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Tierbücher
Buch Leseprobe Die Pferdefreunde vom Bärensee, Martina Sein
Martina Sein

Die Pferdefreunde vom Bärensee


Tine und Saturn

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Reisefieber


 


Tine stieg von ihrem Fahrrad, als sie den Reiterhof erreichte. Sie schob die letzten Meter, lehnte es dann an die Stallmauer und hängte ihr Schloss vor. Von drinnen holte sie Halfter und Führstrick, denn sie wollte ihr Pferd, den siebenjährigen Saturn einfangen. In ihrer Jackentasche steckte eine Karotte, denn es stand zu befürchten, dass Saturn jetzt keine Lust haben könnte, die Koppel und die anderen Pferde zu verlassen. Da konnte es schon vorkommen, dass er mit seiner Besitzerin eine ganze Weile fangen spielte. Auf der Weide angekommen rief Tine nach ihrem Pferd. Der Wallach stand in der Mitte und graste friedlich. Die anderen Tiere waren um ihn herum verteilt. Heute schien Saturn jedoch zu spüren, dass es nicht nur zum Arbeiten gehen sollte. Er hob den Kopf, als er Tine kommen sah. Dann kam er ihr sogar entgegen. Das tat er selten. ″Hallo mein Süßer″, begrüßte Tine den Haflinger. Saturn war ein wunderschönes Pferd, das schönste überhaupt in Tines Augen. Sein Fell hatte ein kräftiges Hellbraun. Dazu fiel ihm die weiße Mähne weich und seidig über den Hals. Zärtlich schob Tine den Stirnschopf beiseite. Eine Blesse, die sich in der Mitte des Kopfes etwas verjüngte und zum Maul hin nach rechts verlief, zierte das Gesicht. Sie kraulte Saturn die Stirn. Das mochte er unheimlich gerne. Er senkte den Kopf, ließ die Ohren hängen und schloss die Augen halb. Nach einer Weile begann er dennoch, Tines Taschen zu durchsuchen. Er wusste, dass sie eigentlich immer etwas dabei hatte, wenn sie ihn von der Koppel holte. ″Du kennst mich schon sehr gut, mein Lieber″, lachte Tine und zog die mitgebrachte Karotte aus der Tasche. Sie brach sie in zwei Stücke und hielt Saturn das erste unter sein weiches Maul. Während der Wallach zufrieden kaute, legte Tine ihm sein Halfter an. Nun gab es die zweite Hälfte. Willig folgte Saturn seiner Besitzerin zum Stall und ließ sich anbinden. Tine begann, Saturn zu putzen. Das wollte sie heute besonders gründlich machen. Sie begann mit der Mähne, kämmte diese, als sie von sämtlichen Knoten befreit war, auf die andere Seite des Halses. Nun konnte sie Saturn hier besser striegeln. Noch war sein Fell kurz und glatt. Es hätte gereicht, ein paar Mal mit einer Wurzelbürste darüber zu fahren. Doch Tine nahm ihren Gummistriegel und raute Saturns Haare auf, wobei sie ihm gleichzeitig eine Massage zukommen ließ. Anschließend striegelte sie alles wieder glatt in die richtige Richtung. Für den Schweif nahm Tine sich heute besonders viel Zeit. Doch als sie die Hälfte verlesen hatte, kam ihr die Idee, dass sie ihn ja genauso gut waschen konnte. Dann gingen auch die hässlichen Verfärbungen aus den hellblonden Haaren, welche die Pferdeäpfel hinterließen, wenn Saturn sich dort hineinlegte. ″Weißt du was?″, fragte Tine ihr Pferd. ″Wir reiten zuerst aus. Danach mache ich dich so richtig schick für morgen.″ Tine vergewisserte sich, dass Saturns Rücken ganz sauber war. Dann holte sie Sattel und Zaumzeug und machte ihn fertig. Vor dem Stalltor auf dem Hof stieg sie auf. Geduldig blieb Saturn stehen. Das war früher für ihn nicht selbstverständlich gewesen. Tine hatte ihn vor über einem Jahr zu ihrem zwölften Geburtstag bekommen. Damals musste ihn immer jemand am Zügel festhalten, damit sie aufsitzen konnte. Doch mithilfe ihrer Reitlehrerin und viel Übens hatte sie Saturn beigebracht, dass er stehen bleiben musste. Und jetzt wartete er tatsächlich darauf, dass seine Reiterin die Steigbügel aufgenommen hatte. Erst, wenn er das entsprechende Kommando bekam, ging er los. Tine wählte den Weg zum Wald. Das war ihre Lieblingsrunde. Hier gab es einige Wege, die nicht steinig, sondern schön federnd waren. Glücklich trabte sie ein ganzes Stück. Dann ließ sie Saturn wieder im Schritt gehen. Als der Weg bergauf führte, galoppierte Tine an. Saturn kannte diesen Hügel. Er durfte oft hinauf galoppieren. Und es machte ihm großen Spaß. Tine stellte sich in den Steigbügeln auf und lehnte sich nach vorne. So machte sie es ihrem Pferd leichter. Oben angekommen wurde der Weg wieder ebener. Hier mäßigte Saturn sein Tempo, galoppierte jedoch gleichmäßig weiter. Nach fast zwei Stunden waren die beiden wieder auf dem Weg zurück zum Stall. Tine klopfte Saturn den Hals und meinte: ″Ab morgen wird alles anders.″ Morgen. Das hieß für Tine und auch Saturn umziehen. Doch sie würde nicht mit ihrer Familie den Wohnort wechseln. Am darauffolgenden Tag sollte Tine zu ihrer neuen Schule fahren. Dabei handelte es sich um ein Internat. Und da es ein Reiterinternat war, konnte Saturn sie dorthin begleiten. Die ganzen Sommerferien über fieberte Tine diesem Tag entgegen. Sie hatte im vergangenen Schuljahr durch Zufall von diesem Internat erfahren. Dann hatte sie Papa und Oma darauf aufmerksam gemacht. Beide fanden die Idee von Anfang an gut. Also waren sie zu dritt ins Allgäu in die Nähe von Kaufbeuren gefahren, um sich vor Ort zu erkundigen und alles anschauen zu können. Tine hatte es auf Anhieb gefallen. Und so hatte Papa sie und Saturn angemeldet. Übermorgen war der erste Schultag. Da musste ja alles laufen, daher war für morgen die Anreise festgelegt. Im Stall setzte Tine ihren Vorsatz in die Tat um und wusch Saturns Schweif mit einem milden Shampoo. Sie verlas ihn nun komplett und bürstete ihn ausgiebig. Am Ende flocht sie die langen hellblonden Haare zu einem dicken Zopf. Der Nachmittag war schon weit fortgeschritten. Da tauchte Papa im Stall auf. ″Na, wie läuft′s denn mit dem Packen?″, erkundigte er sich. ″Ich bin gerade mit Saturns Schönheitsprogramm fertig geworden″, antwortete Tine und zwinkerte Papa zu. ″Ja, ich muss zugeben, er sieht heute wirklich besonders schmuck aus″, gestand Papa. ″Glaubst du wirklich, dass das bis morgen so bleibt?″ ″Nicht wirklich″, gab Tine zu und musste lachen. ″Aber ich hab mir gedacht, dass ich Saturn heute Nacht die ganz dünne Decke drauf tu. Dann geht′s vielleicht eher. Morgen werde ich nicht mehr viel Zeit haben, ihn noch einmal auf Hochglanz zu bringen.″ ″Ich weiß. Aber das hast du jetzt wirklich toll gemacht. Kann ich denn schon etwas einladen?″, wollte Papa nun wissen. Gemeinsam gingen sie zu Saturns Schrank. Sattel und Zaumzeug hatte Tine bereits gestern komplett zerlegt, gereinigt und gefettet. Die Sachen sahen aus, als wären sie eigens neu angeschafft. Dabei hatte Papa sie vom Vorbesitzer übernommen, als er Saturn gekauft hatte. ″Das kann auf jeden Fall schon mal in den Hänger″, bestimmte Tine, drückte Papa den Sattel in die Hand und hängte ihm das Zaumzeug über die Schulter. Tine begann nun, ihren Spind auszuräumen. Die Abschwitzdecke brauchte Saturn nicht mehr, ebenso die Satteldecken zu wechseln. Das weiche Lammfell, das sie im Winter gern über dem Sattel hatte, konnte auch schon eingepackt werden. So leerte sich der Schrank nach und nach. Zusetzt stand nur noch der Putzkasten darin. Die leichte Decke hielt Tine unschlüssig im Arm. Dann entschied sie, dass sie diese auch einpacken konnte. Aus purer Eitelkeit würde sie nicht anfangen, ihr Pferd einzudecken. Saturn war es von jeher gewohnt, robust gehalten zu werden. Vielleicht konnte sie ja eh nicht schlafen. Dann hätte sie auch genug Zeit, ihn morgen noch einmal zu putzen. ″War das alles?″, fragte Papa, als er schließlich zurückkam. ″Ja, bis auf den Putzkasten. Und den brauche ich morgen noch einmal. Aber der ist ja schnell verstaut″, gab Tine zurück. Der Spind wirkte nun fast verlassen. Ein Hauch von Traurigkeit überkam Tine. Was, wenn sie Heimweh überfiel? Sie kannte in diesem Internat ja noch keinen. Und hier war ihr alles so vertraut. Seit sie ein kleines Kind war, kam sie hierher zum Reiten. Erst hatte Mama sie auf einem Pony spazieren geführt, später hatte sie voltigiert. Und schließlich hatte sie mit dem Reiten begonnen. Dann war Saturn hier eingezogen und in ihr Leben getreten. Papa schien zu spüren, was in Tine vorging. Er trat ganz nah an sie heran, legte seinen Arm um ihre Schultern und fragte: ″Na, Abschiedsschmerz?″ Tine nickte und gab zu: ″Ja, ein bisschen schon. Komisch, ich freue mich doch so auf das Internat. Die ganzen Ferien über habe ich die Tage gezählt. Und jetzt?″ ″Das ist doch ganz normal″, beruhigte Papa sie. ″Ich bin sicher, es wird so toll werden, wie du es dir wünscht. Und dass du allem hier ein wenig nachtrauerst, wo du so lange da warst, ist doch ganz klar.″ ″Danke Papa″, schniefte Tine nun und umarmte ihn ganz fest. ″Für dich tu ich doch alles, mein großes Mädchen″, erwiderte Papa. Auch er kämpfte ein wenig mit sich. Wie würde es werden, wenn Tine nur noch alle zwei Wochen nach Hause kam? Das Haus würde bestimmt sehr leer sein, zumindest am Anfang. ″So, jetzt sollten wir aber nach Hause fahren. Ich fürchte, du hast dich mehr um das Packen von Saturns Sachen gekümmert, als um deine eigenen. Hab ich recht?″, fragte Papa. ″Ups, erwischt″, gab Tine zu und musste schon wieder lächeln. ″Also. Dann verabschiede dich von Saturn für heute″, forderte Papa sie auf. Gemeinsam gingen sie zu der Koppel, auf der die Pferde im Sommer Tag und Nacht blieben. Ein Unterstand bot ihnen Schutz vor Sonne und Regen, wenn sie das wollten. Saturn wusste genau, dass er jetzt nicht noch einmal geholt wurde. So kam er bereitwillig auf Tine und Papa zu. ″Du bist mir schon ein ganz Schlauer″, lachte Tine. Zu Papa gewandt fügte sie hinzu: ″Weißt du, Saturn scheint zu riechen, wenn es ans Arbeiten geht.″ ″Genau wie du″, gab Papa zurück. ″Du merkst doch auch genau, ob ich in dein Zimmer komme, um dich zu fragen, was du essen möchtest, oder dass du die Küche aufräumen sollst.″ Tine schwang sich auf ihr Fahrrad und düste los. Da sie täglich zu ihrer alten Schule geradelt und die Ferien über täglich oft zwei Mal zum Stall war, war sie flott unterwegs. Auf der Landstraße überholte Papa sie dann doch. Er hupte und winkte. Tine trat noch kräftiger in die Pedale und erreichte ihr Elternhaus kurz nach Papa. Er stieg gerade erst aus seinem Auto aus. Die Doppelhaushälfte mit dem kleinen Garten befand sich am Rand von Augsburg. Hier war Tine geboren und aufgewachsen. In der Küche wartete Oma. Tines Mutter war an Krebs gestorben, als diese gerade mal drei Jahre alt war. Seither hatte Oma den Haushalt organisiert, gekocht und ihre Enkeltochter praktisch großgezogen. Sie war es gewesen, die zu Anfang bei den Hausaufgaben geholfen hatte. Auch zum Reiten oder ihren Freundinnen hatte Oma sie gefahren, als sie noch zu klein war, um selbstständig das Rad zu nehmen. Zum Abschied hatte Oma sich die Mühe gemacht, Tines Lieblingsessen zu kochen. Es gab Dampfnudeln mit selbst gemachter Vanillesoße. Schon immer hatte Tine dieses Gericht geliebt. Überhaupt war sie ein großer Fan von Mehlspeisen. Wäre es nach ihr gegangen, hätte es jeden Tag Pfannkuchen, Griesschnitten, Kässpatzen oder dergleichen geben können. Nach dem Essen ging Oma mit Tina noch einmal die Liste der Sachen durch, die sie im Internat brauchen würde. Papa räumte in der Zeit die Küche auf. In Tines Zimmer standen ein Koffer und eine Reisetasche. ″Du liebe Zeit!″, rief Oma entsetzt aus. ″Das steht aber nicht alles da drauf.″ Sie deutete auf das Schreiben des Internats, das auf Tines Schreibtisch lag. ″Na ja″, gab Tine zu. ″Ich hab da noch eine zweite Liste gemacht, weißt du. Eine, auf der alles steht, was ich mitnehmen will.″ ″Das erklärt manches″, stimmte Oma zu. Sie öffnete die Reisetasche und warf einen Blick hinein. ″Tine! Du brauchst doch unmöglich zehn Bücher!″ ″Du weißt, wie gerne ich lese″, verteidigte Tine sich. ″Nimm doch erst einmal zwei Stück mit″, beschwichtigte Oma. ″In zwei Wochen kommst du doch eh auf Besuch heim, dann kannst du sie ja austauschen. Und bestimmt gibt es dort auch eine Bibliothek, in der du was ausleihen kannst.″ So gingen sie noch einmal alles durch, bis Tine und Oma zufrieden waren mit dem Gepäck.


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