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> Tierbücher > Die Biedermanns und ihre Pferde
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Tierbücher
Buch Leseprobe Die Biedermanns und ihre Pferde, Martina Sein
Martina Sein

Die Biedermanns und ihre Pferde


Liebe liegt in der Luft

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Gespannt betrat Sandra den großen Wohnkomplex. Sie hatte gar nicht gewusst, dass es in ihrer Nähe ein betreutes Wohnen gab. Ihre Uroma, die jeder Uri nannte, wollte heute hier einziehen. Die ging nun auch voraus, die Hände fest an den Griffen ihres Rollators. Zielstrebig marschierte sie auf eine Türe im Erdgeschoss zu. Den Schlüssel für das Appartement hatte sie bereits bekommen. Nun schloss sie auf und erklärte stolz: „Willkommen in meinem neuen Reich.“ Durch große Fenster und eine Terrassentüre fiel das helle Sonnenlicht ein. Es sah alles sehr freundlich aus. Die Wohnung hatte lediglich einen Raum, der allerdings wie ein L angelegt war. An einer Wand befand sich eine kleine Küchenzeile, die man optisch verschwinden lassen konnte. Dann blickte man auf eine Berglandschaft im Sonnenschein. In einer Ecke standen bereits ein Bett und der Kleiderschrank. Beides hatte Uri sich neu gekauft. Auch hier war es möglich, eine Abtrennung zu ziehen. Uri erklärte nun, wo welche Möbel hinkommen sollten. Alles würde sie nicht mitnehmen. Zum Beispiel war ihr Kleiderschrank viel zu groß. Der stammte ja auch noch aus der Zeit, als der Uropa gelebt hatte. Von ihrem Ehebett trennte Uri sich ebenfalls. Das neue verfügte sogar über einen elektrischen Lattenrost. Auf diese Weise hatte sie es beim Aufstehen leichter. Mit deutlich über neunzig war das bestimmt keine schlechte Idee. Der Großteil der Wohnzimmermöbel sollte allerdings mit umziehen. Die hatten Uri und der Uropa sich damals gekauft, als sie die Wohnung über dem Pferdestall verlassen hatten und in ihren Bungalow gezogen waren. Zu der Zeit hatte Opa die Reitanlage übernommen. Nun wohnte Sandra zusammen mit ihren Eltern, ihren beiden Geschwistern Josef und Paulina sowie ihrer Cousine Yvonne dort. Diese sollte allerdings zusammen mit ihrer Mutter Corinne in besagten Bungalow ziehen, sobald dieser renoviert war. Nur aus diesem Grund machte Uri eigentlich Platz. Corinne hatte eine Weile gemeinsam mit ihrem Mann Alexander in Südamerika gelebt. Nun hatten Heimweh und die Sehnsucht nach ihrer Tochter sie gepackt. Da es in ihrer Ehe auch nicht gerade rosig stand, hatte sie beschlossen, nach Deutschland zurückzukehren. Glücklicherweise war in dem Kindergarten, in dem sie früher gearbeitet hatte, eine Stelle frei gewesen. Yvonne war überglücklich, dass ihre Mutter wieder hier leben würde. Über die Aussicht, dass sie in Uris Bungalow ziehen durften, hatte sie sich ebenfalls sehr gefreut. Der einzige Wehmutstropfen war, dass sie nicht wusste, wie es mit der Beziehung ihrer Eltern weitergehen würde. Auch Alexander hatte beschlossen, bald in seiner Heimat leben zu wollen. Dabei wusste er noch nicht, wo er wohnen würde. In Corinnes Tasche piepte ihr Handy. Rasch warf sie einen Blick darauf, während Uri gerade ihr Bad vorführte. Das war natürlich behindertengerecht eingerichtet. Es gab keine Stufen. Die Dusche befand sich in einer Ecke und war leicht abfallend im Verhältnis zum Rest des Bodens gefliest. Es gab sogar extra einen Stuhl, der hier stand. Auf diese Weise konnte der Bewohner sich setzen, während er duschte. „Alexander kommt morgen“, verkündete Corinne da plötzlich. „Bleibt Papa dann schon hier?“, wollte Yvonne sofort wissen. Ihre Augen begannen zu leuchten. Sie hatte die Hoffnung, ihre Eltern würden sich wieder versöhnen, natürlich noch nicht aufgegeben. „Nein, es geht nur um einen Job“, antwortete Corinne. Sie las die Nachricht, welche ihr Mann ihr geschrieben hatte, erneut durch. „Wenn das klappt, wäre es wirklich super. Er hat eine Stelle als Chefredakteur bei einer Zeitung in der Nähe in Aussicht. So, wie er hier schreibt, wollen die ihn unbedingt haben. Er ist ja kein Unbekannter in der Branche.“ „Chefredakteur!“, rief Karin, Opas zweite Frau aus. „Da fällt er die Karriereleiter aber schön nach oben.“ „Und er muss nicht mehr so viel reisen“, gab Opa zu bedenken. „Jetzt fangen wir aber mit dem Ausladen an. Schließlich gibt es noch viel zu tun.“ Die Biedermanns hatten heute alle rasch morgens bei der Stallarbeit zusammengeholfen. Nun packte jeder bei Uris Umzug an. Das Bewegen der Pferde übernahmen die Pfleger größtenteils. Einige der Tiere waren überhaupt nicht zu Hause. Mamas Bereiter, Martin Dengenhorst, und Josef waren an diesem Wochenende gemeinsam auf einem Turnier. Sie hatten den großen Lkw mit ihren Pferden vollgemacht. Allerdings hatte jeder im Hinterkopf, dass er heute Abend nach getaner Arbeit auch noch in den Sattel kommen wollte. Sandra selbst besaß zwei eigene Pferde. Bereits seit ihrem sechsten Geburtstag gehörte der Welsh Cob Momo ihr. Im vergangenen Herbst war sie dann auf einem Pferdemarkt an die hübsche Rotfuchsstute Gina geraten. Die hatte als unreitbar gegolten. Dennoch hatte Sandra sich sofort in sie verliebt gehabt. Monatelang hatte sie mit Gina gearbeitet und schließlich im nahe gelegenen Ammersee auch ihre ersten Reitversuche gemacht. Inzwischen hatte Gina ihre junge Besitzerin auf ihrem Rücken akzeptiert. Sie musste zwar noch einiges lernen, entwickelte sich aber immer mehr zu einem zuverlässigen Reitpferd. Für den Umzug hatte Papa den Anhänger, in welchem drei Pferde fahren konnten, an Mamas Auto gekuppelt. Darin wollten sie die großen Sachen transportieren. Da Uri ordentlich ausgemistet und sich ja teilweise neu eingerichtet hatte, war das gar nicht so viel. Karin und Corinne hatten Uri in den vergangenen zwei Wochen beim Packen geholfen. So musste heute nur alles verladen und hier hereingebracht werden. Zum Glück lag die Wohnanlage nicht weit entfernt vom Bungalow. Jetzt, während der warmen Jahreszeit, hatte Uri jeden Nachmittag einen Spaziergang zu den Biedermanns gemacht. Das wollte sie auch beibehalten. Der Weg war nun in etwa doppelt so weit. Der Bungalow lag allerdings nur wenige Gehminuten vom Stall entfernt. Uri war sicher, dass sie auch diese Strecke schaffen würde. Papa und Opa machten sich nun daran, die Schrankwand in ihren Einzelteilen in die Wohnung zu tragen. Uri hatte die Terrassentüre geöffnet und gemeint: „Am besten bringen wir alles hier herein. Dann müsst ihr nicht ständig durch den Flur.“ Sandra und Yvonne packten bei den Kisten mit an. Da Sandras Cousine Asthma hatte und sich nicht so sehr anstrengen durfte wie gesunde Jugendliche in ihrem Alter, übernahm sie die Sachen, die nicht schwer waren. Sobald das Möbelstück stand, holten die Männer Uris Couch. Auch von der hatte sie sich nicht trennen wollen. Zum Schluss kam ihr geliebter Schaukelstuhl. Der war noch älter als Opa. Uri erzählte gerne, wie sie mit ihm schwanger schon darin gesessen war. Er war inzwischen an mehreren Stellen repariert. Dennoch liebte Uri ihn. Sie wollte auch in Zukunft ihr Nickerchen nach dem Mittagessen darin halten. Bald verkündete Mama: „Ich fahre zurück. Wer hilft mir, den Rest einzuladen? Die anderen sollen hier schon auspacken. Schließlich wollen wir, dass Uri es heute Abend so gemütlich wie möglich hat.“ Sandra und Opa schlossen sich an. Bei dieser Fuhre brachten sie tatsächlich alles andere unter, was mit in die neue Wohnung kommen sollte. Auf diese Weise war der Bungalow so gut wie komplett ausgeräumt. Lediglich die Küche, das Bett und der Schlafzimmerschrank blieben übrig. Alles, was Uri nicht mehr unbedingt gebraucht oder mitgenommen hatte, war bereits entsorgt worden. So konnte mit der Renovierung des Bungalows bereits am Montag begonnen werden. Corinne wohnte nun schon seit einer geraumen Zeit bei Opa im Gästezimmer. Sie wollte nun endlich wieder ihr eigenes Reich haben. „Das war’s dann wirklich schon“, stellte Mama zufrieden fest. „Ich hätte nicht gedacht, dass Uris Umzug so schnell über die Bühne geht.“ „Meine Mutter war schon immer sehr praktisch veranlagt und hat sich nicht mit Dingen umgeben, die sie nicht braucht“, erklärte Opa. Sandra musste die Strecke nun zu Fuß gehen. Sie hatten für diese Fahrt die Rückbank in Mamas Auto umgeklappt, um wirklich alles unterzubringen. Das machte ihr aber überhaupt nichts aus. So konnte sie sich den Weg gleich einmal genau anschauen. Sie würde ihn bestimmt das eine oder andere Mal nehmen. Zurück im betreuten Wohnen baute Opa nun die Möbel auf der Terrasse auf. Zu Uris Reich gehörten ein paar Quadratmeter Garten. Das war auch gut so. Solange es ihre Gesundheit zugelassen hatte, hatte Uri ihr eigenes Gemüse angebaut. Diese Tätigkeiten hatte Karin dann übernommen. Nun sollte Corinne in die Geheimnisse der Gärtnerei eingeweiht werden. Für dieses Jahr brauchte sie nur alles am Laufen zu halten und zu ernten. Die Tomaten und Gurken gediehen bereits prächtig. Auch der Salat stand gut da. Die Radieschen, Karotten und der Kohlrabi machten sich auch prima. Außerdem hatte Uri ein herrliches Kräuterbeet. Sandra hatte einmal ihrem Tierarzt Hans davon erzählt. Der hatte gemeint, wenn man die Pferde da regelmäßig drauflassen würde, könnte man sich das Mineralfutter sparen. Natürlich wäre für die Menge Tiere, welche bei den Biedermanns lebten, ein ganzes Feld mit Kräutern nötig gewesen, um diesen Bedarf zu decken. Auf jeden Fall war es für Uri unvorstellbar, überhaupt keinen Garten mehr zu haben. Bald standen nun der ausziehbare Gartentisch, die Bank und die Stühle. Hier ließen sich die Helfer kurz nieder. „Wow, wir sind echt gut“, stellte Corinne fest. Dann ließ sie ihren Blick über den Garten schweifen. „Eine schöne Aussicht hast du hier, Uri. Kindergeschrei wird es wohl nicht viel geben.“ Uri widersprach: „Man sollte doch hoffentlich meinen, dass es genügend Enkelkinder gibt, die ihre Großeltern hier besuchen kommen. Die spielen sicher auf der Wiese da drüben.“ „Paulinchen und Janni werden bestimmt ihre Freude haben“, stellte Mama fest. Obwohl Josef bereits volljährig und Sandra auch schon fünfzehn war, hatte sie mit Paulina ein erst einjähriges Kind. Damit sie wieder hatte mit der Arbeit anfangen können, hatte sie sich eigentlich um ein Au-pair-Mädchen gekümmert gehabt. Nach einem kleinen Missverständnis war der junge Finne Mika samt seiner eigenen Tochter bei den Biedermanns gelandet. Janni war ungefähr ein Jahr älter als Paulina. Im Herbst sollten die beiden gemeinsam in die Kinderkrippe gehen. „Was wird denn aus Mika und Janni, wenn das Jahr um ist?“, wollte Uri da wissen. „Er würde gerne in Deutschland bleiben“, gab Mama zurück. „Wir sind gerade dabei zu überlegen, wie wir das machen können. Schließlich braucht Mika eine Perspektive für seine Zukunft. Das Au-pair-Programm geht ja leider nur ein Jahr. Vielleicht fängt er ein Studium an.“ „Was ist denn mit seiner Leidenschaft für das Kochen?“, warf Karin ein. „Genau darüber denkt er gerade nach. Es gibt da entsprechende Fernstudiengänge. Vielleicht könnte er sich bei so etwas einschreiben, wenn Paulinchen in die Krippe geht. Dann hätte er Zeit genug dafür und könnte sie immer noch in der anderen Zeit betreuen. Auf jeden Fall fühlt er sich sehr wohl bei uns und möchte überhaupt nicht weg.“ „Mich freut es sehr, dass ihr da so einen Glücksgriff getan habt“, erklärte Uri. „Der Junge ist aber auch ein Goldstück.“ Sie strahlte. Mika liebte es nämlich, sich von ihr in der Küche etwas zeigen zu lassen. So konnte er inzwischen einige deutsche Gerichte kochen. Außerdem hatte Uri ihre Rezepte für die Weihnachtsplätzchen mit ihm geteilt. „So, jetzt gehen wir aber den Rest an“, forderte Opa die Anwesenden auf. „Schließlich wollen wir fertig werden.“ „Und noch Zeit zum Reiten haben“, ergänzte Sandra. Alle Kartons auszuräumen, schafften sie an diesem Tag nicht mehr. Karin versprach jedoch, dass sie morgen noch einmal kommen würde. Uri sollte nicht länger als nötig mit den Kisten in der kleinen Wohnung leben müssen. Zurück auf dem Hof machte jeder sich ein Pferd fertig. Im Falle von Corinne war das natürlich ihre eigene Stute Galaxy. Die sollte im kommenden Frühling ein Fohlen kriegen. Yvonne hatte uneingeschränkt Josefs Welsh Cob Daisy zur Verfügung, für das er zu groß geworden war. Die wollte sie sich nun von der Koppel holen. Sandra machte es sich dagegen leicht. Sie ging zu der Hundehütte, welche auf dem Paddock stand. Hier wohnte Schlappi. Die Beagle-Dame war nicht von Gina zu trennen und deshalb gemeinsam mit der Stute bei den Biedermanns eingezogen. Nun forderte Sandra sie auf: „Hol mir Gina!“ Schon stürmte Schlappi davon. Bald trieb sie zielsicher die rote Stute vor sich her. Sandra hatte mehr durch einen Zufall herausgefunden, dass sie sich auf diese Weise den Weg zur Koppel sparen konnte. Opa hatte damals, als der Offenstall gebaut worden war, großen Wert darauf gelegt, dass entsprechende Weidegründe dazugehörten. So konnte es durchaus passieren, dass man eine Weile unterwegs war, wollte man sein Pferd reiten. Schlappi und Gina waren noch vor Yvonne zurück. Die schimpfte lachend: „Faules Stück!“ Dabei wusste Sandra genau, wie ihre Cousine es meinte. Am Putzplatz war bereits die rotweiß gescheckte Stute Hasi angebunden. Sandras beste Freundin Claudia hatte eine Reitbeteiligung auf dem Pinto. Sie gehörte gewissermaßen mit zur Familie. Aus diesem Grund war sie auch auf Abruf gewesen, wann Sandra heute noch zum Reiten kommen wollte. „Na, hat alles mit dem Umzug geklappt?“, wollte Claudia wissen, als Sandra Gina neben Hasi angebunden hatte. „Alles top“, gab Sandra zurück. „Morgen packt Karin noch die restlichen Kisten aus. Dann ist es schon geschafft. Gleich am Montag soll es mit der Renovierung im Bungalow losgehen.“ Claudia wandte sich an Yvonne: „Dann ziehst du wohl bald hier aus.“


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