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Science Fiction
Buch Leseprobe Travail Online: Seelenbewahrer, Brian Simons
Brian Simons

Travail Online: Seelenbewahrer


LitRPG-Serie, Band 1

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Coral saß auf der Kante ihres Betts und hatte das neue Starter-Kit für Travail Online auf dem Schoß. Sie hatte das so lange hinausgezögert, wie sie konnte. Coral war kein Gamer. Sie hatte ihre Stelle vor sechs Monaten verloren, und jetzt gab es kein Arbeitslosengeld mehr.


Sie wollte eigentlich auf Mr. Wilkerson wütend sein, aber sie war es nicht. Er und seine Frau kamen gerade so über die Runden, und sie wollten lediglich in den Ruhestand gehen können. Sie waren alt und hatten es verdient, sich ausruhen zu dürfen. Aber um ihr kleines Restaurant weiter betreiben zu können, ohne Pleite zu gehen, hatten sie Coral durch einen Roboter ersetzt. Coral war eine ausgezeichnete Bedienung, aber das würde der Roboter auch sein. Roboter waren langweilige, mechanische Dinger, ohne den Charme von Coral, aber die Wilkersons mussten einem Roboter keinen Stundenlohn zahlen. Es ging darum, was billiger war.


Die meisten Leute hatten ihre Jobs im wirklichen Leben verloren. Coral hatte ihren behalten, weil die Wilkersons so lange brauchten, bis sie das Geld für den Kauf eines Roboters zusammenkratzen konnten. Aber sie hatten es zusammengekratzt. Jetzt würden sie sich den Millionen von Leuten anschließen, die in der MMO-Wirtschaft arbeiteten – die in Massively Multiplayer Online Games Gegenstände im Spiel für Gold kauften und verkauften. Dieses Gold konnte gegen echte Dollars umgetauscht werden, wobei die Entwickler des Spiels ihren Anteil erhielten.


Das System war der Kapitalismus in reinster Form. Die Automatisierung hatte die Berufe einiger Leute noch nicht erreicht, wie Modedesigner und Neurochirurgen. Diese wenigen Glückspilze hatten eine Menge Geld, das sie ausgeben konnten. MMO-Spiele, vor allem die mit VR-Interface, boten dieser wohlhabenden Klasse eine ganz neue Art der Freizeitgestaltung. Sie konnten ihre Avatare von Anfang an mit hochwertiger Ausrüstung versehen und dadurch die anderen Spieler besiegen. Das machte ihnen Spaß, aber es ärgerte die anderen Spieler enorm, die sich den ganzen Tag abmühten, um im Level aufzusteigen.


Aber Coral beklagte sich nicht. Es war nötig, dass diese Leute weiter spielten und ihr Geld in MMOs ausgaben, damit sie eine Methode finden konnte, einen Teil davon zu verdienen. Sie riss den kleinen Karton auf ihrem Schoß auf und war bereit, den ersten Tag ihres neuen „Jobs“ zu beginnen.


Travail war nicht das einzige MMORPG. Bei weitem nicht. Aber es hatte eine robuste Wirtschaft, und man konnte aus einer unglaublichen Anzahl von Berufen wählen.


Auf einem Zettel im Karton fand sie die einzigen Anweisungen:


 


„Willkommen in der Welt von Travail! Travail bietet eine revolutionäre neue Art, Freunde zu finden, Geld zu verdienen und seinen Lebenszweck zu entdecken. In diesem Starter-Kit findest du ein kleines Gerät, das als dein Pass für Travail dient. Lege es auf deinen Daumen und drücke den Knopf. Nach einem schnellen, schmerzlosen Stich wird eine kleine Spritze ein Nanotech-System injizieren, das alle deine Sinne mit der stimulierenden Welt von Travail verbindet. Setze dann sofort deine neue VR-Brille auf. Lege dich anschließend hin, damit die Nanotechnologie sich mit dir vertraut machen kann und warte weitere Anweisungen ab. Danke, dass du Travail gewählt hast, wo man intensiv spielt und bei der Arbeit Spaß hat!“


 


Coral warf den Zettel weg. Hunderte von Millionen von Menschen weltweit hatten bereits Nanotechnologie wie die von Travail in ihre Körper injiziert. Sie hatte nie etwas von gesundheitlichen Problemen dabei gehört – obwohl sie ja nicht die erste sein wollte. Sollte sie das aber wirklich allein tun? Sie wünschte, dass ihre Eltern noch da wären, falls etwas schiefgehen sollte. Sie hatten sie vor einigen Monaten hier gelassen und suchten in Ländern nach Arbeit, wo die Roboter sich noch nicht durchgesetzt hatten. Zum Glück hatten sie das Haus abgezahlt, als sie noch jeden Monat ein Gehalt bekamen. Solange Coral die Grundsteuer bezahlte, hatte sie ein Heim, wo sie leben konnte. Es sei denn, dass sie sich seltsame Mini-Maschinen injizierte, die sie umbrachten. Dann hatte sie nur ein Heim, wo sie sterben konnte.


Aber sie unterdrückte diesen Gedanken. Sie hatte die letzten sechs Monate verzweifelt nach Stellen bei Firmen gesucht, die keine Menschen mehr einstellen wollten. Sie erhielt eine Ablehnung nach der anderen und hatte keine Aussicht auf einen Job. Das war doch kein Leben. Das war ein langsamer Abstieg in die Verzweiflung. Travail bot einen Ausweg. Einen Weg vorwärts. Einen Ort, wo sie eine neue Bestimmung finden konnte.


Travail war die Hoffnung. Und sie würde sich nicht durch Zweifel über die Technologie dahinter abschrecken lassen.


„Na dann mal los“, sagte sich, riss sich zusammen und legte das Gerät auf ihren Daumen. Sie drückte die kleine Taste an ihrem Finger und –


„Autsch! Heiliger –“ Sie biss sich auf die Unterlippe, um nicht zu schreien. Der Nadelstich hatte enorm wehgetan. Travail hatte das einzige Versprechen gebrochen, das es ihr bisher gegeben hatte. Es war aber jetzt zu spät, da die Naniten bereits durch ihre Adern flossen. Sie spürte eine seltsame Wärme an den Spitzen ihrer langen, zierlichen Finger. Diese breitete sich zu ihrer Nasenspitze, ihren Zehen und ihren Ohren aus. Ihre Kopfhaut fing zu jucken an. Dann erinnerte sie sich an die VR-Brille.


Sie schüttelte den letzten Gegenstand aus ihrem Starter-Kit und zog die Brille aus einer dünnen Plastikhülle. Sie fummelte mit warmen, juckenden Fingern herum, um die VR-Brille aufzusetzen. Ihr Kopf schmerzte, und es wurde ihr mulmig im Magen.


Die Brille war aus durchsichtigem Kunststoff, und sie konnte ihr Schlafzimmer durch die Linsen klar sehen. Sie blickte nach unten und sah, dass auch auf der Rückseite des Anleitungszettels etwas gedruckt war. In winziger, fast unlesbarer Schrift, stand dort:


 


Geschäftsgeheimnisse. Das Travail Online Starter-Kit („Starter-Kit“) enthält proprietäre Nanotechnologie, Übertragungsmethoden für Nanotechnologie, sowie Bluetooth-, Infrarot- und drahtlose Kommunikationstechnologien, die das Eigentum von Arbyten, Inc. darstellen. Durch die weitere Nutzung von Travail Online („Travail“) stimmen Sie zu, diese Technologie weder zu analysieren, noch zu dekonstruieren oder zu zerstören, und Informationen über die Form und Funktion dieser Technologie an niemanden als an Arbyten, Inc. oder dessen Stellvertreter zu übermitteln.


 


Geheimhaltung. Indem Sie Travail betreten, stimmen Sie zu, Ihre Erlebnisse mit dem Starter-Kit nicht zu offenbaren, beschreiben oder enthüllen, einschließlich der VR-Brille und des Übertragungsgeräts für die Nanotechnologie, und Ihr Erlebnis während der Nanotech-Eingewöhnungsperiode („NEP“) nicht zu offenbaren, beschreiben oder enthüllen. Die NEP ist als die Zeitperiode beliebiger Länge definiert, in der die Nanotechnologie Ihr Nervensystem aktiv erkundet, einschließlich, aber nicht beschränkt auf Ihr Gehirn, Ihre Sinnesorgane und die Rezeptoren Ihrer Haut für Schmerz, Temperatur und andere Berührungen.


 


Verzichtserklärung. Indem Sie Travail betreten, stimmen Sie zu, Arbyten, Inc. und dessen Rechtsnachfolger und Abtretungsempfänger für alle emotionalen, körperlichen oder psychologischen Auswirkungen der Verwendung des Starter-Kits oder von Travail schad- und klaglos zu halten. Sie stimmen weiterhin zu, auf sämtliche Ansprüche im Deliktrecht oder anderweitig zu verzichten, die auf einen Verlust der spielinternen Währung, Ausrüstung oder anderer Beute zurückgehen.


 


Danach folgten weitere juristische Texte, aber Coral war das Kleingedruckte egal. Sie hatte die Wahl, sich entweder jetzt anzumelden, oder in naher Zukunft zu verhungern. Es wurde ihr schwindlig, als die Nanotechnologie ihr neurales System sondierte. Sie fiel rückwärts aufs Bett. Dann wurde sie blind.


Die VR-Brille aus Kunststoff deckte nicht ihren ganzen Kopf ab. Sie ähnelte mehr einer billigen Sonnenbrille. Aber Coral konnte nichts sehen – weder vor ihr, noch zur Seite hin. Sie konnte auch nichts hören. Sie fühlte, dass ihr Puls sich beschleunigte. Sie spürte, wie ihr Mund vor Angst trocken wurde. Sie fühlte, wie ihre Stirn kühler wurde, als sie zu schwitzen begann. Aber sie konnte einfach nichts sehen oder hören.


Dann erschien in der schwarzen Leere ein schwaches, flackerndes Bild. Es sah wie eine alte, auf einen Stock gelehnte Frau aus. Das Bild schwankte leicht, als es näher kam und sich dabei mit jedem Schritt auf und ab bewegte. Die Frau hatte langes, seidiges graues Haar mit einem Mittelscheitel, das ihr bis zur Hüfte fiel. Ihre Augenwinkel und ihr Mund waren von Fältchen umgeben. 


 


 


„Willkommen, junge Bürgerin“, sagte die Frau mit einer ruhigen, sanften Stimme. „Ich werde dir helfen, einen Pfad zu wählen. Würde dir das gefallen?“


Coral war sprachlos. Es war so lebensecht, als ob sie die Arme ausstrecken und die Frau umarmen könnte. Aber ohne Landschaft oder Hintergrund konnte sie nicht sehen, wie weit sie entfernt war. Die alte Frau schwebte einfach vor ihr und wartete auf eine Antwort.


„Junge Bürgerin“, fuhr die Frau fort, „ich stelle die Verbindung zwischen dir, deinen Nanotech-Begleitern und der Welt von Travail dar. Die Naniten haben deine synaptischen Verbindungen untersucht und deine Erinnerungen, Wünsche und Fähigkeiten entschlüsselt. Dadurch kann ich dir helfen. Sie übertragen Sinneseindrücke, so dass du alles erleben kannst, was Travail bietet. Zudem übermitteln sie gedankenbasierte Befehle, damit du deine Erlebnisse kontrollieren kannst. Wenn du willst, dass ich dir bei der Wahl eines Pfades helfe, denke einfach ‚ja‘, und dein Avatar wird mir das sagen.“


„Ja“, dachte Coral. aber sie hörte die Worte laut, als ob sie das ausgesprochen hätte. Sie fragte sich, wie ihr Avatar aussah.


„Wunderbar“, fuhr die Frau fort. „Was für ein Leben kann Travail dir bieten?“


„Ich will meinen Lebensunterhalt verdienen“, sagte Coral.


„Natürlich willst du das. Auf welche Weise?“


„Ich will etwas Sinnvolles erschaffen. Etwas Nützliches, das Leute wollen. Ich muss das verkaufen, um Geld zu verdienen, aber ich will keine Arbeit, die langweilig und repetitiv ist.“


„In Travail“, sagte die alte Frau, „muss man oft üben, um seine Fähigkeiten zu verbessern. So eine Geduld lohnt sich.“


Coral spürte, wie Blut in ihre Wangen strömte. Sie wurde rot. Oder errötete ihr Avatar und übertrug Sinneseindrücke an ihre echten Wangen, damit sie wusste, wie sich ihr Avatar fühlte? Sie war zwei Minuten im Spiel, und schon war die Unterscheidung zwischen ihrem Körper und ihrem Avatar unklar.


„Ja“, sagte sie, „und ich bin bereit, geduldig zu sein. Ich will nur nicht den Rest meines Lebens damit verbringen, Bäume zu fällen, um Holz zu verkaufen.“


„Deine Finger sind lang und flink, junge Bürgerin. Es gibt andere Pfade, die zu dir passen würden. Du könntest die Leier spielen und Mengen und höfische Gesellschaften erfreuen.“


Coral fragte sich, was passieren könnte, wenn sie dabei nicht sehr gut wäre. Sie stellte sich vor, dass sie in dem Travail-Gegenstück zur U-Bahn die Leier spielte und hoffte, dass ihr Passanten einige Münzen in den Hut warfen. „Vielleicht gibt es etwas anders, oder?“, fragte sie.


„Du könntest mit Pfeil und Langbogen Tiere jagen und ihr Fell auf dem Markt verkaufen.“


Corals Reaktion war schnell und entschlossen. „Ich bin nicht an Gewalt interessiert.“


„Du könntest Roben und Kleider, Rüstungen und Gewänder entwerfen und deine Waren an einem Marktstand anbieten.“


Unglaublich. Dieses Spiel bot viele Optionen. Straßenmusikerin, Jägerin, Schneiderin. Coral wusste, dass sie nicht den ganzen Tag herumsitzen und fragen wollte, was es noch gab. Und sie erinnerte sich gerne daran, wie sie ihrer Mutter geholfen hatte, alte Sachen mit der Nähmaschine zu flicken. „Ja“, sagte sie. „Ich wähle diesen Pfad.“


„Sehr gut, junger Bürger. Du wirst Travail als Schneiderin betreten. Du kannst dein Handwerk durch Beharrlichkeit meistern. Denn du bist in Travail, wo man intensiv spielt und bei der Arbeit Spaß hat! Aber du musst auch lernen, dich zu schützen. Wenn dein Avatar stirbt, verlierst du alle deine Fähigkeiten, deinen Besitz und dein Gold. Du wirst zu mir zurückkehren, um ein neues Leben zu beginnen.“


Ein halb transparentes Feld erschien zwischen Coral und der alten Frau.


 


Gewählte Klasse: Schneiderin


 


Herzlichen Glückwunsch! Als Schneiderin mit Level 1 beginnst du das Spiel mit [Nähzeug] in deinem Inventar. Der spezielle Fähigkeitenbaum „Schneidern“ ist freigeschaltet.


 


Spieler können durch Kampf, Handwerk, das Sammeln von Ressourcen und das Abschließen von Quests Erfahrungspunkte (EP) erhalten. Dein Level steigt in vorbestimmten EP-Intervallen an.


 


Mit jedem Level verbessern sich die Attribute der Spieler in verschiedenem Tempo, je nach Klasse. Als Schneiderin hast du ein scharfes Auge und geschickte Hände. Mit jedem Level erhältst du zusätzlich +1 Gewandtheit.


 


Auf jedem neuen Level verdienen Spieler 1 Talentpunkt, den sie in ihren speziellen Fähigkeitenbaum oder weitere investieren können, die sie beim Spielfortschritt in Travail freischalten. Durch die Freischaltung von Fähigkeiten kannst du neue Kampftaktiken verwenden oder neue Handwerksgegenstände herstellen. Sobald eine Fähigkeit freigeschaltet ist, wird das ein neues Talent, das du besitzt und durch Übung verbessern kannst. Sieh dir deinen speziellen Fähigkeitenbaum an, um zu sehen, welche Objekte du auf welchem Level schneidern kannst.


 


Du kannst auch verborgene neue Talente entwickeln, ohne Talentpunkte aufzuwenden. Diese entdeckten Talente unterscheiden sich je nach Volk und Klasse. Je mehr du ein Talent verwendest, desto besser beherrschst du es, und desto mehr bringt es dir. 


 


„Okay“, sagte Coral, und das Feld verschwand.


„Junge Schneiderin, wie soll ich dich nun nennen?“


„Coral“, sagte Coral.


„Dieser Name ist bereits vergeben. Wie soll ich dich nennen?“


„Schneiderin_Coral?“


„Dieser Name ist ebenfalls bereits vergeben. Wie soll ich dich nennen?“


Coral war kein sehr häufiger Name, aber da es weltweit mehrere hundert Millionen Spieler gab, konnte sie wohl kaum die einzige sein. Es war nicht gerade überraschend, dass mindestens eine dieser Corals das gleiche Handwerk gewählt hatte. Sie musste sich also die Namenswahl gut überlegen.Verflixt und zugenäht, dachte Coral. Moment, das hat etwas mit Schneidern zu tun, oder? „Wie wäre es mit Coral_Näht?“, fragte sie.


„Es freut mich, dich kennenzulernen, Coral_Näht. Jetzt wollen wir entscheiden, wie du aussiehst.“


 


 


 


 


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