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> Satire > Voll voraus, DODI!
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Bücher Satire
Buch Leseprobe Voll voraus, DODI!, Claus Beese
Claus Beese

Voll voraus, DODI!



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Seenebel! Ich stoppte auf und wartete bis die PINGO heran war.

»Zurück oder Laboe?« fragte ich und Heinz zog die Stirn kraus.

»Wie gut bist du in Navigation?« fragte er zurück.

»Laboe!« antwortete ich und er nickte.

»Ich bleibe aber an eurem Heck!« versicherte er und langsam tasteten wir uns in die Suppe hinein. Wenn ich richtig gepeilt hatte, musste vor uns irgendwo in dem grauen Nichts die Untiefentonne Kleverberg-Ost sein. Und hatte ich auch vorgehabt, mich in der Kieler Förde entlang des Tonnenstriches dicht an der Fahrrinne zu halten, so kam es mir jetzt deutlich gesünder vor, mich von dort fernzuhalten. Die Fähren und Frachter waren sehr schnell, und ob wir überhaupt ein Radarecho auf ihren Schirmen zeichnen würden, war mehr als fraglich.

Da! Aus dem Nichts tauchte sie auf und ich riss das Ruder zur Seite um sie nicht zu rammen. Kleverberg-Ost! Neptun sei Dank! Jetzt Kurs 238°, dann mussten wir die Tonne Süd finden. Genau nach anderthalb Seemeilen tauchte sie schemenhaft direkt vor uns in etwa zwanzig Metern Entfernung auf.

»Welche nehmen wir jetzt?« fragte mein Hilfsnavigator und hatte schon Kursdreieck und Lineal parat.

»Nehmen wir die Fahrwassertonne 3, die ist näher dran!« entschied ich und war froh, dass ich meinem holden Weibe den Umgang mit dem Besteck inzwischen gezeigt hatte.

»Exakt 170°, mon Kapitan!« witzelte sie um die nervliche Anspannung ein wenig zu lockern.

»Okay! Wir kommen damit dicht an die Berufschifffahrt. Rollt alle Persenning-Einstiege hoch, haltet nach allen Seiten Ausschau und vor allem: Ruhe im Schiff! Wir müssen jetzt auch nach Gehör fahren, möglich, dass wir nicht die einzigen sind, die hier rumkrebsen!«

Ich öffnete die Luke, die direkt über mir im Hardtop des Fahrstandes war, und die ich immer als mein Turmluk bezeichnete. Wenn ich aufstand, ragte mein Oberkörper beim Fahren bis zur Brust aus der Luke, und konnte so gut hören, wenn sich Motorgeräusche nähern würden.

Ich griff zum Hupenknopf und betätigte ihn. Ein sattes „Tuuuuuuuut“ klang durch den Nebel, und ich war froh, dass ich ein anständiges Nebelhorn auf dem Boot hatte und nicht so eine Micky-Maus-Tröte.

„Tuuuuuuuut!“ kam es von der PINGO und „Tuuuuuuuut!“ von Steuerbord. Oha! Da hielt einer genau auf uns zu!

„Tuuuuuuuut!“ machten DODI und PINGO und „Tuuuuuuuut!“ machte der Unsichtbare draußen im Nebel. Dann krachte es blechern, als ob ein Druckkammer-Lautsprecher eingeschaltet würde und eine vertraute Stimme brüllte durch das wabernde Grau:

»Verdammt! Welche Beutelratten kreuzen vor meinem Bug herum? Beiseite, Pöbel, oder ich lasse euch über die Planke laufen, beim Säbel meines Urahnen!«

»Halt die Klappe Kalli!« schrie ich zurück, denn diesen Sprücheklopfer kannte ich. »Und nimm Fahrt weg, du müsstest uns gleich rammen!«

Tatsächlich schälte sich aus dem Dunst die Silhouette von Kallis Piratendampfer. Der Seeräubernachfahre, im heutigen Leben Koch von Beruf, bremste seine LUIGI mit aufheulender Maschine und auch Heinz und ich stoppten auf.

»Määänsch! Bin ich froh euch zu treffen! Sagt mal, wisst ihr zufällig wo wir sind? Ich daddel hier schon seit einer halben Stunde im Kreis herum, weil ich nicht weiß, für welche Richtung ich mich entscheiden soll!« rief er uns zu und an seinem strahlenden Gesicht konnte man erkennen, wie erleichtert er war. Ich wusste nicht viel über Kallis seemännische Fähigkeiten, nicht einmal, ob er mit so etwas überhaupt aufwarten konnte, aber so wie die Sache stand, schien sich der Koch, dessen Ururururahn wirklich und wahrhaftig der berühmte Pirat und Seeräuber-Kapitän Flint gewesen war, mit seinen Töpfen und Pfannen offensichtlich besser auszukennen, als mit Kompass und Seekarte.

»Kein Problem, Kalli! Wir sind auf dem Weg nach Laboe, und eigentlich schon fast da. Da, wo du gerade herkommst, liegt Strande und ich würde vorschlagen, dass du dich an unser Heck hängst und uns ganz unauffällig folgst!« lachte ich und sah, wie der Mann mit dem immer lachenden Mondgesicht salutierte.

»Hoffentlich fackelt er nicht auch noch die Stege in Laboe ab!« unkte mein Navigator und ich brachte DODI wieder in Fahrt. Mit traumwandlerischer Sicherheit fanden wir die grüne Steuerbord-Tonne des Fahrwasser mit der Aufschrift „3“ und prompt kam die neue Kursangabe von meinem Eheweib.

»195°, da steht die Tonne 5! Dann sind wir eigentlich auch schon querab von Laboe, und müssen nur noch über die Förde!«

„Nur noch“ war gut! Das würde in der Tat der wirklich gefährlichste Teil des Unternehmens sein. Schräg die Förde zu queren, wenn man selber nichts sah, und wohl auch kaum die Chance bestand, von den anderen gesehen zu werden. Natürlich hätte man eine Radarberatung erbitten können, aber wo fand ich bitte schön auf die Schnelle den Arbeitskanal von Kiel-Radar? Ich beschloss, mir eine Liste mit allen wirklichen notwendigen Arbeitskanälen zu machen, die ich griffbereit in der Nähe des Ruders deponieren würde.

»Okay, nimm den Kurs von der 5 direkt auf den Fähranleger!« ordnete ich an und vertraute darauf, dass die 144°, die sie mir nannte, genau so stimmen würden, wie alle anderen Angaben bisher. Der Nebel war noch dichter geworden, und die Tonne 5 erschien geisterhaft direkt vor unserem Bug. Ich ließ die anderen Schiffe aufschließen und rief deren Skippern zu, dass wir am Besten in einer Linie nebeneinander die Förde queren sollten. So boten wir den Schiffen in der Fahrrinne das kleinste Ziel, wurden aber aufgrund der Masse von drei Booten mit Sicherheit vom Radar der Berufsschifffahrt gesehen. Dann ging ich mit DODI auf neuen Kurs und Kalli und Heinz schwenkten dicht neben uns ein. Gleichzeitig gaben wir immer wieder Signal, und das „Tuuuuuuuut!“ war satt und durchdringend. Als wir keine Antwort bekamen gab ich Gas und laut hupend preschten wir schneller durch den Nebel, als gut sein konnte. Angst verleiht Flügel, sagt man und so flogen wir dem anderen Ufer der Kieler Förde entgegen.

»Hier müsste es doch gleich kommen! Verflixt, hoffentlich rammen wir den Anleger nicht in Grund und Boden!«


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