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Tierbücher
Buch Leseprobe Die Pferdefreunde vom Bärensee, Martina Sein
Martina Sein

Die Pferdefreunde vom Bärensee


Pferde im Mittelpunkt

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Beginn der Osterferien


 


″Und ihr seid sicher, dass ihr einen so langen Ritt unternehmen wollt?″, erkundigte Oma sich. Tine saß gerade zusammen mit ihr und ihrer besten Freundin Sam am Frühstückstisch. Papa hatte schon zur Arbeit müssen. Gerade waren Osterferien. Und das bedeutete, dass Tine zu Hause war. Zur Schule ging sie nämlich in einem Internat, das sich Die Pferdefreunde vom Bärensee nannte. Tine hatte ein eigenes Pferd, einen Haflinger namens Saturn. Ihre Freundin besaß einen Norweger, der Flipflop hieß. Da dieser wegen Quarantäne nicht in seinen eigenen Stall konnte und Sams Mutter wenig Zeit hatte, durfte Sam die Ferien bei Tine verbringen. ″Klar! Wir planen diesen Wanderritt doch, seit wir wissen, dass Sam und Flipflop jetzt zusammen hier sind″, gab Tine zurück. ″Und ein besseres Wetter als heute werden wir wohl kaum kriegen.″ ″Damit gebe ich dir ja vollkommen recht. Mir ist nur nicht wohl, wenn ihr beiden ganz allein vier Stunden unterwegs sein wollt″, entgegnete Oma. ″Auf meinen Ausritten habe ich eh immer ein Handy dabei. Und ob wir jetzt anderthalb oder vier Stunden reiten, ist doch eigentlich egal. Im Gegenteil. So müssen wir die Kräfte unserer Pferde einteilen. Auf einem kürzeren Ritt wären wir mit Sicherheit flotter unterwegs″, erklärte Tine. ″Außerdem war Papa einverstanden.″ ″Na schön. Ich packe euch Verpflegung ein. Eure Satteltaschen habt ihr im Stall, oder?″, gab Oma nach. Die beiden Freundinnen strahlten. Eine halbe Stunde später saßen sie auf den Fahrrädern und waren unterwegs zum nächsten Ort. Tine wohnte am Rand von Augsburg. Nur zwei Kilometer entfernt lag der Stall, in dem Saturn außerhalb der Schulzeit untergebracht war. Glücklicherweise war eine Box frei gewesen, sodass Flipflop ebenfalls ein Plätzchen hatte. Die Pferde waren um diese Uhrzeit bereits auf den Koppeln. Tine war zwar keine ausgesprochene Langschläferin, Sam dafür schon. Und eigentlich war es auch ganz schön, sich morgens noch einmal im Bett umdrehen zu können oder bereits ein bisschen zu lesen, fand Tine. Die Mädchen stellten ihre Fahrräder an der Stallmauer ab und holten die Halfter ihrer Pferde, die außen an den Boxen hingen. Dann liefen sie um die Reithalle herum zur letzten Weide. ″Saturn! Flipflop!″, rief Tine, sobald sie die Einfriedung betreten hatte. Doch keiner der beiden machte sich auch nur die Mühe, den Kopf zu heben, geschweige denn, von sich aus zu kommen. Und wie es so oft der Fall war, standen die Pferde ganz am anderen Ende der Koppel. Sam lachte: ″Wenigstens ist es hier nicht so weit für uns wie in der Schule.″ Das stimmte. Bei den Pferdefreunden lebten jeweils zehn Tiere in einer Herde. Und die hatte wahrlich gigantische Weidegründe zur Verfügung. Da musste man eine geraume Zeit einplanen, nur um sein Pferd in den Stall zu bringen. ″Ach du dickes Ei!″, rief Sam entsetzt aus, als sie Flipflop aus der Nähe sah. ″Was haben die denn gemacht?″ Tine grinste und entgegnete: ″Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, sie haben sich gewälzt.″ ″Machen Pferde so etwas?″, fragte Sam und stellte sich absichtlich doof. Beide mussten lachen. Das kam bei den Freundinnen oft vor. Sam fügte hinzu: ″Ich bin mir sicher, so edle und hochwohlgeborene Pferde wie Prinzessin Solomone von Rutschmirdenbuckelrunter machen das nie - niemals!″ Sie spielte auf das Pferd ihrer Klassenkameradin Marie-Christin an, das eigentlich Lady Sheila von Renzenberg hieß. Leider war das Mädchen ziemlich überheblich und daher nicht sonderlich beliebt. Und da es auch noch darauf bestand, dass der Name ihres Pferdes immer komplett ausgesprochen werden musste, dachte Sam sich jedes Mal etwas Neues und Lustiges aus. Tine musste sich auch jetzt wieder den Bauch halten. Ihre Freundin war schon ein Original. Unglaublich, dass sie sich erst zu Beginn dieses Schuljahres kennengelernt hatten, als Tine ins Internat gekommen war. Sie teilten sich ein Zimmer und hatten sich vom ersten Moment an gemocht. Endlich hatten sie die Pferde erreicht. Diese mussten ganz schön angetrieben werden, um nun mitzukommen. Schließlich sollten sie dafür das frische junge Gras, das seit wenigen Tagen erst wuchs, verlassen. Im Stall machten die Mädchen sich daran, die Kruste aus Schlamm, die die Pferde sich auf ihrem Fell zugelegt hatten, mit Striegeln und Bürsten zu entfernen. ″Wenn ihr keine so Schweine wärt, könnten wir schon fast unterwegs sein″, schimpfte Sam. Tine winkte ab: ″Was soll′s! Wir haben schließlich den ganzen Tag Zeit. Ob wir jetzt eine halbe Stunde früher oder später losreiten, ist doch egal.″ ″Du hast recht - wie immer″, seufzte Sam. Es dauerte gar nicht so lange, wie sie zunächst befürchtete hatten, da konnten sie satteln. Die Trensen wurden angelegt, die Provianttaschen mit den Baumwolltüten, in denen sich die Verpflegung befand, befüllt und befestigt und die Pferde hinaus auf den Hof geführt. ″Und aufgesessen!″, ordnete Tine übermütig an, als sie den Gurt nachzog und den Fuß in den Steigbügel stellte. Saturn schien, jetzt, wo er sich einmal damit abgefunden hatte, seine Weide verlassen zu müssen, ganz scharf auf den Ausritt zu sein. Er marschierte los. ″Halt!″, rief Tine. ″Aus der Phase sind aber schon lange raus, Bub.″ Ja, als Tine Saturn bekommen hatte, da kannte er es gar nicht, beim Aufsteigen stehen zu bleiben. Doch daran hatte sie lange und geduldig gearbeitet. Beim zweiten Versuch klappte es. Tine ließ Saturn extra noch einige Sekunden stehen und streichelte ihn. Erst dann durfte er im Schritt antreten. Sam brachte Flipflop auf Saturns Höhe. Neugierig schaute er sich um, seine Ohren spielten in alle Richtungen. ″Dem gefällt′s bei euch!″, stellte seine Reiterin fest. ″Was denn sonst?″, gab Tine zurück. ″Bei uns ist es ja auch so schön wie sonst fast nirgends - außer natürlich am Bärensee.″ Saturn machte ebenfalls einen unternehmungslustigen Eindruck. Tine führte ihre Freundin links vom Stall weg. Sie ließen die Pferde am langen Zügel gehen, damit sie erst einmal warm werden konnten. Nach einer Weile kamen sie zu einem Weg, der zu beiden Seiten einen Grasstreifen hatte. ″Und? Bereit für den ersten Trab des Tages?″, wollte Tine wissen. Sam lächelte. ″Du rechts, ich links?″ Tine nickte und ließ ihren Haflinger schneller werden. Saturn war noch relativ jung, und er lief gerne. Mit seinen kurzen Beinen musste er zwar mehr Schritte machen, als es ein Großpferd getan hätte, dafür war die Bewegung nicht so schwungvoll. Man konnte sich ganz leicht anpassen. Tine jedenfalls liebte den Trab ihres Pferdes. Früher in den Reitstunden hatte sie Pferde in den verschiedensten Größen geritten. Doch sie hatte sich immer auf den Endmaßponys am wohlsten gefühlt. Daher hatte ihr Traumpferd auch so ausgesehen. Und zu ihrem zwölften Geburtstag hatte sie schließlich Saturn bekommen. Sie konnten die Pferde einige hundert Meter traben lassen, ehe sie wieder zum Schritt durchparierten. Nebeneinander ritten sie auf einen ziemlich steinigen Feldweg. Die Sonne lachte vom Himmel, und Tine meinte: ″Das wird heute ein Frühlingstag wie gemalt.″ ″Ja, man könnte schon fast meinen, dass wir bereits Frühsommer hätten″, pflichtete Sam ihr bei. ″Ich glaube, meine Jacke ziehe ich schon jetzt aus. Mir wird zu warm.″ Sie legte das Zügelende auf Flipflops Widerrist, schlüpfte aus ihrer leichten Windjacke und band diese an den Ärmeln um ihre Taille. ″Da vorne kommt ein Grasweg. Wie hättest du es denn gerne? Lieber über den Radweg mit einer kleinen Böschung oder Galopp und danach auf dem Feldweg weiter?″, fragte Tine. ″Sieht schon sehr verlockend aus″, gestand Sam. ″Obwohl ein bisschen klettern zwischendurch etwas anderes ist.″ ″Der Grasweg führt auch auf der anderen Seite entlang. Komm! Wir traben hin, überqueren den Radweg und galoppieren dann″, schlug Tine vor. Sam war einverstanden, und schon ging es wieder flotter vorwärts. Tine parierte rechtzeitig durch. Der Radweg war auch von hier unten weit genug einsehbar. Wie eine Gämse kletterte Saturn die kleine Böschung hinauf. Vorsichtig stieg er auf der anderen Seite wieder hinab. Sam folgte mit Flipflop. Nun wandte Tine sich nach rechts und galoppierte an, sobald sie sicher war, dass auch ihre Freundin dazu bereit war. Saturn wollte vorwärtsstürmen, wie es seine Art war. Doch Tine blieb zunächst im Sattel sitzen, bis er so im Tempo lag, wie sie das wollte. Erst dann hob sie sich leicht in den Steigbügeln, um den Rücken des Wallachs zu entlasten. Viel zu schnell kam für den Geschmack der Freundinnen das Ende des Graswegs. Sobald sie erneut im Schritt unterwegs waren, erkundigte Tine sich: ″Und? Der Radweg war für Flipflop kein Problem, oder?″ ″Ach woher!″, erwiderte Sam und machte eine wegwerfende Handbewegung. ″Der ist total sicher, auch wenn es steil bergab geht. Außerdem tut es ihnen nur gut, wenn sie so etwas zwischendurch machen müssen. Kräftigt sowohl die Muskulatur an der Vorder- sowie der Hinterhand.″ Tine warf einen Blick auf das stämmige Fjordpferd. ″Na, kräftig ist Flipflop ja sowieso.″ ″Ha ha″, meinte Sam. ″Kräftig ist nicht gleich muskulös. Und du brauchst gar nichts zu sagen, eine Elfe ist dein Saturn auch nicht gerade.″ Wieder lachten die Mädchen. Sie liebten es, sich gegenseitig ein wenig aufzuziehen. Bald mussten sie eine Straße überqueren. Anschließend kam ein Weg, der in seinem Verlauf etwas anstieg. Er war zu steinig, um flott darauf zu reiten. Aber die Wiesenränder zu beiden Seiten luden dazu ein. Tine machte ihre Freundin darauf aufmerksam. ″Galöppchen?″ ″Immer!″, entgegnete Sam. Erneut ließen sie die Pferde schneller werden. Solange der Boden eben war, galoppierten sie schön verhalten, bei der Steigung ließen sie die Tiere schneller werden. Tine genoss es, sich den Wind ins Gesicht wehen zu lassen. Wie oft war sie hier schon geritten? Und immer machte es großen Spaß. Aber zusammen mit Sam war es noch einmal etwas ganz anderes. Sie gönnten den Pferden nun eine längere Schrittphase. Bald erreichten sie einen Wald. Sam fragte: ″An Weihnachten waren wir aber in einem anderen, oder?″ ″Ja, der liegt da drüben″, stimmte Tine zu und deutete wage in die Richtung, in der sie eine ihrer Lieblingsstrecken vermutete. Im Wald zwitscherten an diesem herrlichen Tag die Vögel. Sogar Tine und Sam redeten eine Weile nicht, was bei ihnen wirklich selten vorkam. Aber diese himmlischen Geräusche, die nur durch den Hufschlag ihrer Pferde gestört wurde, musste man einfach genießen! Die Wallache hatten sich fürs Erste ausgetobt und gingen gemütlich mit hängenden Köpfen ihren Weg. Tine nahm die Füße aus den Steigbügeln, ließ sie eine Weile hängen und hob sie dann über die Schultern von Saturn, sodass sie auf ihm saß, wie auf einem Kamel. Sam meinte leise: ″Wenn mein Sattel jetzt eine Rückenlehne hätte, dann könnte ich mich so richtig von Flipflop durch den Wald schaukeln lassen.″ ″Und dabei einschlafen″, ergänzte Tine. ″Irgendwann hätte Flipflop die Nase voll, würde sich mitsamt dir auf seinem Rücken hinlegen und du tätest es gar nicht merken.″ Sie ritten eine ganze Weile durch den Wald. Nur ein Stückchen trabten sie. Dann lichteten sich die Bäume. Am Rand ging es bergab über einen Grasweg. Die Mädchen lehnten sich in ihren Sätteln leicht zurück, um das Gewicht für die Pferde besser tragbar zu machen. Nach einem weiteren, diesmal längeren Trab kamen sie durch eine Ortschaft. Hier gab es einen großen Reitverein. Tine erzählte: ″Die machen jedes Jahr ein Turnier. Oma ist mit mir hergefahren.″ ″Wäre etwas für unsere Mary gewesen. Oh Mann, die wird nach den Ferien bestimmt angeben, auf wie vielen Wettkämpfen sie mit Baroness Sabrina von Reitenkannsenet gewesen ist. Wenn sie platziert war, wird das bis zum geht nicht mehr ausgeschmückt. Und ansonsten waren natürlich die Richter oder Veranstalter schuld.″ Tine kicherte. Hier draußen hörte es ja keiner. Wie recht Sam doch hatte. Allein der Bericht nach den Sommerferien, wie lange Marie-Christin nach diesem Pferd gesucht hatte! Inzwischen waren die Freundinnen fast zwei Stunden unterwegs. Sie kamen an einer Bank für Spaziergänger vorbei. ″Päuschen?″, fragte Tine übermütig. Sam grinste breit und nickte. ″Beste Idee des Tages!″


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