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> Science Fiction > Behemoth 2333 Band 1
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Science Fiction
Buch Leseprobe Behemoth 2333 Band 1, Joshua Tree
Joshua Tree

Behemoth 2333 Band 1


Das Jupiter Ereignis

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Prolog Forschungsstation Saturas, Orbit um den Gasriesen Zeus II, Archimedes System, 21. November 2333, 01:22 Uhr. „Okay Marly“, sagte Federigo gut gelaunt und gesellte sich zu seiner Kollegin vor die äußere Kompositwand der Station. „Dann wollen wir doch mal schauen, was wir heute an interessanten Daten erhalten.“ „Ich bin nicht auf DeGaulle geboren worden, nur um meinen wunderbaren Namen von einem Bismarcker wie dir verschandeln zu lassen“, schnaubte Dr. Marlène DeVries zur Antwort und warf ihm einen gespielt bösen Blick zu. „Außerdem versuchst du doch nur, das Ganze spannender zu machen, als es ist. Ich schätze, das ist auch der einzige Grund, weshalb du deinen Studenten mitgebracht hast?“ Sie machte mit ihrer zierlichen Hand eine vage Geste in Richtung des jungen Mannes, der auf einem der drei Sessel aus Nanoschaum hinter ihnen saß. Seinem leeren Gesichtsausdruck nach zu urteilen, war er in den zentralen Quantencomputer der Station, den KI-Kern, eingeloggt. „Ach, die armen Jungs kommen doch sonst nie aus der Uni heraus“, gab Federigo zurück und hob die Schultern. Mit einem kurzen Gedankenbefehl öffnete er eine Verbindung zu der Robotersonde, die gerade von ihrem dreimonatigen Flug durch die unteren Atmosphärenschichten des Gasriesen zurückkehrte. Als er keine Antwort erhielt, befahl er der nanonischen Kompositwand vor sich, transparent zu werden. Aufgrund ihrer Nähe zu dem Planeten war die Helligkeit, die von dem jovianischen Riesen ausging, enorm und sein NeuroSmart, ein winziger Computer an seinem Hirnstamm, dämpfte automatisch die Reizübertragung seiner strapazierten Sehnerven. Was nach den angesprungenen Filtern blieb, war ein wunderschönes Gemälde aus atmosphärischen Superstürmen, die in Äquatornähe wüteten und die vorherrschenden Gelb- und Rottöne ständig ineinander verschoben. „Es gibt schon schlimmere Arbeitsplätze als diesen hier“, stellte er zufrieden fest. „Du meinst schlimmer als ein Jahr am Stück immer gleiche Messdaten zu empfangen?“, schnaubte Marlène und rieb sich mit einer Hand über die grauen Stoppeln ihres rasierten Kopfes. „Wir sind doch ohnehin bloß hier, um den Ort des ehemaligen Jupiter Tunnels nicht gänzlich der Human Corporation oder Schmugglern der Steineklopfer auf den Asteroiden zu überlassen.“ „Zeus II mag momentan noch nicht im Interesse der Union liegen“, stimmte Federigo ihr zu und sandte ihr über SenseNet die letzten Daten von der Zusammensetzung der Atmosphäre, die gerade von der Robotersonde in den KI-Kern der Station geladen wurden. „Aber wenn von Zeus I erst einmal sämtlicher Wasserstoff abgesaugt wurde, wird sich das schnell ändern und Zeus II plötzlich der interessanteste Punkt des Archimedes Systems sein.“ „Und das ist wann? In fünftausend Jahren?“ „Genießen wir einfach den Ausblick“, gab der Professor milde zurück, als er eine Warnmeldung vom KI-Kern erhielt, die als aufdringliches, rot blinkendes Dreieck in sein Sichtfeld projiziert wurde. Mit hochgezogenen Brauen öffnete er die Meldung und eine wahre Flut von Diagrammen und Daten aus der oberen Sensorphalanx überflutete sein Sichtfeld. „Seltsam“, sagte er leise und aktivierte sämtliche Analyseprogramme aus seinen Memoryzellen, um die Daten in ein verdauliches Maß umzuwandeln. Nach zwei Sekunden hatten sie ihre Arbeit getan und sein Mund wurde staubtrocken. Ungeduldig schob er den Datenwust beiseite und klinkte sich in die optischen Sensoren der Station ein, verschmolz mit den Teleskopen. Über das lokale SenseNet spürte er die Präsenz von Marlène und Martin, die es ihm scheinbar ohne Zögern gleichgetan hatten. Hastig zoomte er zu den etwa vierhunderttausend Kilometer entfernten Koordinaten der ehemaligen Subraumanomalie des Jupiter Tunnels heran. Was vor Jahrzehnten noch ein rätselhaftes Mikrowurmloch gewesen war, das sie mit dem heimischen SOL System verbunden hatte, war heute nur noch langweiliger Normalraum. Die vier halbverwaisten Forschungsstationen der Human Corporation hingen wie reglose Zeugen des Vergessens rings um die Koordinaten im Vakuum. Nicht mehr als Prestigeobjekte einer gierigen Megacorporation, die heute von Schmugglern, FMN-Sympathisanten und Systemfeinden kontrolliert wurden. „Energiespitze bei Point Zero!“, dröhnte Marlène über das SenseNet. Er vergrößerte erneut, bis seine sensorgestützten Augen direkt in einen grellen Photonensturm harter Strahlung blickten, der die ihn umgebenden Stationen der Human Corporation gefährlich rot aufglühen ließ. Nach dem Lichtblitz wurde der Normalraum zwischen ihnen gewaltsam aufgerissen und offenbarte seinen Sensoren einen flüchtigen Blick in die beunruhigende, schwarze Unendlichkeit des Weltraums. Das kugelförmige Gebilde aus vollkommener Schwärze schwoll rasend schnell an, wölbte sich wie ein Ballon kurz vorm Platzen und spuckte dann etwas aus, bevor es wieder in sich zusammenfiel. „Bei Gott was ist das?“, raunte Martin heiser. Federigo überflog hastig die Daten: Das Raumschiff, das durch den Ereignishorizont gesprungen war, hatte eine Länge von über zwei Kilometern und besaß an der breitesten Stelle einen Durchmesser von dreihundert Metern. Das war deutlich größer als ein Schlachtschiff der Unionsnavy und damit gewaltiger als alles, was er jemals gesehen hatte. „Marlène, was machst du aus den Daten der Passivsensorik?“, fragte er die Analystin mit sich überschlagender Stimme und wartete ungeduldig darauf, dass die optischen Sensoren wieder hochfuhren. Sie hatten nach dem initialen Lichtblitz des sich öffnenden Wurmloch Terminus abgeschaltet, um nicht in dem folgenden Orkan aus Gammastrahlung zu vergehen. „Niederfrequente elektromagnetische Strahlung, kein Plasmaschweif, aber ich empfange eine SenseNet Übertragung“, antwortete die Wissenschaftlerin direkt in sein Bewusstsein. „Über SenseNet?“, fragte er ungläubig. „Das ist doch vollkommen unmöglich!“ „Kein Zweifel!“, beharrte sie und ihre von Angst getragene Aufregung durchdrang das Netz der Station mit einer solchen Intensität, dass seine emotionalen Filterroutinen aktiv wurden. Schnell beruhigte er sich. „In Ordnung. Kanal öffnen!“ Er hielt die Luft an, während er auf die Nachricht des fremden Schiffes wartete. Ist das ein wirklicher Erstkontakt?, dachte er fieberhaft und fühlte sich wie in einem Traum. Solche Dinge passierten anderen, Männern und Frauen, die in die Geschichte eingingen. Ganz sicher aber passierten sie nicht ihm, Federigo Meyberg, der diesen unterdurchschnittlichen Arbeitsplatz seinen noch unterdurchschnittlicheren Forschungsergebnissen verdankte. Ein Wurmloch. Ein echtes Wurmloch! Doch so lange er auch wartete, es geschah nichts. Keine Nachricht. Keine außerirdische Stimme aus dem Äther, die nach ihnen rief. Keine kryptischen, mathematischen Formeln, keine Lichtsignale. Einfach nichts. Doch, da war etwas. „Der KI-Kern wird angegriffen!“, schrie Marlène mit einem Mal. „Was?“ „Bei dem Signal scheint es sich um eine Art Virus zu handeln, das die Firewalls des KI-Kerns angreift. So einen Code habe ich noch nie gesehen“, sagte sie atemlos. Die optischen Sensoren waren wieder hochgefahren und Federigo zögerte keine Sekunde. Er klinkte sich erneut in die Teleskope ein und befahl ihnen, sich direkt auf das fremde Schiff auszurichten. „Das ist kein Schiff!“, stammelte er kurze Zeit später fassungslos und leitete die Telemetriedaten an Marlène weiter. Bei dem Eindringling handelte es sich um ein riesiges Lebewesen, dass sich am ehesten noch mit einem irdischen Wal vergleichen ließ, wie er ihn aus den SenseNet Dokumentationen über die Erde kannte: Eine massige, stromlinienförmige Kreatur, an deren Flanken kiemenartige Löcher klafften, durch die sie den Daten zufolge interstellaren Wasserstoff aus dem Vakuum saugte. Auf dem Rücken befanden sich hornartige Fortsätze, die sich von dem gedrungenen Kopf mit seinen unzähligen Augen und Tentakeln bis zum abgeflachten Ende entlangzogen. Eine glänzende Haut aus massivem braunen Polyp überzog das Wesen, das sich gemächlich aber zielstrebig auf sie zu bewegte. „Ein verdammtes Weltraummonster?“, fluchte Marlène leise. „Das soll doch wohl ein Witz sein!“ „Das ist der Behemoth!“, sendete Martin hysterisch über das SenseNet. „Behemoth?“, fragte Marlène irritiert. „Fang mir jetzt nicht mit irgendeinem Gefasel aus der Bibel an!“ „Das ist ein Monster aus dem Buch Hiob“, erklärte Federigo und umfasste instinktiv das Kruzifix, das er um seinen Hals trug. „Aber Behemoth ist in der Bibel ein Landlebewesen. Wenn überhaupt ist das hier ein Leviathan!“ „Können wir vielleicht mit der verfluchten Bibelstunde aufhören und uns darauf konzentrieren, was zur Hölle wir jetzt machen?“, drängte Marlène ungeduldig. „Was auch immer das für ein Ding ist, es hat beinahe die Firewalls des KI-Kerns überwunden.“ Nichts kann die Firewall eines Stufe vier KI-Kerns überwinden, dachte er, bevor er sich wieder den Daten der Sensorphalanx zuwandte. Die Forschungsstationen der Human Corporation, Bohr, Newton, Einstein und Clarke, hatten sich in dichte Trümmerwolken verwandelt. Die Explosion aus harter Strahlung und Hitze bei Öffnung des Wurmlochterminus hatte sie einfach zerrissen und mit ihnen die über zweihundert dort arbeitenden Wissenschaftler. Und Schmuggler. Das Wesen beschleunigte mittlerweile mit 3g direkt auf sie zu und sog dabei jedes Wasserstoffmolekül innerhalb von fünf Astronomischen Einheiten in sich auf. „Martin!“, blaffte er über SenseNet. „Speicher alle Daten, die wir bisher gesammelt haben und sende sie über die nächste Kommunikationsboje an das Unionsnetz!“ „Soll ich…“, setzte der Student nervös an, doch Federigo fuhr ihm ungehalten dazwischen: „Sofort, Mann!“ „Federigo!“, rief Marlène alarmiert. „Was ist jetzt?“ „Öffnung eines Hyperraum Fensters zwei Klicks unterhalb unserer Längsachse!“ „Was?“ Er öffnete die von ihr übersandten Daten und kniff irritiert die Augen zusammen. Durch den wirbelnden Sturm aus exotischer Strahlung inmitten des Hyperraumfensters schoss ein kleines Raumschiff der Elsass-Klasse auf sie zu und ging in einen Annäherungsvektor über. „Laut Transpondercode ist das die UNS Dassault“, stellte Marlène fest. „Aber das ist nicht möglich! Raumschiffe können keine Hyperraum Fenster öffnen!“ „Genau so wenig wie es möglich ist, Wurmlöcher größer als einen Stecknadelkopf zu erschaffen?“, gab er lakonisch zurück. „Hier und heute ist scheinbar nichts unmöglich.“ Sein NeuroSmart wertete die vorliegenden Sensordaten über die angebliche UNS Dassault aus und sandte ihm eine Zusammenfassung in sein Blickfeld, die er hektisch überflog. „Sieh dir den Energieausstoß an!“, rief er seiner Analystin zu. „Das Ding fliegt mit Antimaterie!“ „Jesus!“ „Selbst wenn es sich um Piraten oder FMN Aktivisten handelt“, sagte er eilig und übermittelte der UNS Dassault die exakten Anflugvektoren für die primäre Luftschleuse. „Beide Varianten sind mir lieber als dieses riesige Weltraummonster, das uns in weniger als vier Minuten erreichen wird!“ Marlène antwortete nicht. „Marlène!“, schrie er und packte sie mit beiden Händen. „Zur Luftschleuse! Jetzt!“ Als erwache sie aus einem Traum, schüttelte die Wissenschaftlerin von DeGaulle ihren Kopf und nickte mit blassem Gesicht. Als sie das gedrungene Analysezentrum durchquert hatten, zerrten sie den vom Schock erstarrten Martin aus seinem Sessel und liefen den engen Flur in Richtung Aufzug entlang. „Die erste Firewall ist zusammengebrochen!“, rief Marlène atemlos. „Erste Systeme fallen aus.“ Gerade als sie die letzten Worte gesprochen hatte, ging ein Ruck durch die sie umgebenden Kompositwände und die ewige Rotation der zylindrischen Forschungsstation setzte aus. Federigos Stiefel hoben augenblicklich vom Boden ab. Sein Magen begann zu rebellieren und drohte sich jeden Moment zu entleeren, während er hastig nach den Haltegriffen zu seiner Linken tastete. Ich hasse Schwerelosigkeit, dachte er und sah runde Schweißtropfen von seiner Stirn davonschweben. Als er sich vergewissert hatte, dass auch Marlène und sein rot angelaufener Student etwas zum Festhalten gefunden hatten, stieß er sich in Richtung Aufzug ab. Als sie die kleine Kabine der Magnetröhre erreichten, begann die rote Notfallbeleuchtung zu flackern und sie warfen sich gegenseitig alarmierte Blicke zu. Eine Meldung seines NeuroSmart unterrichtete ihn davon, dass die UNS Dassault gerade angedockt hatte. Er Befahl den Programmen, die noch vom KI-Kern kontrolliert wurden, dem Schiff volle Zugriffsrechte zu gewähren. Glücklicherweise war die Steuerung des Magnetaufzuges noch nicht der feindlichen Cyberattacke zum Opfer gefallen und so befahl er dem System, sie zur Andockbucht zu bringen. In den fünf Sekunden, die sie durch die Magnetröhre zum unteren Ende der Station davon schossen, wechselten sie kein Wort. Dann öffnete sich die Tür und sie befanden sich in der Andockbucht. Dutzende Container mit dem Emblem der Union - gelbe Sterne auf blauem Grund - standen kreuz und quer im Raum verteilt - ideale Ankerpunkte, um an ihnen entlang durch die Schwerelosigkeit zu gleiten. Gerade als sie die rot-weiß lackierte innere Luftschleuse erreichten, glitt diese mit lautem Zischen zur Seite. Vor ihnen stand ein Mann in schwarzem Anzug und blickte sie aus toten, chromfarbenen Augen an. Ein Gearhead?, dachte Federigo erschrocken und wich instinktiv einen Schritt zurück. „Guten Tag“, sagte der Fremde mit dem androgynen Gesicht, das so alters- und leblos wirkte wie seine Stimme. „Wer auch immer Sie sind – es spielt keine Rolle. Sie müssen uns mitnehmen!“, drängte Federigo atemlos. Statt zu antworten, blickte der Mann im Anzug sie einfach nur nacheinander an, als hätten sie alle Zeit der Welt. „Hey!“, rief Federigo entrüstet, als sein NeuroSmart ihm einen Zusammenbruch seiner Firewalls meldete. Die bunten Diagramme und Listen am Rande seines Sichtfelds, die ihn immer begleiteten und über Luftzusammensetzung, Gravitationskräfte, Uhrzeit und Vitaldaten informierten, gerieten durcheinander. Zahlen verdrehten sich zu Buchstaben, wuselten in einem unsinnigen Salat aus Binärdaten hin und her und dann war alles fort. Sein NeuroSmart war offline. „Was machen Sie denn da? Wir müssen hier weg verdammt nochmal, da ist ein riesiges DING dort draußen, das in…“, er wollte sich gerade die Zeit bis zur Ankunft des Wesens anzeigen lassen, doch ohne den nanonischen Prozessor in seinem Kopf, führte dieser Impuls zu nichts. „Sorgen Sie sich nicht“, sagte der Mann im Anzug emotionslos und hob seinen linken Arm, durch den ein kurzer Ruck ging. Dann plötzlich verwandelten sich Hand und Unterarm in einen Thermalblaster und Federigo starrte direkt in das kalte Loch der Mündung. Er hörte noch Marlène schreien, als eine Feuerblume vor seinem Gesicht aufblitzte. Das Leben von Professor Federigo Meyberg endete nach vierundachtzig Jahren, zwei Monaten und drei Tagen.


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