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Science Fiction
Buch Leseprobe Alkatar - Der Erbe, Anja Fahrner
Anja Fahrner

Alkatar - Der Erbe



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Prolog

40 Jahre zuvor …

„Woher kommen die Kuraner?« Hagas lag ausgestreckt auf seiner Strohmatratze und schaute zu seiner Mutter auf, die ihn zu Bett gebracht hatte. Sie wirkte müde, blickte aber liebevoll auf ihn hinab. Er wusste, dass sie den Tag damit verbracht hatte, Sunbohnen zu ernten. Doch sie hatte ihm etwas versprochen und jetzt war die Zeit, dieses Versprechen einzulösen. Mit leuchtenden Augen sah er sie an.
Margit lächelte matt, dann setzte sie sich auf die Bettkante. »Du hast den neuen Kuraner gesehen. Alvan.«
»Ja«, sagte er erregt. Er dachte an den kraftvollen Krieger mit der wilden, dunklen Mähne und den seltsam grünen Augen. Er hatte ein riesiges Schwert und einen Bogen auf dem Rücken getragen. Jede seiner Bewegungen war geschmeidig und lautlos gewesen, wie die eines Raubtieres.
»Er hat gerade erst seine Ausbildung in Malatomb abgeschlossen und ist nach Pattos’ Tod unserer Gegend zugeteilt worden«, murmelte Margit, »aber es heißt, er sei bereits ein großer Kämpfer. Wir können froh sein, dass Baker in der Nähe der Hauptstadt liegt. Der Hohe Rat gibt sich nicht mit Kriegern ab, die …«
»Die Geschichte der Kuraner«, unterbrach sie Hagas drängelnd. »Du hast es mir versprochen.« Das, was seine Mutter da redete, interessierte ihn nicht.
»Ja, natürlich.“ Margit seufzte und begann mit ruhiger Stimme zu erzählen: »Einst, vor über fünfhundert Sonnenwenden, da sah Zadeg ganz anders aus.« Ihre Augen wanderten zum Fenster hinaus in die Dunkelheit, in eine imaginäre Ferne. »Die Menschen lebten auf einem abgeschiedenen Teil, einer Insel, auf der ein riesiger Berg in den Himmel wuchs.«
»Ein Berg?«
»Ja, mein Sohn. So erzählt man sich. Eines Tages spie der Berg Feuer und Rauch. Gestein, so heiß, dass es flüssig war, ergoss sich aus seinem Schlund hinab auf die Menschen.«
»Was ist mit den Kuranern«, fragte Hagas ungeduldig. Er wollte keine Geschichte über einen langweiligen Berg hören, sondern etwas über diese Krieger erfahren.
Margit strich ihm zärtlich die Haare aus dem Gesicht. »Durch den Berg verloren die Menschen ihre Heimat, ihr fruchtbares Land. Viele starben. Doch der Berg schuf auch Neues, schuf eine Brücke in ein unbekanntes Land. Aber die Hoffnung der Menschen auf ein besseres Leben erfüllte sich nicht, denn es war ein Land des Schreckens.«
Nun lauschte Hagas wieder aufmerksam.
»Bösartige Kreaturen lebten dort. Die Menschen wurden zu ihrer Beute. Die Bestien gingen auf die Jagd nach ihnen, nahmen sie gefangen und …« Margit wandte ihr Gesicht ab, schien nach Worten zu suchen.
»Das „ waren die Simplen. Sie fressen uns auf«, ergänzte er mit der Überzeugungskraft eines Kindes, das sich stolz im Besitz eines Wissens glaubt, das den Erwachsenen vorbehalten ist.
»Woher weißt du das?« Margit sah ihren Sohn besorgt an.
»Das erzählt man sich so. Jedes Kind im Dorf weiß das.«
»Nun gut.« Sie dachte einen Moment nach. »Irgendwann hättest du es ja doch erfahren.«
»Wann kamen die Kuraner?«
Margit zwickte ihrem Sohn schelmisch in die Wange. »Es gab nur einen, mein Sohn.«
»Nur einen?«
»Obwohl die Menschen verzweifelt kämpften, mussten sie immer weiter zurückweichen, zurück in das karge Land aus Feuer und Rauch. Aber plötzlich, als sie alles schon verloren geglaubt hatten, eilte ihnen ein mächtiger Krieger zu Hilfe. Gemeinsam mit ihm gelang es unseren Vorfahren, sich gegen die Simplen zu behaupten.«
»Das war der Kuraner.«
Margit nickte. »Ja, Heinrich nannte ihn so. Es heißt, der Krieger war der letzte seiner Art, völlig einsam, mehr Tier als vernunftbegabtes Wesen. Keiner weiß, woher er gekommen und wohin sein Volk verschwunden ist. Er ähnelte den Menschen und sehnte sich nach seinesgleichen.«
»Heinrich zähmte ihn.«
»Ja, mein Sohn. Der Mensch Heinrich war klug und geschickt. Es gelang ihm, den Krieger für sich zu gewinnen, ihm menschliche Werte zu vermitteln, ihm ein Führer im Zusammenleben zu sein.«
»Wie wurden aus einem Kuraner viele?« Hagas rieb sich nachdenklich die Nase.
»Weißt du auch von den anderen Kindern, wie das Baby in die Frau gelangt?«
Hagas nickte unsicher, obwohl er es nicht so genau wusste. Aber das konnte er doch seiner Mutter nicht eingestehen, wenn er als Mann anerkannt werden wollte.
Margit sah ihn prüfend an, dabei spielte ein amüsiertes Lächeln um ihre Mundwinkel, als habe sie ihren Sohn durchschaut. »Es heißt, eine menschliche Frau wandte sich dem Krieger zu, schenkte ihm ihre Liebe und vertrieb seine Einsamkeit. Die Söhne, die sie ihm gebar, waren wie er und er stellte sie in den Dienst der Menschen. Seine Söhne bekamen ebenfalls Söhne, die waren wie er. Bis heute schützen die Nachfahren dieses Kriegers das menschliche Leben, lassen niemals zu, dass die Kreaturen überhand gewinnen.«
Hagas drehte sich auf die Seite und zog die Decke bis zu den Ohren.
»Gute Nacht, mein Sohn.« Margit gab ihm einen Kuss auf die Wange, dann stand sie auf.
»Ich will auch die Menschen schützen. Ein Soldat will ich werden. Und die Kuraner werden meinem Befehl unterstehen.«
Margit kicherte auf dem Weg zur Tür. »Vielleicht wirst du das, mein Sohn. Vielleicht wirst du das.« Sie ging hinaus.
Hagas lauschte ihren Schritten, die sich rasch entfernten. Noch lange dachte er über den Krieger nach, der sein Leben den Menschen gewidmet hatte.“

Feind im Verborgenen

„Händler und Bestien
Alvan blinzelte hinauf zum dichten Blätterdach, durch das nur spärlich das Licht der Mittagssonne sickerte. Es war heiß, brütend heiß, sein Brustharnisch ein Ofen, der das Fell auf seinem Rücken in einen verschwitzten Filz verwandelte. Witternd hob er den Kopf. Nichts. Nur modriger Waldboden, herber Männerschweiß und die scharfen Ausdünstungen der Tiere. Die Bestien schienen den Konvoi noch nicht entdeckt zu haben. Nur am Rande lauschte er den Geräuschen hinter sich, Lauten, die ihn bereits sein Leben lang begleiteten. Händlerwagen ratterten über den steinigen Boden, massige Zugtiere stemmten sich schnaufend in ihr Geschirr, alles begleitet von klirrendem Metall ‒ dem Zaumzeug der Tiere und den Blankwaffen der berittenen Eskorte.
»In Sahe wirst du auf General Hagas warten«, sagte Hauptmann Surius, der in entspannter Haltung neben ihm ritt. Mit dem Handrücken wischte er sich über die feuchtglänzende Stirn. Er war einer von der gemütlichen Sorte; rundes Gesicht, rosige Pausbacken und einem Bauchansatz, den er nur mit Mühe in seine Rüstung zwängte.
»General Hagas?« Allein der Name löste Widerwillen in Alvan aus. Er war froh, wenn er diesen herrischen, blasierten Offizier nur aus der Ferne sah. »Ich hatte Befehl, den Konvoi zurück nach Keltor zu bringen, Hauptmann.«
»Jetzt nicht mehr.“ Surius blickte betont gleichmütig auf den Weg vor sich. »Das macht der Kuraner Darkon.«
»Verdammt«, fluchte Alvan kaum hörbar. »Warum, Hauptmann?«
»Wie ich gehört habe, sollst du die neue Leibwache des Ratsvorsitzenden Bohdan werden.«
»Ich soll zu diesem hochnäsigen Gesindel?« Er konnte nur an parfümverseuchte Prunkzimmer denken, an langweilige Empfänge und ewiges Stehen auf demselben Fleck. Unbewusst zügelte er sein Karnup. Das flugunfähige Federvieh mit dem stämmigen Hals und den nackten Beinen blieb bereitwillig stehen.
»Alvan!«, mahnte Surius. »Reiß dich zusammen. Dieser Posten ist eine große Ehre, vielleicht die größte für einen Kriegersklaven wie dich.«
»Ehre. Pah.« Der jammernde Ruf eines Tietschvogels streifte Alvans Bewusstsein, dreimal in der Ferne.
»He!«, rief einer der Händler ungeduldig von hinten. »Was ist los? Seid ihr eingeschlafen?«
»Los jetzt! Weiter!«, befahl der Hauptmann.
Ein Tietschvogel antwortete, ebenfalls dreimal. Plötzlich war Alvan hellwach, sein neuer Posten unwichtig. Panische Schreie durchbrachen die Ruhe des Waldes, zu leise, um von menschlichen Ohren wahrgenommen zu werden.
»Alvan!«, herrschte Surius. »Gehorche!«
»Simple!«, sagte er und hob die Hand, das Zeichen für den Konvoi, dass es einen Zwischenfall gab. »Ein Überfall vor uns.«
Der Ärger in Surius’ Miene wich Bestürzung. Sogleich gab er den Fahrern Handzeichen, worauf sich die hinteren Wagen abspalteten, um eine Wagenburg zu bilden. Armbrüste schoben sich aus den Schießscharten der kastenförmigen Fahrzeuge.
»Beeilt euch!«, rief Alvan der Eskorte zu und hieb seinem Karnup die Schenkel in die Seite, so dass es aus dem Stand losrannte.
Die Schreie wurden lauter, ein röhrendes Brüllen erklang.
Die Wegstrecke schien unendlich, dann wurde etwas Viereckiges sichtbar, ein umgestürzter Karren, davor der massige Körper eines Bantengs. Das riesige Tier mit dem wolligen Fell und den gedrehten Hörnern bäumte sich verzweifelt in seinem Geschirr auf, versuchte, sich gegen sieben Gestalten zu wehren, die wie kleinwüchsige, behaarte Menschen aussahen und mit Speeren auf es einstachen.
»Helft mir!«, schrie eine Stimme von oben.
Alvan erkannten einen weißhaarigen Mann in der grobgewebten erdfarbenen Kluft eines Bauern in einer der Baumkronen, dort, wo die Äste bereits so dünn wurden, dass sie sich unter der menschlichen Last bedenklich bogen. Eine der Kreaturen kletterte den Stamm hinauf, flink und geschickt näherte sie sich ihrem Opfer.
Während die Soldaten die Simplen bei dem Banteng angriffen, brachte Alvan mit einer fließenden Bewegung Pfeil und Bogen in Anschlag, jagte der Bestie einen Pfeil in ihren haarigen Schädel. Die Kreatur fiel zu Boden, wo sie zuckend liegenblieb.
»Komm runter!«, rief Alvan. »Es ist alles vorbei.«
»Mein Sohn«, schluchzte der Bauer im Baum. »Er ist in den Wald geflohen …«
»Verdammt.« Alvan hob witternd den Kopf, nahm die Fährte des Jungen auf, den Geruch von Schweiß, Angst und Blut. Er rannte los, kämpfte sich durch das stachelige Dickicht. Fetzen von Kleidung hingen im Geäst, Blutstropfen glänzten auf dem feuchten Waldboden, vor ihm raschelte Laub, zerbrachen Äste unter hastigen Schritten. Dann hörte er einen langgezogenen Schrei, der in einem Röcheln endete. Er wünschte sich, wie ein Vogel fliegen zu können, um schneller zu sein. Mit seinem Schwert zerteilte er das dichte Gebüsch, bis er eine Gestalt gewahrte, einen Simplen, der sich über einen Menschen beugte.
»He!«, brüllte Alvan. »Komm zu mir, du Krüppel.«
Die Kreatur drehte sich um, entblößte die spitzen Zähne, knurrte böse. Blut tropfte von seiner Schnauze. Verwachsungen hatten sein rechtes Auge zugewuchert.
»Du Missgeburt!« Mit erhobenem Schwert trat er auf die Bestie zu.
Der Simple wandte sich um und lief davon.
»Verdammt.« Alvan steckte sein Schwert weg und kniete sich neben den jungen Mann, dessen Körper blutüberströmt war. Panisch geweitete Augen blickten zu ihm auf, viel zu jung für den Tod. Pulsierend entwich das Leben aus der zerfetzten Kehle, die röchelnd um Luft rang. Ich bin zu spät, nur einen winzigen Moment zu spät.
Die Augen bettelten um Hilfe.
»Es tut mir leid«, murmelte Alvan. Tatenlos musste er mit ansehen, wie der Junge im Todeskampf seine Hände in den Waldboden krallte und mit den Füßen scharrte.
Die Verzweiflung in den Augen verschwamm, machte Platz für eine unbekannte Welt, eine Welt, in die jedes Wesen einmal hinübertreten musste.
»Möge der Frieden in dich einkehren.« Mit seiner Hand fuhr Alvan über die Lider des Jünglings, schloss seine Augen für immer. Er lud sich den Toten auf die Schulter und lief zurück. Der Karren war bereits aus dem Weg geräumt, die Straße gesäumt von den Überresten der Bestien und dem toten Banteng. Aufgeplatzte Säcke lagen verstreut, aus denen braune Sunbohnen quollen. Was für ein Preis, dachte Alvan und stieg auf sein Karnup. Ein paar Bohnen gegen ein Menschenleben. Nur die Händler besaßen das Recht auf militärischen Geleitschutz auf der Handelsstraße, das Recht auf einen Kuraner. Doch sie zahlten für die Waren nur wenig. Die Armut machte die Bauern mutig, todesmutig.
Er ritt zurück zum Konvoi.


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