinführte.


Als nachtaktives Tier trottete er des Nachts durch die Wohnung und suchte sich gegen Morgen ein warmes, heimeliges Plätzchen an dem er sein müdes Haupt zur Ruhe betten konnte. Dabei bevorzugte Felix die wirklich kuscheligen Orte, huschte unter unsere Bettdecken und rollte sich an unseren Füßen zusammen. Gelegentlich drückte ihn noch die Blase, weil er einfach vergessen hatte es anderswo zu erledigen, aber was machte es für ihn denn für einen Unterschied, ob woanders oder genau hier? Also wurde es erst warm und feucht an den Beinen, dann kalt und nass und eklig. Und es stank!


 


Man sagt, der Mungo habe hier in Europa keinen natürlichen Feind. Doch das stimmt so nicht ganz. Auch Felix musste bald begreifen, dass seine uneingeschränkte Herrschaft über den Bahnhof und den Bunker doch gewissen Grenzen unterlag. Und diese Grenzen setzte ihm.... Mehr im Buch


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