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Einmal Titan und zurück


Die Zeit heilt nicht wirklich alle Wunden -

von Th. Pensator

science_fiction
Ausstattung:
Romanheft, 56 Seiten
Preis:
5.00 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
HARY-Production * Canadastraße 30 * D-66482 Zweibrücken
Kontakt zum Autor oder Verlag:
pensator20042002@yahoo.de
Leseprobe

Die Theorie

 

Pier Cyyt, Mitarbeiter im Zeitforschungsinstitut, hatte eine Videokonferenz einberufen. Er sah auf den dreidimensionalen Holoschirm.

Hier, direkt von seinem Arbeitsplatz aus, konnte er, dank der Technik, mit allen führenden terranischen Wissenschaftlern sprechen.

Der Holoschirm vermittelte den Eindruck eines versammelten Auditoriums, welches dem Wissenschaftler Pier Cyynt gespannt lauschte.

Auf dem Schirm war von jedem Teilnehmer ein kleines Bild zu sehen, dieses jedoch plastisch und farbig. Der Mensch war weit ins solare System vorgedrungen. Über alle Planeten, Planetoiden und Monde des Sol-Systems waren die Labore der Wissenschaftler verteilt. Dort saßen auch die Teilnehmer dieser Videokonferenz.

Pier wandte sein Gesicht in die Richtung, wo das versteckte Objektiv der Kamera lag.

»Es ist uns gelungen, auf dem Zeitstrahl in beiden Richtungen zu reisen. Wenn ein Partikel "negativer" Strahlung ausgesetzt wird, dann ändert es seine eingeschlagene Richtung auf dem Zeitstrahl. Die Richtung in der Zeit wird nur durch diese "Strahlung" bestimmt. Ist sie positiv, dann bewegen wir uns in Richtung Zukunft. Ist sie aber negativ, dann, allerdings, ist die Reise in die Vergangenheit möglich.«

 

Damit lehnte sich Pier Cyynt weit in seinen Sessel zurück, dessen Material sich sofort seinen Körperformen anpasste.

Cyynt war gut durchtrainiert. Er verbrachte seine Zeit nicht nur in den Labors des Zeitforschungsinstituts. Sein Gesicht war braungebrannt und betonte sein volles, blondes Haar. Beiläufig glitten Piers blaue Augen an seinem muskulösen Körper herunter, das Resultat vieler mühsamer Trainingsstunden. Jetzt meldete sich Magna, eine Biologin, zu Wort. »Ich bin keine Physikerin. Erklärt mir doch bitte näher, wie diese negative Strahlung in der Lage sein soll, die Zeit umzukehren.«

Pier betrachtete Magnas Bild auf dem Schirm. Sie war klein, zierlich. Ihr braunes Haare trug sie kurz, fast burschikos. Eine Kindfrau. Aber ihr Blick strahlte Leere und Traurigkeit aus. Pier wurde neugierig. Was war los mit ihr?

»Nun, ich will versuchen, die Problematik auch für die Kollegen anderer Fakultäten anschaulich darzu­stellen.«

Cyyt machte eine kurze Pause und blickte dabei auf die Hologramme seiner Zuschauer.

Alle hingen gespannt an seinen Lippen.

»Es ist schon lange bekannt, dass es im subatomaren Bereich zu Zeitumkehr-Effekten kommt, z.B. beim Betazerfall.1 Hier laufen bestimmte Prozesse rückwärts. Dies hatte aber bisher keinerlei Einfluss auf makroskopische Vorgänge, also auf unser Leben.«

Pier blickte auf das dreidimensionale Abbild Magnas. Hatte sie ihn verstanden? Er referierte weiter...

Klappentext

Kurzbeschreibung

Die spannende Science-Fiction-Novelle "Einmal Titan und zurück" handelt in naher Zukunft. Pier Cyynt ist Mitarbeiter in einem Institut für Zeitforschung. Auf einer Videokonferenz erläutert er Wissenschaftlern die Ergebnisse seiner Forschung: es ist gelungen, mikroskopische Objekte in der Zeit zurückzuschicken. Magna, eine Biologin, zeigt ein besonderes Interesse an den Resultaten der Zeitforscher. Welche Beweggründe hat sie? Pier Cyynt fühlt sich von der Biologin angezogen und folgt ihr bis auf den fernen Saturnmond Titan. Dort sucht die Biologin in den Seen des Mondes nach Vorstufen des Lebens. Pier überredet sie, ihm zurück zur Erde zu folgen, um an seinen Zeitreise-Forschungen teilzunehmen. Magna willigt ein. Ihre Zusammenarbeit im Zeitforschungsinstitut läuft vorerst wie erwartet. Aber Magna hat insgeheim andere Pläne. Niemand ahnt, daß sie die wissenschaftliche Arbeit zu eigenen Zwecken nutzt. Ihre Experimente gehen weit über das hinaus, was die Forscher am Institut für machbar und auch vertretbar halten.

Rezension

Der Physiker Pier Cyynt arbeitet an einer Methode, die die Verschiebung einzelner Atome zurück in der Zeit ermöglicht. Auf einer Konferenz lernt er die mysteriöse Biologin Magna kennen, in die er sich verliebt. Er folgt ihr zum Saturnmond Titan und überredet sie zur Mitarbeit an seinem Projekt - natürlich mit dem Hintergedanken, ihr dabei auch privat näher zu kommen. Ziel ihrer Forschungen ist es zunächst ein Virus, später ein Bakterium einige Minuten zurück in der Zeit zu versetzen. Doch Magna verfolgt eigene Ziele, die weit über Piers Pläne hinausgehen......
In letzter Zeit habe ich ja nun bereits zwei Bücher von Michael Fritzsche vorgestellt. Der Diplom-Ingenieur aus Hamburg (nein, wir kennen uns nicht persönlich, aber ich freue mich, hier endlich mal was abseits vom Mainstream vorzustellen!) begeistert sich besonders für technische Science Fiction, was ihn gerade innerhalb der hauptsächlich von Fantasy durchsetzten Szene zu einer Ausnahmeerscheinung macht. Seine in "Future Save" beschriebene Idee für eine Zeitreise ist zwar spekulativ, trotzdem konsequent durchdacht und weitergesponnen und im Gegensatz zu anderen Geschichten dieser Art bemüht der Autor sich tatsächlich darum, dem Leser zu erklären, wie ein Zeitsprungüberhaupt über die Bühne gehen soll.
Fritzsche treibt seine Geschichte schnell vorwärts, was ich im Gegensatz zu den mittlerweile üblichen, künstlich auf Volumen gepuschten Wälzern für eine angenehme Ausnahme halte. Handlungsorte sind die Erde und der Saturnmond Titan, der beinahe zur Todesfalle für die Biologin und den Physiker wird. Man beginnt zwar recht schnell zu ahnen, was Magna beabsichtigt, Spannung entsteht aber schon allein aus der Frage heraus, ob ihr Vorhaben gelingen wird. Fritzsches Erzählstil ist sauber und routiniert, gelegentlich etwas knapp, was der Qualität jedoch keinen Abbruch tut. Man spürt, daß der Autor "bei der Sache bleiben will", er schreibt auf sein Ziel zu, ohne sich mit Umwegen aufzuhalten.
Dem Buch liegen übrigens einige Grafiken zur Verdeutlichung, sowie ein Computerprogramm bei. "Future Save", eine gelungene Zeitreisegeschichte mit Unterhaltungs - und Lernwert. Eventuell macht der Leser dabei sogar selbst die Erfahrung eines Zeitsprunges: "Was? Schon so spät? Ich habe doch gerade erst angefangen zu lesen!"
Thorsten Küper  http://www.sublevel12.de/